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Präsident Bukele verkündet „riesige Überraschung“ für 2022

Am von Bukele Vorhersagen

Am gestrigen Sonntag teilte der salvadorianische Präsident, Nayib Bukele, beim Kurznachrichtendienst Twitter eine Liste mit seinen Vorhersagen für das neue Jahr in Bezug auf Bitcoin. Im Zuge dieser Prophezeiungen, erklärte der „CEO von El Salvador“, wie er sich selbst bezeichnet, dass es bei der Bitcoin2022-Konferenz in Miami eine „riesige Überraschung“ geben wird. Weiß er etwa bereits mehr oder hat gar selbst entsprechende Pläne? Bei der letztjährigen Bitcoin2021 war er schließlich selbst für die größte Überraschung verantwortlich, als er erstmalig der Welt verkündete, dass das von ihm regierte Land Bitcoin zum gesetzlichen Zahlungsmittel machen wird.

Aber auch seine anderen Vorhersagen sind fast alle gleichermaßen interessant und diskutabel.

Inhaltsverzeichnis

2022 Vorhersagen zu #Bitcoin:

• Wird 100.000$ erreichen

• 2 weitere Länder werden es als gesetzliches Zahlungsmittel übernehmen

• Wird dieses Jahr ein wichtiges Wahlthema bei den US-Wahlen werden

• Baubeginn der Bitcoin City

• Vulkananleihen werden überzeichnet

• Riesige Überraschung bei @TheBitcoinConf

„Bitcoin wird 100.000$ erreichen“

Preisvorhersagen sind bei einem Asset wie Bitcoin immer schwierig, da der Preis kurzfristig stark von externen Effekten beeinflussbar ist. Während sich bereits im Jahr 2021 (fast) alle Vorhersagen einig waren, dass der Preis pro Bitcoin die Grenze von 100.000 US-Dollar im Laufe des Jahres überschreiten wird, fehlten schlussendlich knapp 50% weiteres Kurswachstum. Viele geben unter anderem den durch Tesla beziehungsweise Elon Musk initiierten „Energy-FUD“ dafür die Schuld.

Ausgehend von den aktuellen Kursen um 47.000 US-Dollar müsste der Preis um mehr als 110 % steigen, um dieses hochgesteckte Ziel zu erreichen. Dass dies grundsätzlich möglich ist, dürfte aber wohl kaum jemand bezweifeln, immerhin stieg der Preis auch im letzten Jahr von etwa 29.000 US-Dollar um über 100% auf sein bisheriges Allzeithoch von knapp 69.000 US-Dollar.

„Zwei weitere Länder machen BTC zum Zahlungsmittel“

Paraguay, Tonga, Brasilien, Argentinien, Venezuela oder doch ein afrikanisches Land? Die Liste der Kandidatenländer, die es El Salvador in naher Zukunft gleichtun und Bitcoin zu einem gesetzlichen Zahlungsmittel machen könnten, wird immer länger. Tatsächlich könnte es auch gerade in kleinen Ländern (wie z.B. dem Inselstaat Tonga) relativ schnell gehen, ein derartiges Gesetz umzusetzen. Dass deutlich größere Länder, die noch dazu über eine eigene Währung verfügen, bereits im nächsten Jahr so weit sind, diesen Schritt zu gehen, ist hingegen relativ unwahrscheinlich.

Überdies hing bei der Umsetzung der „Ley Bitcoin“ in El Salvador auch viel am Präsidenten selbst und seiner Macht, seinen Willen im Land relativ unkompliziert durchsetzen zu können. Während es natürlich weltweit auch viele andere Staaten gibt, die von autoritären Herrschern regiert werden, die ein derartiges Gesetz gewissermaßen im Alleingang durchboxen könnten, sind diese meist nicht so jung und technikaffin (und eventuell größenwahnsinnig?), wie Nayib Bukele.

Ob also tatsächlich zwei weitere Länder Bitcoin dieses Jahr zu einem gesetzlichen Zahlungsmittel machen werden, ist definitiv diskutabel, aber auch hier im Bereich des Möglichen.

Paraguay Bitcoin
Tonga Bitcoin

„BTC wird ein wichtiges Thema bei den US-Wahlen“

Am 08. November 2022 findet die Wahl zum Senat der Vereinigten Staaten von Amerika statt. Laut der Einschätzung von Präsident Bukele, werden einige der Kandidaten Bitcoin im Zuge dessen zu einem wichtigen Wahlkampfthema machen.

Es ist unbestreitbar, dass sich das Thema Bitcoin in den letzten Monaten auch auf die Wirtschaft und (allen voran die US-) Politik ausgeweitet hat. Angesichts dessen gab es vor wenigen Wochen bereits Anhörungen im US-Kongress (siehe Video), bei denen mit Experten aus der Kryptoindustrie darüber diskutiert wurde, wie die Gesetzgeber an die Regulierung von Bitcoin und Co. herangehen sollten.

Einige Senatorinnen und Senatoren taten sich darüber hinaus in der Vergangenheit ebenfalls als Bitcoin-Befürworter hervor und demonstrierten, dass sie bereits ein relativ tiefgehendes Verständnis für die Sache entwickelten.

Die bekannteste Bitcoin-Vertreterin im Senat ist mit Sicherheit Cynthia Lummis, die Senatorin des US-Bundesstaates Wyoming. Sie ist bekennende Bitcoinerin, hatte bereits bei der Konferenz in Miami einen Auftritt, äußert sich in TV-Interviews regelmäßig positiv zu Bitcoin und forderte Mining Unternehmen in der Vergangenheit sogar proaktiv dazu auf, nach Wyoming zu kommen, um dort ihr Business zu betreiben.

Lummis Tweet

„P.S. – Wenn ihr aus der #Bitcoin-Mining Branche kommt, bitte kontaktiert uns. Wir WOLLEN euch bei uns in Wyoming.“

Cynthia Lummis

Aber auch andere Senatoren machten durch ihr Engagement für Bitcoin positiv auf sich aufmerksam. Die beiden Demokraten Mark Warner und Kyrsten Sinema sowie die beiden Republikaner Pat Toomey und Rob Portman, setzten sich im Zuge des neuen Infrastrukturpakets der USA stark dafür ein, dass die Gesetzestexte derart angepasst werden, dass sie in der Realität auch tatsächlich umsetzbar und deutlich branchenfreundlicher sind. Leider treten weder Toomey noch Portman nochmals für den Senat an. Beide verkündeten bereits vor einiger Zeit, sich nach Ende ihrer Amtszeit anderen Dingen widmen zu wollen.

Gleichwohl könnten Bitcoin und der Kryptomarkt tatsächlich von einigen Kandidaten als Wahlkampfthema herangezogen werden. Allerdings sowohl positiv als auch negativ. Es wird in den Reihen beider großen Parteien nämlich sicherlich sowohl Befürworter als auch starke Skeptiker geben. Mining-Verbote, KYC, Terrorismusbekämpfung, Geldwäsche und Co. lassen sich nämlich ebenfalls toll für den Wahlkampf missbrauchen.

Wir können nur hoffen, dass, FALLS es tatsächlich dazu kommt, dass Bitcoin und Co. im Zuge der Wahlen diskutiert werden, die Seite der Befürworter stark genug ist, um der Skepsis entgegenzuwirken.

„Baubeginn der Bitcoin-City“

Ende November 2021 kündigte Nayib Bukele den Bau einer Bitcoin-Stadt an. Zum Ende der „Bitcoin Week“, während der zwei themenspezifische Konferenzen in El Salvador abgehalten wurden, stellte der Präsident das Konzept einer Stadt am Fuße des Conchagua Vulkans vor, die aus Bitcoin-Anleihen finanziert werden und nahezu ohne Steuerabgaben funktionieren soll.

Nayib Bukele bei der Vorstellung der „Bitcoin City“

Große Teile des Publikums waren doch sehr erstaunt über diese Ankündigung und wussten zunächst nicht so recht, was man davon halten soll. Allen voran die Frage: „Ist so ein Projekt überhaupt umsetzbar?“, beschäftigte viele Leute und war an diesem Abend wohl das am heißesten diskutierte Thema.

Es wurden quasi keinerlei Details von Bukele preisgegeben und die Konzeptbilder wirkten wie aus der Bewerbungsmappe eines Architektur-Studierenden. Tatsächlich stellte sich mittlerweile sogar heraus, dass die Bilder anscheinend einfach aus dem Internet heruntergeladen wurden und die Bitcoin-City-Idee eigentlich vielmehr eine Adaption eines Städteentwurfs der Agentur „FR-EE“ aus dem Jahr 2012 ist. Ob die salvadorianische Regierung mit Fernando Romero, dem Architekten des Entwurfs (und Schwiegersohn des mexikanischen Milliardärs Carlos Slim) in Kontakt steht, ist bisher nicht bekannt. Laut eines Berichts auf einem Design-Blog äußerte sich Romero aber immerhin positiv zum Projekt:

„Bitcoin City ist eine Stadt, die die Zukunft eines Landes definieren wird. Sie repräsentiert die führende Rolle El Salvadors im Bereich der Stadtplanung mit einer zukunftsorientierten Vision.“

Fernando Romero, Architekt

Die Meinungen dazu, ob die Umsetzung des Vorhabens genial oder größenwahnsinnig ist, gehen noch immer stark auseinander. Dass der Präsident aber tatsächlich bereits in diesem Jahr mit dem Bau der Stadt beginnen möchte, kommt überraschend. Es wird wahrscheinlich stark davon abhängen, wie sich die für die Finanzierung vorgesehenen „Bitcoin-Bonds“ beziehungsweise „Vulkananleihen“ verkaufen.

„Vulkananleihen werden überzeichnet“

Von einer Überzeichnung spricht man im Börsenjargon dann, wenn bei der Emission von Anleihen die Nachfrage nach den emittierten Wertpapieren größer als das Angebot ist. Präsident Bukele geht also davon aus, dass die geplante Milliarde US-Dollar für den EBB1 (El Salvador Bitcoin Bond 1) auf jeden Fall zusammen kommt und die erste Charge ausverkauft sein wird. Die Hälfte des Geldes soll für den Bau der Bitcoin-City herangezogen werden und mit den anderen 500.000.000 US-Dollar werden BTC gekauft.

Die Anleihen versprechen eine feste Rendite von 6,5% und nach 5 Jahren darüber hinaus eine Dividendenzahlung aus den bis dahin generierten Kursgewinnen der Bitcoin-Bestände ausgeschüttet. Grundsätzlich klingt ein Investment also relativ interessant und lukrativ. Führt man sich jedoch vor Augen, dass die „normalen“ salvadorianischen Staatsanleihen ca. 12% Rendite versprechen, wäre ein Investment in diese + dem Kauf von physischen Bitcoins eventuell sogar die bessere Alternative.

Da es natürlich einige Fonds und Versicherungen gibt, die keine physischen Bitcoins kaufen dürfen, ist dies sicherlich nicht für jede Institution eine Option. Der EBB1 könnte also tatsächlich relativ schnell ausverkauft sein, ob die weiteren Bonds dies dann jedoch auch sein werden, daran kann man durchaus zweifeln. 500.000.000 US-Dollar sind jedenfalls definitiv nicht genügend Geld, um das Mega-Projekt „Bitcoin-City“ umzusetzen.

„Riesige Überraschung bei der Bitcoin2022“

Wie bereits eingangs erwähnt, ist unklar, ob Nayib Bukele mit dieser Aussage darauf anspielte, dass er selbst eine Überraschung preisgeben wird, oder ob er davon ausgeht, dass es grundsätzlich eine Überraschung geben wird. Da er dafür bekannt ist, sich selbst gerne ins Rampenlicht zu stellen und zu inszenieren, ist von ersterem auszugehen.

Allerdings dürften angesichts der Tatsache, dass in seinem Land in Sachen Aufklärung und Schaffung von Infrastruktur für Bitcoin noch viel getan werden muss, viele Leute eine „realistische Überraschung“ gegenüber einer (zu) „riesigen Überraschung“ deutlich bevorzugen. Ankündigungen und schnelle respektive unüberlegte Umsetzungen bringen die Sache nicht wirklich weiter. Die geschaffene Basis nutzen und darauf aufbauen. Das ist das, was Bitcoin und die Menschen in El Salvador jetzt wirklich benötigen.