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Wirtschaftsnobelpreis für exzessives Gelddrucken verliehen?

Am von Bernanke, Dyvbig, Diamond

Der diesjährige Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften geht an drei amerikanische Ökonomen für ihre Forschung über Banken und Finanzkrisen. Darunter ist Ben Bernanke, Präsident der US-Zentralbank (Fed) während der Weltfinanzkrise im Jahr 2008. Unter Bernanke kaufte die Fed erstmals aggressiv mit neu gedrucktem Geld Wertpapiere, um die Wirtschaft bei bereits niedrigen Zinsen weiter stimulieren zu können. Dies wird als “quantitative easing“ (QE) bezeichnet. Zudem wurden systemrelevante Banken gerettet. Die anderen beiden US-amerikanischen Ökonomen, Douglas Diamond und Philip Dybvig, sind bekannt für ihre Forschungen, die zeigten, wie wichtig es ist, einen Zusammenbruch von Banken zu verhindern.

Der „Wirtschaftsnobelpreis“, wie er oft im Volksmund bezeichnet wird, wird nicht, wie die anderen Nobelpreise, von der Stiftung des schwedischen Erfinders Alfred Nobel finanziert, sondern von der Schwedischen Nationalbank. Das Preisgeld ist dennoch dasselbe, und zwar zehn Millionen schwedische Kronen (rund 900.000 Euro).

Auszeichnung für den die Forschungen zu Bankenkrisen

Die Begründung des Gremiums lautet, dass die Ökonomen das Verständnis der Rolle der Banken während Finanzkrisen verbessert haben. Dabei geht es auch zentral darum, die Gefährlichkeit eines Bankruns erkannt zu haben, also der Situation, wenn alle Kunden auf einmal aus Panik an ihr Geld wollen. Das Geld der Kunden ist in aller Regel nämlich gar nicht vorhanden, sondern wird von den Banken für Renditeerwirtschaftung eingesetzt. Demnach würden die meisten Banken wohl niemals einen Bankrun überstehen können.

Im Endeffekt heißt das, dass die Ökonomen gezeigt haben, dass man große Banken in Schieflage retten muss, um Schlimmeres zu verhindern.

Dies zu tun, wird aber auch häufig von Bitcoinern kritisiert. Einerseits, weil es systemrelevanten Banken zeigt, dass sie im Notfall nicht das Risiko eigener Fehlentscheidungen tragen müssen. Dadurch werden Banken incentiviert, mehr Risiken einzugehen. Andererseits bezieht sich die Kritik darauf, dass diese Bankenrettungen mit Steuergeldern oder indirekt mit neu gedrucktem Geld finanziert werden, also auf Kosten der arbeitenden und/oder sparenden Bevölkerung.

Zudem wurde als Reaktion auf die dem Bankensektor entsprungene Weltfinanzkrise erstmals exzessiv Geld gedruckt, also QE betrieben. Die US-Zentralbank (Fed) kaufte damals zum ersten Mal in großen Mengen Wertpapiere. Darunter Staats- und Unternehmensanleihen, aber auch Immobilienkredite (hypothekenbesicherte Wertpapiere). Andere relevante Zentralbanken, wie die Europäische Zentralbank (EZB), taten es der Fed gleich. Da die Wertpapiere von Zentralbanken mit extra dafür (digital) gedrucktem Geld gekauft werden, stieg infolgedessen auch die Geldmenge stark an.

Links: Bilanz der Fed (in Mio. $) Rechts: Geldmenge M2 (in Mrd. $) – Quelle: Trading Economics

Die Geldmenge stieg während der Amtszeit von Bern Bernanke (2006-2014) um weit mehr als 50 % an. Von unter 7 Billionen auf mehr als 11 Billionen US-Dollar. Normalerweise würde aber ohne eine stimulierende Zentralbank in einem Kreditgeldsystem die Geldmenge in einer Finanzkrise eher rückläufig sein. Das liegt daran, dass Geschäftsbanken auch neues Geld erschaffen, wenn sie Kredite vergeben. Diese Kredite können in einer Krise aber oft nicht mehr getilgt werden und somit wird zuvor geschaffenes Geld zerstört. Zudem sind die Wirtschaftsakteure in einer Krise weniger risikobereit und nehmen infolgedessen weniger Kredite auf. Dem hat eine interventionistische Zentralbank aber mit künstlich niedrigen Zinsen und einer Verfünffachung der Bilanz entgegengewirkt.

Ist die Auszeichnung gerechtfertigt?

Was passiert wäre, wenn nicht in dieser Form in den Markt eingegriffen worden wäre, ist schwer zu sagen. Vertreter der Österreichischen Schule würden behaupten, dass in so einer Krise alle Fehlinvestitionen aus dem Markt gespült werden sollten, um danach wieder auf einem gesunden Fundament aufbauen zu können. Vor allem würden sie aber dafür argumentieren, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Das billige Geld, also die künstlich niedrigen Zinsen in der Boom-Phase zuvor, ist laut den Österreichern der Auslöser der Konjunkturzyklen.

Trotz der Opportunitätskosten, muss man aber sagen, dass die Interventionen, vor allem für Außenstehende, recht reibungslos vonstattengegangen sind und kurzfristig eine höhere Arbeitslosigkeit, Pleiten und vermutete Liquidierungen verhindert wurden. Und auch wenn man die Art und Weise der ökonomischen Forschung des Ex-Notenbank-Chefs nicht sehr schätzt, muss man ihm zugutehalten, dass er viele wissenschaftliche Paper und Bücher publizierte sowie auch lange als Wirtschaftsprofessor arbeitete. Der jetzige Notenbankchef, Jerome Powell, ist hingegen Jurist, was zahlreiche Kritiker schon länger an seiner Eignung für diesen Posten zweifeln lässt.

Vor den Arbeiten der Ökonomen sah man Bankenpleiten als Konsequenz einer Wirtschaftskrise. Heute sieht man sie als potenziellen Auslöser. Diese Erkenntnis ist im heutigen Finanzsystem fraglos hilfreich. Dennoch war die Fed unter Bernanke nicht in der Lage, die Rezession vorherzusehen.

Bernanke: Die Fed prognostiziert keine Rezession (Januar 2008) – Quelle: Reuters

Kritik am Wirtschaftsnobelpreis

Dass die Auszeichnungen von einer Zentralbank gestiftet werden, lässt vermuten, dass die Entscheidungsfindung nicht ganz unvoreingenommen ist. Dennoch ist, wie bei den anderen richtigen Nobelpreisen, die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften für die Auswahl verantwortlich. Trotzdem haben quasi Gelddrucker einem Gelddrucker einen Preis mit gedrucktem Geld für das Gelddrucken verliehen. Wenn man nämlich feststellt, dass systemrelevante Banken gerettet werden müssen, dann ist Geld zu drucken, die logische Konsequenz. Das zeigen uns auch die letzten 14 Jahre.

Wenn man den Preis kritisiert, dann darf man jedoch nicht die Standpunkte von Friedrich August von Hayek und Milton Friedmann damit verteidigen, dass diese Wirtschaftsnobelpreisträger sind.

Hayek ist ein Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie und gewann den Wirtschaftsnobelpreis im Jahr 1974. Den Preis gewann er auch wegen seiner Arbeit zur Austrian Business Cycle Theory, die letztlich zu dem Schluss kommt, dass mehr Geldgedrucke und niedrigere Zinsen als Reaktion auf durch Kreditexpansion verursachte Krisen nur alles noch schlimmer macht. Mehr dazu in unserem Artikel über Boom-and-Bust-Zyklen.

„Geld wurde schlechter mit der Zeit. Seitdem haben wir Interventionen durch Regierungen, die meistens falsch sind und einen Missbrauch des Geldes darstellen. Ich bin an dem Punkt angelangt, an dem ich mich frage, ob Geldpolitik jemals etwas verbessert hat. Ich glaube nicht, dass sie das hat. Ich denke, sie richtet nur Schaden an und deshalb plädiere ich für die Entnationalisierung von Geld.“

Friedrich August von Hayek

Als Hayek den Preis gewann, kritisierte er auch den Preis selbst. Er sprach sich gegen die Schaffung des Preises aus und äußerte die Befürchtung, dass der Preis Ökonomen eine Autorität verleihe, die kein Mensch besitzen sollte. Nichtsdestotrotz ist am Beispiel Hayeks erkennbar, dass nicht immer nur Mainstream-Ökonomen den Preis verliehen bekommen haben.

Zwei Jahre danach gewann Milton Friedmann den Wirtschaftsnobelpreis auch für seine Theorie des Geldes. Friedmann wird heute oft von Bitcoinern zitiert, weil er der prominenteste Vertreter der Ansicht war, dass eine Ausweitung der Geldmenge zu höheren Konsumgüterpreisen führt.

„Inflation ist immer und überall ein monetäres Phänomen, in dem Sinne, dass sie nur durch eine schnellere Zunahme der Geldmenge als der Produktion erzeugt wird und erzeugt werden kann.“

Milton Friedman

Fazit

Dass in der aktuellen Situation (z.B. Schieflage der Credit Suisse) für die Grundlage von kontroversen Interventionen ein solcher Preis verliehen wurde, könnte man als Anzeichen dafür sehen, was uns noch erwartet.

Bitcoin ist als Reaktion auf die Interventionen in der Weltfinanzkrise entstanden. Im ersten Bitcoin-Block hat Satoshi Nakamoto die Nachricht der zweiten Bankenrettung verewigt. Mit Bitcoin als Geld sind diese Interventionen nicht mehr möglich und auch gibt es unter einem Bitcoin-Standard nicht die Gefahr von Bankruns, weil der Sinn von Bitcoin ist, dass jeder seine eigene Bank ist und sein Geld selbst verwalten kann. Zudem können „Bitcoin-Banken“ ihre Reserven viel leichter nachweisen, wie z.B. die bekannte Börse Kraken mit ihrem „Proof-of-Reserves“ beweist.

Nicht selten behaupten Bitcoin-Befürworter, dass Satoshi Nakamoto einen Nobelpreis verdient hat. Oft sogar im Kontext des Friedensnobelpreises. Ob das jemals passieren wird, bleibt abzuwarten. Wovon wir aber ausgehen können ist, dass Satoshi den Preis nicht in Empfang nehmen würde und für immer ein Mysterium bleiben wird.

Die versteckte Nachricht im ersten Bitcoin-Block.

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