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Anhaltende Kontroverse um OCEAN-Pool: Auch CoinJoins werden gefiltert!

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Erneut steht der neu gegründete Mining-Pool „OCEAN“ im Brennpunkt. Nachdem im ersten gefundenen Block bereits einige Transaktionen mit OP_RETURN Feldern bewusst ausgelassen wurden – Blocktrainer.de berichtete – wurde die Einschränkung nun auch auf Inscriptions und damit das Ordinals-Protokoll ausgeweitet. Mitgründer und CTO Luke Dashjr rechtfertigt die Entscheidung des Pools indessen vehement auf der Plattform 𝕏, es würde sich bei sämtlichen Transaktionen mit arbiträren, also nicht direkt für Transaktionen relevante Daten, um „Spam“ und um die Ausnutzung eines „Bugs“ handeln.

Zunächst übersehen wurde dabei die Tatsache, dass nicht nur belanglose Texte durch die Reduzierung der maximalen Datenmenge aus Block-Kandidaten von OCEAN ausgeschlossen werden, sondern auch andere Anwendungen. CoinJoins der Samourai Whirlpool Implementierung nutzen unter anderem OP_RETURN Felder zur Koordination und sind damit ebenfalls betroffen, obwohl der Anwendungsfall ein gänzlich anderer im Vergleich zu Inscriptions ist. Dass somit CoinJoin-Transaktionen effektiv „zensiert“ werden, stößt bei Verfechtern von Privatsphäre entsprechend auf scharfe Kritik. Ähnliches gilt auch für die sogenannten Benachrichtigungs-Transaktionen im Rahmen von BIP-47.

Lese-Tipp: BIP-47: Wie funktionieren Reusable Payment Codes?

Die Frage, inwiefern die Nutzung von Luke Dashjr’s eigenem Bitcoin-Client „Knots“ überhaupt sinnvoll ist, wurde somit erneut entfacht, weshalb wir nochmals kurz zusammenfassen, worum es überhaupt geht – und wie man die Aussagen von Dashjr einordnen kann.

Wir können bestätigen, dass @ocean_mining seit dem 6. Dezember 2023 eine Richtlinie zur Zensur von Whirlpool CoinJoin-Transaktionen und BIP47-Benachrichtigungstransaktionen umgesetzt hat.

Dies ist eine bedauerliche Maßnahme der Betreiber @jack [Dorsey] und @LukeDashjr und übertrifft bei weitem jede bisher dagewesene feindselige Haltung.

@SamouraiWallet auf 𝕏

Das Positive

Trotz der Kontroverse sollte man die eigentliche Mission des OCEAN-Pools nicht aus den Augen verlieren. Als erster echter non-custodial Anbieter möchte OCEAN eine Alternative gegenüber den etablierten Mining-Pools schaffen, was nach kleineren Startschwierigkeiten nun mit dem zweiten gefundenen Block auch geglückt ist – 17 Miner erhielten ihre Auszahlung direkt und ohne Umwege über die Coinbase-Transaktion.

Auch sollen zukünftig Miner ihre eigenen Block-Kandidaten wählen können, also selbst bestimmen, welche Transaktionen in ihren potenziell gültigen Block aufgenommen werden sollen, und welche nicht. Zusätzlich soll dafür ein finanzieller Anreiz geschaffen werden, indem Miner weniger Gebühren an den Pool zahlen müssen, sobald sie ihre Blöcke selbst „bauen“. Wenn es so weit ist, sollte sich diese gesamte Diskussion also größtenteils ohnehin erledigen. Zwar könnte OCEAN bestimmte Block-Kandidaten dennoch ablehnen, was allerdings recht unwahrscheinlich und vor allem widersprüchlich wäre.

Viel Verwirrung

Doch zurück in die Gegenwart. Allen voran sorgt Luke Dashjr auf 𝕏 für viel Verwirrung, insbesondere bei Anfängern, die sich technisch noch nicht so gut mit Bitcoin auskennen. Seinen Aussagen zufolge liege der Fehler bei Samourai selbst und Bitcoin Core hätte eine Schwachstelle, die er dankenswerterweise mit Bitcoin Knots behoben hätte. All das wird damit abgerundet, er würde nur Satoshi Nakamotos ursprüngliche Vision einhalten, genauer gesagt die des damaligen Bitcoin-Clients.

„Inscriptions“ nutzen eine Schwachstelle in Bitcoin Core aus, um die Blockchain mit Spam zu überfluten. Bitcoin Core erlaubt es Benutzern seit 2013, eine Grenze für die Größe zusätzlicher Daten in Transaktionen festzulegen, die sie weiterleiten oder minen […] Indem sie ihre Daten als Programmcode verschleiern, umgehen Inscriptions diese Begrenzung.

[…]

Bitcoin Core ist in der bevorstehenden Version v26 immer noch anfällig. Ich kann nur hoffen, dass dies endlich vor der Veröffentlichung von v27 im nächsten Jahr behoben wird.

@LukeDashjr auf 𝕏

Natürlich steht es Luke Dashjr und jedem anderen Bitcoin-Nutzer frei, eigene Standardwerte für Transaktionen festzulegen und gleichermaßen ist es vollkommen legitim, diese Regeln auch auf einen Mining-Pool anzuwenden. Es handelt sich hier schließlich nicht um kritische Regeln, die über die Gültigkeit eines Blocks entscheiden, sondern lediglich um Richtlinien für den jeweils eigenen Mempool. Jeder Miner kann frei entscheiden, ob er oder sie mit den Regeln des OCEAN-Pools einverstanden ist, und sich entsprechend für oder gegen den Beitritt entscheiden.

Zu kritisieren ist vielmehr die Kommunikation mit irreführenden bis schlichtweg falschen Aussagen. Fakt ist, dass in Bitcoin Core seit Jahren ein Standardwert von 80 Byte für OP_RETURN Felder festgelegt ist und von so gut wie jeder Bitcoin Node angewendet wird. Nur weil der Knots-Client, der mehr ein Nischen-Projekt als eine relevante Alternative zu Core darstellt, einen anderen Wert nutzt, ist es noch lange nicht „der Standard“, an den sich alle halten sollten oder gar müssen. Zu behaupten, der Fehler liege bei den Entwicklern von Samourai, ist also ziemlich absurd. Auch ist nicht wirklich entscheidend, inwiefern der originale Bitcoin-Client von Satoshi mit arbiträren Daten umgegangen ist. Natürlich kann man dies in die eigene Meinung einfließen lassen, aber man wird nicht tausende Nutzer auf der ganzen Welt nur deswegen überzeugen können.

Die eigene Meinung stellt Luke Dashjr also fast schon als unumstrittenen Fakt dar, und untermauert diese mit irreführenden Begriffen wie „Schwachstellen“ und „Bugs“. Bezüglich Samourai und dem Filtern von CoinJoin-Transaktionen räumt er ein, dass keine Zensur beabsichtigt war, schiebt die Verantwortung aber von sich weg. Auf den Aufruf zur Zusammenarbeit scheint der Samourai Account aufgrund einer Blockierung aber nur schwer eingehen zu können.

Ziemlich Zwecklos

Das Bitcoin-Netzwerk hat genau einen einzigen Mechanismus gegen „Spam“ durch Transaktionen: Einen freien Gebührenmarkt. An dieser Stelle kann man die Diskussion eigentlich auch schon beenden, denn egal wie sinnlos man eine Transaktion finden mag, es hat jemand eine ausreichend hohe Gebühr bezahlt. Sofern sich nicht nahezu alle Bitcoin-Miner gegen die Bestätigung einer bestimmten Transaktion entscheiden, wird diese, wenn auch verzögert, früher oder später bestätigt werden. Der „Spam“ landet also so oder so auf der Bitcoin-Blockchain und nachhaltig „zensiert“ werden kann eine Transaktion nicht.

Doch angenommen, man würde das gesamte Netzwerk davon überzeugen können, große OP_RETURN Felder und Inscriptions zu zensieren, also so wie Luke Dashjr es wohl gerne hätte, schneidet man sich schlussendlich nur ins eigene Fleisch. Grundsätzlich ist es unmöglich, die Aufnahme von arbiträren Daten in der Bitcoin-Blockchain zu verhindern. Verbietet man Nutzern, dies über mehr oder weniger effiziente Wege zu tun, wählen die Nutzer einfach alternative Wege, wie es unter anderem auch schon mit dem extrem ineffizienten STAMPS-Protokoll der Fall war. Hier wurden Nutzdaten, getarnt als öffentliche Schlüssel, in Multisignatur Outputs eingelagert. In diesem Fall sorgt man sogar für einen höheren Überhang an Daten und muss sämtliche Informationen sogar noch auf ewig in Bereitschaft halten. Kurzum: Es ist ziemlich zwecklos, Nutzer davon abhalten zu wollen, ihre Affenbilder, BRC-20 Token oder für einen CoinJoin relevante Informationen in der Bitcoin-Blockchain zu verewigen.

Nur weil die Filtermaßnahmen des OCEAN-Pools argumentativ nicht wirklich sinnvoll sind, können diese natürlich trotzdem umgesetzt werden – so funktioniert Bitcoin nun mal. Genauso muss man sich als Betreiber von solchen Filtermaßnahmen auf scharfe Kritik und Aufmerksamkeit einstellen. Schlussendlich greift der bereits erwähnte Mechanismus des Gebührenmarktes. Aktuell hat OCEAN eine vernachlässigbar geringe Hashrate und kann somit auch nicht wirklich in die Bestätigung von CoinJoins, Inscriptions & Co. eingreifen. Entsprechend sind auch die entgangenen Transaktionsgebühren aktuell noch sehr gering – doch das kann sich natürlich ändern.

Es wäre wirklich schade, wenn die lobenswerten und wichtigen Ansätze von OCEAN auch weiterhin in völlig vermeidbaren Kontroversen über Zensurversuche untergehen, nur weil gewisse Entwickler ihre individuelle Meinung über die anderer stellen wollen. Im Grunde zeigt OCEAN dabei selbst sehr anschaulich, warum es so wichtig ist, dass Miner zukünftig ihre eigenen Block-Kandidaten bauen, um sich von zentralen Entscheidungsträgern unabhängiger zu machen.

Lese-Tipp: Stratum V2: Wie Bitcoin-Mining effizienter und unabhängiger wird!