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Was wir aus dem vergangenen Bitcoin-Zyklus lernen können

Am von Bulle Bär

Durch den Fall des Bitcoin-Preises zurück auf die Höhe des gleitenden 200-Wochen-Durchschnitts, betrachten viele Expertinnen und Experten einen weiteren vollständigen Bitcoin-Zyklus als beendet. Von nun an beginnt im Hinblick auf das nächste sogenannte Bitcoin-Halving-Event ein neuer Zyklus, in dessen anfänglicher Konsolidierungsphase üblicherweise die Keimzellen für den nächsten Bullenmarkt gesät werden. Aber Vorsicht: Dies bedeutet natürlich nicht, dass der Preis theoretisch nicht auch noch einmal weiter fallen kann. Wir möchten in diesem Beitrag auf den vergangenen Zyklus zurückblicken und erörtern, welche Lehren man aus den letzten zwei Jahren ziehen kann und was erreicht wurde.

Heatmap: gleitender 200-Wochen-Durchschnitt & BTC Preis.
Quelle: lookintobitcoin.com

Nicht jedes Narrativ hält ewig

Eine wichtige Erkenntnis, die man aus dem vergangenen Zyklus und primär aus den vergangenen Tagen ziehen kann, ist die, dass die meisten Narrative im Bitcoin-Space nicht in Stein gemeißelte Fakten sind. Vielmehr sind diese als Überlegungen und teilweise Wunschvorstellungen zu sehen, die sich jedoch früher oder später auch als falsch erweisen können. Besonders seit der im März 2020 gestarteten Bullenphase kamen zahlreiche Narrative auf, die rückblickend nicht das hielten, was sie versprachen. Dies gilt für Thesen, wie beispielsweise der, dass viele institutionelle Anleger kurz vor einem größeren Einstieg stünden oder dem Meme des „Super Cycles“. Nachdem das börsennotierte Softwareunternehmen Microstrategy im Herbst 2020 bekannt gegeben hatte, die eigenen Cash-Reserven im großen Stil in BTC zu konvertieren, sahen dies viele Bitcoin-Enthusiasten als Startschuss für die große institutionelle Adoption und zahlreiche weitere Unternehmen, die in Kürze folgen sollten. Um es anderen institutionellen Anlegern leichter zu machen, hielt Microstrategy gar eine ganze Konferenz ab im Rahmen derer sie das eigene „Playbook“ veröffentlichten, wie man den Schritt des Bitcoin-Investments aus Sicht eines Unternehmens am besten angeht. Aufgrund der Teilnahme zahlreicher großer Unternehmen versprachen sich einige Marktbeobachter viel von dem Event und das Narrativ wurde laut, dass dieser Zyklus nicht mehr von Privatinvestoren, sondern von Institutionen getrieben sei. Spätestens als der US-Automobilkonzern Tesla im Frühjahr 2021 bekannt gab, 1,5 Milliarden US-Dollar in BTC investiert zu haben, galten die Vermutungen als bestätigt. In den sozialen Medien und verschiedenen Podcasts war schnell vom sogenannten „Super Cylce“ die Rede, also dauerhaften Preissteigerungen, ohne größere Abwärtsphasen. „Institutionen kaufen, weil sie Bitcoin verstanden haben und verkaufen deswegen nicht so schnell bei Kursbewegungen“ oder „Wir werden niemals mehr Kurseinbrüche von mehr als 50-60% sehen“ waren nur einige der Aussagen, die in diesem Zusammenhang mehrfach geäußert wurden. Im Nachhinein bleibt jedoch nur die Ernüchterung darüber zurück, dass abgesehen von einigen wenigen Unternehmen, noch kaum institutionelle Investoren die Vorteile des Bitcoin umfassend erkannt und ein größeres Investment getätigt haben. Zwar begannen einige bereits damit, die Fühler auszustrecken und den metaphorischen „kleinen Zeh ins Wasser zu halten“, signifikante Investments bleiben jedoch aus. Der Hauptgrund dafür dürfte die noch immer fehlende Regulatorik sowohl in den USA als auch in Europa sein. Solange es keine fixen Regularien und Gesetze gibt, die institutionellen Anlegern explizit eine Allokation in Bitcoin erlauben und den Rechtsrahmen definieren, tun sich viele Unternehmen mit diesem Schritt noch schwer. Der bekannte Starinvestor Kevin O‘ Leary sagte dahin gehend kürzlich folgendes:

„An einem gewissen Punkt innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre wird die US-Regierung Gesetze und Richtlinien für Kryptowährungen schaffen. Und sie werden zuerst Stablecoins, Bitcoin und Ethereum, also die Projekte mit hoher Marktkapitalisierung regulieren. Sobald dies passiert und man einen Staats- oder Pensionsfonds leitet, wird man etwa 1-3% des Anlagevermögens [in Bitcoin und Ethereum] allozieren. Und ich persönlich will bereits in Bitcoin investiert sein, wenn dieser Zeitpunkt kommt.“

Kevin O‘ Leary, Investor

In Anbetracht dieser Aussage könnte das Narrativ der institutionellen Anleger also auch durchaus im kommenden Zyklus wieder aufkeimen. Ob es sich diesmal bewahrheitet, wird jedoch nur die Zeit zeigen können. Im Zusammenhang mit institutionellen Anlegern war in den vergangenen Monaten oft davon die Rede, dass es sich hierbei um „smart money“ also „schlaues Geld“ handeln würde. Dass dem in der Praxis nicht so ist, zeigen die jüngsten Beispiele um „Krypto-Hedgefonds“ wie 3AC, die in nahezu jeden zentralisierten Memecoin und Ponzi-Token investiert waren, was sie nun mit einer Insolvenz bezahlen müssen. Wirklich „schlau“ war daran wohl nichts.

Nachdem im September 2021 der Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel in El Salvador eingeführt wurde, keimten Hoffnungen auf, dass weitere Staaten dem Beispiel folgen könnten. Das Narrativ der „Adoption der Nationalstaaten“ war geboren (wenngleich es auch früher schon scherzhaft verwendet wurde). Von einigen Influenzern, Podcastern und deren Gästen war zu hören, dass „noch in diesem Jahr mindestens Anzahl X neue Staaten hinzukommen werden“ und dies Bitcoin „endlich zur weltweiten Akzeptanz verhelfe“. Tatsächlich kam mit der Zentralafrikanischen Republik noch ein weiteres Land dazu, jedoch in einem sehr undurchsichtigen und eingeschränkten Rahmen. Die Bitcoin-Adoption in einem Land, in welchem es kaum geeignete Infrastruktur gibt und welches zu den korruptesten Nationen weltweit zählt, stieß in großen Teilen der Öffentlichkeit und auch der Community eher auf Skepsis und Kritik, denn auf Anerkennung.

Im Zuge des fallenden Preises sind mittlerweile auch einige „gefestigte“ Narrative zerschlagen worden, unter anderem jenes, dass der Tiefpunkt des folgenden Zyklus immer höher liegt, als das Hoch des vorangegangenen. Mit einem Tiefstand von unterhalb der 18.000 US-Dollar Marke, wurde auch dieses Narrativ als nicht beständig erwiesen. Das damalige Allzeithoch von etwa 20.000 US-Dollar, welches außerdem als „starker Kurswiderstand“ galt, wurde durchbrochen und das Narrativ damit für die Ewigkeit begraben.

Auch das oftmals wiederholte Statement, dass niemand, der Bitcoin länger als 4 Jahre gehalten hat, je im Minus war, ist damit Geschichte. Besonders der Microstrategy-CEO, Michael Saylor, benutzte dieses häufig in verschiedenen Interviews und Vorträgen. Bis vor wenigen Tagen war es tatsächlich so, dass niemand, der zu irgendeinem Zeitpunkt Bitcoin kaufte, mit seinem Investment im Minus war, sofern er seine Coins mindestens vier Jahre lang hielt. Wer allerdings im Dezember 2017 zu Preisen um die 19.000 – 20.000 USD kaufte ist am vergangenen Wochenende, mehr als 4,5 Jahre später, dennoch im Minus gewesen. Auch wenn dies möglicherweise nur von kurzer Dauer war (vorausgesetzt, die Preise fallen nicht noch weiter), ist das Narrativ damit nun dauerhaft gebrochen und kann ad acta gelegt werden. Natürlich wäre eine Anpassung des Zeithorizonts auf 5 oder 6 Jahre denkbar, nur ist die Frage, ob dies tatsächlich sinnhaft wäre.

Langfristige Narrative, wie, dass Bitcoin als guter Wertspeicher eine gute Absicherung gegen Inflation darstellen wird, müssen sich natürlich im Laufe der nächsten Zyklen noch beweisen. Dass Satoshi Nakamotos Erfindung sehr gute Voraussetzungen dafür hat, davon sind wir überzeugt.

Was übrig bleibt

Auch wenn viele Narrative nicht das hielten, was sie versprachen, gibt es einige positive Aspekte des vergangenen Zyklus, die uns, der Bitcoin-Community, und dem Netzwerk erhalten bleiben.

Gewachsene Community

Ein wichtiger Aspekt, den der letzte Bullenmarkt mit sich brachte, war eine große Anzahl an neuen Leuten, die sich mit der Thematik beschäftigten und immer tiefer in den sogenannten Bitcoin-Kaninchenbau gelangten. Auch wenn ein Großteil derjenigen, die nur des Preises wegen in den Markt eintraten, in Anbetracht der fallenden Kurse, das Interesse verloren haben, so gibt es immerhin einen nicht zu vernachlässigenden Teil an Menschen, die sich intensiv mit Bitcoin und dessen Grundlagen und dem Netzwerk-Ethos auseinandersetzten und der Community langfristig erhalten bleiben.

Wenn man bedenkt, dass es noch vor weniger als 3 Jahren deutschlandweit nur vereinzelt Bitcoin-Meetups und derartige Veranstaltungen gab, ist der Fakt, dass es mittlerweile unzählige Stammtische, Treffen und Konferenzen im DACH-Raum gibt, um so beeindruckender.

Die deutsche Community ist nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ und (was besonders wichtig ist ) zusammen gewachsen. Über die letzten Monate hat man viele neue Freundschaften entstehen sehen, Menschen, die sich vor zwei Jahren noch nicht mit Bitcoin beschäftigt haben und heute bereits eigene Unternehmen in diesem Bereich gegründet haben und Menschen, die ihre individuellen Talente nutzen, um sich auf verschiedene Weisen innerhalb der Community zu engagieren.

Die Meetup-Karte des EINUNDZWANZIG Podcasts.

Egal, ob als Künstler, Rapper, durch eigene Podcasts oder Youtube-Kanäle, als Entwickler oder Researcher, Übersetzer oder Herausgeber von Bitcoin-Büchern, in dieser Community ist für jeden etwas dabei. Ganz gleich wie bärisch, die Preisprognosen und das Marktsentiment derzeit wirken – die deutschsprachige Bitcoin Community und was daraus entstanden ist, stimmt uns in jedem Fall bullisch!

Besserer Zugang & Umgang

Ein weiterer Punkt, des vergangenen Zyklus ist der, dass zahlreiche neue Unternehmen und Services entstanden sind, die den Zugang zu und den Umgang mit Bitcoin für die breite Öffentlichkeit immer einfacher gestalten. Mit DCA-Services wie Relai oder Pocket ist das Onboarding von neuen Leuten im Nu geschehen. Dass große Zahlungsgiganten wie PayPal oder CashApp Bitcoin mittlerweile direkt integriert haben, macht es für viele potenzielle Nutzer sogar noch einfacher. Bis dato ist dies zwar nur Bürgerinnen und Bürgern in den USA vorbehalten, eine Expansion nach Europa ist jedoch wahrscheinlich, sobald es die regulatorische Landschaft zulässt.

Auch hinsichtlich der Verwahrung und Verwaltung der eigenen Coins hat sich einiges getan. Sowohl Software- als auch Hardware-Wallets wie z.B. die BitBox02 wurden über die letzten Monate deutlich besser und einfacher in der Nutzung. Man muss sich, um BTC zu halten, mittlerweile nicht mehr zwangsweise auf zentralisierte Anbieter verlassen, selbst wenn man kein Technik-Genie ist.

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Der mit Abstand wichtigste Punkt im Hinblick auf den vereinfachten Zugang zu Bitcoin ist der deutlich umfangreichere und vielfältigere Zugang zu Informationen rund um den Bitcoin. Während es noch vor wenigen Jahren hauptsächlich Infos in englischer Sprache gab und diese auch entweder recht technisch oder aber recht spärlich gesät war, gibt es heute ein schier unendliches Sammelsurium an Blogs, Texten, Guides, Beratungsangeboten, Büchern, Podcasts und YouTube-Channels in dutzenden Sprachen weltweit. Egal, ob man Bitcoin aus der ökonomischen, technischen, philosophischen oder sozialen Perspektive unter die Lupe nehmen möchte, mittlerweile findet man zu jedem Aspekt ausreichende Informationen. Für den kommenden Zyklus ist dies demnach ein enormer Vorteil gegenüber dem letzten.

Bitcoin als Politikum

Natürlich lässt sich darüber streiten, ob Regulierung des Bitcoin-Marktes tatsächlich etwas Positives ist oder nicht. Ausgehend davon, dass für die weitere Adoption jedoch klare Regeln, Vorschriften und Gesetze geschaffen werden müssen, um institutionellen Anlegern die Angst vor einem Kauf zu nehmen, so ist es gut, dass dies mittlerweile in allen wichtigen Industrienationen (USA / EU) auf der Agenda steht. Allen voran in den Vereinigten Staaten von Amerika wurde Bitcoin mittlerweile längst zum Politikum und eine angemessene Regulierung des Kryptomarktes scheint dort tatsächlich eine hohe Priorität zu genießen. Aber auch in der EU gibt es bereits entsprechende Gesetzesentwürfe, die derzeit diskutiert werden.

Sollte es jetzt im Bärenmarkt und der anschließenden Konsolidierungsphase gelingen, die Regulatorik so zu formen, dass sie fair, sachlich und zielführend ist, könnte dies einem möglicherweise weiteren Bullenmarkt einen besonderen Schub geben und das Narrativ der „institutionellen Adoption“ doch noch wahr werden.

Aufmerksamkeit

Auch wenn aus der Bitcoin-Adoption durch El Salvador und dem Investment durch einige wenige Institutionen wie z.B. Tesla noch nicht das entstanden ist, was sich viele erhofften, so brachten derlei Aktionen Bitcoin wieder weltweit in die Presse und sorgten damit für Aufmerksamkeit. Viele Leute müssen erst mehrmals von Bitcoin hören, um sich schlussendlich durchzuringen, sich näher mit der Thematik zu beschäftigen. Je öfter Bitcoin Schlagzeilen macht, desto mehr Menschen hören davon und desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der eine oder die andere beim nächsten Mal den individuellen Triggerpunkt erreicht hat, um sich der Sache zu widmen. Auch dies stimmt uns positiv für den kommenden Zyklus.

Fazit

Sollte das bisher noch beständige Narrativ der „Halving-Zyklen“ weiterhin zutreffen, so kann erwartet werden, dass im Hinblick auf die nächste Halbierung der Blocksubvention früher oder später ein neuer Bullenmarkt eintreten wird. Obwohl sich einige andere Narrative mittlerweile als falsch erwiesen haben, brachte der vergangene Zyklus auch positive Aspekte mit sich, die dem nächsten Aufwärtstrend einen besonderen Zündstoff verleihen. Während der Konsolidierungsphasen gilt es, die Keime entsprechend zu säen, damit der Bitcoin Organismus als Ganzes gestärkt durch den neuen Zyklus gehen kann. Deswegen sollte man währenddessen weniger auf Preisbewegungen, sondern vielmehr auf das achten, was wirklich zählt. Lernen, verstehen und vernetzen!


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