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Die Zentralafrikanische Republik erklärt Bitcoin zum gesetzlichen Zahlungsmittel

Am von Zentralafrikanische Republik

Die Zentralafrikanische Republik hat die Einführung von Bitcoin als offizieller Währung bekannt gegeben. Präsident Faustin- Archange Touadera unterschrieb ein entsprechendes Gesetz, wie sein Stabschef Obed Namsio am Mittwoch mitteilte. Damit ist die Zentralafrikanische Republik nach El Salvador das zweite Land, das Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel einführt.

Die Hinweise verdichteten sich

Blocktrainer.de berichtete bereits über das verabschiedete Gesetz. Allerdings waren die veröffentlichten Informationen anfangs sehr undurchsichtig. So gab es keine offiziellen Dokumente, die von der Regierung der Zentralafrikanischen Republik veröffentlicht wurden. Teilweise wurde sogar vermutet, dass es sich hierbei um Fake-News handeln könnte.

Gestern verdichteten sich dann die Hinweise, dass es sich tatsächlich um ein mögliches Bitcoin-Gesetz bzw. die Einführung als „legal Tender“ handeln könnte. Der Bitcoiner Oliver Koblížek veröffentlichte auf Twitter die offizielle Pressemitteilung seitens der Regierung. Doch auch dieses Dokument konnte nicht vollständig verifiziert werden.

Dann veröffentlichte auch der Präsident der Zentralafrikanische Republik Faustin Archange Touadera die Pressemitteilung auf seinem Twitter Account. Hier bestanden aber ebenfalls Zweifel, ob es sich wirklich um den offiziellen Twitter Account des Präsidenten handelte. Die Bestätigung brachte dann die offizielle Facebook-Seite der Zentralafrikanische Republik. Diese teilte ebenfalls die Pressemitteilung und bestätigte die Echtheit des Twitter-Accounts des Präsidenten.


„Ich freue mich über die Aufmerksamkeit, die unser kürzlich von der Nationalversammlung einstimmig verabschiedeter Gesetzesentwurf erhalten hat. Wir haben das Gesetz mit der Hoffnung verabschiedet, dass es eine Chance für die wirtschaftliche und technologische Entwicklung des Landes ist.“

Absichten des Gesetzes

Aus der Pressemitteilung geht hervor, dass mit dem Gesetz die wirtschaftliche Entwicklung des Landes vorangetrieben werden und eine neue Friedensphase entstehen soll. Seit Jahren befindet sich das Land in Zentralafrika in politischen Unruhen.

Mit dieser historischen Entscheidung wurde der Plan für den wirtschaftlichen Wiederaufbau eingeleitet und die Friedenskonsolidierung tritt in eine neue Phase. Die Politik wird konsequent bei der Umsetzung der Agenda sein, für ein starkes und integratives Wachstum zugunsten der Entwicklung der wirtschaftlichen Lage des Landes.“

Regierung der Zentralafrikanischen Republik, Pressemitteilung

Gleichzeitig sieht sich das Land in einer Vorreiterrolle. Die Zentralafrikanische Republik ist die erste afrikanische Nation, die Bitcoin zur Währung erklärt und gleichzeitig die erste Nation, die ein solches Gesetz einstimmig verabschiedet hat. Auch der Präsident Faustin-Archange Touadera zeigte sich zufrieden und bedankte sich für die Unterstützung seitens der Bitcoin Community und versprach seine Mission in seinem Land voranzutreiben. Was er damit genau meinte, ließ er offen. Gleichzeitig hatte er aber Botschaft für seine Unterstützer:

„Mathematik ist die #Sprache des Universums.

#Bitcoin ist universelles Geld.“

@FA_Touadera

Hintergrund

Das Land befindet sich seit neun Jahren immer wieder im Bürgerkrieg und das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner liegt bei 494 US-Dollar. Nur 14% der Bevölkerung haben einen Zugang zur Elektrizität. Auch von dem internationalen Bankensystem ist die Zentralafrikanische Republik vollständig abgeschnitten.

Nur 10% der Bevölkerung besitzen einen Internetzugang und die wenigsten haben ein Smartphone. Auch ist die digitale Zahlungsinfrastruktur innerhalb des Landes aufgrund des Bürgerkrieges praktisch nicht vorhanden. Die Regierung erhofft sich mit diesem Schritt, dass es Kapital aus dem Ausland anziehen und dieses für den Wiederaufbau der Wirtschaft genutzt werden kann. Dabei könnte Bitcoin dann als ein Teil der neuen digitalen Zahlungsinfrastruktur dienen.

Wikipedia listet BTC bereits als Landeswährung

Ein anderer Grund für das Gesetz könnte von geopolitischer Natur sein. Die Zentralafrikanische Republik besitzt keine eigene Währung. Der CFA-Franc BEAC ist eine Gemeinschaftswährung zentralafrikanischer Länder, darunter Äquatorialguinea, Gabun, Kamerun, Republik Kongo, Tschad und der Zentralafrikanischen Republik. Der CFA-Franc BEAC ist mit einem festen Wechselkurs an den Euro gekoppelt. Dies liegt daran, dass die meisten zentralafrikanischen Länder im 19. und 20. Jahrhundert Kolonialstaaten von Frankreich waren.

Aufgrund der hohen Abhängigkeit kam es immer wieder zu Problemen für die zentralafrikanischen Länder. Ein Beispiel: Im Jahr 1994 veranlasste die französische Regierung, dass der CFA-Franc gegenüber dem französischen Franc um 50% abgewertet werden soll. Innerhalb einer Nacht verlor ein Großteil der Bevölkerung die Hälfte ihres Vermögens. Ähnlich wie das Bitcoin-Gesetz die Unabhängigkeit El Salvadors zu dem US-Dollar stärken sollte, kann Bitcoin die Zentralafrikanische Republik unabhängig vom Euro beziehungsweise Frankreich machen und damit die Souveränität des Staates fördern.

Fazit

Das Land in Zentralafrika ist bitterarm und die fehlende Infrastruktur wird der breiten Bitcoin Adoption anfangs im Weg stehen. Der Ansatz der Zentralafrikanischen Republik ist dennoch interessant. Die Regierung hat wenig zu verlieren und setzt auf Bitcoin für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Sollte der Plan funktionieren, könnte die Bevölkerung mithilfe von Bitcoin ein Teil des neuen Finanzsystems werden. Aber auch für die Regierung bietet Bitcoin weitere Vorteile. Denn die Digitalwährung könnte dem Staat eine unabhängige, neutrale und knappe Währung ermöglichen und damit Eigenschaften, die der Euro nicht besitzt. Mit der Zentralafrikanischen Republik experimentieren jetzt bereits zwei Länder welche Vorteile die Digitalwährung für sie haben könnte. Man kann über die weiteren Entwicklungen nur gespannt sein.