Als das US-amerikanische Softwareunternehmen MicroStrategy im August 2020 begann, auf Bitcoin zu setzen, erklärten einige den damaligen CEO Michael Saylor für verrückt. Doch obwohl Bitcoin im Jahr 2022 stark einbrach und MicroStrategy mit den Bitcoin-Käufen auf großen Buchverlusten saß, handelte die Aktie immer noch über dem Niveau von vor der Bitcoin-Strategie. Jetzt, im Angesicht des aktuellen Bullenmarktes ist die Firma knapp 30 Milliarden US-Dollar schwer – fast 30 Mal so viel im August 2020. Diese Erfolgsgeschichte scheint nicht spurlos an anderen Unternehmen vorbeigegangen zu sein, denn MicroStrategy findet jetzt zunehmend Nachmacher.

Die Erfolgsgeschichte von MicroStrategy

Im Jahr 2020 senkte die US-Notenbank in Reaktion auf die Corona-Lockdowns die Zinsen und flutete den Markt mit Liquidität durch Wertpapierkäufe. Michael Saylor, der damalige CEO von MicroStrategy, sah sich einem Problem gegenübergestellt: Sein rund eine Milliarde US-Dollar schweres Unternehmen hatte 500 Millionen US-Dollar in Barmitteln beziehungsweise in Geldmarktfonds. Saylor wusste, dass dieses Geld – auch aufgrund der niedrigen Zinsen – stark an Kaufkraft verlieren würde und sein Unternehmen damit den Aktionären schadet. In Retrospektive bedient sich der Milliardär hier der Metapher eines schmelzenden Eiswürfels.

Wir hatten gerade die schreckliche Erkenntnis, dass wir auf einem 500 Millionen Dollar schweren Eiswürfel sitzen.
Michael Saylor in einem Interview

Da sein Unternehmen weder ordentliches Wachstum aufweisen konnte, noch unternehmerische Investitionsmöglichkeiten sah, entschloss sich Saylor dafür, das Geld zu in ein Asset zu investieren, um so Wert für die Anteileigner erwirtschaften zu können. Er sah sich nach Anlagemöglichkeiten um und seine Firma investierte am 10. August 2020 schließlich die ersten 250 Millionen US-Dollar in Bitcoin. Weitere Käufe – finanziert durch restliche Rücklagen, die Aufnahme von Krediten, die Ausgabe von Wandelanleihen und durch die wiederkehrenden Gewinne des Kerngeschäfts – sollten folgen.

Als MicroStrategy als ersten börsennotiertes Unternehmen diesen mutigen Schritt ging, wurde Saylor belächelt. Jedoch wenig später kauften auf der Zahlungsdienstleister Block und der Autobauer Tesla ebenfalls Bitcoin und das Blatt wendete sich. Zu dem Zeitpunkt rechneten viele damit, dass nach Tesla auch weitere große Unternehmen nachziehen werden. Diese blieben vorerst aus, Tesla verkaufte im Jahr 2022 wieder den Großteil der Bestände und der Bitcoin-Kurs brach im Jahresverlauf deutlich ein.

Im Bitcoin-Bärenmarkt berichteten viele Leitmedien schließlich hämisch über die Bitcoin-Strategie von MicroStrategy. So titelte das Fortune Magazine im August 2022, bei einem Bitcoin-Kurs von etwas mehr als 20.000 US-Dollar, dass Michael Saylors große Bitcoin-Wette ihn ein für alle Male untergehen lassen könnte. In dem Artikel kam auch ein Buchhaltungsexperte und Gründer eines Research-Unternehmens zu Wort, der sich sicher war, dass das alles für Saylor und die Aktionäre nicht gut ausgehen wird.

Er hat das Kapital seiner Anleger massiv fehlverteilt, weil der Markt dieses Verhalten kurzfristig belohnt hat. Das wird sich auf schmerzhafte Weise für ihn und seine Aktionäre rächen.
David Trainer, Buchhaltungsexperte und Gründer des Forschungsunternehmens New Constructs

Zum Tief Bärenmarkts hielt MicroStrategy rund 130.000 Bitcoin, die das Unternehmen zu einem durchschnittlichen Kurs von etwas mehr als 30.000 US-Dollar gekauft hatte. Als der Bitcoin-Kurs im Rahmen des Kollapses der Krypto-Börse FTX auf 15.500 US-Dollar fiel, waren die 4 Milliarden in Bitcoin investierten US-Dollar nur noch 2 Milliarden wert.

Obwohl MicroStrategy mit den Bitcoin-Käufen zeitweise 2 Milliarden US-Dollar auf dem Papier verloren hatte, handelte die Aktie selbst zum schlechtesten Zeitpunkt höher als vor der Bitcoin-Strategie.

Jetzt, wo Bitcoin wieder auf Allzeithochniveau handelt, ist MicroStrategy fast 30 Milliarden US-Dollar wert – also rund 30 Mal so viel wie vor der Bitcoin-Strategie. Mit den verschiedensten Kapitalbeschaffungsinstrumenten konnte das von Michael Saylor gegründete Unternehmen 214.400 BTC einsammeln, was mehr als 1 Prozent aller jemals existierenden Bitcoin ausmacht.

Auch wenn MicroStrategy einen guten Teil der jüngsten Bitcoin-Käufe durch die Ausgabe neuer Aktien beziehungsweise Wandelanleihen finanziert hat, konnte das Unternehmen die Anzahl an Bitcoin je Aktie leicht steigern. Entsprechend gelingt es MicroStrategy durch die Finanzierungsmethoden auch in Bitcoin gemessen Wert für die Aktionäre zu generieren.

MicroStrategy findet Nachahmer

Die Erfolgsgeschichte von MicroStrategy, die ein kleines Unternehmen mit kaum Zukunftsaussichten in die Größenordnung von DAX-Konzernen wie der Deutschen Bank oder Bayer katapultiert hat, dürfte auch andere Aktiengesellschaften dazu gebracht haben, sich mit einer Bitcoin-Strategie auseinanderzusetzen. 

Der Großteil von börsennotierten Unternehmen kämpft nämlich mit den gleichen Problemen wie MicroStrategy vor der Bitcoin-Strategie. Nur wenige Aktiengesellschaften schaffen es tatsächlich hohe Umsatz- und Gewinnwachstumsraten auszuweisen und damit ein attraktives Investment für potenzielle Aktionäre darzustellen. Für die recht hohen Aktienmarktrenditen sorgen in aller Regel nur ein paar wenige High-Flyer-Unternehmen wie Technologiekonzerne.

Jetzt, wo MicroStrategy gezeigt hat, dass die Bitcoin-Strategie selbst trotz eines brutalen Bärenmarktes und teilweise suboptimalen Kaufzeitpunkten das Unternehmen zu jedem Zeitpunkt besser gestellt hat, fangen die ersten Aktiengesellschaften an, das von Michael Saylor gegründete Unternehmen zu kopieren – und das nicht wie Block, Tesla, Reddit oder das mittelamerikanische E-Commerce-Unternehmen Mercado Libre, die im Angesicht der Unternehmensgröße bisher nur vernachlässigbare Bitcoin-Positionen aufgebaut haben.

Nach einem Pennystock, der mit einem angekündigten Bitcoin-Kauf wohl leichtgläubige Investoren anziehen wollten, gibt es seit den vergangenen Wochen auch bereits Unternehmen, die für mehrere Millionen US-Dollar auf Bitcoin setzen und signalisieren, dass dies erst der Anfang ist.

Nilam Resources

Das erste Mal, dass in diesem Jahr ein Unternehmen diesbezüglich aufgefallen ist, war Ende März. Dort verkündete ein winziger peruanischer Edelmetallproduzent namens Nilam Resources für 1,76 Milliarden US-Dollar Bitcoin kaufen zu wollen – Blocktrainer.de berichtete. Das Unternehmen war jedoch nur rund eine Million US-Dollar wert und damit ein waschechter Pennystock, weshalb dieser Bitcoin-Kauf, der mittels der Übernahme einer anderen Firma abgewickelt werden sollte, nach einem betrügerischen Marketing-Stunt aussah. Die Skeptiker sollten Recht behalten.

Der Aktienkurs von Nilam Resources vervielfachte sich in Reaktion auf die Meldung, fiel anschließend aber unter das Niveau von davor, als der ehemalige CEO die Aktion als einen klassischen “Pump and Dump” entlarvte. Die wohl nie ernst gemeinte Idee ist seit Ende April im Übrigen offiziell wieder verworfen worden und resultierte in der Herausgabe eines eigenen Tokens. Nilam Resources ist heute nur noch weit weniger als eine Million US-Dollar wert.

Metaplanet

Ebenfalls skurril, aber dennoch ernstzunehmender war es, als eine japanische Aktiengesellschaft namens Metaplanet Anfang April verkündete, Bitcoin als primäres Reserve-Asset einzuführen – Blocktrainer.de berichtete. Das Unternehmen war zu der Zeit knapp 13 Millionen US-Dollar wert und investierte wenig später initial 6,5 Millionen US-Dollar in Bitcoin. Am 10. Mai gab Metaplanet bekannt, für weitere 1,3 Millionen US-Dollar Bitcoin gekauft zu haben.

Insgesamt hält Metaplanet knapp 118 BTC im Gegenwert von rund 7,4 Millionen US-Dollar. Doch damit nicht genug. Ende Mai autorisierten die Direktoren einen Bitcoin-Kauf für weitere 250 Millionen Yen, also umgerechnet rund 1,6 Millionen US-Dollar. Stand jetzt scheint dieser jedoch noch nicht vollzogen worden zu sein.

Als japanische Aktiengesellschaft betonte Metaplanet, dieser Schritt sei “eine direkte Reaktion auf den anhaltenden wirtschaftlichen Druck in Japan, insbesondere die hohe Staatsverschuldung, die lange Zeit negativen Realzinsen und den folglich schwachen Yen”. Zudem stellte das Unternehmen heraus, potenziell auch kreditfinanziert in das Asset investieren zu wollen sowie ausschließlich auf Bitcoin zu setzen.

Metaplanet ist der Ansicht, dass Bitcoin grundsätzlich allen anderen Formen politischer Währungen, traditionellen Wertaufbewahrungsmitteln und Investitionen sowie allen anderen Krypto-Assets/Wertpapieren überlegen ist. Bitcoin ist ein absolut knapper, digitaler, synthetischer monetärer Rohstoff, der keinen zentralen Emittenten hat. Die Geldpolitik von Bitcoin ist über das Jahr 2140 hinaus festgeschrieben und unterscheidet sich damit sowohl von monetären Metallen als auch von konkurrierenden Krypto-Projekten, die nach den Launen zentralisierter Entwicklerteams betrieben werden. Es wird immer nur 21.000.000 Bitcoin geben.
Aus der Erklärung der Bitcoin-Strategie

Seit der Ankündigung der Bitcoin-Strategie legte die Aktie von Metaplanet ein 4,5 x hin, obwohl der Bitcoin-Kurs heute auf dem gleichen Niveau wie Anfang April handelt.

Metaplanet bekommt Unterstützung von namhaften Personen aus der Bitcoin-Szene. Zum Beispiel ist Dylan LeClair, ein geschätzter Analyst, der Aktiengesellschaft als Direktor der Bitcoin-Strategie beigetreten. Doch einen Blick auf die Vergangenheit des Unternehmens hinterlässt einen faden Beigeschmack.

Als Metaplanet die Bitcoin-Strategie verkündete, stand noch auf der Website, dass das Unternehmen im Hotelgeschäft und im Bereich Web 3 – ein Buzzword für ein Internet basierend auf Kryptowährungen – aktiv ist. Der Website von davor ist zudem zu entnehmen, dass Metaplanet Dienstleistungen rund um das Metaverse und NFTs angeboten hat. 

Außerdem schrieb Metaplanet in den vergangenen Quartalen überwiegend Verluste und die Aktie hat seit dem Jahr 2004 mehr als 99 Prozent an Wert verloren – und das im schwachen japanischen Yen gemessen und trotz der jüngst starken Kursanstiegs. Doch dass Metaplanet sich mittels Bitcoin und kompetenter Unterstützung zu einer Erfolgsgeschichte entwickeln wird, ist nicht auszuschließen.

Die Aktie soll für japanische Investoren ein attraktives Anlagevehikel werden, um indirekt in Bitcoin zu investieren. In Japan werden die Gewinne aus dem Handel mit Bitcoin deutlich höher besteuert als Gewinne mit Wertpapieren wie Aktien. Bitcoin-ETFs sind derweil in dem ostasiatischen Land noch nicht handelbar. Wie auch bei MicroStrategy könnte die Aktie von Metaplanet eine attraktive Möglichkeit sein, indirekt in Bitcoin zu investieren. Dies könnte den Aktienkurs weiter beflügeln und somit Metaplanet ermöglichen, neue Aktien zu guten Konditionen auszugeben, um mit den Erlösen weitere Bitcoin zu kaufen.

Semler Scientific

Ende Mai folgte dann eine deutlich größere US-amerikanische Aktiengesellschaft, die ankündigte, auf Bitcoin als Reserve-Asset zu setzen – und zwar Semler Scientific, ein an der Nasdaq gelistetes Gesundheitsunternehmen, das Technologien und Dienstleistungen zur Bekämpfung chronischer Krankheiten entwickelt. 

Das zu dem Zeitpunkt 200 Millionen US-Dollar schwere Unternehmen gab am 28. Mai zudem bekannt, 581 Bitcoin für 40 Millionen US-Dollar gekauft zu haben. In der dazugehörigen Pressemitteilung ließ Eric Semler verlautbaren, dass Semler Scientific von Bitcoin als Wertaufbewahrungsmittel überzeugt ist und BTC aus Unternehmenssicht die beste Verwendung für die Cash-Reserven ist.

Unsere Bitcoin-Treasury-Strategie und der Kauf von Bitcoin unterstreichen unsere Überzeugung, dass Bitcoin ein zuverlässiges Wertaufbewahrungsmittel und eine ansprechende Investition ist.

Bitcoin ist heute eine wichtige Anlageklasse mit einem Marktwert von mehr als 1 Billion Dollar. Wir glauben, dass es einzigartige Eigenschaften als knapper und endlicher Vermögenswert hat, der in Zeiten globaler Instabilität als angemessener Inflationsschutz und sicherer Hafen dienen kann. Wir glauben auch, dass es durch die digitale, architektonische Widerstandsfähigkeit Gold vorzuziehen ist, dessen Marktwert etwa zehnmal so hoch ist wie der von Bitcoin. Angesichts des Wertunterschieds zwischen Gold und Bitcoin glauben wir, dass Bitcoin das Potenzial hat, überdurchschnittliche Renditen zu erwirtschaften, da es als digitales Gold zunehmend Akzeptanz findet.

Nachdem wir verschiedene Alternativen geprüft hatten, haben wir beschlossen, dass der Besitz von Bitcoin die beste Verwendung für unsere überschüssigen Barmittel wäre.
Eric Semler, Vorsitzender von Semler Scientific

In der darauffolgenden Woche, am 6. Juni, verkündete Semler Scientific weitere 247 Bitcoin für 17 Millionen US-Dollar gekauft zu haben und der CEO betonte im Rahmen der Mitteilung, dass dies erst der Anfang sei.

Semler konzentriert sich weiterhin auf unsere beiden Strategien, nämlich den Ausbau unseres Gesundheitsgeschäfts und den Erwerb und Besitz von Bitcoin. Das Unternehmen besitzt jetzt 828 Bitcoin, was unsere Ansicht unterstreicht, dass Bitcoin eine überzeugende Investition ist und als zuverlässiges Wertaufbewahrungsmittel dienen kann. Wir werden weiterhin unsere Strategie verfolgen, Bitcoin mit Barmitteln zu kaufen.
Dr. Doug Murphy-Chutorian, CEO von Semler Scientific

Den bisherigen Bestand von 828 Bitcoin im Gegenwert von rund 60 Millionen US-Dollar plant das Unternehmen weiter auszubauen. An dem Tag der Verkündung des zweiten Bitcoin-Kaufs reichte Semler Scientific zudem ein Formular bei der SEC ein, aus dem hervorgeht, dass sich das Unternehmen weitere Mittel in Höhe von 150 Millionen US-Dollar beschaffen will. Dies soll durch den Verkauf von neuen Aktien, Schuldverschreibungen und anderen Wertpapieren geschehen. Die Erlöse plant Semler Scientific für “allgemeine Unternehmenszwecke, einschließlich des Erwerbs von Bitcoin” zu verwenden.

Im Rahmen der Einreichung betonte Semler Scientific erneut, dass das Unternehmen ausschließlich auf Bitcoin und nicht auf andere Kryptowährungen setzen wird.

Wir sind der Meinung, dass sich Bitcoin […] nicht nur von Fiatgeld, sondern auch von anderen Krypto-Assets unterscheidet und aus diesem Grund haben wir keine Pläne, andere Krypto-Assets als Bitcoin zu kaufen.
Aus dem S-3-Formular

In weniger als zwei Wochen nach dem Start der Bitcoin-Strategie hat die Aktie von Semler Scientific bereits um mehr als ein Drittel zugelegt.

Semler Scientific konnte in den vergangenen Jahren jeweils Gewinne in Millionenhöhe erwirtschaften und die Aktie hat sich seit dem Börsengang im Jahr 2014 bis heute verfünffacht. Entsprechend war das Unternehmen vor der Bitcoin-Strategie schon auf einem Erfolgskurs, welcher durch die Adoption von Bitcoin weiter an Fahrt aufnehmen soll.

Der Stein kommt ins Rollen

Obwohl mit Sicherheit viele eine stärkere Adoption von Unternehmen bis hierhin schon erwartet hätten, ist der Satus Quo durchaus beachtlich. Tesla hat zwar den Großteil der Bestände wieder verkauft, jedoch hält der Autobauer noch rund 700 Millionen US-Dollar in Bitcoin. Überdies hat das Amazon-Pendant aus Süd- und Mittelamerika, Mercado Libre, auch in etwa 30 Millionen US-Dollar in Bitcoin auf der Bilanz. Sogar die Social-Media-Plattform Reddit hält eine kleine Bitcoin-Position.

Bis zum Jahr 2024 mussten die Bitcoin-Bestände nach den allgemeinen Bilanzierungsrichtlinien mit in die Geschäftszahlen hineingerechnet werden. Dies dürfte für viele Aktiengesellschaften abschreckend gewirkt haben, da eine Bitcoin-Position die wichtigen Bilanzierungskennzahlen deutlich verzerrt hätten. Seit diesem Jahr ist es jedoch optional, die Bitcoin-Bestände als Investment separat auszuweisen und zum fairen Wert zu bilanzieren. Ab 2025 wird Fair-Value-Accounting zudem verpflichtend. Somit entfällt endgültig eine Hürde, die laut Michael Saylor viele börsennotierte Unternehmen daran gehindert hat, selbst kleinste Beträge in Bitcoin zu investieren.

Auch wenn seit 2021 bisher keine großen Unternehmen signifikante Bitcoin-Bestände aufgebaut haben, scheint die Adoption bei Aktiengesellschaften momentan wieder an Fahrt aufzunehmen. Der Zahlungsdienstleister Block verkündete vergangenen Monat, seit April wiederkehrend Unternehmensgewinne in Bitcoin zu investieren und so die derzeit rund 550 Millionen US-Dollar an BTC auf der Bilanz weiter auszubauen – Blocktrainer.de berichtete. Und mit Metaplanet und Semler Scientific kopieren bereits zwei – wenn auch kleine – börsennotierte Unternehmen MicroStrategy. 

Insbesondere das profitable Unternehmen Semler Scientific gilt es hierbei zu beobachten. In der Welt der Aktienunternehmen ist Semler Scientific zwar keine große Nummer, doch mit einer Marktkapitalisierung, die ein Fünftel von MicroStrategys Börsenwert vor der Bitcoin-Strategie ausmacht, könnte auch hier ein großer Bitcoin-Käufer entstehen, der sich ebenfalls die Kapitalmärkte zunutze macht, um die Bestände ordentlich auszubauen.

Michael Saylor hält es immer noch für die vielen kleinen Unternehmen, die auf “totem Kapital” sitzen, am sinnvollsten, die Strategie von MicroStrategy kopieren – insbesondere für die vielen japanischen Aktiengesellschaften, die mit dem schwachen japanischen Yen und den in diese Währung niedrig verzinsten Anleihen kämpfen. Laut dem MicroStrategy-Gründer ist die Adoption auf Unternehmensebene weiterhin der viel realistischere nächste Schritt ist, als Bitcoin-Käufe durch große Nationen.

Wir sind viel zu ehrgeizig, wenn wir einen Nationalstaat dazu auffordern, dies zu tun. Ein viel nüchternerer, viel praktischerer nächster Schritt ist: Wie wäre es, wenn die tausend Russel-2000-Unternehmen, die alle “totes Geld” und Zombie-Unternehmen sind, damit anfangen würden? Und Japan hat auch viele dieser Zombie-Unternehmen. Das Problem ist also, dass Tausende und Abertausende von Unternehmen “tote” Bilanzen haben, weil ihre Kapitalanlagen eine negative Realrendite aufweisen. [...] Ich denke, die offensichtlichen Nutznießer, die hoffentlich diesem Podcast zuhören, sind die Aktionäre, Vorstände und Geschäftsführer der zehntausenden kleinen mittelständischen Unternehmen, insbesondere der börsennotierten Unternehmen, die im Grunde genommen nicht die “Magnificant Seven” outperformen können. Wenn Sie nicht glauben, dass Sie Google und Meta und Microsoft und Nvidia übertreffen können und Sie etwas Geld haben, dann nehmen Sie entweder das Geld und kaufen Bitcoin, Sie geben Aktien aus und kaufen Bitcoin oder Sie geben Schulden aus, entweder vorrangige Schulden oder noch besser, Sie geben Wandelanleihen aus, die in Aktien umgewandelt werden können und kaufen Bitcoin. Denn das erlaubt Ihnen, sich mit einem wertsteigernden Vermögenswert zu rekapitalisieren, anstatt sich zu dekapitalisieren und nichts zu haben oder Kapital in einem an Wert verlierenden Vermögenswert zu halten, der eine negative Realrendite hat und Aktionärswert verbrennt.
Michael Saylor in einem Interview

Ob künftig noch weitere kleine Aktiengesellschaften dem Vorbild von MicroStrategy folgen werden und so eine Bitcoin-Bewegung in der Unternehmenslandschaft losgetreten wird, gilt es abzuwarten. Mit dem weiter voranschreitenden Erfolg von Bitcoin und daher auch dem von Unternehmen, die das Asset für sich entdeckt haben, sollten künftig immer mehr Aktiengesellschaften eine Bitcoin-Strategie in Betracht ziehen.

Über den Autor: Tristan

Tristan ist studierter Volkswirt mit journalistischer Erfahrung außerhalb von Blocktrainer.de. Seit 2020 ist Tristan im Bitcoin-Space aktiv, schon in den Jahren zuvor beschäftigte er sich mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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