Skip to main content

Europol-Bericht: „23% aller Krypto-Transaktionen illegal“

Am von Europol Bitcoin

Erst vor wenigen Wochen, Anfang Januar, berichtete Blocktrainer.de darüber, dass die Kriminalität im Zusammenhang mit Kryptowährungen im Laufe des Jahres 2021 neue Höchststände erreichte. Das Gesamtvolumen illegaler Krypto-Transaktionen betrug laut der Analyse-Firma Chainalysis etwa 14 Milliarden US-Dollar.

Stellt man dieser Zahl jedoch das Wachstum des gesamten Krypto-Marktes gegenüber, so wird schnell klar, dass der Anteil der illegalen Transaktionen am Gesamtvolumen aller Transaktionen nur einen sehr geringen Bruchteil ausmacht. Die Analysten von Chainalysis beziffern die Gesamtheit aller illegalen Kryptotransaktionen mit einem Anteil von lediglich 0,15%! Da die Firma aus geschäftstechnischer Sicht eigentlich ein Interesse daran hätte, dass die Quote relativ hoch ausfällt, ist es umso erstaunlicher, dass diese doch sehr viel niedriger ist, als man allgemein vermuten würde.

Europol mit gegenteiliger Behauptung

Regelrecht bizarr wirkt hingegen die Zahl, die vom Europäischen Polizeiamt (Europol) in dessen aktuellen Bericht „Cryptocurrencies: Tracing the evolution of criminal finances“ genannt wird. In Anlehnung an eine Studie von der Technischen Universität Sydney aus dem Jahr 2019, ist im Europol-Bericht von etwa 23% aller Krypto-Transaktionen die Rede, die mit illegalen Aktivitäten in Verbindung stehen. Der signifikante Unterschied in der Schätzung könnte teilweise auf die unterschiedlichen Ansätze und Methoden bei der Transaktionsanalyse zurückzuführen sein, heißt es seitens Europol. Allerdings wird wohlwollend anerkannt, dass man sich darüber einig sei, dass der Anteil der Nutzung von Kryptowährungen im Zusammenhang mit illegalen Aktivitäten im Vergleich zur legitimen Nutzung im Laufe der Zeit abgenommen hat, während der absolute Betrag weiter gestiegen ist.

Sieht man sich die australische Studie etwas genauer an, erkennt man schnell, dass es sich im Gegensatz zum Bericht von Chainalysis zum einen um Daten aus den Jahren 2009 – 2017 handelt und zum anderen die Methodik und Datengrundlagen doch sehr weit hergeholt sind. Zum einen wird hinter der Verwendung von Coin-Mixing-Services direkt ein illegaler Zusammenhang vermutet, obwohl der Prozess per se gar nicht illegal ist und viele User auch aus Privatsphäre-Gründen auf derlei Services zurückgreifen.

Des Weiteren versuchten die australischen Forscher die „Netzwerkdichte“ als Maß für die Schätzung von illegalen Transaktionen heranzuziehen. Sie stellten die These auf, dass „illegale Nutzer“ bis zu viermal stärker miteinander vernetzt sind und mehr Transaktionen durchführen als legale Nutzer. Aus dieser Annahme folgerten sie entsprechend, dass stark vernetzte Nutzer, die viele Transaktionen tätigen, ebenfalls illegale User sind. Ob diese These in der Praxis Bestand hat, wagen wir doch stark zu bezweifeln.

Ausgehend von ihrem Ansatz, die Anzahl an illegalen Usern zu quantifizieren (z. B. durch Darknet-Foren und Zeitungsberichte) deren Transaktionsvolumen zu schätzen und in Relation zum Gesamtvolumen aller Transaktionen zu setzen, errechneten die Forscher sogar den unfassbaren Wert von etwa 46% aller Bitcoin-Transaktionen, die illegal seien. Selbst für den gemittelten Zeitraum von 2009 bis 2017 ist diese Zahl kaum zu glauben.

Dass Europol sowohl die Zahlen von Chainalysis als auch die, der staatlich finanzierten Studie im Bericht nennen und die große Diskrepanz zwischen den beiden mit „unterschiedlichen Methoden“ begründet, ist zwar löblich, eine realistische Einordnung, welche Zahlen die Realität wohl besser widerspiegeln, wäre jedoch angebracht gewesen.

Von Cyberkriminalität hin zur Realwelt

Im weiteren Verlauf des Berichts, wird geschildert, dass (wie die meisten technologischen Innovationen) Kryptowährungen zunächst von Cyberkriminellen missbraucht wurden, bevor sie auch von anderen kriminellen Akteuren in der „echten Welt“ genutzt wurden. Der größte Teil der illegalen Transaktionen steht im Zusammenhang mit Geldwäsche, so die Polizeibehörde. Im Laufe der Zeit wurde jedoch schnell klar, dass durch die hohe Transparenz der Blockchain die Strafverfolgungsbehörden gute Mittel haben, um illegale Transaktionen zu verfolgen. Folglich musste die kriminelle Nutzung von Kryptowährungen mit der Nutzung von Diensten verknüpft werden, die die Anonymität erhöhen würden. Und obwohl die (anonyme) Verwendung von Kryptowährungen mittlerweile deutlich einfacher wurde, machen illegale Geschäfte mittels Coins und Token nicht immer einen viel kleineren Anteil aus, als die traditionelle Finanzwirtschaft.

Geldwäsche
Geldwäsche-Aktivitäten machen laut Europol den größten Anteil an illegalen Krypto-TX aus.

„Kryptowährungen sind für Kriminelle nach wie vor attraktiv, vor allem wegen ihrer Pseudoanonymität und der Leichtigkeit und Schnelligkeit, mit der Gelder in die ganze Welt geschickt werden können. Allerdings scheint die Verwendung von Kryptowährungen für illegale Aktivitäten nur einen kleinen Teil der gesamten Kryptowährungswirtschaft auszumachen und vergleichsweise kleiner zu sein als die Menge an illegalen Geldern, die in die traditionelle Finanzwirtschaft fließen.“

– Europol