Laut Beratern der New Democrat Coalition, ein Bündnis innerhalb der demokratischen Fraktion der USA, wird sich der Chef der Kryptobörse Coinbase, Brian Armstrong, am Mittwoch mit Vertretern des Bündnisses treffen. Es ist geplant, bei dem Treffen über die Gesetzgebung zu digitalen Vermögenswerten zu sprechen und dabei auch die Bereiche Steuern, nationale Sicherheit, Daten- und Klimaschutz zu thematisieren.

Die New Democrat Coalition besteht aus eher moderaten demokratischen Abgeordneten und will „eine innovative, integrative und zukunftsorientierte Politik vorantreiben“. 

Die Kryptobörse Coinbase muss sich seit dem 6. Juni mit einer Klage der US-Börsenaufsicht SEC auseinandersetzen, die den Verkauf von bestimmten, auf der Börse gelisteten Token sowie das Staking-Angebot von Coinbase als Wertpapiertransaktionen einstuft und der Börse das Fehlen der entsprechenden Lizenz vorwirft. Armstrong widerspricht diesen Vorwürfen, kritisierte die SEC öffentlich dafür und nannte den Vorsitzenden der Behörde, Gary Gensler, einen „Sonderfall“. 

Wie Blocktrainer.de berichtete, haben die Anwälte von Coinbase die Meinung der Börse in einer vorprozessualen Anhörung geschildert. Außerdem wurde von Coinbase ein Blogeintrag zum Thema Staking verfasst.

Coinbase verteidigt Proof of Stake

In dem Blogeintrag verteidigt Coinbase das Staking und nimmt Stellung zu den in zehn US-Bundesstaaten zusätzlich eingeleiteten Verfahren gegen die Börse. Dabei wurden in Kalifornien, New Jersey, South Carolina und Wisconsin Anordnungen erlassen, die Einschränkungen des Staking-Angebots erfordern und demnach Auswirkungen auf die Kunden in diesen Staaten haben – sie können vorerst keine weiteren Kryptowährungen mehr staken. Der Großteil der US-amerikanischen Coinbase-Kunden sei jedoch nicht von diesen Maßnahmen betroffen.

Außerdem werden verschiedene Argumente aufgeführt, warum Staking keine Investition darstellt und somit auch nicht unter die Wertpapiergesetze fallen sollte. Für die Nutzer bestehe so gut wie kein Risiko, da die eingesetzte Währung immer in Verwahrung bleibt. Staking sei sicher.

Staking ist kein exotisches oder komplexes Finanzprodukt. Tatsächlich ist es überhaupt kein Finanzprodukt. […] Staking ist eine Möglichkeit, mit der Protokolle Stakern eine risikoarme Möglichkeit bieten, Einkommen zu erzielen und am Krypto-Ökosystem teilzunehmen.

Auszug aus dem Blogeintrag

Viele Blockchains verwenden heutzutage das Proof-of-Stake-Modell, um durch das Staken die Blockerstellung und Transaktionsabwicklung sicherzustellen. Die Nutzer erhalten durch die Erfüllung dieser wichtigen Aufgabe eine Entschädigung in Form der Transaktionsgebühren und einer Block-Belohnung und gleichzeitig Zugang zu einer breiten Palette von finanziellen und nicht-finanziellen Dienstleistungen.

Aus diesem Grund sei das Staking sehr wichtig für die USA und die Welt, erklärt Coinbase. Das Staking sei umweltfreundlich, offen und dezentralisiert. Die Energieeffizienz sei viel größer als beim Proof-of-Work-Modell (z.B. vom Bitcoin-Netzwerk) und unterstütze die ökologische Zukunft der Kryptowährung. Ferner könne jeder sich ganz unabhängig von Staking-Dienstleistern wie Coinbase beim Staking beteiligen und das Netzwerk unterstützen. Unternehmen wie Node-Betreiber, Validatoren und Staking-Dienstleister würden den Zugang weiter demokratisieren.

Kein Unternehmen und keine Regierung kann das Staking kontrollieren, da es von vornherein dezentralisiert ist.

Auszug aus dem Blogeintrag

Die Einschränkung des Stakings würde nicht nur die Klimaziele untergraben, sondern das Angebot ins Ausland verlegen und die Amerikaner von der Teilnahme und dem Nutzen der Kryptowirtschaft und der neuen Einkommensquelle ausschließen. Dies würde den amerikanischen Bürgern und Unternehmen schaden und deren wirtschaftlichen und technologischen Freiheiten beschneiden, argumentiert das Coinbase-Team.

Einige Leute ziehen es vor, ihre eigene Software und Hardware zu Hause zu konfigurieren, während andere es vorziehen, einen Teil der IT-Arbeit an einen Staking-Dienstleister auszulagern. […] Wir sind der Meinung, dass jeder in der Lage sein sollte, seinen Beitrag zu leisten, wenn er es möchte, und – was ebenso wichtig ist – wie er es möchte. Millionen von Menschen rund um den Globus haben diese Wahlmöglichkeiten.

Auszug aus dem Blogeintrag

Fazit

Blocktrainer.de meint: Abgesehen vom sogenannten Slashing, werden von Coinbase weder in dem Blogeintrag noch bei der Anhörung vor Gericht die Risiken des Verlusts der privaten Schlüssel oder andere Cybersicherheitsaspekte beim Staking erwähnt. Zudem ist das Argument, dass jeder Mensch sich auch unabhängig von Dienstleistern für die Beteiligung beim Staken entscheiden kann, etwas schwach, da es insbesondere für das "Solo-Staking" durchaus (finanzielle) Hürden gibt.

Da die US-amerikanischen Demokraten bis auf einige Ausnahmen, wie den Präsidentschaftskandidaten Robert F. Kennedy Jr., Bitcoin und dessen Proof-of-Work-Modell eher skeptisch gegenüberstehen, scheint Armstrong vermutlich bewusst bei dieser Fraktion Unterstützung zu suchen, um z.B. das Proof-of-Stake-Modell zu rechtfertigen und durchzusetzen. Dabei werden Themen wie Klimaschutz und nationale Interessen als Gründe angeführt. Doch es wäre nicht das erste Mal, dass sich Coinbase hinter derartigen Argumenten versteckt, um das eigene Geschäftsmodell mit diversen Kryptoprojekten, die sich als dezentral tarnen, aufrechtzuerhalten und möglicherweise auch von der eigenen Anti-Bitcoin-Haltung abzulenken.