In dieser Woche gab es eine Schreckensnachricht nach der anderen: Japan und Großbritannien rutschen unerwartet in eine Rezession, die Prognose für Deutschlands Wirtschaft ist schlechter als erwartet und die USA melden wieder überraschend hohe Inflationsraten. Doch die Finanzmärkte und insbesondere Bitcoin führen die Rally der letzten Wochen und Monate weiter fort. Wie passt das zusammen? Steht ein sogenannter Crack-up-Boom bevor?

Rezession, doch Bitcoin und Aktienmarkt auf Allzeithoch in Japan

Japan, das Land mit der weltweit höchsten Staatsverschuldung von rund 250 Prozent – wird oft als Beispiel aufgeführt, dass eine stark expansive Geldpolitik kein Problem sei. Tatsächlich aber stagniert die Wirtschaftsleistung Japans bereits seit den 90er-Jahren – und das ohne sie um die Inflation zu bereinigen.
 

Jetzt rutscht die derzeit viertgrößte Volkswirtschaft der Welt in eine Rezession. Das vierte Quartal vergangenen Jahres war das zweite in Folge, in dem die japanische Wirtschaft schrumpft. Grund dafür: der starke Kursverlust der Landeswährung – selbst die japanische Regierung führt den Abstieg des Landes darauf zurück.

Innerhalb der vergangenen zwei Jahre hat der Japanische Yen fast ein Drittel seines Wertes gegenüber dem US-Dollar verloren. Eine Zinswende der Bank of Japan gab es bisher nicht, obwohl auch im ostasiatischen Land die Inflationsraten seit einigen Monaten nördlich des Ziels von zwei Prozent liegen. Noch hält Japan an der Negativzinspolitik fest – allem Anschein nach, weil nur so die hohe Staatsschuld nicht noch weiter ausufert.

Trotz schlecht laufender Wirtschaft kratzt der Nikkei 225, der japanische Aktienindex, am Allzeithoch von vor rund 35 Jahren.

Eine solche Entkopplung ist kontraintuitiv, aber immer häufiger Realität. Doch wenn Sachwerte nun mal in einer stark an Wert verlierenden Währung gemessen werden und zusätzlich der Kaufkraftverlust Menschen zum Investieren drängt, dann sind solche Entwicklungen gar nicht mehr so erstaunlich.

Der bemerkenswerte Kursverlust des Yen der vergangenen zwei Jahre führt letztlich dazu, dass Bitcoin in Japan bereits auf einem Allzeithoch handelt, während in US-Dollar oder Euro gemessen noch rund 35 respektive 25 Prozent fehlen.

Bitcoin in immer mehr Währungen auf einem neuen Allzeithoch

Der Japanische Yen, das nach Marktkapitalisierung viertgrößte offizielle Zahlungsmittel der Welt, reiht sich damit in die Liste der vielen Währungen ein, gegenüber denen Bitcoin derzeit in Allzeithochterritorium oder weit darüber hinaus notiert:

Neben Japan befinden sich noch einige andere der Länder in einer Rezession – darunter Norwegen, Schweden, Chile, die Ukraine, Argentinien und der Sudan. Für viele der oben aufgeführten Entwicklungsländer gibt es keine offiziellen Daten zur Konjunktur. In Großbritannien, wo die Wirtschaft ebenfalls schrumpft, fehlen nur noch gute 20 Prozent für ein Bitcoin-Allzeithoch im Britischen Pfund. Und auch auf der Insel handelt der Aktienindex – der FTSE 100 – in der Nähe von einem Allzeithoch.

Dies verdeutlicht, dass es noch weit schwächere Währungen als US-Dollar und Euro gibt. Vor allem in weniger entwickelten Ländern können die Menschen Bitcoin noch deutlich dringender gebrauchen als etwa Deutsche oder US-Amerikaner – insbesondere auch weil sie häufiger keinen Bankzugang haben, den sie für die meisten anderen Anlageklassen, wie Aktien und Anleihen, bräuchten. Diesen Menschen sollte noch einmal jemand aus der privilegierten westlichen Sicht erklären, Bitcoin habe keinen Usecase.

Crack-up-Boom?

Wenn Währungen in sich zusammenbrechen, dann steigen nicht nur Sachwerte, sondern auch Dinge des täglichen Gebrauchs ins Unermessliche. Menschen fliehen aus den Währungen und kaufen alles, was ihnen in die Finger kommt. Im Libanon sparen manche Gutverdiener etwa in Fahrrädern. Ist einmal das Vertrauen in eine Währung verloren, dann kann es schnell gehen. Ludwig von Mises, Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, sprach in diesem Zusammenhang von einer Katastrophenhausse beziehungsweise einem Crack-up-Boom.

Wenn sich aber einmal die Auffassung gebildet hat, dass die Vermehrung der Geldmenge ohne absehbares Ende in großem Umfange weiterschreiten wird und dass demgemäß auch die Geldpreise aller Waren und Dienstleistungen unaufhaltsam steigen werden, dann wird es das Bestreben der Wirte sein, so viel als möglich zu kaufen und die Kassenhaltung auf ein sehr geringes Maß herabzusetzen. Denn mit dem Halten von Kasse sind unter solchen Umständen nicht nur die Kosten verbunden, die man als Zins bezeichnet, sondern darüber hinaus sehr beträchtliche Verluste durch den Rückgang der Kaufkraft. Die Vorteile der Haltung eines Kassenstandes müssen durch Opfer erkauft werden, die so hoch erscheinen, dass man seinen Umfang mehr und mehr einschränkt. Das ist die Erscheinung, die man in den großen Inflationen der Nachkriegszeit als «Flucht in die Sachwerte» und als «Katastrophenhausse» bezeichnet hat.
Mises: Theorie des Handelns und des Wirtschaftens (S. 387f)

Nur weil die Wirtschaft vielerorts schlecht läuft, muss das eben nicht bedeuten, dass Sachwerte wie Aktien oder Bitcoin im Preis fallen – vor allem nicht dann, wenn die einzige Reaktion auf die Probleme weiteres Drucken von Geld ist. In einem solchen Umfeld kann es unter Umständen sogar das Gefährlichste sein, Cash zu horten und gar nicht zu investieren.

Dass Sachwerte in den kommenden Monaten und Jahren jetzt einfach immer weiter auf neue Höchststände steigen, ist dennoch keine besiegelte Sache. Und selbst wenn: Sogar während der Hyperinflation in Deutschland vor rund 100 Jahren gab es starke Korrekturen im Goldpreis. Er stieg letztlich zwar parabolisch an, auf dem Weg nach oben wurden aber die Spekulanten einige Male aus dem Markt gespült. Zu optimistisch oder gar gehebelt unterwegs zu sein, ist nun mal in den seltensten Fällen eine kluge Entscheidung.

Sollten beispielsweise die USA, die größte und relevanteste Volkswirtschaft der Welt, in eine Rezession rutschen oder aufgrund wieder steigender Inflation dem Markt kurzfristig doch eine Menge an Liquidität entzogen werden, so wäre eine starke Korrektur an den Finanzmärkten durchaus möglich, die – wie während der Coronapanik – auch Bitcoin ordentlich mit nach unten ziehen könnte. Dennoch: Mittel- bis langfristig bleibt den Zentralbanken weltweit wohl nicht anderes übrig, als die Gelddruckmaschine anzuwerfen und Liquidität in die Märkte zu pumpen – insbesondere in Krisenzeiten.

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