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Der deutsche „Faketoshi“ vor Gericht: Prozessauftakt um Jörg Molts Bitcoin-Pension

Am von Nakamolto

Wie es der Zufall so wollte, begannen gestern zwei „Faketoshi“-Prozesse fast zeitgleich. Zum einen der Prozess im Fall Craig „Faketoshi“ Wright vs. Hodlonaut, der innerhalb der Bitcoin-Szene relativ viel mediales Interesse erfuhr. Auch Blocktrainer.de berichtete darüber. Zum anderen war am Landgericht Landshut aber auch der Prozessauftakt im Betrugsfall der „Bitcoin-Pension“ von Jörg Molt, der ebenfalls von sich selbst behauptet, der Erfinder oder „Co-Founder“ des Bitcoins zu sein und deswegen oftmals als „der deutsche Faketoshi“ oder auch „Nakamolto“ bezeichnet wird. Molt wird vorgeworfen, sich des Betruges in 92 Fällen strafbar gemacht zu haben. Tatsächlich ist dies aber nur die Spitze des Eisbergs, wie ein Geschädigter gegenüber Blocktrainer.de bestätigte.

Wer ist Jörg Molt?

Der 1972 geborene Kieler, der mit richtigem Namen eigentlich Jörg Örtl heißt, verdiente früher seine Brötchen als DJ, Songwriter und Leiter eines Callcenters. Obwohl er keinerlei IT- und noch weniger Finanz-Vergangenheit hat, gründete er im Juli 2016 die sogenannte „Satoshi School“, eine „Bildungseinrichtung“, über die Interessierte Kurse zu Handels- und Anlagestrategien buchen oder sich sogar zu „Trainern“ ausbilden lassen konnten. Bei YouTube begann er unterdessen sich aktiv als „Bitcoin- und Blockchain Experte“ zu positionieren und um Follower (und später Kunden für ein Betrugssystem) zu buhlen.

Jörg Örtl aka. Molt. Quelle: Sessionize

In den sozialen Medien, wie zum Beispiel auf seinem Xing-Profil und auch auf seinem LinkedIn-Profil, gab sich Molt unter anderem als „Bitcoin-Erfinder“, „Blockchain Spezialist“ und später sogar als „Prof. Dr. h.c.“ aus, um sich selbst mehr Glaubwürdigkeit und Autorität zu verleihen. Er behauptete auch im Besitz von mehr als 250.000 BTC und ein guter Freund des bekannten Bitcoin-Advokaten Andreas Antonopoulos zu sein. Nachdem dieser davon erfahren hatte, widersprach er vehement und gab öffentlich bekannt, Molt überhaupt nicht zu kennen.

Dass Molts Erzählungen erstunken und erlogen waren, dachten sich schon damals sehr viele Leute. Da aber zahlreiche Personen dennoch auf ihn hereingefallen sind, meldete sich im Jahr 2018 seine Ex-Frau Marion via YouTube zu Wort, um über die Hintergründe und Machenschaften von Molt respektive Örtl zu sprechen.

Hinweis: Leider ist das Video nicht über eine deutsche IP-Adresse verfügbar. Wer es ansehen möchte und nicht z.B. aus Österreich kommt, benötigt ein VPN und eine österreichische IP-Adresse.

Frau Molt Örtl

Sie erklärte, dass es sich bei Jörg Molt um einen hochverschuldeten Hochstapler handelt, der weder Computerkurse besucht noch zur Gründungszeit des BTC einen PC besessen habe. Seine Schulden befänden sich im sechs- oder siebenstelligen Bereich und es sei erschreckend, dass sich so jemand […] im Internet als Weltverbesserer darstellt, so Molts Exfrau.

Die Bitcoin-Pension

Das Betrugssystem, das wir bereits weiter oben angesprochen haben, nannte Molt „die Bitcoin-Pension“ und die Grundidee beziehungsweise sein Versprechen war denkbar einfach. Der Pensions-Gründer sammelte von seinen Kunden jeweils mindestens 0,1 BTC ein und versprach diese durch die Investition in Mining-Geräte zu vermehren. Renditen von bis zu 7 BTC wurden von ihm angepriesen und er selbst hat es stets als „sichere Anlage“ vermarktet.

Der Betrüger soll auf diese Weise (selbst wenn man den jeweils niedrigsten Tageskurswert zur Berechnung heranzieht) rund 80 BTC im Gegenwert von knapp 500.000 Euro erbeutet haben. Der heutige Gegenwert dieser Bitcoins beläuft sich sogar auf rund 1,7 Millionen Euro. Mining-Geräte hat er von dem Geld natürlich nicht gekauft, sondern vielmehr auf Kosten anderer gelebt. Von dem Vermögen ist heute nichts mehr übrig. Im August 2020, teilte der Hochstapler seinen Anlegern mit, dass die Bitcoin-Pension nun aufgelöst und das Projekt „gescheitert“ sei.

Anzeigen und Verhaftung

Nachdem die ersten Anzeigen wegen Betruges gegen Jörg Molt aufgenommen wurden, leitete die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg Untersuchungen ein und der mittlerweile untergetauchte Molt wurde kurz darauf per Haftbefehl gesucht. Im Juli 2021 wurde der vermeintliche Hochstapler und Betrüger dann am Frankfurter Flughafen zusammen mit seiner Freundin festgenommen. Das Paar wollte nach Mexico flüchten. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Prozessauftakt

Gestern war, wie eingangs erwähnt, der erste von insgesamt 20 angesetzten Prozesstagen. 92 Geschädigte hatten sich gemeldet und einige von ihnen werden auch vor Gericht zur Aussage gebeten. So zum Beispiel der Bielefelder Frank Giersberg (54), mit dem Blocktrainer.de in Kontakt steht. Giersberg findet es bedauernswert, dass sich nicht mehr Opfer von Molt gemeldet haben, denn tatsächlich sind es Hunderte, die damals auf seine Machenschaften hereingefallen sind. Einige von ihnen werden aber das Ganze vermutlich einfach als „Lehrgeld“ abgeschrieben haben. Giersberg selbst verlor 0,85 BTC (damals ca. 4.000, heute ca. 18.000 Euro) und gründete daraufhin eine Facebook-Gruppe für Geschädigte der Bitcoin-Pension.

„Ich hoffe, dass seine Pension für eine lange Zeit die JVA sein wird und bedauere, dass nicht mehr Anleger Anzeige erstattet haben.“

Frank Giersberg, Geschädigter

Laut unseren Informationen schwieg Molt in der bisherigen Verhandlung zu den Vorwürfen. Der Prozess wird am Mittwoch fortgeführt und die Verhandlungstage sind jeweils Montag, Mittwoch und Freitag. Der letzte Termin ist der 30.11.2022.
Blocktrainer.de wird weiterhin berichten.


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