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Proof-of-Reserves-Bericht von Binance wirft Fragen auf

Am von Binance

Kurz nach der FTX-Insolvenz im vergangenen Monat kündigte die weltweit größte Krypto-Börse Binance ihr Proof-of-Reserves-System an. Am vergangenen Mittwoch wurde daraufhin der erste Bericht von der bekannten internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Mazars veröffentlicht. Der fünfseitige Bericht warf allerdings Fragen auf.

Mazars veröffentlicht Bericht

Im vergangenen Monat, kurz nach der FTX-Insolvenz, veröffentlichte Binance Details zu ihren internen Wallet-Adressen und beauftragte eine externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, um einen Bericht über die Reserven der Handelsplattform zu erstellen. „Es ist uns wichtig, den Kunden zu zeigen, dass unsere Kassen nicht leer sind, wie bei FTX beobachtet werden konnte“, erklärte der Chief Strategy Officer von Binance, Patrick Hillmann, gegenüber dem Wall Street Journal.

Binance ist als ein privates Unternehmen nicht dazu verpflichtet, geprüfte Jahresabschlüsse bei den Behörden vorzulegen. Öffentliche Krypto-Unternehmen wie die Handelsplattform Coinbase müssen dagegen wichtige Unternehmensdaten bei der amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde (SEC) einreichen. Ein Proof-of-Reserves-System erschien deshalb bei Binance im Vorfeld als besonders wichtig.

Ergebnisse des Berichts

Der Bericht von Mazars gab allerdings nur wenig Einblicke in die Geschäftsstruktur des Unternehmens. Lediglich auf der letzten Seite des Briefs befand sich ein kurzer Abschnitt namens „Berichtdetails“, in welchem drei Geschäftszahlen von Binance aufgelistet wurden. Eine davon trug die Bezeichnung „Verbindlichkeiten aus den Kundeneinlagen“ und wurde mit 597.602 Bitcoin angegeben. Die zweite Geschäftszahl mit der Bezeichnung „Vermögensbilanzbericht“ zeigte, dass die Krypto-Börse 582,486 Bitcoins auf der Aktivseite besitzt.  

Folglich sind die Bitcoin-Verbindlichkeiten, die in dem Schreiben von Mazars genannt werden, 3% höher als die Bitcoin-Vermögenswerte des Unternehmens. Die Bitcoin-Vermögenswerte von Binance waren bei der Erstellung des Berichts (22. November) lediglich zu 97% gedeckt. Laut Berechnungen des Wall Street Journals besaß die Firma zu diesem Zeitpunkt Bitcoin im Wert von 9,43 Milliarden US-Dollar, während die Verbindlichkeiten umgerechnet 9,68 Milliarden US-Dollar betrugen.

Die dritte Zahl in dem Bericht vermittelt ein anderes Bild von den Reserven von Binance. Diese wurde als „Nettoverbindlichkeit“ gelistet und gab die Verbindlichkeiten aus den Kundeneinlagen an, welche um etwa 21.860 Bitcoin auf 575.742 Bitcoin nach unten korrigiert worden waren.

Eine Sprecherin des Unternehmens, Jessica Jung, erklärte, dass die Differenz von 21.860 Bitcoin bestehen, weil „Kunden der Plattform über das Kreditprogramm Bitcoin-Kredite erhalten können“. Voraussetzung dafür ist, dass die Kunden eine Sicherheit auf Binance hinterlegen. Als Sicherheit können neben Bitcoin auch diverse Altcoins verwendet werden. Die Börse gab in dem Bericht den Wert der Altcoin-Sicherheiten in Bitcoin an, weshalb die tatsächlichen Bitcoin-Verbindlichkeiten niedriger sind. Auf dieser bereinigten Basis, so zeigte der Mazars-Bericht, waren die Verbindlichkeiten 1% geringer als die Vermögenswerte, was Mazars zu der Aussage veranlasste, dass „Binance zu 101 % besichert war“.

Kritik an dem Bericht

Obwohl die Reserven von Binance laut Mazars vollständig gedeckt sind, warf der Bericht einige Fragen auf. Mazars gab am Ende des Berichts keine Stellungnahme oder Schlussfolgerung ab, was bedeutet, dass das Unternehmen nicht für die Zahlen bürge. Ebenso ging der Bericht nicht auf die internen Finanzkontrollen von Binance ein. John Reed Stark, welcher mehr als 18 Jahren bei der SEC gearbeitet hatte, bezeichnete dies als eine rote Flagge:

Der „Proof of Reserve“-Bericht von Binance befasst sich nicht mit der Wirksamkeit interner Finanzkontrollen, gibt keine Stellungnahme oder Schlussfolgerung ab und bürgt nicht für die Zahlen des Berichts. Ich habe über 18 Jahre bei der SEC Enforcement gearbeitet. So definiere ich eine „rote Flagge“.

John Reed Stark

Weiter war der Brief von Mazars an das Unternehmen Binance Capital Management Co. Ltd. adressiert, welches seinen Sitz auf den Britischen Jungferninseln besitzt. Aus dem Bericht ging nicht hervor, ob die geprüften Vermögenswerte von der Binance Capital Management Co. Ltd. oder von einem anderen Unternehmen des Konzerns verwaltet werden. Hillmann erklärte sogar, er könne den Namen der obersten Muttergesellschaft von Binance nicht nennen, da sich das Unternehmen in den letzten anderthalb Jahren in einem Prozess einer umfassenden Unternehmensumstrukturierung befunden habe.

Zusätzlich gibt der Bericht keine Informationen zu der finanziellen Situation von Binance. Weder das Gesamtvermögen noch die Gesamtverbindlichkeiten der weiteren Krypto-Reserven wurden angegeben. Der Bericht beschränkte sich lediglich auf die Bitcoin-Reserven des Unternehmens. Binance erklärte zwar, dass in den kommenden Wochen Informationen zu den Krypto-Reserven des Unternehmens veröffentlicht werden sollen, den Grund für die schrittweise Offenlegung ließ das Unternehmen allerdings offen.

Aufgrund der vorbehaltenen Informationen kam sogar die Frage auf, ob die Prüfung wirklich als eine Prüfung bezeichnet werden kann. Carmichael, der ehemalige Chefprüfer der Public Company Accounting Oversight Board (PCAOB), erklärte gegenüber dem Wall Street Journal, dass es eine grobe Falschdarstellung sei, den Bericht als eine Prüfung zu bezeichnen.

Fazit

Ein großer Kritikpunkt an Binance ist seit jeher die Intransparenz der Handelsplattform. Der Bericht von Mazars verdeutlicht diesen nun abermals. Die zweifelhafte Bilanzierung, das Fehlen einer Stellungnahme von Mazars und die nur teilweise Offenlegung der Krypto-Reserven werfen weitere Fragen auf. Besonders die Offenlegung der gesamten Krypto-Bestände ist besonders bei Binance notwendig, denn wie auch FTX besitzt Binance mit dem Binance Coin (BNB) eine hauseigene Kryptowährung. Binance CEO, Changpeng Zhao, versicherte zwar, dass der Binance Coin nicht für die Aufnahme von Krediten verwendet wird, wie es bei FTX beobachtet werden konnte, eine Überprüfung durch eine Drittpartei würde dennoch für Sicherheit bei den Kunden sorgen.

Wie immer gilt: „Holt eure Coins von den Exchanges und packt sie auf ein geeignetes Hardware-Wallet! Not your keys, not your Coins!“


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