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Begünstigen Kryptowährungen Terrorfinanzierung? US-Gesetzgeber fordern härteres Vorgehen!

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Nach dem Angriff der Hamas und anderen Terrororganisationen auf Israel vor etwas mehr als einer Woche, rücken auch Bitcoin und andere Kryptowährungen wieder mehr in den Fokus als angebliches Mittel der Wahl zur Terrorfinanzierung. „Wer Kryptowährungen toleriert, nimmt Terroranschläge in Kauf“ titelte beispielsweise die deutsche Tageszeitung „Die Zeit“ – Blocktrainer.de berichtete. Eine überparteiliche Gruppe von US-Gesetzgebern rund um die Senatorin Elizabeth Warren drängt nun die Biden-Administration in einem offenen Brief, rasch gegen die Nutzung von Kryptowährungen durch die Hamas und ihre Partner vorzugehen. Begünstigen Kryptowährungen tatsächlich den Terror? Die Zahlen, Daten und Fakten belegen dies jedenfalls nicht, stellte Chainalysis, das wohl bekannteste Unternehmen für Blockchain-Forensik, gestern klar.

Forderung an das Weiße Haus

Ein am Dienstag an das US-Finanzministerium und das Weiße Haus gesandter Brief der von 105 Gesetzgebern unterzeichnet wurde, angeführt von den Senatoren Elizabeth Warren, Roger Marshall und dem Abgeordneten Sean Casten, drückte die „ernsthafte Besorgnis“ aus, dass die Hamas und die damit verbundene Gruppe „Palästinensischer Islamischer Dschihad“ digitale Vermögenswerte nutzen, um ihre Operationen zu finanzieren und US-Sanktionen zu umgehen.

Der Kongress und die Regierung müssen entschiedene Maßnahmen ergreifen, um die Risiken der illegalen Kryptofinanzierung gründlich anzugehen, bevor sie zur Finanzierung einer weiteren Tragödie verwendet werden kann. Während der Kongress Gesetzesvorschläge prüft, die darauf abzielen, die Risiken der Geldwäsche und der illegalen Finanzierung durch Kryptowährungen zu mindern, fordern wir Sie auf, schnell und entschieden zu handeln, um illegale Krypto-Aktivitäten sinnvoll einzuschränken und unsere nationale Sicherheit und die unserer Verbündeten zu schützen.

Zitat aus dem Brief an Präsident Biden

Gezielte Sanktionen

Die Biden-Administration verhängte daraufhin bereits am Mittwoch gezielte Sanktionen. Die Maßnahmen zielen darauf ab, die finanziellen Ressourcen der Hamas zu unterbinden. Besonders im Fokus stand dabei ein „geheimes Investitionsportfolio der Hamas“, wie es von der US-Regierung beschrieben wurde. Zusätzlich wurden ein Finanzvermittler, der mutmaßliche Verbindungen zum Iran hat, sowie die Kryptobörse „Buy Cash“ mit Sitz im Gazastreifen als zentrale Akteure identifiziert und ins Visier genommen.

„Wir werden weiterhin alle notwendigen Schritte unternehmen, um den Hamas-Terroristen die Möglichkeit zu nehmen, Gelder aufzubringen und zu verwenden, um Gräueltaten zu begehen und das Volk Israels zu terrorisieren“, sagte die Finanzministerin Janet Yellen in einer Erklärung.

Die israelische Polizei gab bereits am 10. Oktober bekannt, dass sie mehrere Krypto-Konten eingefroren hat, die zur Anwerbung von Spenden für die Hamas verwendet wurden. Laut der Nachrichtenagentur Reuters hat Israel bereits seit 2021 rund 190 Krypto-Konten bei Binance beschlagnahmt, darunter Dutzende, von denen es hieß, sie gehörten palästinensischen Unternehmen, die mit der Hamas in Verbindung stehen.

Auch Binance im Fokus

Binance erklärte, man habe „eng mit internationalen Anti-Terror-Behörden“ bei den Beschlagnahmungen zusammengearbeitet. Allerdings wurde im Rahmen der aktuell laufenden Untersuchungen gegen die weltgrößte Kryptobörse bekannt, dass man bei Binance in dieser Hinsicht auch mal beide Augen zudrückte. Dies geht aus beschlagnahmten Chat-Protokollen, die im Zuge der Anklage gegen die Kryptobörse durch die CFTC öffentlich wurden, hervor.

Intern haben Beamte, Angestellte und Vertreter von Binance eingeräumt, dass die Binance-Plattform potenziell illegale Aktivitäten erleichtert hat. So erklärte Lim [CCO bei Binance, d. Red.] im Februar 2019, nachdem er Informationen „über HAMAS-Transaktionen“ auf Binance erhalten hatte, einem Kollegen, dass Terroristen in der Regel „kleine Beträge“ senden, da „große Beträge Geldwäsche darstellen“. Lims Kollege antwortete: „Mit 600 Dollar kann man kaum eine AK47 kaufen.“ Und in Bezug auf bestimmte Binance-Kunden, darunter Kunden aus Russland, räumte Lim in einem Chat im Februar 2020 ein: „Ach was. Sie sind wegen der Kriminalität hier.“ Der Geldwäsche Beauftragte von Binance stimmte zu, dass „wir das Böse erkennen, aber wir drücken 2 Augen zu.“

Zitat aus der Anklageschrift

Es bleibt abzuwarten, inwiefern diese Enthüllungen im Laufe der aktuellen Verfahren und medialen Berichterstattung noch am Image von Binance kratzen werden. Die Gesetzgeber forderten jedenfalls die Biden-Administration auf, Schätzungen über den Wert der Krypto-Vermögenswerte zu liefern, die sich noch in von der Hamas kontrollierten Wallets befinden, wie viel der Operationen der Hamas durch Krypto finanziert werden und alle Informationen, die sie über die Akteure haben, die das Senden von Krypto an und von der Hamas und anderen militanten Gruppen erleichtern.

Chainalysis räumt mit Fehlannahmen auf

Im Zuge der aktuellen Diskussion um die Nutzung von Kryptowährungen durch Terroristen fühlte sich Chainalysis, das führende Unternehmen für Blockchain-Forensik, dazu verpflichtet, einige Missverständnisse, überzogene Metriken und fehlerhafte Analysen aus der Welt zu schaffen.

„Es besteht kein Zweifel daran, dass von terroristischen Organisationen beschaffte Gelder – egal wie gering – bedeutend sind und jede Methode untersucht werden sollte. Die einzigartige Transparenz, die der Blockchain-Technologie innewohnt, macht Kryptowährungen besonders nachverfolgbar und daher weniger geeignet für illegale Aktivitäten, einschließlich der Finanzierung des Terrorismus“, erklären die Experten von Chainalysis.

Obwohl die Finanzierung des Terrorismus nur einen sehr kleinen Teil des bereits sehr kleinen Teils des Kryptowährungstransaktionsvolumens ausmacht [0,24% in 2022, d.Red.], das illegal ist, nutzen einige terroristische Organisationen Kryptowährungen, um Gelder zu beschaffen, zu sichern und zu überweisen. Historisch gesehen haben und werden terroristische Organisationen aber immer eher traditionelle, auf Fiat basierende Methoden wie Finanzinstitutionen, Hawalas und Briefkastenfirmen als ihre Hauptfinanzierungsmittel nutzen.

Chainalysis

Wenn man sich den sogenannten Crypto Crime Report 2023, der von Chainalysis herausgegeben wird, im Detail ansieht, kann man außerdem erkennen, dass die „Terrorismusfinanzierung“ sogar die Art krimineller Aktivität ist, die in den vergangenen Jahren am stärksten zurückgegangen ist – obwohl sie, wie bereits erwähnt, ohnehin kaum eine Rolle in der Gesamtbetrachtung spielt. Vor allem Bitcoin, die größte aller Kryptowährungen, ist hierbei aufgrund ihrer transparenten Eigenschaften, ohnehin außen vor.

Terrorfinanzierung spielt kaum eine Rolle.
Quelle: Crypto Crime Report 2023
Terrorfinanzierung ging stark zurück.
Quelle: Crypto Crime Report 2023

Dienstleister sind das Problem!

Ein wichtiger Aspekt bei der Analyse des Volumens und Flusses von terrorismusbezogenen Geldern ist das Verständnis der Rolle von Dienstleistern, stellt Chainalysis klar. Bei der Betrachtung bekannter Fälle von Terrorismusfinanzierung sind Dienstleister wie Geldtransferunternehmen, wie das bereits erwähnte Unternehmen „Buy Cash“, sehr oft beteiligt.

Die Aktivitäten einer verdächtigen Adresse, die mit einem Dienstleister verknüpft ist.
Quelle: Chainalysis

Chainalysis hat einige mit Terrorfinanzierung verknüpfte Adressen stärker unter die Lupe genommen und festgestellt, dass teilweise bis zu 20 Dienstleister Gelder in teils hohen Summen an diese Adressen transferieren. Allerdings stellt das Analyse-Unternehmen auch klar, dass natürlich nicht alle Gelder, die von derartigen Dienstleistern empfangen werden, auch tatsächlich für terroristische Zwecke verwendet werden.

Für das ungeschulte Auge mag es so aussehen, als ob in dem obenstehenden Beispiel Kryptowährungen im Wert von 82 Millionen Dollar zur Terrorfinanzierung beschafft wurden. Es ist jedoch viel wahrscheinlicher, dass ein kleiner Teil dieser Gelder für terroristische Aktivitäten bestimmt war und ein Großteil der Gelder, die über den verdächtigen Dienstleister abgewickelt wurden, in keinem Zusammenhang damit stand.

Chainalysis
Quelle: Chainalysis

Die Forensik-Experten betonen, dass es sehr schwierig ist, genaue Schätzungen für direkt an terroristische Organisationen fließende Gelder zu liefern, es sei denn, diese Informationen werden durch Beschlagnahmungen oder andere Durchsetzungsmaßnahmen von Strafverfolgungsbehörden validiert. Chainalysis kennzeichnet terroristische Finanzierungsaktivitäten in ihren Daten mit äußerster Vorsicht und arbeitet eigenen Aussagen zufolge eng mit Kunden und Partnern zusammen, um jegliche Finanzierung von Hamas, Hisbollah, dem Palästinensischen Islamischen Dschihad und anderen terroristischen Organisationen zu analysieren.

Die Rückverfolgung über Dienstanbieter könnte zu ungenauen Schlussfolgerungen führen.
Die Verfolgung des Geldflusses auf der Blockchain wird komplizierter, wenn jemand Kryptowährungen an eine Adresse sendet, die von einem Dienstanbieter verwendet wird. Wenn ein Nutzer Kryptowährungen an einen beliebigen Dienst sendet, bündelt und vermischt der Dienst sie mit den Geldern anderer Nutzer.

Chainalysis

Fazit

Obwohl die Forderung der US-Gesetzgeber in Anbetracht der Geschehnisse im Nahen Osten in gewisser Weise nachvollziehbar ist, legen wir Wert darauf, Kryptowährungen und insbesondere Bitcoin nicht generell zu kriminalisieren. Die Analysen von Chainalysis zeigen klar, dass Fiat-Dienstleister und traditionelle Finanzwege noch immer den viel größeren Part bei der Terrorfinanzierung spielen. Selbst über alle Kryptowährungen hinweg macht die Terrorfinanzierung kaum einen nennenswerten Teil des Transaktionsvolumens aus.

Es ist wichtig zu betonen, dass die oft erwähnte „Blockchain-Technologie“, auf der die allermeisten Kryptowährungen basieren, eine inhärente Transparenz bietet, die es ermöglicht, Transaktionen in Echtzeit zu überwachen und zu analysieren. Dies bietet den Strafverfolgungsbehörden ein mächtiges Werkzeug, um illegale Aktivitäten zu verfolgen und zu unterbinden – und das wissen die meisten Kriminellen und Terroristen in der Regel auch. Die Vorstellung, dass Bitcoin und Co. hauptsächlich für kriminelle Zwecke genutzt werden, ist daher irreführend und nicht repräsentativ für die tatsächliche Nutzung und den Wert dieser Technologie.


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