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Investment-Gigant Fidelity: „Bitcoin ist nicht wie andere Kryptowährungen“

Am von Fidelity Bitcoin

Inhaltsverzeichnis

In einer aktuellen Veröffentlichung des Investment-Giganten Fidelity, die den Titel „Bitcoin First – Why Investors Need to Consider Bitcoin Separately From Other Digital Assets“ trägt, erklären die beiden Analysten Chris Kuiper und Jack Neureuter, die grundlegenden Unterschiede zwischen Bitcoin und anderen digitalen Vermögenswerten. Sie legen dar, warum Investoren sich zuerst mit Bitcoin beschäftigen sollten und warum Bitcoin die größten Chancen hat, das dominierende monetäre Netzwerk zu werden. Der Fidelity-Bericht liefert den Anlegern genau das, was sie benötigen, um den Unterschied zwischen Bitcoin und den übrigen Kryptowährungen zu verstehen. Er beginnt mit einem ziemlich einfachen und nicht-technischen Überblick darüber, wie das Bitcoin-Netzwerk funktioniert und erklärt die „durchsetzbare Knappheit“ und die „monetären Netzwerkeffekte“ von Bitcoin.

Bitcoin hat bereits alle Eigenschaften, die ein gutes Geld benötigt und man muss das Rad nicht neu erfinden, so die Analysten. Doch wie kommt das Team von Fidelity, einem der weltweit größten Vermögensverwalter, zu dieser Erkenntnis?

Mit Fehlannahmen aufräumen

Investoren – egal ob Privatanleger oder Institutionen – stellen sich beim Eintritt in den Markt der Kryptowährungen, der mittlerweile tausende verschiedene Coins und Token umfasst, immer die Frage: Mit welchem digitalen Vermögenswert soll ich eigentlich starten? Obgleich Bitcoin die mit Abstand bekannteste Kryptowährung ist, so unterliegen neue Anleger oft verschiedenen falschen Annahmen und Fehlschlüssen in Bezug auf Satoshi Nakamotos geniale Erfindung. „Bitcoin ist veraltet und kann von moderneren Mitbewerbern leicht überholt werden“ oder „Altcoins haben viel mehr Potenzial“ sind zwei dieser Annahmen, die man häufig hört, beziehungsweise liest.

Um mit derlei Fehlschlüssen aufzuräumen und aufzuzeigen, warum Bitcoin „eine Liga für sich“ ist, formulieren die Analysten insgesamt sechs verschiedene Annahmen, die sie im weiteren Verlauf des Berichts ausgiebig erläutern.:

  1. Bitcoin lässt sich am besten als monetäres Gut verstehen, und eine der primären Investitionsthesen für Bitcoin ist die eines Wertaufbewahrungsmittels in einer zunehmend digitalen Welt.
  2. Bitcoin unterscheidet sich grundlegend von allen anderen digitalen Vermögenswerten. Kein anderer digitaler Vermögenswert wird Bitcoin als monetäres Gut übertreffen können, da Bitcoin das (im Vergleich zu anderen digitalen Vermögenswerten) sicherste, dezentralste und solideste digitale Geld ist und jede „Verbesserung“ zwangsläufig mit Kompromissen verbunden ist.
  3. Es gibt nicht zwangsläufig eine gegenseitige Abhängigkeit zwischen dem Erfolg des Bitcoin-Netzwerks und allen anderen Netzwerken für digitale Vermögenswerte. Vielmehr kann der Rest des Ökosystems der digitalen Vermögenswerte andere Bedürfnisse erfüllen oder andere Probleme lösen, die Bitcoin einfach nicht erfüllt.
  4. Altcoin-Projekte sollten aus einer anderen Perspektive als Bitcoin betrachtet werden.
  5. Bitcoin sollte als Einstiegspunkt für traditionelle Investoren betrachtet werden, die ein Engagement in digitalen Vermögenswerten anstreben.
  6. Anleger sollten zwei deutlich voneinander getrennte Rahmen für Investitionen in dieses Ökosystem digitaler Vermögenswerte in Betracht ziehen. Der erste Rahmen untersucht die Einbeziehung von Bitcoin als aufstrebendes monetäres Gut und der zweite Rahmen berücksichtigt die Einbeziehung anderer digitaler Vermögenswerte, die risikokapitalähnliche Eigenschaften aufweisen.

Bitcoin als monetäres Gut

Besonders interessant sind die Ausführungen dazu, warum das Fidelity-Team Bitcoin überhaupt als monetäres Gut betrachtet. Ein monetäres Gut ist etwas, dem ein Wert zugeschrieben wird, der über seinen Nutz- oder Verbrauchswert hinausgeht. „Obwohl das Bitcoin-Zahlungsnetzwerk zweifellos einen Nutzwert hat, schreiben die Menschen den Bitcoin-Token auch einen monetären Mehrwert zu“, so Kuiper und Neureuter.

Wie bereits Vijay Boyapati in seinem „bullischen Plädoyer für Bitcoin“ wiesen auch die Fidelity-Analysten Eigenschaften wie Haltbarkeit, Teilbarkeit, Fungibilität, Portabilität, Verifizierbarkeit und Seltenheit als wichtige Eigenschaften für ein monetäres Gut aus. Bitcoin glänzt in all diesen Punkten und verbindet die Knappheit und Beständigkeit von Gold mit der einfachen Verwendung, Lagerung und Transportierbarkeit von Fiatgeld (und verbessert diese sogar noch). Es ist auch erwähnenswert, dass Bitcoin, genau wie andere monetäre Güter, kein Unternehmen ist, keine Dividende zahlt und keinen Cashflow hat. Daher muss sein Wert aus seiner Fähigkeit abgeleitet werden, die Eigenschaften eines Geldgutes im Vergleich zu traditionellen Alternativen besser zu erfüllen.

Vor allem die „durchsetzbare Knappheit“ sehen Kuiper und Neureuter als eine der wichtigsten Eigenschaften an, die Bitcoin einen Wert verleihen. Durch seine Dezentralisierung und die Zensurresistenz, die das Netzwerk bietet, wird diese Knappheit weiter untermauert.

Die monetären Eigenschaften von Gold, Bitcoin und Fiat im Vergleich.
Quelle: Fidelity

Weitere Hinweise dafür, dass Bitcoin das beste monetäre Gut darstellt, liegen laut Fidelity in den monetären Netzwerkeffekten begründet. Monetäre Netzwerkeffekte sind extrem mächtig. Viele Anleger sind mit der Macht von Netzwerkeffekten vertraut, bei denen der Wert eines bestimmten Netzwerks exponentiell steigt, wenn die Zahl seiner Nutzer wächst. Bei monetären Netzwerken ist das nicht anders. Sie sind jedoch noch leistungsfähiger als andere Netzwerke, da der Anreiz, das richtige Geld zu wählen, viel stärker ist als bei jedem anderen Netzwerk, wie z. B. einem sozialen Netzwerk, einem Telefonnetzwerk usw. Wenn Investoren nach einem digitalen Vermögenswert als monetäres Gut suchen, der als Wertaufbewahrungsmittel fungieren kann, dann werden sie natürlich das größte, sicherste, dezentralste und liquideste Netzwerk wählen. Bitcoin als erster wirklich knapper digitaler Vermögenswert, der jemals erfunden wurde, erhielt einen First-Mover-Vorteil und hat diesen Vorteil im Laufe der Zeit beibehalten.

Da Bitcoin derzeit das dezentralste und sicherste monetäre Netzwerk ist (im Vergleich zu allen anderen Kryptowährungen), wird sich ein neuerer digitaler Vermögenswert, der versucht, Bitcoin als monetäres Gut zu verbessern, zwangsläufig dadurch abheben müssen, dass er eine oder beide dieser Eigenschaften opfert. Ein Konkurrent, der lediglich versucht, die Eigenschaften oder gar den gesamten Code von Bitcoin zu kopieren, wird ebenfalls scheitern, da es keinen Grund gibt, vom größten monetären Netzwerk zu einem zu wechseln, das völlig identisch ist, aber nur einen Bruchteil der Größe hat.

„Bitcoins Proof-of-Work-Algorithmus, die Governance-Struktur und der faire Start schufen die Grundlage für ein dezentralisiertes Projekt mit minimalem Vertrauensbedarf. Andere Token haben alternative Konsensmechanismen, Governance-Strukturen und Token-Launches, die oft ihren Dezentralisierungsgrad reduzieren.“

– Fidelity Investments

Risiken und Gefahren

Die Resilienz gegenüber Gefahren, die Bitcoin in der Vergangenheit bereits mehrfach unter Beweis gestellt hat, ist etwas, das von Neu-Investoren oft unterschätzt wird. Viele der Stresstests, die Bitcoin bereits erfolgreich hinter sich gebracht und überlebt hat, sind Anfängern meist nicht bekannt. Getreu des Lindy-Effekts, einer Theorie, die besagt, dass je länger etwas Unvergängliches überlebt, desto wahrscheinlicher es ist, dass es auch in Zukunft überlebt, wird das Bitcoin-Netzwerk also mit jedem überstandenen Negativ-Event deutlich stärker. Zu den bisher überstandenen Negativ-Events und Stressfaktoren gehören unter anderem:

Ersteller und dessen wahre Beweggründe
sind unbekannt.
Einige Bitcoins wurden vom FBI beschlagnahmt.Zahlreiche Bitcoin-Börsen wurden gehackt.Bitcoin wurde in den Medien bereits hunderte Male für tot erklärt.
Wurde im Darknet für illegale Zwecke verwendet.Hat einen „Bürgerkrieg“ um den Quellcode überlebt (siehe: Blocksize War)Unzählige Preisstürze um mehr als 50% in kurzer ZeitWurde in vielen Ländern verboten (zuletzt z.B. China)
Wurde vielfach als Betrug, Schneeballsystem oder Glücksspiel bezeichnet.Wird oft in Ransomware Attacken verwendet.Es gab bereits Abspaltungen in der Vergangenheit. Es gibt mehrere Hundert Coins, die Bitcoin nahezu 1:1 kopiert haben.

Bitcoin ist nicht so einfach kleinzubekommen. Die monetären Netzwerkeffekte sind ein wichtiger Treiber dafür, dass Bitcoin auch weiterhin, die Nummer 1 der Kryptowährungen bleibt und sich langfristig etabliert.

Verschiedene Szenarien

Der Bericht betrachtet zwei mögliche Szenarien: Eine „Multi-Chain-Welt“ und eine „Welt, in der ein Coin oder zumindest sehr wenige Coins den Großteil des Wertes auf sich vereinigen“. In beiden Fällen ist Bitcoin perfekt positioniert, um sich durchzusetzen.

Die Multi-Chain-Welt

Darstellung einer Multi-Chain-Welt. Quelle: Fidelity

„In einer Welt mit mehreren erfolgreichen Netzwerken scheint es immer noch so zu sein, dass Bitcoin am besten in der Lage ist, die Rolle des nicht-souveränen monetären Guts des gesamten Ökosystems zu erfüllen“, so Kuiper und Neureuter. Darüber hinaus kommt Bitcoin aufgrund seiner Knappheit und der vorgegebenen Angebotsgrenze einem digitalen Protokoll am nächsten, das absolute Knappheit garantieren kann. Bitcoin, als bestes monetäres Gut, würde den Geldstandard darstellen, mit dem sich alle anderen Netzwerke verknüpfen werden.

Die Fidelity-Mitarbeiter brachten an dieser Stelle eine sehr passende Analogie zu physischen Token in Spielhallen an:

„Beispielsweise verwenden Menschen Token in einer Spielhalle wegen der einfachen Handhabung und messen ihnen einen Wert bei, weil sie wissen, dass sie einen bestimmten Dollarbetrag darstellen oder gegen andere Waren und Preise eingetauscht werden können. Außerhalb der ursprünglichen Spielhallenumgebung haben die Token jedoch wenig bis gar keinen Wert. Diese Welt überlässt es den Nicht-Bitcoin-Token, andere praktikable Anwendungsfälle für ihre Technologie zu finden. Sie versuchen, den richtigen Kompromiss für ein bestimmtes Maß an Skalierung der Basisschicht zu finden und sehen sich einem enormen Wettbewerb bei der Entwicklung und Funktionserweiterung gegenüber. Dies ist keine Anklage gegen diejenigen, die auf Nicht-Bitcoin-Projekte bauen oder in diese investieren, sondern lediglich eine Feststellung, dass der klare Vorteil von Bitcoin als Wertaufbewahrungsmittel sein Risiko selbst in einer Welt mit einem Ökosystem vieler dynamischer digitaler Vermögenswerte verringert.“

– Fidelity Investments

Die „Ein (oder wenige) Gewinner bekommt alles“-Welt

An dieser Stelle argumentiert das Fidelity-Team zunächst wieder mit der Dezentralität des Bitcoin-Netzwerks und damit einhergehend den wichtigen Eigenschaften wie Unveränderlichkeit, Resistenz gegen Beschlagnahmung, Zensurresistenz und vertrauensfreiem Design. Möchte man Dezentralität – oder eigentlich eher Zentralität – als Spektrum betrachten, so ist Bitcoin das einzige wirklich dezentrale Projekt. Das Spektrum reicht, laut Kuiper und Neureuter von „so dezentral wie möglich“ (Bitcoin) bis hin zu Tokenprojekten, die sich zwar als „dezentral“ verkaufen, jedoch Entwicklern oder bestimmten Interessengruppen innerhalb des Netzwerks weitreichende Machtbefugnisse einräumen. Die Fidelity-Analysten beschreiben zwar, dass es ein Szenario geben kann, in dem Nutzer und Investoren verschiedene Token bevorzugen, die einen Kompromiss zwischen „mehr Zentralisierung“ und „mehr Funktionen“ eingehen, sie hinterfragen jedoch auch die Sinnhaftigkeit, Blockchains in diesen Fällen zentralen Datenbanken vorzuziehen.

„Blockchains sind zweifelsohne eine wichtige technologische Erfindung. Die Möglichkeit, eine ansonsten zentralisierte Informationsdatenbank zu nehmen und einen vertrauenswürdigen Dritten zu entfernen, war eine revolutionäre, keine inkrementelle Innovation. Allerdings ist eine zentralisierte Blockchain relativ ununterscheidbar von einer Datenbank und reduziert die wichtigen Eigenschaften, die eine dezentrale Blockchain bietet, wie Unveränderlichkeit, Zensurresistenz oder vertrauensfreies Design.“

– Fidelity Investments

Es gibt jedoch noch ein weiteres Szenario, das durch die Möglichkeit entstehen könnte, dass Anwendungen und Skalierungslösungen auf der „Basisschicht“ oder „Layer One“ von Blockchains aufgebaut werden können. Wenn Anwendungen auf ein bestehendes Blockchain-Netzwerk aufgesetzt werden können und nicht gezwungen sind, ein neues Netzwerk zu gründen, werden die Nutzer wohl auf den stärksten und sichersten Netzwerken aufbauen wollen. Daher könnten wir eine Welt sehen, in der eine oder sehr wenige dieser Projekte den größten Teil des Wertes im Ökosystem der digitalen Vermögenswerte anhäufen und als führende Blockchain-Netzwerke ausgewählt werden. In Anbetracht der Tatsache, dass Bitcoin wohl die dezentralste und unveränderlichste Blockchain ist, die es gibt, scheint sie ein Hauptkandidat zu sein, um einer der oder vielleicht sogar der einzige Gewinner zu sein, wenn diese Situation eintreten sollte.

Obwohl die sogenannte Bitcoin-Dominanz, also der Anteil der Marktkapitalisierung von Bitcoin am gesamten Krypto-Markt, im Laufe der Zeit von 100% auf etwa 50% gesunken ist, so hat Bitcoin unter den monetären Netzwerken, die dessen Eigenschaften und Zielsetzung, ein besseres Geld zu sein, kopiert haben, einen meilenweiten Vorsprung gegenüber seiner Konkurrenz. Mit einem Marktanteil von mehr als 90% innerhalb dieser Kategorie, ist es sehr unwahrscheinlich, dass ein anderes dieser Netzwerke Bitcoin in naher Zukunft überholt.

Die Bitcoin Dominanz gegenüber den wichtigsten Forks.
Quelle: Fidelity

Vergleich zu Ethereum und Bitcoin Cash

Im Paper von Fidelity finden sich auch kurze Ausführungen dazu, wo die wesentlichen Unterschiede zwischen Bitcoin und dem zweitgrößten Blockchain-Netzwerk, Ethereum, liegen. Natürlich hätte es den Rahmen des Papers gesprengt, das Ethereum-Netzwerk im Detail zu analysieren, jedoch war es den Analysten wichtig, darzulegen, dass dieses ebenfalls mit Trade-offs einhergeht, die man vor einem Investment bedenken sollte. Im Wesentlichen geht die höhere Komplexität von Ethereum mit geringerer Sicherheit einher. Die wichtigsten Unterschiede haben Kuiper und Neureuter in einer Grafik zusammengefasst.

Vergleich BTC vs. ETH. Quelle: Fidelity

„Während Ethereum von einigen als ein überlegenes oder fortschrittlicheres Netzwerk im Vergleich zu Bitcoin angesehen wird, haben die zusätzlichen Fähigkeiten und die Flexibilität ihren Preis, vor allem ein komplexeres Netzwerk, das die Wahrscheinlichkeit von Softwarefehlern erhöht, sowie eine geringere Dezentralisierung und einen potenziellen Rückgang der Sicherheit.“

– Fidelity Investments

Investment in das gesamte Internet

Ein besonders spannender Punkt, den das Fidelity-Team im Paper dargestellt hat, ist der, dass es bei einem monetären Netzwerk wie Bitcoin nun möglich ist, einen Anteil an der Basisschicht des Netzwerks zu besitzen. Sie stellten an dieser Stelle den Vergleich zum TCP/IP-Protokoll an, welches gewissermaßen die Basisschicht des Internets darstellt. Während TCP/IP jedoch genau wie das Bitcoin-Netzwerk quelloffen und frei ist, ist Eigentum daran nicht möglich. Vielmehr ist der Besitz nur an den darauf aufbauenden Anwendungen und Technologien wie z.B. Google oder Amazon möglich. Was wäre jedoch, wenn man damals in TCP/IP, also das Internet als ganzes hätte investieren können?

Genau das ist nun mit Bitcoin möglich geworden!

Die Innovationen von Amazon, Facebook, Google, Netflix und anderen haben den Wert und die Bedeutung der Basisschicht des Internets deutlich erhöht. In ähnlicher Weise führen die Innovationen, die in und um bestimmte Protokolle für digitale Vermögenswerte stattfinden, dazu, dass der Wert der jeweiligen Basisschicht zunimmt und ihre Anwendungsfälle und Nutzbarkeit verbessert werden. Das Interessante an dieser Architektur ist, dass ein Anleger einen Teil der Basisschicht dieser neuen Technologie besitzen kann und relativ unabhängig davon sein kann, welche spezifischen Anwendungen darauf aufgebaut werden. Dies wäre vergleichbar mit der Möglichkeit, die Basisschicht des Internets zu besitzen und an allen darauf aufbauenden Innovationen teilzuhaben (z.B. Google, Amazon usw.), ohne sich um die Gewinner und Verlierer kümmern zu müssen.

Ein Bitcoin-Investment ist vergleichbar mit einem Investment in das „gesamte Internet“.
Quelle: Fidelity

„Natürlich wissen wir nicht, wie das neue digitale Vermögenssystem aussehen wird, wenn es weiter reift, oder ob wir eine Multi-Chain-Welt mit verschiedenen Token mit unterschiedlichem Grad an Zentralisierung sehen werden, oder ob wir einen “ winner takes all“-Ansatz sehen werden, bei dem mehr Anwendungen auf der sichersten und dezentralsten Kette gebaut werden. Zum jetzigen Zeitpunkt sieht es jedoch so aus, als ob Bitcoin im Ökosystem der digitalen Vermögenswerte zumindest seine Rolle als knapper Wertspeicher gefunden hat. Unserer Meinung nach bleibt abzuwarten, inwieweit die anderen digitalen Vermögenswerte in der Lage sind, einen anderen notwendigen Anwendungsfall zu erfüllen. Für Bitcoin kann das nicht gesagt werden. Dies führt zu sehr unterschiedlichen Risiko-Rendite-Profilen zwischen Bitcoin und allen anderen digitalen Vermögenswerten und sollte sich letztlich darauf auswirken, wie Anleger die Aufnahme der einzelnen Vermögenswerte in ihr Anlageportfolio in Betracht ziehen.“

– Fidelity Investments

Risiko und Rendite

Viele Anleger führen oft das Potenzial für extrem vorteilhafte Renditen als Grund für eine Übergewichtung von Altcoins an und lassen in einigen Fällen Bitcoin sogar ganz aus ihrem Portfolio aus. Während dieses potenzielle Renditeprofil bei einigen digitalen Vermögenswerten gegeben sein mag, ist es wichtig zu bedenken, dass diese Projekte oft auch mit größeren Gesamtrisiken und einer bedeutenden Chance verbunden sind, dass der Token wertlos wird, wenn er die Erwartungen nicht erfüllt.

Auch die Bedrohung durch den Wettbewerb sollte von Investoren mit in die eigenen Überlegungen einbezogen werden. Während wir bereits weiter oben gesehen haben, dass Bitcoin in der Klasse der monetären Netzwerke die Nase relativ weit vorne hat, so ist dies bei Altcoin-Projekten in einem gewissen Marktsegment nicht immer der Fall. Altcoins müssen verschiedene Trade-offs eingehen, um die eigenen Ziele von mehr Skalierbarkeit oder Funktionalität zu erreichen. Diese Dinge können bei Open-Source-Code jedoch leicht kopiert und verändert respektive verbessert werden, sodass ein starker Konkurrenzkampf entsteht und letzten Endes wieder Netzwerkeffekte ein ausschlaggebender Faktor werden. In der Vergangenheit haben wir viele gescheiterte Projekte erlebt, und die Fluktuation unter den Top 10 oder Top 20 Projekten war extrem. Protokolle müssen einen ausreichend großen Netzwerkeffekt um ihren jeweiligen Anwendungsfall herum aufbauen, in der Hoffnung, dass sie sich gegen Konkurrenten verteidigen können, da fast jedes Nicht-Bitcoin-Netzwerk versucht, ein gewisses Maß an Skalierbarkeit oder Funktionalität zu seiner Basisschicht hinzuzufügen, um seinen Wert zu beweisen.

„In Anbetracht des starken Wettbewerbs und der potenziellen Möglichkeit des Scheiterns vieler dieser Projekte erfolgt die Allokation von Altcoins oft mit einer Risikokapital-ähnlichen Denkweise. Anstatt sich für ein bestimmtes Projekt zu entscheiden, gehen die Investoren in der Regel kleine Positionen in vielen einzelnen Projekte ein. Dies führt in der Regel dazu, dass eine aktiv verwaltete Lösung gesucht wird, um die zunehmende Gesamtkomplexität zu bewältigen. Auch dies steht im krassen Gegensatz zu einem reinen Bitcoin-Ansatz in diesem Bereich der digitalen Vermögenswerte.“

– Fidelity Investments

Fazit

In ihrem Bericht legen die Analysten von Fidelity auf wunderbare Weise dar, warum es nicht sinnvoll ist, traditionelle Investitionskonzepte auf Bitcoin anzuwenden und es lediglich als technologische Innovation zu betrachten. Dies führt zu Fehlschlüssen, die vermuten lassen, dass das Bitcoin-Netzwerk leicht durch bessere Technologie verdrängt werden kann und lässt wichtige monetäre Netzwerkeffekte außer Acht. Kuiper und Neureuter argumentierten, dass der Durchbruch und die Innovation von Bitcoin nicht etwa in dessen Eigenschaften als Zahlungstechnologie, sondern vielmehr in dessen Eigenschaften als neue Form von digitalem Geld zu suchen sind. „Als monetäres Gut ist Bitcoin einzigartig. Deswegen sind wir der Meinung, dass Anleger sich Bitcoin zuerst näher ansehen sollten, um digitale Vermögenswerte zu verstehen“, schreiben die beiden Analysten in ihrem Fazit.

Das Bitcoin-Netzwerk hat mit seiner Dezentralität und Zensurresistenz nicht kopierbare Eigenschaften und es unterscheidet sich grundlegend von Altcoin-Projekten. Durch den Ansatz eines monetären Netzwerks als Basisschicht ist Bitcoin sowohl in einer „Multi-Chain-Welt“ als auch einer Welt, in der ein oder wenige Projekte als Gewinner hervorgehen, bestens gerüstet, um bestehen zu können.