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Wird die CFTC dem Bitcoin gefährlich? Vorsitzender verwirrt mit Aussagen.

Am von Rostin Benham Washington Post

Im Allgemeinen wirkt der Responsible Financial Innovation Act, ein Gesetzesvorschlag aus den USA, welcher unter anderem Bitcoin in das traditionelle Finanzsystem integrieren soll, in weiten Teilen angemessen. Blocktrainer.de berichtete bereits mehrfach zu dem überparteilichen Entwurf, der von den beiden Senatorinnen Cynthia Lummis und Kirsten Gillibrand ins Leben gerufen und vor wenigen Tagen offiziell vorgestellt wurde. Einer der Kernaspekte dieses richtungsweisenden Gesetzesvorschlags, ist die Tatsache, dass Bitcoin und einige andere Krypto-Assets als Waren (en. Commodities) und nicht als Wertpapiere (en. Securities) zu klassifizieren und entsprechend zu regulieren sind. Dies würde bedeuten, dass nicht mehr wie bisher die Securities and Exchange Commission (SEC) als Aufsichtsbehörde zuständig wäre, sondern dass diese Aufgabe der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) zugesprochen wird. Dies bringt jedoch eine Gefahr mit sich, denn Rostin Benham, der Vorsitzende der CFTC scheint im Gegensatz zu seinem SEC-Pendant, Gary Gensler, deutlich weniger Kenntnisse über und Verständnis für das Bitcoin-Netzwerk zu haben. Bereits in einigen früheren Interviews und auch in einem aktuellen Gespräch mit der Washington Post, traf der CFTC-Chef einige Aussagen die äußerst kritisch zu betrachten sind.

Gefahr für den Bitcoin?

Schon in der Vergangenheit sorgte Benham mit der Aussage, dass der Nutzen von Bitcoin nicht mit dem Energieverbrauch des Minings im Einklang stehe, für Unmut innerhalb der Community. Diese Aussage bekräftigte er jetzt im Interview mit der Washington Post erneut und offenbarte damit auch einige Verständnislücken. Auf die Rückfrage der Reporterin Leigh Ann Caldwell, wie mit dem hohen Energieverbrauch von Bitcoin umgegangen werden sollte und welche Möglichkeiten und Alternativen es gebe, erklärte der Vorsitzende:

Rostin Benham. Quelle: Wikipedia (CC-PD)

„Was die Beziehung zwischen dem aktuellen Anwendungsfall und die Energieverwendung und den Energieverbrauch des Minings angeht, so glaube ich, dass es im Moment eine ziemlich große Diskrepanz gibt, die wir beseitigen müssen, zum Beispiel durch Technologie sprich ‚Proof Of Work‘ versus ‚Proof Of Stake‘. Ich weiß aber auch, dass es einige Miner gibt, die die Art des Minings verändern wollen, um weniger Energie zu verbrauchen.“

– Rostin Benham, Vorsitzender der CFTC

Auch wenn er eventuell damit recht hat, dass zum aktuellen Zeitpunkt die Anwendung des Bitcoin-Netzwerks und sein Energieverbrauch sich nicht decken, stiftete Benham vor allem mit dem zweiten Teil seiner Aussage Verwirrung. Denn während einige Miner durchaus die Art des Minings verändern wollen, ist der Zweck lediglich die Verwendung von mehr grüner Energie, um weniger CO₂-Emissionen zu verursachen, nicht aber die Verminderung des Energieverbrauchs, da dieser in direktem Zusammenhang mit der Sicherheit des Netzwerks steht. Dass der CFTC-Vorsitzende dies allerdings (noch) nicht verstanden hat, machte er im weiteren Verlauf des Gesprächs deutlich. Er argumentierte, wie seine Behörde durch die Beeinflussung des Informationsflusses die Investoren und Verbraucher dazu bringen kann, sich von den energiehungrigen Projekten abzuwenden. Im Grunde erklärte er, dass er und die CFTC durch ökonomische Anreize die Leute weg von Bitcoin und anderen Proof-of-Work Projekten, hin zu Proof-of-Stake-Alternativen bringen möchte. Und das, obwohl Proof-of-Stake alles andere als eine gute Alternative zu Proof-of-Work darstellt. Während der SEC-Chef Gary Gensler am Massachusetts Institute of Technology (MIT) über Bitcoin und Krypto-Assets lehrte, sich in der Vergangenheit oft positiv für Bitcoin aussprach und erklärte „Nakamots Vision ist real“, scheint Benham an dieser Front noch etwas Nachholbedarf zu haben.

„Einerseits muss die Industrie umstellen und verstehen, dass der Energieverbrauch zu hoch ist, andererseits müssen die Verbraucher verstehen und begreifen, was auf dem Spiel steht, damit sie durch wirtschaftliche Anreize ihre Wahl von einem energieintensiven Verhalten abwenden können.

Und das ist eine uralte Theorie: Wenn wir diesen Informationsfluss schaffen, werden Anreize und Fehlanreize den Markt in die richtige Richtung lenken und angesichts der Klimakrise und der Probleme im Zusammenhang mit dem Klimawandel denke ich, dass mit den richtigen und genauen Informationen Anreize geschaffen werden, die die Menschen von diesem energieverbrauchenden Verhalten abbringen.“

– Rostin Benham, Vorsitzender CFTC

Aussagen wie diese können, sollten sie in die Tat umgesetzt werden, tatsächlich eine Gefahr für Bitcoin darstellen. Denn die CFTC hat als eine der weltweit größten Aufsichtsbehörden definitiv die Macht, um den Informationsfluss so zu steuern und die Anreize so zu setzen, wie es ihr beliebt.

Lobbyarbeit

Da die Bitcoin-Lobby in den USA in den vergangenen Monaten immens gewachsen ist und sich immer weiter verfestigt, bleibt zu hoffen, dass Benham und weitere Mitarbeiter der Aufsichtsbehörden noch rechtzeitig auf Verständnislücken aufmerksam gemacht werden. Regulierung, die auf Unwissenheit und Fehlannahmen basiert ist nämlich selten zielführend. Und im Gespräch wurde mehrmals betont, dass die Vereinigten Staaten auf eine angemessene Regulierung pochen, um die eigene Vormachtstellung in der (Finanz-)Welt beizubehalten. Bitcoin, das Mining und die positiven Aspekte und das Potenzial, das es bietet, zu ignorieren, ist sicherlich nicht im Sinne dessen.