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Cardano-Gründer verbreitet Falschinformationen: Bitcoin-Legende widerspricht vehement!

Am von

In den sozialen Medien, insbesondere bei 𝕏 (ehemals Twitter) sorgen aktuelle Äußerungen von Charles Hoskinson, dem Gründer von Cardano, für Aufsehen. Hoskinson kritisierte die US-Börsenaufsicht SEC dafür, dass sie Bitcoin im Gegensatz zu anderen Kryptowährungen wie Cardano nicht als Wertpapier (en. security) behandelt. Er behauptet, dass Bitcoin nicht so dezentralisiert sei, wie oft angenommen wird, und argumentiert, dass eine 51%-Attacke durch richterlichen Beschluss gegen die drei größten Mining-Pools möglich sei. Diese Aussagen riefen Adam Back, einen legendären Kryptografen und die einzige Person, die namentlich von Satoshi Nakamoto im Bitcoin-Whitepaper referenziert wurde, auf den Plan, um Hoskinsons Behauptungen entschieden entgegenzutreten.

Warum [gilt] Bitcoin nicht als Wertpapier? Man erkläre mir den verdammten Unterschied zwischen Bitcoin, Ethereum, Cardano und dem ganzen Rest. Erklärt es mir, als wäre ich fünf Jahre alt! […] Und übrigens, man müsste nur gegen drei verschiedene Entitäten einen richterlichen Beschluss erlassen und könnte eine 51%-Attacke gegen Bitcoin durchführen.

Charles Hoskinson, Cardano-Gründer

Bitcoin-Legende Adam Back erklärt

BTC und ADA im Howey-Test

Obwohl Hoskinson die Unterschiede zwischen Bitcoin und seinem Projekt durchaus klar sein dürften, stellte er diese rhetorische Frage gezielt offen, um wenig kundigen Leuten und Neulingen im Krypto-Dschungel zu suggerieren, dass Cardano mit Bitcoin auf einem Level stünde, was Sicherheit, Dezentralität und Co. angeht. Er forderte in seinen jüngsten Äußerungen eine Erklärung zur Unterscheidung zwischen Bitcoin und anderen Kryptowährungen, wie eben Cardano, insbesondere im Hinblick auf den Howey-Test, einem Standardverfahren, das von der US-Börsenaufsicht SEC verwendet wird, um zu bestimmen, ob ein bestimmtes Finanzinstrument als Wertpapier betrachtet werden sollte. Hoskinson hinterfragt, warum Bitcoin von der SEC im Gegensatz zu den meisten Altcoins nicht als Wertpapier eingestuft wird.

Lese-Tipp | Was ist der Howey-Test? Sind Bitcoin und Ethereum Wertpapiere?

Der Howey-Test prüft im Wesentlichen, ob es eine Investition in eine gemeinsame Unternehmung gibt, mit der Erwartung von Gewinnen, die hauptsächlich durch die Anstrengungen anderer erzielt werden. Bei der Anwendung dieses Tests auf Bitcoin und Cardano wird ein deutlicher Unterschied sichtbar. Bitcoin wurde nicht durch ein ICO finanziert, es gab keine zentrale Entität, die Investitionen sammelte, und keine Versprechen von Gewinnen durch die Anstrengungen eines Entwicklerteams oder einer Organisation. Stattdessen wurde Bitcoin als dezentrales Netzwerk konzipiert, bei dem jeder Teilnehmer freiwillig beitritt und die Wertentwicklung nicht von den Anstrengungen einer einzelnen Gruppe abhängt.

Und genau diesen Fakt ignoriert Hoskinson auch gekonnt, denn er behauptet, dass es auch bei Bitcoin Leute gebe, die mit Gewinnerwartungen BTC kaufen. Damit liegt er natürlich richtig, allerdings – und das ist im Falle des Howey-Tests eben essenziell – hängt diese bei Bitcoin im Gegensatz zu den allermeisten Altcoins nicht von den Entwicklungsbemühungen einer einzelnen Foundation oder anderen zentralisierten Entitäten ab.

Im Gegensatz dazu hatte Cardano eine viel strukturiertere Einführung, einschließlich einer Art von ICO, bei dem ADA-Tokens an Investoren verkauft wurden. Obwohl Hoskinson argumentiert, dass es sich technisch nicht um ein ICO handelte, wurden die Token dennoch im Rahmen einer organisierten Bemühung verkauft, was definitiv auf eine zentralisierte Anstrengung hinweist. Im Sinne des Howey-Tests könnte dies somit sehr wohl als eine Investition in eine gemeinsame Unternehmung interpretiert werden, bei der die Käufer der Token Gewinne aufgrund der Anstrengungen des Cardano-Entwicklungsteams erwarten.

Es ist ganz einfach: Bitcoin hat kein ICO gemacht, die meisten Leute dachten, es hätte keinen Wert, es wurde von null an gemined, es ist dezentralisiert, es gibt keinen CEO, keine durch ein ICO finanzierte „Stiftung“, keine Körperschaft usw., sodass Cardano, ETH usw. klar und deutlich den Howey-test bestehen, Bitcoin ist eine Ware und tut dies nicht.

Adam Back, CEO bei Blockstream

Bitcoin hatte kein ICO & Premine!

Was von Leuten wie Hoskinson und anderen Personen, die ihre eigenen Altcoins an den Mann bringen möchten, oft behauptet wird, ist, dass es auch bei Bitcoin eine Art „Premine“ gab, bei dem sich Satoshi Nakamoto, der Schöpfer von Bitcoin, die Taschen vollmachte. Diese Behauptung ist allerdings völliger Humbug und nachweisbar falsch. Satoshi startete das Mining des Bitcoin-Netzwerks, ohne sich selbst auch nur einen einzigen „Sat“ vorher selbst auszubezahlen. Auch er selbst begann mit dem Mining erst nach der Veröffentlichung des Projekts und er wartete sogar, bis mindestens eine zweite Entität am Netzwerk teilnahm. Dass er darüber hinaus von der Bildfläche verschwand, ohne je einen einzigen seiner geschürften Coins anzurühren, spricht Bände. Dies steht im krassen Gegensatz zu vielen anderen Kryptowährungsprojekten, bei denen Tokens schon vor dem Start des Netzwerks an Investoren verkauft wurden.

Interessanterweise stellte eine Userin bei 𝕏 fest, dass man mithilfe der „Wayback Machine“, die frühere Versionen von Webseiten anzeigen kann, schnell in der Lage ist festzustellen, dass Cardano in der Tat durch ein ICO finanziert wurde, obwohl Hoskinson gegenteiliges behauptet.

Ja. Ganz zu schweigen davon, dass es von allen als „Cardano ICO“ bezeichnet und als solches beworben wurde.

Wayback Machine zeigt, wie Erwähnungen, dass es sich um ein ICO handelt, kürzlich aus Wikipedia gelöscht wurden. [Man versucht, die] Geschichte umzuschreiben.

@bitbitspice

Irreführung: Die 51%-Attacke

Back stellt außerdem klar, dass die von Hoskinson angesprochene Gefahr einer 51%-Attacke auf Bitcoin irreführend ist. Die Annahme, dass Bitcoin nicht dezentralisiert sei, weil einige große Mining-Pools existieren, verkennt die Tatsache, dass diese Pools aus Hunderten oder sogar Tausenden von unabhängigen Entitäten bestehen. Diese Miner wählen freiwillig, welchem Pool sie sich anschließen möchten, und können jederzeit wechseln. Dies stellt eine Form der Dezentralisierung dar, die sich grundlegend von einer zentralisierten Kontrolle unterscheidet. Sollte es also so kommen, dass richterliche Beschlüsse gegen diese Mining-Pools erlassen würden, könnten die Teilnehmer binnen weniger Sekunden den jeweiligen Pool verlassen und sich einem anderen anschließen. Das Bild, das Hoskinson mit seinen Aussagen zu zeichnen versucht, um Bitcoin in ein schlechtes Licht zu rücken, ist schlichtweg falsch und ein Märchen.

Fazit

Die Diskussionen um Charles Hoskinsons Kommentare zu Bitcoin und Cardano werfen auch ein Licht auf seine persönliche Geschichte in der Krypto-Welt. Was vielen Neulingen im Markt nicht klar ist, ist insbesondere seine Rolle bei der Entwicklung von Ethereum und seine spätere Trennung vom Entwicklerteam rund um Vitalik Buterin. Hoskinson war nämlich einer der Mitbegründer von Ethereum, sein Ausscheiden aus dem Projekt jedoch nicht einvernehmlich; er wurde aufgrund von Meinungsverschiedenheiten und – salopp gesagt – einem gewissen „Götterkomplex“, den er in dieser Phase entwickelte, von seinen Co-Foundern aus dem Team geworfen. Diese „unehrenhafte Entlassung“, war ein Wendepunkt in seiner Karriere und führte letztlich zur Gründung von Cardano.

Einer der Hauptstreitpunkte war damals die Frage, ob Ethereum als kommerzielle Entität oder als Non-Profit-Organisation betrieben werden sollte. Hoskinson befürwortete eine kommerzielle und unternehmensähnliche Struktur sowie ein professionelles Managementteam – natürlich mit ihm selbst in einer gehobenen Position. Diese Ansichten führten letztlich dazu, dass Vitalik Buterin die Entscheidung traf, dass er das Projekt verlassen muss.

Diese historische Perspektive ist wichtig, um Hoskinsons aktuelle Positionen und Äußerungen zu verstehen. Einige seiner damaligen Weggefährten betrachten ihn heute lediglich als polarisierende Figur, die zuweilen zu übertriebenen Versprechungen und umstrittenen Behauptungen neigt. Diese Wahrnehmung hat sich bis heute gehalten und färbt die Interpretation seiner Aussagen und Handlungen. Er war gewissermaßen schon immer ein „Schlangenöl-Verkäufer“, der stets den eigenen Reichtum zum obersten Ziel hatte.