BlackRocks Bitcoin-ETF IBIT verwahrt jetzt 288.670 BTC im Gegenwert von rund 20 Milliarden US-Dollar. Damit ist das Anlageprodukt vom größten Vermögensverwalter der Welt zum größten Bitcoin-ETF geworden, was bedeutet, dass derzeit kein anderes Unternehmen dieser Branche mehr Bitcoin verwahrt als das Unternehmen von Larry Fink.

IBIT überholt GBTC

Seit die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC am 10. Januar 2024 grünes Licht für Bitcoin-Spot-ETFs erteilte, hat der Bitcoin-ETF von BlackRock eine nie gesehene Zuflussserie erlebt. An den ersten 71 Handelstagen flossen dem börsengehandelten Fonds ununterbrochen Mittel zu – ein Rekord für einen neu aufgelegten ETF. Auch bezüglich des Anlagevolumens nach dem Handelsstart hat BlackRock mit IBIT Rekorde gebrochen: IBIT ist der ETF, der es mit Abstand am schnellsten schaffte, 20 Milliarden US-Dollar an Assets aufzusaugen. Selbst CEO Larry Fink bezeichnete den hauseigenen Bitcoin-ETF auch stolz als den “am schnellsten wachsenden ETF in der Geschichte von ETFs”.

Doch bis gestern gab es noch einen größeren ETF als den von BlackRock, und zwar GBTC von Grayscale. Bevor es die Zulassung für Bitcoin-Spot-ETFs gab, war GBTC ein geschlossener Trust, aus dem keine Bitcoin abfließen konnten. Halter des Anlageprodukts konnten ihre Anteile zwar verkaufen, aber nicht gegen das zugrundeliegende Asset eintauschen. Dies führte dazu, dass GBTC zeitweise mit starken Abweichungen zum tatsächlichen Bitcoin-Kurs handelte.

Seit der aus der Krypto-Industrie stammende Vermögensverwalter Grayscale sein Anlageprodukt Anfang des Jahres in einen Spot-ETF umwandeln durfte, sind GBTC so viele Mittel abgeflossen, wie es bei einem ETF noch nie der Fall war. Das lag unter anderem an der teuren Verwaltungsgebühr von GBTC, die mit 1,5 Prozent deutlich höher als die der Konkurrenten lag. BlackRock ruft mit IBIT beispielsweise nur 0,25 Prozent an jährlichen Gebühren auf.

Zum Zeitpunkt der Umwandlung hielt GBTC über 600.000 BTC. Mittlerweile sind es nur noch 287.450 BTC – und der Abwärtstrend hält weiter an, obwohl die Abflüsse in den vergangenen Wochen deutlich abgenommen haben und GBTC auch erstmals wieder Mittel zufließen konnten. Doch mit den wieder steigenden Zuflüssen in BlackRocks IBIT, die vermutlich auch zu großen Teilen auf ein Umschichten von ehemaligen GBTC-Investoren zurückzuführen sind, ist der ETF vom größten Vermögensverwalter der Welt mit 288.670 auch der größte Bitcoin-ETF.

Jetzt ist es offiziell. $IBIT ist der König der Kategorie und wird es wahrscheinlich für Jahrzehnte sein. Die niedrigen Gebühren, die hohe Liquidität und der Markenname iShares sind einfach zu mächtig (auch wenn es zu gewinnen für alle gibt).
Eric Balchunas, Bloomberg-ETF-Experte

Obwohl dem GBTC so viele BTC abgeflossen sind, gab es nur einen verhältnismäßig kleinen Rückgang bei dem durch das Produkt verwalteten Vermögen – in US-Dollar gemessen. Das liegt an dem seit der ETF-Zulassung stark gestiegenen Bitcoin-Kurs, von etwas über 40.000 auf zeitweise mehr als 70.000 US-Dollar.

Dies wird gut erkennbar, bei einem Vergleich der “Assets under Management” der beiden ETFs, IBIT und GBTC, seit dem ersten Handelstag für die neuen Anlageprodukte.

ETF-Zuflüsse nehmen wieder an Fahrt auf

Seit Anfang Mai ist die Nachfrage nach den Bitcoin-ETFs wieder deutlich gestiegen – Hand in Hand mit dem Bitcoin-Kurs. Alleine in den vergangenen elf Handelstagen konnten die Anlageprodukte zusammengenommen Zuflüsse von über zwei Milliarden US-Dollar, also knapp 200 Millionen US-Dollar pro Tag. Derzeit liegen die kumulierten Nettozuflüsse seit dem Handelsstart mit über 13,7 Milliarden US-Dollar auf einem neuen Höchststand. 

BlackRock wird zum größten Bitcoin-Player

BlackRock ist nun der Vermögensverwalter, welcher die meisten BTC hält. Doch der Finanzgigant verwahrt die BTC lediglich als Dienstleister für die Kunden, welche den Bitcoin-ETF gekauft haben. So gesehen besitzt BlackRock gar nicht die Bitcoin selbst und könnte mit diesen auch nicht – ohne Gesetze zu brechen – am Markt aktiv werden. Viele Bitcoin an sich zu besitzen beziehungsweise zu verwahren, gibt einer Entität – anders als bei Proof-of-Stake-Kryptowährungen wie Ethereum – keine Macht über das Netzwerk. Die einzige “Macht”, die viele Bitcoin einem Marktteilnehmer verleihen, ist die Kaufkraft, wenn dieser die BTC am Markt einsetzt.

Dennoch ist es interessant zu sehen, dass der größte Player aus der traditionellen Finanzwelt jetzt auch im Bitcoin-Markt die Nummer eins ist. Und rein aus sicherheitstechnischen Bedenken ist es auch zu begrüßen, wenn es nicht mit GBTC nur einen Trust gibt, der viele BTC hält, sondern diese auf mehrere Fonds verteilt sind – auch wenn derzeit noch die meisten ETF-Emittenten auf das Krypto-Unternehmen Coinbase als Verwahrer setzen.

Die größten Bitcoin-Besitzer

Bei den Entitäten, die selbst Bitcoin besitzen, führt MicroStrategy die Liste an. Das von Michael Saylor gegründete Unternehmen, das seit August 2020 eine Bitcoin-Strategie verfolgt, kann 214.400 BTC ihr Eigen nennen. Die USA sind derweil der größte Halter auf Staatsebene. Ihnen wird nachgesagt, rund 213.000 BTC zu besitzen.

Auf den unbekannten und untergetauchten Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto sind zwar etwa 1,1 Millionen Bitcoin zurückzuführen, doch da dieser seine Bestände vermutlich nie anrühren wird, geschweige denn kann, ist Satoshi getrost auszunehmen. Viele gehen davon aus, dass wenn Satoshi überhaupt noch lebt, er vermutlich gar nicht auf diese zugreifen könnte, da er den Zugang wohl zerstört hat. Auch würde der Bitcoin-Erfinder seine BTC nicht wirklich einsetzen können, ohne dabei seine Identität preiszugeben, die er bisher so gut verschleiert hat, wie es ihm wohl kaum einer nachmachen könnte.

Über den Autor: Tristan

Tristan ist studierter Volkswirt mit journalistischer Erfahrung außerhalb von Blocktrainer.de. Seit 2020 ist Tristan im Bitcoin-Space aktiv, schon in den Jahren zuvor beschäftigte er sich mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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