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Bitcoin auf Jahrestiefstand – Was sind die möglichen Gründe?

Am von BTC Crash Mai

Mit einem Kurswert von etwa 33.500 US-Dollar rangiert der Bitcoin derzeit auf dem niedrigsten Stand des gesamten Jahres 2022 und nähert sich stark dem Tiefstwert vom Juli 2021, als der Bitcoin-Preis sogar knapp unterhalb der 30.000 US-Dollar Marke lag. Allein seit Donnerstag hat der gesamte Kryptowährungsmarkt mehr als 250 Milliarden US-Dollar an Marktkapitalisierung eingebüßt. Aber auch den traditionellen Finanzmärkten geht es derzeit nicht gut. Indizes wie der DAX, der Dow Jones oder der S&P 500 verloren seit Jahresbeginn und besonders in den letzten Tagen stark. Viele Experten sehen vorrangig das globale makroökonomische Umfeld als Haupttreiber für die starke Preiskorrektur an den Börsen. Dies ist ein Indikator dafür, dass der Kryptowährungsmarkt noch immer relativ abhängig vom Aktienmarkt und kein erhoffter „sicherer Hafen in Krisenzeiten“ ist.

Überhitzter Krypto-Markt

Sucht man nach Gründen für den Preisverfall seit Jahresbeginn, kann man schnell zu der Einsicht gelangen, dass im Zuge des letzten größeren Bullen-Zyklus, der mit dem Ausbruch der Covid-Krise im Frühjahr 2020 seinen Startschuss erhielt, der Kryptowährungsmarkt einfach überhitzt war. Im September 2021 erreichte die Marktkapitalisierung aller Krypto-Assets einen Spitzenwert von mehr als 2,7 Billionen US-Dollar. Zu großen Teilen war dieser immense Wertzuwachs jedoch durch Neuinvestoren getrieben, die ihr Glück in sogenannten Meme-Coins und Nicht-fungiblen-Token (NFTs) suchten. Aber auch der Bitcoin wurde (und wird noch immer) als Spekulationsobjekt missbraucht. Zu groß war (und ist noch immer) die Diskrepanz zwischen denjenigen Investoren, die den BTC aufgrund seiner Eigenschaften als hartes Geld und freies sowie zensurresistentes Netzwerk kauften und jenen, die nur auf der Suche nach dem schnellen Geld waren. Zu viele Personen im Markt investierten Kapital in Dinge (Coins/Assets), die sie nicht einmal im Ansatz verstehen oder überhaupt verstehen wollen. Schon damals warnten zahlreiche Marktbeobachter und Experten, dass eine Blasenbildung stattfinde, die nicht nachhaltig sein kann und wird. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis etwas Luft aus dem Markt genommen wird und eine größere Korrektur stattfindet. Über den letzten Herbst und Winter kam es also, wie es kommen musste und der gesamte Kryptomarkt brach stark ein, bis er schließlich im Januar seinen vorzeitigen Jahrestiefstwert erreichte und eine leichte Phase der Erholung begann.

Auch Aktien betroffen

Krypto- und Aktienmärkte hängen noch immer stark zusammen und können nicht gänzlich getrennt voneinander betrachtet werden. Gerade makroökonomische Faktoren, die für die Entstehung und das Ende der sogenannten Boom-und-Bust-Zyklen verantwortlich sind, betreffen stets beide Märkte.

Der Buffet-Indikator liefert eine Bewertungskennzahl dafür, ob der amerikanische Aktienmarkt derzeit unter-, über- oder fair bewertet ist. Er gibt das Verhältnis zwischen dem Aktienmarkt und dem Bruttoinlandsprodukt an. Während der Indikator-Wert durchschnittlich bei etwa 85% – 90% liegt und man in diesem Bereich von einer fairen Bewertung ausgeht, erreichte er im vergangenen Herbst bei über 200% sein bisheriges Allzeithoch. Ein klares Signal dafür, dass zu diesem Zeitpunkt der Aktienmarkt ebenfalls extrem überhitzt war. Auch heute steht der Buffet-Indikator noch immer oberhalb von 150% und der Aktienmarkt gilt weiterhin als stark überbewertet.

Der sogenannte Buffet-Indikator setzt den Aktienmarkt ins Verhältnis zum BIP. Quelle: Longtermtrends

Zinswende bei der FED

Mit der vor wenigen Tagen verkündeten Zinswende bei der US-amerikanischen Zentralbank wuchs nun der Druck auf die Märkte erneut. Die Federal Reserve (FED) proklamierte eine Anhebung des Leitzinses um 0,5 Prozentpunkte und hob ihn in die Spanne zwischen 0,75% und 1%. Der Notenbankchef Jerome Powell erklärte in diesem Zuge auch, dass weitere Zinserhöhungen im Laufe des Jahres folgen sollen. Auf diese Weise möchte die FED der Bedrohung durch die stark zunehmende Preisinflation Herr werden. Der Ausblick darauf, dass sich mittelfristig auch weniger risikoreiche Geldanlagen durch bessere Zinsen wieder lohnen könnten, sorgte dafür, dass einiges an Kapital aus spekulativen Investmentzweigen, wie eben dem Aktien- und speziell dem Kryptomarkt herausgenommen wurde. Auch von der Europäischen Zentralbank wird bald eine Zinserhöhung erwartet. Natürlich sind wir noch immer weit davon entfernt zu sagen „Sparen lohnt sich wieder“, gleichwohl macht es eine Anhebung der Zinsen für risikoreiche Anlageklassen immer schwerer.

Demzufolge sind die Kurswerte sowohl in den traditionellen Aktienmärkten als auch im Kryptomarkt stark zurückgegangen.

Auch der DAX verlor seit Jahresbeginn stark an Kurswert.
Quelle: Google Finanzen

BTC-Outflows

Auch die Bitcoin-Outflows, also Abflüsse von BTC aus Fonds und ähnlichen Anlageprodukten wie z.B. dem Grayscale Bitcoin Trust sind ein Indikator dafür, dass Anleger derzeit auf der Suche nach alternativen Möglichkeiten sind, das eigene Kapital gewinnbringend, aber zugleich mit möglichst wenig Risiko zu parken. Das Unternehmen CoinShares berichtete in der vergangenen Woche, dass sich die Gesamtabflüsse über alle Kryptowährungen hinweg, seit Monatsbeginn auf fast 340 Millionen US-Dollar beliefen. Mit über 300 Millionen US-Dollar entfiel der mit Abstand größte Teil auf den BTC.

BTC Outflows. Quelle CoinShares,

Hohe Outflows sind ein Hinweis darauf, dass das allgemeine Markt-Sentiment eher bärisch gestimmt ist, da Anleger das Kapital aus dem Krypto-Markt in andere Anlageobjekte oder Cash umschichten.

Fazit

Neben den ohnehin überhitzten Märkten und der US-Geldpolitik sorgen auch andere makroökonomische Faktoren, wie die anhaltende „Zero-Covid-Politik“ in China, die die Aussicht auf eine Entspannung der Lieferketten weiter hemmt, für stetigen Druck auf die Märkte. Die Paarung zwischen Güterknappheit durch Lieferprobleme und teurer werdendem Geld im Kampf gegen die Inflation lässt die Gefahr einer drohenden Rezession real wirken. Durch die Einschränkung der Konjunktur wird es der Aktien- und mit ihm der Kryptomarkt voraussichtlich auch in den kommenden Wochen schwer haben. Allerdings sollte man nicht vergessen und außer Acht lassen, dass im Kryptomarkt alles möglich ist. Schließlich kam es auch im vergangenen Frühjahr und Sommer zu einem Crash, der seinen Tiefstand im Juli 2021 erreichte. Und nur wenige Monate später, im November, erreichte die Marktkapitalisierung ihr bisheriges Allzeithoch. Etwas „Hopium“ ist also noch immer übrig.