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Was ist TARO? Ethereum-Killer als Layer 3 auf Bitcoin?

Am von Taro Taproot Bitcoin

Der Bitcoin- und Lightning-Entwickler Olaoluwa Osuntokun (genannt: roasbeef) stellte in seiner Rolle als CTO des Unternehmens Lightning Labs auf der Bitcoin Konferenz in Miami ein neues Protokoll namens Taproot Asset Representation Overlay (kurz: TARO) vor. Wie der Name schon vermuten lässt, baut TARO als quelloffene Lösung auf dem Taproot-Upgrade des Bitcoin-Protokolls auf und zielt darauf ab, verschiedene Assets wie z.B. Stablecoins oder auch NFTs auf die Bitcoin-Blockchain beziehungsweise das Lightning Netzwerk zu bringen. Doch was kann TARO als „dritte Ebene“ von Bitcoin tatsächlich möglich machen? Was sind die Ziele von TARO? Geht es als einer der vielen „Ethereum Killer“ mit ins Rennen? Wir werden versuchen diese Fragen möglichst einfach verständlich zu beantworten. Da die technischen Details zur Funktionsweise von TARO relativ komplex sind und zum Verständnis gewisse Grundkenntnisse zum Taproot-Upgrade und zum Lightning Netzwerk notwendig sind, werden wir dieses Thema allerdings lediglich oberflächlich darstellen.

Was ist TARO?

In Anlehnung an Taproot (= Pfahlwurzelsystem bei Pflanzen) spielt der Name auf die Nutzpflanze „Taro“ an, welche einer Süßkartoffel ähnelt und vor allem in Südost-Asien verbreitet ist.

Wie bereits erwähnt steht die Abkürzung TARO in diesem Fall jedoch für Taproot Asset Representation Overlay und beschreibt ein auf Taproot basierendes Protokoll für die sichere Ausgabe von digitalen Vermögenswerten auf der Bitcoin-Blockchain, die instantan und günstig über das Lightning Netzwerk versendet werden können. TARO bedient sich demnach sowohl an der Sicherheit und Stabilität des Bitcoin-Netzwerks als auch an der Geschwindigkeit, Skalierbarkeit und den niedrigen Gebühren von Lightning.

Mit dem im November 2021 aktivierten Taproot-Upgrade bekam das Bitcoin-Netzwerk einige zusätzliche Funktionalitäten, wie zum Beispiel ein neues Signaturschema („Schnorr-Signaturen“), eine neue Script-Sprache („Tapscript“) sowie sogenannte Merklized Alternative Script Trees (MAST), welche es ermöglichen, dass nicht mehr alle Informationen in einem Skript veröffentlicht werden müssen. In den Zeiten vor Taproot, mussten stets alle Bedingungen einer BTC-Transaktion für alle User in der Blockchain einsehbar veröffentlicht werden.

Mithilfe dieser MASTs können innerhalb des TARO-Protokolls nun Daten für neue Assets so eingebettet werden, dass diese in den darunterliegenden Schichten als „normale Bitcoins“ behandelt werden können. Konzeptionell funktioniert TARO also ähnlich wie sogenannte „Colored Coins“, durch die Nutzung von Taproot aber mit wesentlichen Vorteilen hinsichtlich der Privatsphäre und Skalierbarkeit. Auf TARO ausgegebene Vermögenswerte können darüber hinaus in Zahlungskanälen des Lightning Netzwerks hinterlegt werden, wo Knotenpunkte Umwandlungen („atomic swaps“) von Bitcoin in Taro-Vermögenswerte anbieten können. Dadurch können Taro-Vermögenswerte mit dem Lightning Netzwerk interoperabel sein, von dessen Reichweite profitieren und dessen Netzwerkeffekte verstärken.

Das Besondere an TARO ist, dass Transaktionen, die durch das Lightning Netzwerk geroutet werden, nicht darauf angewiesen sind, dass das entsprechende Asset auch tatsächlich in den jeweiligen Kanälen liegt. TARO-Transaktionen können über Kanäle mit verschiedenen Assets geroutet werden. Eine Zahlung von 10 L-USD (USD Stablecoin im Lightning Netzwerk) von Alice an Dave kann beispielsweise auch Kanäle nutzen, in denen sich lediglich BTC befinden. Dies ist ein enormer Vorteil von TARO gegenüber anderen Versuchen, Stablecoins und andere Assets in das Lightning Netzwerk zu integrieren, da es die bestehenden Netzwerkeffekte und die vorhandene Liquidität sofort nutzen kann.

Beispiel einer multi-Hop TARO Transaktion. Quelle: Lightning Labs

„Taro ermöglicht es Bitcoin, als Wertprotokoll zu dienen, indem es App-Entwicklern erlaubt, Vermögenswerte neben BTC in Apps sowohl on-chain als auch über Lightning zu integrieren. Dies vergrößert die Bandbreite des Lightning-Netzwerks als Ganzes, bringt mehr Nutzer in das Netzwerk, die für mehr Volumen und Liquidität in Bitcoin sorgen, und ermöglicht es den Menschen, auf einfache Weise in ihren Apps Fiat gegen Bitcoin zu tauschen. Mehr Netzwerkvolumen bedeutet mehr Routing-Gebühren für Node-Betreiber, die die Vorteile eines Multi-Asset-Lightning-Netzwerks sehen werden, ohne dass sie zusätzliche Assets unterstützen müssen.“

Ryan Gentry, Business Development Lead bei Lightning Labs

Finanzielle Inklusion dank BTC und TARO

Grundsätzlich muss sich die Frage gestellt werden, inwiefern es überhaupt sinnvoll ist z.B. Stablecoins, die ohnehin durch einen zentralen Issuer ausgestellt werden, auf eine dezentrale Blockchain, wie Bitcoin zu bringen. Das sogenannte Oracle-Problem wird dadurch schließlich nicht gelöst. Ein sinnvoller Anwendungsfall ist möglicherweise die weltweite finanzielle Inklusion.

Die Schaffung von finanzieller Inklusion durch das Bitcoin-Netzwerk ist seit jeher eines der ausgegebenen Ziele der Bitcoin-Community. Ein freies und offenes Geldsystem wie Bitcoin, das niemanden aufgrund seiner Hautfarbe, Sexualität, Ethnie, Religion oder aus sonstigen Gründen ausschließt, weltweit verfügbar ist und relativ niedrige Zugangshürden hat, stellt grundsätzlich ein ideales Mittel für finanzielle Inklusion dar. Laut der neuesten Global Findex-Datenbank der Weltbank haben über 31 Prozent der erwachsenen Weltbevölkerung keinen Zugang zu einer formalen Bankdienstleistung. Das heißt, es gibt etwa zwei Milliarden Erwachsene, die formal bankenlos (man spricht auch von „unbankend“) sind und vom formellen Finanzsystem nicht oder nur unzureichend („underbanked“) bedient werden.

Während das Bitcoin-Netzwerk essenzielle finanzielle Dienstleistungen wie Transaktionen und langfristige Spardienstleistungen bereits abbilden kann, ist dies kurzfristige Volatilität des BTC als Asset seit jeher ein großer Kritikpunkt, der gegen dessen Eignung als Werkzeug für finanzielle Inklusion spricht. Gerade arme Menschen in Entwicklungsländern können es sich gegebenenfalls nicht leisten, einen vorübergehenden Kurssturz des BTC auszusitzen, weswegen viele lieber eine kurzfristig wertstabile Währung wie den US-Dollar halten anstelle von Bitcoins.

Durch TARO wird es nun möglich, auch stabile Werte („Stablecoins“) auf dem Bitcoin-/Lightning Netzwerk abzubilden und Personen in Entwicklungs- und Schwellenländern den freien Besitz und direkten Transfer von kurzfristig wertstabilen Assets zu gestatten.

Chancen und Einschränkungen

Aus den bisherigen Zeilen sollte bereits klar sein, dass TARO einige Chancen und Vorteile mit sich bringt, die wir hier noch einmal kurz zusammenfassen möchten. Gleichzeitig ist das Protokoll aber auch mit einigen Einschränkungen verbunden, die wir ebenfalls nicht unerwähnt lassen möchten.

Chancen

Sicherheit

Durch die Verwendung von Taproot kann sich TARO auch auf den Proof-of-Work -Konsensmechanismus von Bitcoin stützen, um die korrekte Reihenfolge der Transaktionen zu gewährleisten und Doppelausgaben („double spends“) zu verhindern, während gleichzeitig spezielle Richtlinien für die Interaktion mit den neuen Asset-Daten und deren Validierung festgelegt werden. Wie normale on-chain Bitcoin-Transaktionen ist kein weiterer Vertrauensbeweis nötig und TARO-Transaktionen profitieren vollständig von der Sicherheit des Bitcoin-Netzwerks. Dies ist ein enormer Vorteil gegenüber anderen Verfahren, bei denen zusätzlich andere Blockchains oder externe Konsensverfahren benötigt werden.

Privatsphäre

Die wohl größte Stärke von TARO ist aber wohl dessen Privatsphäre-Eigenschaften. Durch Taproot sieht jede Adresse respektive Transaktion unabhängig von den enthaltenen Ausgabebedingungen grundlegend völlig gleich aus, da die entsprechenden Bedingungen erst bei deren Ausgabe öffentlich machen muss. Im Zusammenhang mit TARO hat dies zur Folge, dass die digitalen Assets (Token) in der Transaktion verborgen und nur dem jeweiligen Sender und Empfänger bekannt sind. Wenn man in Zukunft BTC selbst als Token auf TARO abbildet, könnte man dadurch in der Theorie auch BTC völlig anonym versenden.

Dadurch, dass TARO auf dem UTXO-Modell von Bitcoin basiert und nicht etwa auf einem Kontomodell wie z.B. Ethereum, kann außerdem die Wiederverwendung von Adressen vermieden werden, was ein zusätzlicher Privatsphäre-Bonus ist.

Skalierbarkeit

Ein weiterer Vorteil des TARO-Protokolls betrifft die Skalierbarkeit des Systems. Wiederum dank der Taproot-Funktionalitäten, ist es nicht nötig Daten zu den Assets in die Blockchain aufzunehmen, weswegen mit TARO auch mehrere (verschiedene) Token mit einer einzigen Transaktion zu transferieren. Eine einzelne Taproot-Transaktion kann grundsätzlich eine unbegrenzte Anzahl an Taro-Assets enthalten. Da die TARO-Token auch über das Lightning Netzwerk versendet werden können, erhöht sich die Skalierbarkeit darüber hinaus enorm.

Gleichzeitig gibt es aber auch bereits erste Bedenken hinsichtlich von Einschränkungen der Skalierbarkeit.

Einschränkungen

Wachstum des Transaktionsgrafen

Der Bitcoin-Entwickler Ruben Somsen mahnte bereits via Twitter vor Einschränkungen hinsichtlich der Skalierbarkeit, da Empfänger von fungiblen TARO-Token jeweils den gesamten Transaktionsgrafen herunterladen und verifizieren müssen, der darüber hinaus ständig wächstW. Dies soll zwar durch die Verwendung eines sogenannten „Universe“ deutlich vereinfacht werden, wird aber wohl dennoch Auswirkungen auf die Skalierbarkeit haben. In welchem Ausmaß kann derzeit wohl noch nicht wirklich abgeschätzt werden.

Smart Contracts

Während TARO zwar eine intelligente Lösung für die Ausgabe und den Transfer von fungiblen und nicht-fungiblen Token darstellt, ist es wichtig zu erwähnen, dass es in seinen Möglichkeiten dennoch begrenzt ist. TARO kann keine umfassenden Skripte unterstützen und entsprechend auch keine umfangreichen Smart Contracts abbilden. Dass TARO somit in kurzer Zeit zum „Ethereum Killer“ wird, ist relativ unwahrscheinlich. Gleichwohl bietet TARO bei weniger umfangreichen Smart Contracts und der Erstellung von einfachen Token-Assets auch einige Vorteile gegenüber dem Ethereum-Netzwerk, wie z.B. die genannte Privatsphäre.

Usability

Primär bedingt durch die Privatsphäre-Eigenschaften einer TARO-Transaktion, ist leider auch die Nutzererfahrung als Negativpunkt beziehungsweise Einschränkung zu nennen. Während man Token zum Beispiel im Ethereum-Netzwerk oder in anderen Netzwerken ohne Weiteres von einer auf eine andere Adresse transferieren kann, ist dies bei TARO nicht so einfach möglich. Wie auch ähnlich zu den Invoices im Lightning-Netzwerk muss zunächst vom Empfänger eine TARO-Adresse erstellt werden, welche sowohl die Token als auch die Höhe des entsprechenden Betrags enthält. Dies schränkt die Nutzbarkeit ungünstigerweise deutlich ein. Allerdings könnte es hierfür (wie auch im Lightning Netzwerk) mit der Zeit eventuell Lösungen geben, die diesen Vorgang vereinfachen.

70 Mio. USD Finanzierung

Das Unternehmen Lightning Labs sammelte in einer Serie-B-Finanzierungsrunde für das TARO-Projekt insgesamt 70 Millionen USD Dollar ein. Diese hohe Finanzierungssumme könnte auch TAROs größter Vorteil gegenüber anderen Projekten sein, die versuchen Stablecoins auf Bitcoin bzw. im Lightning Netzwerk möglich zu machen. Hier ist vor allem das Projekt RGB zu nennen, welches bereits seit einigen Jahren daran arbeitet und die Entwicklung durch Spendengelder finanziert. Die Tatsache, dass TARO sehr starke Ähnlichkeiten zu RGB aufweist, seitens Lightning Labs jedoch keinerlei Referenz zu RGB gemacht wurde und jetzt mehrere Millionen an Venture Kapital dafür eingesammelt wurden, stieß einigen Mitgliedern der Bitcoin-Community sauer auf.

Ungeachtet des moralischen Kompasses der Lightning-Labs-Verantwortlichen, können durch die Finanzierung in jedem Fall viele Ressourcen für das Projekt aufgewendet werden, weswegen man TARO wohl die besten Chancen für eine erfolgreiche Umsetzung einräumen kann.

Fazit

Das Konzept des Taproot Asset Representation Overlay ist in der Theorie in jedem Fall sehr vielversprechend. Fungible und nicht fungible Token anonym, skalierbar und durch die Sicherheit des Bitcoin-Netzwerks gestützt zu versenden, wäre definitiv ein wünschenswerter Anwendungsfall. Man sollte sich aber auch klarmachen, was TARO kann und was nicht. Es wird sicherlich kein Projekt sein, welches kurzfristig alle Anwendungsfälle von Smart-Contract-Plattformen wie z.B. Ethereum obsolet macht. Darüber hinaus steht das Projekt ganz am Anfang und muss über die nächsten Monate und Jahre erst noch entwickelt werden. Genügend Kapital für eine erfolgreiche Umsetzung sollte aber in jedem Fall vorhanden sein.


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