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Update 19.12.: Was ist Bitcoin POS?

Spätestens seitdem BitcoinPOS (BPS) in einer groß angelegten Werbekampagne von keiner geringeren Person als Schauspielerin und Model Sophia Thomalla beworben wurde, kommt beim ein oder anderen sicherlich die Frage auf: „BitcoinPOS? Was ist das?“. Von Bitcoin hat dieser Tage ja so ziemlich jeder schon einmal etwas gehört. Wo sind die Unterschiede von Bitcoin zu BitcoinPOS?
In diesem Beitrag möchten wir Bitcoin POS und den damit zusammenhängenden Projekten wie „Stellarfund“ und „G999“ auf den Grund gehen und prüfen, ob es sich dabei um ein legitimes und vielversprechendes Blockchain-Projekt handelt oder ob Anleger besser die Finger davon lassen sollten.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Das Projekt bedient sich neben der grundsätzlichen Code-Basis auch am Namen des richtigen Bitcoins, um Reichweite zu generieren.
  • Das Team hinter dem Projekt wirkt auf uns sehr dubios. (Siehe Berichte aus dem Handelsblatt).
  • Nicht wirklich dezentral. (Dennoch fehlt das Impressum auf der Webseite).
  • Nur auf kleinen und unseriösen Börsen gelistet. („Pay-to-get-listed“)
  • Mehr als 3,5 Millionen von den aktuell ca. 3,9 Millionen verfügbaren Coins wurden anscheinend von den Gründern in die eigene Tasche gewirtschaftet.
  • Netzwerknutzung = 0. Nahezu keine Transaktionen im Block-Explorer sichtbar.
  • Sehr professionell aufgezogen, um Seriosität zu suggerieren.
  • Viele „rote Flaggen“, die das Projekt unseriös wirken lassen. Es werden viele Buzzwords verwendet und falsche Dinge behauptet.
  • Kommentare die auf einen möglichen Betrug aufmerksam machen, werden gelöscht und zensiert.
  • Viele bezahlte Artikel die das Projekt in ein gutes Licht rücken sollen.

Update vom 19.12.2020

Mittlerweile ist davon auszugehen, dass Frau Thomalla sich wohl bewusst ist, was sie da tut. Sie promoted dennoch weiterhin diese äußerst fragwürdigen Projekte.

Update vom 10.12.2020

Mittlerweile konnte das Blocktrainer-Team weitere Informationen zusammentragen, die unsere Vermutung verstärken, dass man als Anleger bei BitcoinPOS und anderen damit zusammenhängenden Projekten wie Stellarfund oder G999 eher Vorsicht als Nachsicht walten lassen sollte.

Die Hintermänner

Bei der Recherche zu den Hintermännern des Projekts sind wir vor allem auf zwei Namen gestoßen, die bereits in der Vergangenheit – auch in Kombination mit Kryptowährungen – negativ auffielen. Das Handelsblatt berichtete bereits in mehreren Artikeln (Artikel 1 , Artikel 2, Artikel 3) über die Machenschaften von Josip Heit (dem Chef der Firma hinter BitcoinPOS und G999, der Gold Standard Banking Corporation (GSB)) und seinem Geschäftspartner Harald Seiz. Auch im Verbraucherschutzforum Berlin tauchen beide Namen des Öfteren auf. Seiz ist Geschäftsführer der Karatbars International GmbH, welche in den vergangenen Jahren durch Ärger mit der Bundesanstalt für
Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFIN) in Zusammenhang mit einem vermeintlichen Anlageskandal aufgefallen ist. Da die Artikel des Handelsblatts, die Zusammenhänge und Situation recht gut darstellen, sparen wir uns an dieser Stelle eine weitere Ausführung der bisherigen Geschehnisse.

Die initiale Verteilung der BPS-Coins

Auch die Verteilung der Coins haben wir noch einmal genauer unter die Lupe genommen. Aus dem Whitepaper des BitcoinPOS kann man die Staffelung der Block Subsidy entnehmen. Während die Macher im Whitepaper zwar schreiben, dass die ersten 5000 Blöcke (=250.000 Coins) als Premine für die Weiterentwicklung einbehalten werden, haben wir Grund zur Annahme, dass es gar 120.000 Blöcke mit insgesamt 3,5 Millionen Coins sind. Rechnet man diese den im Moment knapp 3,9 Millionen verfügbaren BPS-Coins gegen, so sind die Herausgeber in Besitz von knapp 90% des aktuellen Gesamtangebots. Aber wie kommen wir auf diese Zahl? Nunja… Wie im Whitepaper beschrieben, gab es für die ersten 120.000 Blöcke Subventionen zwischen 50 und 12,5 BPS-Coins pro Block.
Summiert man die 40.000 Blöcke mit je 50, 25 und 12,5 BPS-Coins pro Block auf, erhält man die Anzahl von 3.500.000 BPS-Coins.

Auszug aus dem Whitepaper


Der Genesis-Block wurde laut BPS Block-Explorer am 02.05.2020 geschürft. Der Block mit der Blockhöhe 120000 wurde knapp vier Wochen später am 29.05.2020 geschürft und von dort an die Block Subsidy auf 6,25 BPS pro Block heruntergesetzt. Interessanter Weise wurde das Projekt jedoch erst just an diesem Tag auf den bekannten Kanälen öffentlich gemacht und verbreitet. Egal ob auf Reddit, Twitter, Medium oder im bekannten Forum „Bitcointalk„, überall war der Tag der erstmaligen Veröffentlichung des Projekts der 29.05.2020, also der Tag, an dem die Taschen der Hintermänner bereits prall gefüllt waren. Dies verstärkt ebenfalls unsere Meinung, dass das Projekt nicht dezentral ist und man sich ein Investment gut überlegen sollte.

Der erste Twitter-Post des Projekts war die Bekanntmachung am 29.5.20

Die Partner-Projekte

Neben der bereits erwähnten Firma „Karatbars“, die durch die dubiose Herausgabe von angeblich durch Gold gedeckten Kryptowährungen (Karatgold Coin/Karatbank Coin) aufgefallen ist, stehen laut unserer Rechcherche weitere Projekte mit BitcoinPOS in Verbindung, bei denen es sich mutmaßlich ebenfalls um Projekte handeln könnte, von denen Anleger besser die Finger lassen sollten.. Hier jeweils im Detail auf die einzelnen Projekte einzugehen würde den Rahmen sprengen. Wir möchten euch dennoch einige Fakten nennen, die wir äußerst kritisch sehen:

G999

Im Grunde ist das G999 „Ökosystem“ mit dem dazugehörigen „G999-Coin“ nach unserer Auffassung eine einzige Farce. Schaut man sich Homepage und Whitepaper etwas genauer an, merkt man schnell, dass es sich höchstwahrscheinlich um einen verspäteten 2017er-ICO handelt. Mit der Ausnahme, dass die Coins eigentlich nicht wirklich der Öffentlichkeit angeboten wurden. Es wird mit Buzzwords und Versprechungen nur so um sich geworfen, jedoch nie genauer darauf eingegangen wie das Ganze denn im Detail funktionieren soll. Der G999-Coin ist als Utility-Token natürlich der einzig nutzbare Coin im „ach so großen“ G999-Ökosystem. Laut Aussagen im Whitepaper kann der G999-Coin natürlich jederzeit gegen Gold-Coins oder physisches Gold eingetauscht werden. Moment! Hatten wir da nicht vorhin im Handelsblatt schon etwas im Zusammenhang mit Gold-Coins und anscheinend nicht vorhandenen physischen Goldreserven gelesen?
Wer weder Interesse an Gold-Coins noch physischem Gold hat, der kann die G999 Coins natürlich jederzeit gegen Fiat-Geld oder andere Kryptowährungen tauschen. So zumindest die Theorie des Verfassers des Whitepapers. Dumm nur, dass es laut Coinmarketcap keine einzige Börse gibt, die diesen dubiosen G999-Coin listet. Wir nehmen an, dass die Initiatoren bisher wohl vergessen hatten eine Börse für eine Listung zu bezahlen. Naja, kommt bestimmt bald(TM).

Ausschnitt aus dem Whitepaper – Angeblich können die Coins getauscht werden. Die Frage ist: Wo?

Was uns ebenfalls Bauchschmerzen bereitet, ist die Tatsache, dass zwar ein „initial supply“ von etwas mehr als 16 Milliarden G999-Coins angegeben ist, aber an keiner Stelle erwähnt wird, wie sie denn verteilt wurden. Dies gibt uns erneut Anlass zur Annahme, dass diese direkt in die Tasche der Herausgeber gewandert sind. Ähnlich wie beim BitcoinPOS befinden sich also hier sogar 99,5% aller sich im Umlauf befindlichen G999-Coins im Besitz der Gründer. Na wenn das mal keine ROTE FLAGGE ist.

Angeblich sei der G999 Coin eine begrenzte Ressource. Wir sind da anderer Meinung.

Stellarfund

Ebenfalls in Verbindung mit BitcoinPOS steht das Projekt „Stellarfund.io“, welches nach unserer Auffassung ebenfalls Facetten aufweist die zur Vorsicht mahnen. Da das Projekt darüber hinaus in einschlägigen Foren und Internetseiten für MLM-Systeme bzw. HYIP (High Yield Investment Programs) beworben wird, sind unseres Erachtens nach eindeutige Warnsignale.
Wir möchten an dieser Stelle außerdem betonen, dass auch bei Stellarfund wieder eine Irreführung mit dem Namen einer bekannten und legitimen Kryptowährung betrieben wird und Stellarfund nicht im Zusammenhang mit dem bekannten Projekt „Stellar Lumens“ steht.

Stellarfund hat bereits im Spätherbst des Jahres 2019 damit begonnen Bitcoin als eine Art Fonds einzusammeln, um Anlegern Zinsens auf ihre Einlage zu bezahlen. Versprochen wurden damals 0,6% täglich! Was pro Jahr knapp 220% an Zinsen bedeuten würde. Provisionsmodelle für Empfehlungen gab/gibt es natürlich auch. Alleine an dieser Stelle sollte man normalerweise schon hellhörig werden. Aber wir kennen das Spiel „Gier frisst Hirn“ im Krypto-Space ja all zu gut. Jedenfalls gelang es Stellarfund auf diese Weise – nach eigenen Aussagen – mehr als 120.000.000 $ in Bitcoins einzusammeln. Wie für Schneeball-Systeme üblich funktionierte die Auszahlung der Zinsen zu Beginn auch noch ohne Probleme. Viele Nutzer konnten sich darüber freuen täglich Bitcoins ausgezahlt zu bekommen und man konnte diese sogar jederzeit in ein eigenes Wallet verschieben.
Im Oktober 2020 war es dann jedoch soweit. Quasi „von heute auf morgen“ wurde die Auszahlung der Zinsen von BTC auf den BPS-Coin umgestellt. Plötzlich gab es anstatt der 0,6% täglich auch nur noch zwischen 0,03% und 0,15% Zinsen. Und darüber hinaus ist es anscheinend so, dass man sich zur Auszahlung bei Stellarfund jetzt verifizieren muss. Viele User berichten jedoch von „Problemen“ bei der Verifizierung die dazu führte, dass sie keine Auszahlung vornehmen können.

Unsere Meinung zu Stellarfund.io in Kombination mit BitcoinPOS:
Für uns sieht es so aus, als sei BitcoinPOS das Exit-Projekt für die eingesammelten Gelder aus dem Stellarfund.io Projekt. Die ahnungslosen Anleger haben ihre wertvollen Bitcoins eingezahlt und dafür nun wertlose BPS-Coins bekommen.

Infos von „Geschädigten“

Mittlerweile haben uns via Email, Telegram oder auch in unserem kostenlosen Blocktrainer-Forum zahlreiche Infos und Erfahrungsberichte von (ehemaligen) Anlegern erreicht, die im Grunde alle das gleiche zu berichten haben. Anfangs lief alles gut und plötzlich wurde das komplette Konzept geändert und Leute kommen nicht mehr an ihre Einlagen. So ist es doch typisch für Schneeballsysteme.

Einen besonders lesenswerten Erfahrungsbericht findet ihr hier.

Außerdem möchten wir an dieser Stelle beispielhaft einen der uns zugetragenen Erfahrungsberichte mit euch teilen. Dieser wurde unter dem Youtube-Video zu BitcoinPOS gepostet und geht einher mit den anderen Berichten, die wir bekommen haben. (Schreibfehler wurden von uns nicht ausgebessert.)

Vielleicht weißt du es noch nicht. Vor 5 Monaten habe ich und viele Leute die ich kenne in Stellar Fund investiert. Ich kenne Leute die mit 30.000€ investiert sind. Dieses Fiat Geld haben wir in Bitcoin gewechselt und diese Bitcoin bei Stellar Fund für 12 Monate fest angelegt für einen täglichen Zinssatz von 0,6% am Tag. Dieses Projekt wurde ganz kurzfristig gekürzt so das man nur noch sehr wenig Zinsen erhält. Und es war nicht mehr möglich in Bitcoin auszuzahlen da alles auf BitcoinPOS umgestellt wurde. Achtung! Man kann weiterhin mit Bitcoin einzahlen aber nur noch BitcoinPOS (BPS) auszahlen. Anschließend wurde die Stellar Stock mit ins Boot geholt und viel Werbung gemacht das man dort diese fragwürdige Währung in Bitcoin wechseln kann und somit an sein Geld kommt. Das funktionierte etwa 3 Wochen. Seit dem ist man mit den BitcoinPOS auch bei Stellar Stock in einer Sackgasse und kann nicht mehr exchancen. Jetzt kenne ich auch keine Möglichkeit mehr an mein Geld ran zu kommen. Da ich niemanden kenne der BitcoinPOS umtauscht.

Nachricht eines geschädigten Anlegers

Die Masse an Fake-Artikeln

Auch auf die Masse an vorgeschriebenen Fake-Artikeln, die im Umlauf sind, um Herrn Heit und die GSB als seriöses Business darzustellen, kommt uns sehr seltsam vor. Besonders amüsant fanden wir hierbei Schlagzeilen wie die Folgenden: „Josip Heit, GSB Gold Standard Corporation und Fragen zur Kinderarmut“, „Josip Heit im Interview zum Heiligen Pfingstfest in der Coronavirus-Krise“ oder auch „Josip Heit im Interview zum internationalen Tag der Familie“.

Was uns ebenfalls als merkwürdig aufgefallen ist, ist die als „Pressekontakt“, angegebene Person in den verschiedenen Artikeln. Zwar bleibt der Nachname „Berger“ der Kontaktperson immer der selbe, jedoch heißt die gute Dame einmal Sandra, dann auf einmal Melanie, wird dann zur Stefanie und dann doch wieder zu Sandra Berger. Entweder es ist ein großer Zufall und drei Schwestern haben alle den selben Job in der selben Firma, oder die GSB hat selbst vergessen, wie genau eigentlich ihre Fake-Angestellten heißen. Entscheidet selbst, was wahrscheinlicher ist.

Sonstiges – Shoutout

Zu guter Letzt möchten wir hier allen Leuten, die für Ponzi-/Pyramidensysteme und andere Betrugsprojekte geworben haben eine Ansage machen:

Es ist keine Schande, auf einen gut und professionell angelegtes Projekt hereinzufallen und auf finanzielle Unabhängigkeit zu hoffen, sich das ganze letzten Endes dann aber als Betrug entpuppt. Unwissenheit schützt zwar vor Strafe nicht, aber unserer Auffassung nach ist es zumindest moralisch nicht wirklich verwerflich, z.B. Freunde für etwas zu werben, von dem man selbst glaubt, es könnte funktionieren und eine Menge Kapital abwerfen. Ihr hättet es euch jedoch zur Aufgabe machen müssen, genauer zu recherchieren und wenn ihr selbst nicht viel Verständnis von etwas habt, vertrauenswürdige Experten zu Rate zu ziehen. Dies hätte euch davor bewahren können, mit der Schuld leben zu müssen evtl. Freunde mit in den metaphorischen Abgrund gestürzt zu haben.

Was in unseren Augen jedoch ein absolutes No-Go ist, sind Personen, die es eigentlich besser wissen müssten, oder zumindest die Ressourcen hätten um sich genauer zu informieren. Wenn ein A- B- oder C- Promi aus schierer Geldgier für Produkte wirbt, die er oder sie selbst nicht versteht, und damit zum Betrug seiner/ihrer eigenen Fanbase beiträgt, dann kann man das sehr wohl anprangern. Gerade Personen des öffentlichen Lebens sollten sich ihrer Verantwortung bewusster sein und eben etwas mehr Zeit in ausreichende Recherche zum beworbenen Produkt investieren. Andernfalls muss man von Vorsatz ausgehen.

Am schlimmsten, sind jedoch diejenigen, die es definitiv besser wissen und dennoch aus purer Geldgeilheit für vermeintliche Betrugsmaschen die Werbetrommel rühren. Deswegen scheuen wir uns an dieser Stelle auch nicht davor eine Person hervorzuheben, die uns in der Vergangenheit schon des Öfteren in dieser Hinsicht aufgefallen ist.
Der in der Bitcoin-Szene als „Bitcoin Informant“ bekannte, Dennis Koray, hat sich (neben anderen dubiosen Projekten) abermals als Werbepartner für ein, hier im Zusammenhang stehendes, Projekt hergegeben und seinen Zuschauern gar eine Empfehlung zum Kauf des Karatbank-Coins ausgesprochen. Obwohl es Dennis als erfahrener Krypto-Experte eigentlich besser wissen sollte, machte er MAL WIEDER bewusst Werbung für ein todgeweihtes Produkt. Hier das Video mit Harald Seiz an der entsprechenden Stelle:

Wir möchten die gesamte Blocktrainer-Community und alle, die diesen Beitrag lesen, davor warnen, in Projekte zu investieren, die ein Promi, Influenzer oder sonst jemand empfiehlt. Egal wer es ist!

Fazit zu den neuen Erkenntnissen

Noch ein kurzes Fazit zum Thema BitcoinPOS, Stellarfund, Karatbank-Coin und Co.: Auch unsere weiteren Recherchen, haben uns das Gefühl nicht nehmen können, dass es sich hier um eine Anlage handeln könnte, von der man besser die Finger lassen sollte. Eher im Gegenteil. Unsere neuen Erkenntnisse, die Berichte von Anlegern und die Recherchen des Handelsblatts haben uns in unserer Meinung tatsächlich noch eher bekräftigt. Wir raten zur Vorsicht und empfehlen euch (im Gegensatz zum Bitcoin-Informanten) ausdrücklich

KEIN INVESTMENT!

_____________________Update Ende______________________

Viel Versprechungen – wenig Substanz

Wenn man sich das Projekt und seine Homepage ansieht, wirkt alles sehr professionell aufgezogen und vor allem für Laien wirkt alles was auf der Seite beschrieben wird äußerst einladend.

Einen Experten hingegen erinnert im Grunde direkt alles an einen typischen 2017er ICO – Und keinen von den legitimen.
Buzzwords wie „Decentralized„, „Secure“ und „Fast“ stechen ins Auge und im Grunde ist die komplette Webseite darauf ausgelegt, Leuten, die wenig bis keine Ahnung von der Blockchain-Technologie haben, zu suggerieren, dass BitcoinPOS quasi alles besser macht als der „echte“ Bitcoin. Aber lasst uns doch mal sehen, ob da was dran ist.

Decentralized / Dezentral

Was den echten Bitcoin von den mittlerweile mehr als 7000 anderen Projekten und besonders von BitcoinPOS unterscheidet, ist wahre Dezentralität. Während das echte Bitcoin-Protokoll über ein ausgeklügeltes Governance- System dezentral von einer riesigen Community (weiter)entwickelt wird, wurde BitcoinPOS von einer zentralen Instanz geschaffen und von Weiterentwicklungen ist bisher nichts zu sehen. Das GitHub in welchem der Code zu BitcoinPOS verwaltet wird glänzt vor allem durch Leere bzw. Inaktivität. 1. ROTE FLAGGE!

Allein schon, dass – laut einigem (von GSB selbst erstellter) Presseartikel – mit der GSB Global Standard Banking Corporation AG eine Firma hinter dieser „dezentralen“ Währung steckt, die sich als digitales Blockchain- und IT Unternehmen positioniert, aber noch im Jahr 2013 unter dem Namen „Gesella Bau UG“ firmierte und den „Rohrbau und die Verarbeitung von Beton und Stahlbeton“ als eingetragenen Firmengegenstand hatte, wirkt schon sehr befremdlich (Quelle? Handelsregister!). Die Firma GSB Global Standard Banking Corporation AG wurde erst im Frühjahr 2020, kurz bevor BitcoinPOS an den Start ging, gegründet bzw. umfirmiert. Recherchiert man etwas intensiver zur GSB und dem Vorstandsvorsitzenden Josip Heit, stößt man direkt auf einen Artikel, der einen Zusammenhang zu früheren vermeintlichen Anlageskandalen („Karatbars“, „KaratGold“) herstellt, in die Herr Heit verwickelt war. 2. ROTE FLAGGE!

Secure / Sicher

Die wichtigste Eigenschaft vom echten Bitcoin ist die Sicherheit, welche einerseits durch Dezentralität (die BPOS nicht hat) und vor allem durch den Proof of Work generiert wird. Diese Tatsache wird auf der Seite von BPOS natürlich bewusst verschwiegen bzw. gar als negative Eigenschaft ausgelegt. Proof of Stake ist per se langfristig niemals so sicher wie Proof of Work. Roman hat in einem Interview mit dem Höhle-der-Löwen-Investor Frank Thelen bereits darüber gesprochen, was das Problem mit Proof of Stake ist und warum es eben NICHT sicherer ist als Proof of Work. Auch wenn die Damen und Herren bei GSB das Video wahrscheinlich nicht gesehen haben, so kann man ihnen dennoch unterstellen bewusst falsche Tatsachen vorzugaukeln. 3. ROTE FLAGGE!
Hier das Video an der entsprechenden Stelle:

Fast / Schnell

Die alte Leiher. „Bitcoin ist zu langsam. Unser XY-Coin ist viel schneller als Bitcoin“. Mal abgesehen davon, dass Bitcoin nicht erfunden wurde, um Visa oder Paypal zu ersetzen und nicht Geschwindigkeit und Echtzeitzahlungen zum Ziel hat, sondern Sicherheit, Zensurresistenz und Offenheit (Dinge, die BitcoinPOS nicht bieten kann), ist es Quatsch zu behaupten, dass das BPOS-Netzwerk „dreimal mehr Transaktionen verarbeiten kann als Bitcoin“. Gerade diese Transaktionen bringen uns nämlich direkt zur nächsten roten Flagge: Die Transaktionen im Netzwerk.

Wenn man sich die Transaktion und Netzwerknutzung von BPOS im Block-Explorer (man kann ihnen zugutehalten dass es den zumindest gibt) anschaut, erkennt man schnell, dass es eigentlich überhaupt keine Transaktionen gibt. Zumindest fast keine. Die beiden Transaktionen, die den Blockreward an die Miner und Staker ausbezahlen, sind natürlich vorhanden. Aber Transaktionen, die darauf hindeuten, dass hier ein Handel bzw. eine Nutzung (Käufe, Verkäufe, Transaktionen zu Staking Nodes) stattfindet, sucht man vergeblich. 4. ROTE FLAGGE!

Der Blockexplorer offenbart: Keine Transaktionen bei BPOS.

250.000 premined Coins

Die 5. ROTE FLAGGE! liefert uns wieder der Blockexplorer zusammen mit dem Whitepaper des Projekts. Bevor BPOS überhaupt öffentlich an den Start ging, wurden bereits 250.000 Coins von den Initiatoren geschürft und einbehalten – angeblich für die Developer, die es laut Github aber garnicht gibt. Dass diese 250.000 Coins anschließend direkt zum staken benutzt wurden, um die Mehrheit der Staking-Coins ebenfalls in die eigene Tasche zu wirtschaften liegt nahe. Auf jeden Fall lässt auch dieser Punkt alle Alarmglocken läuten. Mittlerweile haben wir herausgefunden, dass es sogar 3,5 Millionen premined Coins sind. Siehe das Update vom 10.12.2020!

Fullnodes

Auf der Webseite ist von einer „enormen Anzahl an Fullnodes (Netzwerkknoten)“ die Rede. Tatsächlich findet man aber nirgendwo Hinweise darauf, dass es tatsächlich mehrere Fullnodes gibt, ob diese nicht alle (bzw. zum Großteil) von einer zentralen Instanz (GSB?) verwaltet werden. Die Tatsache, dass hierzu nirgendwo Informationen zu finden sind und die Aussage „enorme Anzahl“ in Verbindung mit der nachweislich nicht vorhandenen Netzwerknutzung, lässt die Vermutung aufkommen, dass auch hier bewusst Lügen verbreitet werden. 6. ROTE FLAGGE!

Pressemitteilungen

Besonders auffällig sind darüber hinaus die Pressemitteilungen, welche direkt durch die GSB verbreitet werden. So sind zum Beispiel in der „Computerworld“ und der „Berliner Morgenpost“ Beiträge veröffentlich worden, die aufgrund von falschen und irreführenden Aussagen von ROTEN FLAGGEN durchzogen sind.

Auszug aus der Pressemitteilung von der Berliner Morgenpost

Dass z.B. Bitcoin nicht, wie hier beschrieben in naher und ferner Zukunft zu einem Proof-of-Stake System wechseln wird, ist in der Bitcoin-Szene wohl nahezu jedem klar.

Fazit

Es gibt zwar keine konkreten Beweise, dass es sich bei BitcoinPOS um eine Betrugsmasche von GSB handelt, jedoch gibt es genügend ROTE FLAGGEN die zumindest zur Vorsicht mahnen. Der Artikel zu früheren Skandalen, die Falschaussagen, die nicht vorhandene Netzwerknutzung und fehlende GitHub-Präsenz sind für ein angeblich dezentrales und offenes Netzwerk, welches, laut eigenen Aussagen, den echten Bitcoin ersetzen möchte, eindeutige Warnsignale!