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Als diese Woche der Autobauer Tesla die Zahlungen mit Bitcoin für seine Autos ausgesetzt hat, war noch niemandem klar, was CEO Musk jetzt vorhat. Es gab Gerüchte, dass Musk seine eigene Mining Farm aus erneuerbaren Energien bauen will. Nun sieht es danach aus als hätte Musk ganz andere Pläne für die Zukunft der Kryptowährungen. Er will das Problem der Skalierbarkeit der Blockchain lösen. Leider hat er dafür einen alten Ansatz gewählt, der schon in der Vergangenheit gescheitert ist.

Was ist passiert?

Musk hat mit einem Tweet letzte Nacht für Kopfschütteln innerhalb der Bitcoin Community gesorgt.

Im Optimalfall beschleunigt Doge die Blockzeit um das 10-fache, erhöht die Blockgröße um das 10-fache und die Gebühren fallen um das 100-fache. Dann wird es gewinnen.

Bitcoiner, die schon seit längerem dabei sind, wird dieses Narrativ bekannt vorkommen. Es ist dieselbe Argumentation, die Bitcoin Cash bei ihrem Hard Fork 2017 und unzählige andere Kryptowährungen verwendet haben. Blockgröße erhöhen und damit die Gebühren senken. Nur leider ist es nicht so einfach wie es zunächst klingt.

Adam Back, Erfinder von HashCash (welches eine Grundlage für Bitcoin war) und Bitcoin Pionier wurde gefragt, wieso er nicht auf diese simple Lösung gekommen ist, einfach die Variablen zu ändern und damit eine Skalierung der Blockchain zu ermöglichen. Back antwortete sarkastisch:

Genial, daran hat noch niemand gedacht. Deshalb gibt es auch ungefähr 10000 Kryptowährungen, von denen die meisten im Grunde nur eine Veränderung von Variablen + Symboloptimierung sind. Tatsächlich ist es bei Doge nur eine Änderung des Symbols und ein zufälliges Durchmischen von Parametern.

Das Problem bei der Erhöhung der Blockgröße ist, dass darunter die Dezentralisierung und die Sicherheit des Netzwerkes leidet. Es ist ein altes Dilemma der Blockchain Technologie. Wenn die Blockgröße erhöht wird, steigt die Skalierbarkeit. Es können mehr Transaktionen gleichzeitig verarbeitet werden. Die Folge ist aber, dass die Dezentralisierung und die Sicherheit des Netzwerkes sinken. Es wird für die Netzwerkteilnehmer immer schwieriger eine eigene Full Node zu betreiben. Bitcoin will dieses Problem mithilfe von Second-Layer-Technologien lösen. Michael Saylor bringt es auf den Punkt:

„Die Welt braucht viel mehr einen dezentralen, sicheren, deflationären Wertspeicher wie Bitcoin als ein zentrales, wenig sicheres, inflationäres Tauschmittel, das du oben beschrieben haben.“

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass das Senken der Blockzeit und Erhöhen der Blockgröße noch kein Problem gelöst hat. Leider verbreitet Musk hier sogar Falschinformationen. Eine solche Änderung, wie er es bei Dogecoin vorschlägt, wäre mit den Konsensregeln nicht vereinbar.

Das Blockintervall von Dogecoin beträgt jetzt bereits nur 60 Sekunden. Das ist niedrig genug, dass größere Miner bereits einen großen Gewinnvorteil gegenüber kleineren haben.

Ein Blockintervall von 6 Sekunden mit 10-MB-Blöcken, würde nur den Konsens brechen.

Musk sollte sich auf die Raketenarbeit konzentrieren.

Auch würde eine Vergrößerung der Blockgröße bei Dogecoin aktuell wenig Sinn machen. Viele Blöcke der Dogecoin Blockchain haben teilweise nur eine Transaktion gespeichert. Von einer Überlastung des Netzwerkes kann hier nicht gesprochen werden. Es muss auch hier die Frage gestellt werden, wie weit sich Musk eigentlich wirklich selbst mit der Thematik auseinandergesetzt hat. Abgesehen, dass Musk seine Idee mit den Konsensregeln nicht vereinbar ist, stößt sein Vorschlag rechnerisch sehr bald auf ein Speicherproblem.

Fazit

Musk hat sich nun demselben Narrativ bedient wie viele andere Bitcoin Skeptiker. Viele Bitcoiner hielten dies nach dem Bitcoin-Cash Hard Fork im Jahr 2017 für nicht mehr möglich. Musk hat nun aber das Gegenteil bewiesen. Es gibt noch Leute, die glauben, dass eine sture Erhöhung der Blockgröße eine einfache Lösung ist, die Blockchain zu skalieren. Dieses Mal können die Bitcoiner aber gelassener darauf reagieren. Wir hatten diese Situation schonmal. Genau wie es Bitcoin Cash nicht geschafft hat Bitcoin den Rang abzulaufen, wird auch Dogecoin oder ein „ElonCoin“ Bitcoin nicht verdrängen. Eines sollten sich Bitcoin Besitzer sich noch bewusst machen: Bitcoin braucht keinen Musk. In der Vergangenheit gab es unzählige von prominenten Beispielen wie Roger Ver oder John McAfee, die sich von Bitcoin abgewendet haben. Geschadet hat das Bitcoin über einem längeren Zeitraum betrachtet trotzdem nicht.

Musk sollte eventuell mal einen Blick in dieses Buch werfen:

Bisher nur in Englisch

The Blocksize War

Autor: Jonathan Bier
Eine umfassende Aufarbeitung der Bitcoin-Geschichte zwischen 2013 und 2017. Wer Bitcoin und die Debatte um die Erhöhung der Blockgröße genauer verstehen will sollte dieses tolle Werk unbedingt lesen! Leider bisher nur in englisch verfügbar.