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Gericht entscheidet: Craig Wright muss Beweise für „Tulip Trading“-Fall liefern!

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Im juristischen Konflikt Tulip Trading Limited (TTL) gegen die Bitcoin Association for BSV, der derzeit vor den Geschäfts- und Eigentumsgerichten von England und Wales verhandelt wird, steht Craig S. Wright, der sich selbst als Satoshi Nakamoto, den Schöpfer von Bitcoin, ausgibt, im Mittelpunkt. Der Kern des Falles dreht sich um Wrights Bestreben, durch seine Firma Tulip Trading Limited, mehr als 100.000 BTC zu erhalten, die angeblich durch einen Hack seines Heimnetzwerks verloren gegangen sind. Er will einige Bitcoin-Entwickler rechtlich dazu zwingen, ihm diese Coins zu beschaffen. Vor wenigen Tagen wurde öffentlich, dass das Gericht nun entschieden hat, dass es im April 2024 zu einer Verhandlung kommen soll, bei der Wright gezwungen sein wird, insbesondere den früheren Besitz dieser BTC im Gegenwert von mehr als vier Milliarden US-Dollar nachzuweisen.

Der Fall klingt im ersten Augenblick wirklich absurd – denn das ist er auch – und doch wirft er grundlegende Fragen über die Rechte und Pflichten von Open-Source-Softwareentwicklern sowie über die gesamte Struktur und das Funktionieren von Bitcoin auf.

Hintergrund des Falles

Der Fall wurzelt in einer komplexen und kontroversen Geschichte, die eng mit der Identität und den Behauptungen von Craig Wright verknüpft ist. Wright, ein australischer Informatiker und Geschäftsmann, gibt sich seit Jahren selbst als Satoshi Nakamoto aus. Seine Behauptung wurde jedoch in der Bitcoin-Community und darüber hinaus weitgehend angezweifelt und kritisiert und „Faketoshi“, wie Wright auch hämisch genannt wird, wurde des Öfteren beim Lügen ertappt.

Die Tulip Trading Limited, eine Holdinggesellschaft mit Sitz auf den Seychellen, wurde von Wright gegründet und die Klage des Unternehmens dreht sich um den angeblichen Verlust von 111.000 BTC, die Wright angeblich durch einen Hack gestohlen wurden. Dieser Vorfall soll sich zwischen dem 5. und 8. Februar 2020 ereignet haben. Laut der Klage wurden dabei die privaten Schlüssel und das Material, das zum Zugriff auf diese Schlüssel benötigt wird, von den Hackern gelöscht.

Die Klage von Tulip Trading respektive Wright richtet sich nun gegen eine Gruppe von Bitcoin-Entwicklern und Entwicklern verschiedener Bitcoin-Forks, einschließlich Bitcoin SV (BSV), Bitcoin Cash (BCH) und eCash (ehemals Bitcoin ABC). Wright behauptet, dass die Entwickler eine treuhänderische Pflicht haben, eine Hintertür in die Bitcoin-Software einzubauen, die es Wright ermöglichen würde, die Kontrolle über die angeblich verlorenen Bitcoin zu erlangen. Diese Forderung steht natürlich im Widerspruch zu sämtlichen grundlegenden Prinzipien von Bitcoin, insbesondere der Unveränderlichkeit der Blockchain.

Wrights Behauptungen und die daraus resultierenden rechtlichen Auseinandersetzungen haben in der Bitcoin-Community in der Vergangenheit bereits mehrmals für erhebliche Kontroversen gesorgt. Seine Klagen gegen verschiedene Akteure in der Bitcoin-Welt wurden (und werden noch immer) von vielen als Versuch gesehen, seine falschen Behauptungen durch rechtliche Mittel zu untermauern und Kritiker zum Schweigen zu bringen.

Aktuelle Entwicklungen

In den jüngsten Entwicklungen des Falles hat das Gericht mehrere wichtige Entscheidungen getroffen, die den Verlauf des Rechtsstreits maßgeblich beeinflussen könnten. Eine zentrale Entscheidung betraf die Annahme der Gerichtsbarkeit über die Frage, ob Bitcoin als Eigentum angesehen werden kann, das im rechtlichen Sinne Besitz darstellt. Dies ist eine grundlegende Frage, da sie die Basis für Wrights Anspruch auf die „verlorenen“ BTC bildet. Das Gericht hat für die Zwecke dieses Falles angenommen, dass Bitcoin tatsächlich als Eigentum betrachtet werden kann, was einen bedeutenden Schritt in der Anerkennung von BTC im rechtlichen Kontext darstellt.

Des Weiteren hat das Gericht eine Reihe von Anträgen und Gegenanträgen der beteiligten Parteien behandelt. Dazu gehörten Anträge auf Sicherheitsleistung für Kosten und Anträge auf weitere Informationen, die von verschiedenen Angeklagten gestellt wurden. Diese Anträge sind entscheidend, da sie die Rahmenbedingungen für den weiteren Verlauf des Verfahrens festlegen, einschließlich der Beweisführung und der Offenlegung von Dokumenten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Falles ist die Frage, ob Tulip Trading und/oder Wright Beweise gefälscht oder gefälschte Beweise in diesem Verfahren vorgelegt haben. Diese Frage ist von besonderer Bedeutung, da sie die Glaubwürdigkeit der Klagepartei und die Stärke ihrer Argumente betrifft. Das Gericht hat Modelle für die erweiterte Offenlegung genehmigt, die sich auf spezifische Dokumente beziehen, die von den Parteien vereinbart werden müssen.

Schließlich hat das Gericht eine vorläufige Verhandlung über mehrere Schlüsselthemen angeordnet, darunter die Frage, ob Tulip Trading zum Zeitpunkt des angeblichen Hacks tatsächlich Eigentümer der Bitcoins war, ob die Klage betrügerisch und ein Missbrauch des Prozesses ist, und ob der Hack tatsächlich stattgefunden und Tulip Trading bzw. Wright der privaten Schlüssel und der Zugänge beraubt hat. Diese vorläufige Verhandlung soll im April 2024 stattfinden und wird entscheidend sein, um die Richtung und das mögliche Ergebnis des gesamten Falles zu bestimmen.

Wright muss Beweise liefern

Ein wesentlicher Bestandteil der Verhandlung im April ist die Auflage des Gerichts an Craig Wright, stichhaltige Beweise für seine Behauptungen vorzulegen. Dies umfasst insbesondere den Nachweis, dass er zum Zeitpunkt des angeblichen Hacks tatsächlich im Besitz der fraglichen 111.000 Bitcoin war. Wright muss auch belegen, dass der Hack stattgefunden hat und dass dadurch die privaten Schlüssel und die Zugänge zu den BTC unwiederbringlich verloren gegangen sind. Diese Forderung nach Beweisen kann entscheidend sein, da sie die Grundlage von Wrights Anspruch bildet und seine Glaubwürdigkeit als Kläger direkt beeinflusst. Das Gericht hat spezifische Anforderungen an die Art der Beweise gestellt, die Wright vorlegen muss, und hat sogar Modelle für die erweiterte Offenlegung dieser Beweise genehmigt.

Im Rahmen dieses Verfahrens findet ein Vorverfahren zu folgenden Fragen statt:

(1) Kann und/oder sollte das Gericht feststellen und/oder festlegen, ob der Kläger der „Eigentümer“ der Bitcoin in den Adressen ist;

(2) Besitzt TTL die Bitcoin auf den Adressen, und besaß sie diese zum Zeitpunkt des angeblichen Hacks (die „Eigentumsfrage“);

(3) Hat TTL dieses Verfahren in dem Wissen eingeleitet, dass es nicht Eigentümer der Bitcoin auf den Adressen ist?

(4) Ist die von TTL erhobene Klage betrügerisch und ein Missbrauch des Verfahrens?

(5) Hat der Hack stattgefunden und hat TTL die privaten Schlüssel und das Schlüssel-Zugangsmaterial entwendet?

Auszug aus dem Gerichtsdokument

Ob Wright diese Beweise nun tatsächlich liefern kann, ist natürlich fraglich und der größte Teil der Bitcoin-Community ist sich sicher, dass er es nicht können wird.

Mögliche Auswirkungen

Die möglichen Auswirkungen dieser „Vorverhandlung“ sind dennoch relativ weitreichend, insbesondere wenn man die geringe Wahrscheinlichkeit in Betracht zieht, dass Craig Wright tatsächlich legitime Beweise für seine Behauptungen liefern kann. Sollte er nicht in der Lage sein, überzeugende Beweise für den Besitz der 111.000 Bitcoin und den stattgefundenen Hack zu erbringen, was angesichts der bisherigen Entwicklungen und seiner umstrittenen Vergangenheit als wahrscheinlich gilt, könnte dies erhebliche Konsequenzen für seine Glaubwürdigkeit und zukünftige rechtliche Auseinandersetzungen haben.

Ein Scheitern Wrights, seine Behauptungen zu untermauern, würde nicht nur seine Position schwächen, sondern könnte auch als Präzedenzfall für das Gesamtverfahren und ähnliche Fälle dienen, in denen die Authentizität und der Besitz von Bitcoin (oder anderen Kryptowährungen) in Frage gestellt werden.

Darüber hinaus könnte ein Misserfolg von Wright in diesem Fall die Debatte über die Rolle und Verantwortung von Open-Source-Entwicklern in der Kryptowelt beeinflussen. Sollte das Gericht feststellen, dass Entwickler keine treuhänderische Pflicht haben, in die Software einzugreifen, um individuellen Ansprüchen zu entsprechen, würde dies die Unabhängigkeit und Sicherheit von Open-Source-Projekten stärken und die beteiligten Entwickler künftig hoffentlich vor Leuten wie Wright schützen.