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Hat die Kryptobörse Coinbase Nutzerdaten an US-Behörden verkauft?

Am von Coinbase sells data

In den vergangenen Tagen wurden Berichte öffentlich, die zeigten, dass Coinbase, die größte US-amerikanische Kryptowährungsbörse, Nutzerdaten der eigenen Kunden sowie Software zur Verfolgung und Identifizierung von Krypto-Nutzern an die US-Einwanderungs- und Zollbehörde verkauft haben soll. Dies geht aus Vertragsunterlagen hervor, die von der Non-Profit-Organisation Tech Inquiry enthüllt wurden. In einer kurzen Stellungnahme via Twitter widersprach das Unternehmen Coinbase zwar den Anschuldigungen, die Zweifel in der Community sind jedoch groß.

Die Vorwürfe

Obwohl bereits bekannt war, dass die Kryptobörse Coinbase im August 2021 den Behörden Analysesoftware für knapp 1,4 Millionen US-Dollar verkaufte, waren die Details darüber, welchen Umfang der Deal hatte bis dato unklar. Durch das von Tech Inquiry veröffentlichte Vertragsdokument wurde nun bekannt, dass der Einwanderungs- und Zollbehörde durch das Intelligence-Gathering-Tool Coinbase Tracer (früher unter dem Namen Coinbase Analytics bekannt) eine Vielzahl von forensischen Funktionen zur Verfügung gestellt werden. Dadurch wird es den Behörden, aber natürlich auch allen anderen Käufern der Software, möglich, Transaktionen und Geldflüsse auf den großen öffentlichen Blockchains (Bitcoin, Ethereum und Co.) nachzuverfolgen. Coinbase vermarktet Tracer für den Einsatz in der Unternehmens-Compliance und bei Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörden und preist seine Funktion zur „Untersuchung illegaler Aktivitäten, einschließlich Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung“ an. Außerdem können mithilfe des Tools laut Coinbase auch Verbindungen zwischen Krypto-Adressen und realen Entitäten hergestellt werden. Ferner geht aus dem Vertrag auch hervor, dass Coinbase den Behörden „Historische Geotracking Daten“ anbietet. Obwohl nicht genauer definiert ist, woher diese Daten stammen, ist davon auszugehen, dass es sich um Daten handelt, die Coinbase von den eigenen Nutzern sammelt. Ebenfalls auffällig ist die Tatsache, dass Coinbase seinen Kunden nicht wie üblich durch einen Endbenutzer-Lizenzvertrag Grenzen für die Nutzung der Software setzt. Dies geht aus einer ebenfalls veröffentlichten E-Mail hervor.

Aufgrund des Tracer-Tools steht Coinbase ohnehin schon seit einigen Jahren stark in der Kritik. Im Zuge der Entwicklung des Tools übernahm Coinbase im Jahr 2019 die Firma Neutrino, welche von umstrittenen Mitarbeitern der Firma „Hacking Team“, eines italienischen Herstellers für Spy-Software gegründet wurde, der mehrmals dabei erwischt wurde, Spyware an die Regierungen in autoritären Staaten wie etwa dem Sudan oder Saudi-Arabien verkauft zu haben. Damals brachte die Washington Post die Firma mit dem Mord am saudi-arabischen Dissidenten und Journalisten Jamal Khashoggi in Verbindung. Erst nach dem darauffolgenden Shitstorm kündigte Coinbase an, dass die entsprechenden Mitarbeiter das Unternehmen verlassen müssen.

Nun scheint sich der nächste öffentliche Shitstorm zusammenzubrauen.

Die Reaktion des Unternehmens

Auf erste Rückfragen nach dem Vertrag verwies eine Unternehmenssprecherin das Nachrichtenportal „The Intercept“ auf den Haftungsausschluss des Unternehmens, in welchem geschrieben steht, dass „Coinbase Tracer seine Informationen aus öffentlichen Quellen bezieht und keine Nutzerdaten von Coinbase-Kunden verwendet“. Weitere Fragen wurden nicht beantwortet. Nachdem das Thema in der Öffentlichkeit jedoch mehr Aufmerksamkeit erregte und weitere Berichte öffentlich gemacht worden waren, gab das Unternehmen eine kurze Stellungnahme via Twitter ab, in der es ebenfalls klarstellte, dass das Tool keine Nutzerdaten von Coinbase-Kunden verwende.

„Wir möchten folgendes äußerst deutlich machen: Coinbase verkauft keine proprietären Kundendaten. Unser oberstes Anliegen war und ist es, unseren Benutzern das sicherste Krypto-Erlebnis zu bieten.

Unsere Coinbase Tracer-Tools wurden entwickelt, um die Einhaltung von Vorschriften zu unterstützen und bei der Untersuchung von Finanzverbrechen wie Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zu helfen. Coinbase Tracer bezieht seine Informationen aus öffentlichen Quellen und verwendet keine Benutzerdaten von Coinbase. Jemals.“

@Coinbase

Weitere Aussagen seitens des Unternehmens gab es bisher nicht dazu. Warum im Vertrag dennoch historische Geotracking Daten angeboten wurden und woher diese stammen, dazu äußerte sich Coinbase nicht.

Reaktionen der Community

Die Reaktionen seitens der Community bei Twitter waren ob dieser mageren Stellungnahme sehr eindeutig. Die überwiegende Mehrheit in den Kommentaren unter dem Tweet von Coinbase stellte klar, dass sie den Aussagen des Unternehmens nicht trauen. „Ich habe so meine Zweifel“, „Ich glaube ihnen kein Wort“, „Ihr verkauft auf jeden Fall Nutzerdaten“ oder „Das ist genau das, was jemand sagen würde, der Nutzerdaten verkauft“ sind nur einige Beispiele, der geposteten Kommentare. Das Vertrauen in die Kryptobörse ist seit Langem stark erschüttert und immer wieder sieht sich Coinbase mit verschiedenen schwerwiegenden Vorwürfen konfrontiert. Neben dem Verkauf von Nutzerdaten gab es in der jüngsten Vergangenheit beispielsweise Berichte der New York Times über Rassismusvorwürfe aus der Belegschaft sowie über Diskriminierung am Arbeitsplatz bei Coinbase.

#deletecoinbase

Da das Unternehmen Coinbase seit Jahren das Bitcoin-Ethos mit Füßen tritt, macht schon seit geraumer Zeit der Hashtag #deletecoinbase in den sozialen Medien die Runde. Durch die Verwendung dieses Hashtags möchte die Bitcoin-, aber auch Teile der allgemeinen Krypto-Community, deutlich zum Ausdruck bringen, dass es aufgrund der zahlreichen Vorfälle in der Vergangenheit durchaus verwerflich ist, weiterhin Kunde bei Coinbase zu sein. Es gibt zahlreiche Kryptobörsen, die hervorragende Alternativen zu Coinbase darstellen, wie etwa die beliebte US-Börse Kraken. Auch in Deutschland gibt es beispielsweise mit der Börse Stuttgart Digital Exchange (BSDEX) gute und günstige Anbieter, bei denen man Bitcoin erwerben kann und die sich nicht seit Jahren mit verschiedensten Problemen konfrontiert sehen. Aufgrund der breiten Auswahl an Anbietern ist heutzutage glücklicherweise niemand mehr gezwungen, ein derartiges Unternehmen zu unterstützen.

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