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Studie zeigt: Bitcoin-Investments weniger klimaschädlich als Aktienanlagen!

Am von Studie Bitcoin Klima

Die Stimmen, dass das Bitcoin-Netzwerk „Energieverschwendung“, „ein Klimakiller“ und „Umweltverschmutzung“ sei, wurden im Zuge des rasanten Aufstiegs des ersten dezentralen Internet-Geldes von Jahr zu Jahr lauter. Besonders in den sogenannten Mainstream-Medien erscheinen in regelmäßigem Turnus Beiträge und Artikel, die Kritik am Energieverbrauch oder dem CO₂-Fußabdruck des Bitcoins üben. Obgleich die Tatsache, dass für den Prozess des sogenannten Bitcoin-Minings wahrhaftig weltweit eine Menge Energie aufgewendet wird, ziemlich unbestritten ist, gehen die Einschätzungen zu den Kohlestoffemissionen und damit einhergehend den Auswirkungen auf die Umwelt stark auseinander. Die Kalkulationen reichen von 1,2 Megatonnen bis 130,5 Megatonnen CO₂ und liegen damit in einem sehr unzureichend genauen Spektrum.

QuelleSchätzungen zu den CO₂-Emissionen
Krause, M. J., & Tolaymat, T. (2018). Quantification of energy and carbon costs for
mining cryptocurrencies. Nature Sustainability, 1(11), 711–718.
1,2 – 5,2 Mt CO₂ pro Jahr (2017)
Houy, N. (2019). Rational mining limits Bitcoin emissions. Nature Climate Change, 9
(9), 655–655
15,5 Mt CO₂ pro Jahr (2017)
Mora, C., Rollins, R. L., Taladay, K., Kantar, M. B., Chock, M. K., Shimada, M., &
Franklin, E. C. (2018). Bitcoin emissions alone could push global warming above
2 ◦C. Nature Climate Change, 8(11), 931–933.
69,0 Mt CO₂ pro Jahr (2017)
Köhler, S., & Pizzol, M. (2019). Life cycle assessment of Bitcoin mining. Environmental
Science & Technology, 53(23), 13,598–13,606.
17,29 Mt CO₂ pro Jahr (2018)
Stoll, C., Klaaßen, L., & Gallersd¨orfer, U. (2019). The carbon footprint of Bitcoin. Joule, 3(7), 1647–1661.22 – 22,9 Mt CO₂ pro Jahr (2018)
Digiconomist. (2021). Bitcoin energy consumption index. www.digiconomist.net/
bitcoin-energy-consumption
76,08 Mt CO₂ pro Jahr (2021)
De Vries, A. (2021). Bitcoin boom: What rising prices mean for the network’s energy
consumption. Joule, 5(3), 509–513.
90,2 Mt CO₂ pro Jahr (2021)
Jiang, S., Li, Y., Lu, Q., Hong, Y., Guan, D., Xiong, Y., & Wang, S. (2021). Policy
assessments for the carbon emission flows and sustainability of Bitcoin blockchain
operation in China. Nature Communications, 12(1), 1–10.
130,5 Mt CO₂ pro Jahr (Schätzung für 2024)
Übersicht zu den Schätzungen der Kohlestoffemissionen des Bitcoin-Netzwerks
Quelle: Dirk G. Baur, Josua Oll, Finance Research Letters, https://doi.org/10.1016/j.frl.2021.102575

Die klimabezogene Kritik an Bitcoin basiert in erster Linie auf den absoluten CO₂-Emissionen des Netzwerks (primär natürlich an den oberen Grenzen des weitreichenden Spektrums der Schätzungen), ohne seinen Nutzen oder auch nur den Marktwert zu berücksichtigen. Aussagen wie „das Bitcoin-Netzwerk verbraucht so viel Strom wie Dänemark“ liest man häufig. Eine Einordnung, dass das Bitcoin-Mining jedoch dazu gebraucht wird, um ein monetäres Netzwerk abzusichern, dessen Marktkapitalisierung von aktuell etwa 720 Milliarden US-Dollar (Stand: Januar 2022) mittlerweile fast doppelt so groß ist, wie das Bruttoinlandsprodukt von Dänemark (~ 396 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021), findet hingegen niemals statt.

Den Nutzen, den das Netzwerk für Menschen auf der ganzen Welt bereits bietet, nicht in Relation zu setzen erscheint ebenfalls nicht richtig. Egal, ob als Spekulationsobjekt, Inflationsschutz, Anlageklasse, zensurresistentes Geld für Aktivisten, freies Wirtschaftsgut für finanzielle Inklusion oder ganz einfach als Hobby. Es kann auf verschiedene Arten ein Nutzen aus dem Bitcoin-Netzwerk gezogen werden, wodurch es letztlich auch einen Wert erhält, der dem Energieverbrauch eigentlich gegenübergestellt werden sollte.

Viele Dinge auf der Welt benötigen ein großes Ausmaß an Energie, aber nur sobald ein Großteil der Menschen einen Nutzen in der bestimmten Sache oder Anwendung erkennt, gibt es nur selten Diskussionen zum Einfluss auf das Klima. Oft wird an dieser Stelle das Beispiel der Wäschetrockner in den USA herangezogen, die Schätzungen zufolge zusammen mehr Strom verbrauchen als das Bitcoin-Netzwerk. Dennoch gibt es keine Debatte darüber, Wäschetrockner zu verbieten, denn die Menschen erkennen den Nutzen an.

Neue Studie: Bitcoin vs. Aktien

Die beiden Forscher Dirk G. Baur von der University of Western Australia und Josua Oll von der University of Oldenburg, sahen die Herangehensweise einer absoluten Betrachtung ebenfalls als irreführend an. Die Schätzungen des (absoluten) CO₂-Fußabdrucks von Bitcoin haben in der akademischen und öffentlichen Debatte gleichermaßen große Aufmerksamkeit erregt. Relative Maße, die die Kohlenstoffemissionen von Bitcoin mit seinem Marktwert in Verbindung bringen, sind noch immer kein wesentlicher Bestandteil der Debatte. Deswegen veröffentlichten Baur und Oll vor wenigen Wochen, genauer Ende November 2021, eine Studie, in welcher sie den Klimaeinfluss des Bitcoin-Netzwerks in Relation zu seinem Dasein als Investmentvehikel setzten und mit einer Alternativanlage in den S&P 500, dem zweitgrößten US-amerikanischen Aktienindex, verglichen (Dirk G. Baur, Josua Oll, Finance Research Letters, https://doi.org/10.1016/j.frl.2021.102575).

„In dieser Studie schlagen wir daher vor, den relativen Kohlenstoffemissionen von Bitcoin mehr Aufmerksamkeit zu schenken, und zwar aus folgendem Grund: Wenn die wertneutrale Hinzufügung von Bitcoin zu einem diversifizierten Portfolio (z. B. 10.000 USD eines bestehenden Portfolios werden gegen 10.000 USD eines alternativen Vermögenswerts getauscht) die gesamten Kohlenstoffemissionen des Portfolios senkt, sind die Kohlenstoffemissionen von Bitcoin im Vergleich zu seinem Marktwert niedrig, was bedeutet, dass Bitcoin eine geringere Kohlenstoffintensität aufweist als der durchschnittliche Vermögenswert im Portfolio. Daher kann ein isolierter Fokus auf die absoluten Kohlenstoffemissionen von Bitcoin aus einer Anlage- und Portfolioperspektive sehr irreführend sein.“

Dirk G. Baur, Josua Oll, Finance Research Letters, https://doi.org/10.1016/j.frl.2021.102575

Die Forschungsergebnisse

Die Ergebnisse, welche die beiden Akademiker mit ihrer Arbeit liefern, sind zweiteilig. Zum einen zeigen sie auf, dass das Hinzufügen von Bitcoin zu einem diversifizierten Aktienportfolio das Risiko-Rendite-Verhältnis des Portfolios verbessern kann. Zum Anderen kann es aber auch die aggregierten Kohlenstoffemissionen des Portfolios reduzieren. Dies gilt sogar unter verschiedenen Annahmen bezüglich des Bitcoin-Preises, der Schätzungen zu den CO₂-Emissionen und der Kohlenstoffpreise.

Im Hinblick auf die Klima-Debatte und die weitverbreitete negative Wahrnehmung von Bitcoin in dieser, ist die Erkenntnis, dass Bitcoin-Investitionen weniger kohlenstoffintensiv sein können als Standard-Aktieninvestitionen, ein Novum. Die Beimischung von Bitcoin zu einem diversifizierten Aktienportfolio kann den Forschungsergebnissen zufolge den gesamten Kohlenstoff-Fußabdruck des Portfolios verringern. Die Analyse von Baur und Oll bringt also ein anderes Bild ans Licht, das sich ergibt, sobald die absoluten Emissionen von Bitcoin mit dem Marktwert von Bitcoin in Beziehung gesetzt werden.

Die unten stehende Abbildung zeigt die Kohlenstoffintensität (in Tonnen CO₂ pro 10.000 US-Dollar) von Bitcoin für verschiedene Schätzungen der Kohlenstoffemissionen (1-150 Megatonnen CO₂) und Marktwerte (100 Milliarden bis-1,2 Billionen US-Dollar) im Vergleich zur Kohlenstoffintensität des S&P500. Der Referenzwert des S&P 500 liegt laut einer Studie aus dem Jahr 2018 bei etwa einer Tonne CO₂ pro 10.000 investierten US-Dollar.

Die Kalkulationen von Baur und Oll zeigen, wie sich die Aufnahme von Bitcoin in ein S&P500-Portfolio auf den Kohlenstoff-Fußabdruck eines Bitcoin-S&P500-Portfolios für verschiedene Bitcoin-Marktwerte (horizontale Achse) und CO₂-Emissionsschätzungen (vertikale Achse) auswirkt. Konkret stellt die Tabelle verschiedene Szenarien dar, in denen die wertneutrale Hinzufügung von Bitcoin die Kohlenstoffemissionen des Gesamtportfolios verringert oder erhöht. Kurz gesagt zeigt sie also, ob 10.000 US-Dollar, die in Bitcoin investiert werden, mehr, weniger oder gleich kohlenstoffintensiv sind wie 10.000 US-Dollar, die in den S&P500 investiert werden.

Aufnahme von Bitcoin in ein diversifiziertes Aktienportfolio (S&P500) aus Sicht der Kohlenstoff(intensität)
Quelle: Dirk G. Baur, Josua Oll, Finance Research Letters, https://doi.org/10.1016/j.frl.2021.102575

Wenn die Zahl größer (bzw. kleiner) als 1,00 ist, vergrößert (bzw. verkleinert) die Einbeziehung von Bitcoin den CO₂-Fußabdruck des Portfolios. Liegt die Zahl bei 1,00, ändert sich der CO₂-Fußabdruck durch die Hinzunahme von Bitcoin nicht.

Stefan Richter, einer der Gründer des Projekts Netpositive.money, welches sich für die CO₂-Kompensation des Bitcoin-Netzwerks engagiert, griff die Tabelle von Baur und Oll in einem Tweet auf und verglich die Zahlen mit den aktuellen Schätzungen für die gesamten CO₂-Emissionen des Jahres 2021. Diese beliefen sich in Summe auf etwa 46,6 Megatonnen (obere Grenze) über die vergangenen 12 Monate.


Dies hängt natürlich stark von unserer Einschätzung der Auswirkungen von #Bitcoin sowie der Marktkapitalisierung ab, die sich relativ schnell ändert. Wenn wir uns http://netpositive.money/calculator ansehen, liegt unsere (obere Grenze) Schätzung für 2021 bei 46,4 Mt. Die heutige Marktkapitalisierung beträgt ~712 Mrd. USD.

@stefanwouldgo

Die Tabelle besagt also, dass nach diesen Daten die Einlage eures Geldes in #Bitcoin nur 50-60 % der Klimaauswirkungen von der Einlage in den S&P500 haben wird! Und das obige Quellenpapier listet sogar fossilfreie Indizes auf, die in der gleichen Größenordnung von 50 % des S&P sind!

@stefanwouldgo

Bei einer derzeitigen Marktkapitalisierung des Bitcoin-Netzwerks von etwas mehr als 700 Milliarden US-Dollar bedeutet dies also, dass ein Investment in Bitcoin nur etwa 50-60% der Klimaauswirkungen hat, wie eine vergleichbare Geldanlage in den S&P 500 Index.


Du möchtest dein Aktien-Portfolio klimafreundlicher gestalten? Dann füge dem ganzen doch ein paar Bitcoins hinzu. 😉


Finanzielle vs. Umweltperspektive

Für viele profitorientierte Anleger spielen einzig finanzielle Belange eine Rolle. Jedoch gibt es auch klimabewusste Investoren, die gerne eine optimale Gewichtung zwischen Rendite und CO₂-Fußabdruck hätten. Hierfür müssen sowohl das Standardrenditerisiko, das Kohlenstoffemissionsrisiko sowie der Preis pro Tonne CO₂ mit in die Überlegungen einbezogen werden.

Unterschiedliche CO₂-Preise beeinflussen laut Baur und Oll die optimale Gewichtung von Bitcoin in einem gemischten Portfolio. Je höher der angenommene Kohlenstoffpreis ist, desto höher wird die optimale Gewichtung von Bitcoin sein. Da sich der Kohlenstoffpreis sowohl auf Bitcoin als auch auf den S&P500 auswirkt, können die vergleichsweise höheren Erträge von Bitcoin-Investitionen höhere Kohlenstoffkosten besser auffangen als S&P500-Investitionen.

Die optimale Gewichtung (in %) von Bitcoin für verschiedene Kohlenstoffpreise.
Quelle: Dirk G. Baur, Josua Oll, Finance Research Letters, https://doi.org/10.1016/j.frl.2021.102575

Da, wie bereits erläutert, die Schätzungen des CO₂-Fußabdrucks des Bitcoin-Netzwerks sehr stark variieren, sollte in den Überlegungen jedoch auch miteinbezogen werden, wie sich die optimale Bitcoin-Gewichtung ändert, wenn das Risiko niedrigerer oder höherer CO₂-Emissionsschätzungen berücksichtigt wird. Auch diese Effekte stellen die beiden Forscher in ihrer Arbeit grafisch aufbereitet dar. Da die S&P500-Emissionsschätzungen unverändert bleiben, machen höhere Bitcoin-CO2-Emissionsschätzungen Bitcoin risikoreicher im Vergleich zum S&P500. Infolgedessen sinkt die optimale Bitcoin-Gewichtung, wenn das CO₂-Emissionsrisiko von Bitcoin steigt.

Die optimale Gewichtung (in %) von Bitcoin für verschiedene CO2-Emissionsrisiken.
Quelle: Dirk G. Baur, Josua Oll, Finance Research Letters, https://doi.org/10.1016/j.frl.2021.102575

Fazit

Wie eingangs erwähnt, ist der hohe Stromverbrauch, der für das Bitcoin-Netzwerk aufgewendet wird, weitestgehend unbestritten. Gleichwohl sind zum einen die Schätzungen zum tatsächlichen Verbrauch und dem daraus resultierenden CO₂-Fußabdruck relativ ungenau und schwierig zu erfassen.

Dass sich die öffentliche Klimadebatte zu Bitcoin bislang nur auf (ungenaue) absolute Zahlen stürzt und eine relative Betrachtung bisher nahezu gänzlich vermissen lässt, ist bedauerlich und muss sich in der Zukunft dringend ändern. Kohlenstoffintensitätsmaße, d.h. Maße, die Kohlenstoffemissionen mit dem Wert des zugrundeliegenden Vermögenswertes in Beziehung setzen, sind in der Finanzforschung gängige Praxis, fehlen aber in der Bitcoin-Literatur quasi komplett. Es braucht mehr fundierte und akademische Auseinandersetzung mit dem Thema, die sich nicht nur praxisfern mit absoluten Zahlen beschäftigt, sondern erhobene Daten realistisch in Relation setzt. Es macht zum Beispiel absolut keinen Sinn, den gesamten Stromverbrauch von Bitcoin auf einzelne getätigte Transaktionen herunterzubrechen und anschließend zu behaupten „eine Bitcoin-Transaktion verbraucht so viel Strom wie eine Kleinstadt“, denn so funktioniert das Bitcoin-Netzwerk nämlich nicht.

Baur und Oll, zeigten nun, dass eine praxisnähere Forschung zu neuen und unerwarteten Ergebnissen führen kann. Dass Bitcoin-Investitionen tatsächlich weniger kohlenstoffintensiv als Standard-Aktienanlagen sein können und eine Beimischung von Bitcoin in ein Aktienportfolio den gesamten CO₂-Fußabdruck somit verringern kann, hätten wohl nur wenige erwartet. Es bleibt zu hoffen, dass sich in Zukunft mehr Forscher Ansätzen widmen, die versuchen, die Klimadebatte möglichst korrekt und realistisch zu führen. Für Schwarzmalerei und „FUD“ sorgen die Mainstream-Medien ohnehin.