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Wie funktioniert Bitcoin- & Krypto-Regulierung in der EU? Fehlt die Bitcoin-Lobby?

Am von Bitcoin Lobby

Beim Ende Juli veranstalteten Blocktrainer Community Event 2022 (#BTCEvent22) gab es eine besonders spannende und aufschlussreiche Panel-Diskussion zum Thema Bitcoin- und Kryptoregulierung in der EU, bei dem drei ausgewiesene Experten ihre Meinungen und Einschätzungen mit den ca. 500 vor Ort anwesenden Personen teilten und Einblicke in die verschiedenen Aspekte der Regulierungsthematik gaben. Mit Sebastian Alscher dem gelernten Investmentbanker und ehemaligen Bundesvorsitzenden der Piratenpartei, der sich derzeit in einem Sabbatical befindet, um sich mehr der Forschung zur Verlässlichkeit des Lightning Netzwerks zu widmen, war ein langjähriger Politiker zu Gast, der genau weiß, wo die Probleme im Bereich der Regulatorik auf politischer Ebene liegen. Dr. Alexander Bechtel, seines Zeichens „Head of Digital Assets“ bei der Deutschen Bank, kennt ebenfalls die Ecken und Enden an denen es noch fehlt, damit deutsche und europäische Geldinstitute sich dem Thema Bitcoin weiter aufschließen können und werden. Auch zum aktuellen Status quo der europäischen Bankenlandschaft in Bezug auf Kryptowährungen konnte Bechtel einige spannende Einblicke geben. Der Dritte im Bunde war Hannes Wiedemann, der seit Kurzem sein Geld als Geldwäschebeauftragter bei der Kryptowährungsbörse Coinbase verdient. Viel interessanter als sein aktueller Beruf ist jedoch Wiedemanns vorherige Arbeitsstelle, denn dieser war als Mitarbeiter der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) direkt an den aktuellen Regulierungsentwürfen beteiligt und hat selbst einige Teile davon verfasst. Da er nach seinem Wechsel zu Coinbase nicht mehr bei der Behörde angestellt und somit kein Beamter mehr ist, konnte er glücklicherweise auch relativ frei sprechen und seine Meinungen und Einschätzungen vortragen. Bereits im Vorfeld an die Diskussion versprach das Trio demnach eine geballte Ladung an Kompetenz und Fachwissen.

Informationen als Schlüssel zu sinnvoller Regulierung

Wiedemann erklärte, dass Regulierung grundsätzlich technologieneutral gestaltet wird und es stellenweise auch vorkommt, dass zunächst versucht wird neue und innovative Technologien in alte Muster, sprich Gesetze, zu pressen. Es ist jedoch unabdingbar, dass sowohl innerhalb der Politik und den Regulierungsbehörden wie der BaFin, als auch Institutionen wie den (Geschäfts-)Banken, spezifisches Fachwissen aufgebaut wird. Gute und ausreichende Informationen sind schließlich der Schlüssel zu sinnvoller Regulierung. Dabei ist jedoch oft die Informationsaufbereitung einer der Schlüsselfaktoren, um die verantwortlichen Personen in den entscheidenden Positionen ausreichend aufzuklären, damit diese sich ein umfassendes Bild machen können. Im Falle der Behörden, Politiker und Banken funktioniert dies über sogenannte „Technologie-Hubs“ beziehungsweise Expertengremien, die sich in neue Thematiken einarbeiten, um anschließend die eigenen Kolleginnen und Kollegen zu briefen. Auch Gespräche mit Marktteilnehmern und Verbänden sind ein gängiges Mittel, um sich Know-How anzueignen.

Fehlt die Bitcoin-Lobby?

Leider spielen besonders bei Politikern auch übergeordnete Dinge, wie Parteivorgaben, mögliche Wählerinteressen und die Hoffnung auf die nächste Wiederwahl eine besondere Rolle. Dr. Alexander Bechtel zufolge fehlt es dem Bitcoin-Netzwerk beziehungsweise den „Bitcoinern“ per se an einer Lobby um frühzeitig in Regulierungsprozesse eingebunden zu werden. Während zwar Institutionen wie die Deutsche Bank oft schon während der ersten Regulierungsentwürfe um Stellungnahmen gebeten werden, wird die breite Öffentlichkeit und somit ein Großteil der Bitcoin-Fachleute erst wesentlich später darauf aufmerksam – gewissermaßen dann, wenn es fast schon zu spät ist. Die Experten in den Banken jedoch haben sich oftmals mit der Thematik noch gar nicht intensiv auseinandergesetzt und interessieren sich gegebenenfalls auch (noch) nicht dafür. Da es jedoch keine institutionalisierte Bitcoin-Community gibt (und im Grunde auch nicht geben soll) kommt es immer wieder dazu, dass sich Bitcoin- und Krypto-Enthusiasten von neuen Regulierungsvorschlägen vor den Kopf gestoßen fühlen. Eine organisierte Gruppe von Bitcoin-Experten, die in regem Austausch mit der Politik steht und von Regulierungsbehörden zurate gezogen werden kann, könnte hierbei sicherlich Abhilfe schaffen, wenngleich es „Hardcore Bitcoinern“ sicherlich widerstreben wird, eine Art zentrale Instanz als Aushängeschild für die deutsche oder europäische Bitcoin-Community einzurichten. Dies geht schließlich gegen das Grundethos der Dezentralität.

Gleichwohl gab es mit dem Bundesverband Bitcoin bereits erste Bestrebungen, eine solche Lobby-Gruppe ins Leben zu rufen und auch in den vergangenen Wochen und Monaten wurden immer wieder Stimmen laut, dass das Bitcoin-Netzwerk mehr Lobby-Arbeit benötigt. Zahlreiche Gegenstimmen sind jedoch der Meinung, dass die Spieltheorie und die Kernaspekte des Bitcoin-Netzwerks stark genug sind, um sich auch allein durchzusetzen. Einen gemeinsamen Nenner mit dem der allergrößte Teil der Bitcoin-Community d’accord ist, wird es hierbei sehr wahrscheinlich niemals geben.

Die Debatte zwischen Alscher, Bechtel und Wiedemann hat gezeigt, dass die Regulierungsarbeit auf EU-Ebene zwar durchaus weiter fortgeschritten ist, als man zunächst denken könnte, es jedoch zahlreiche Punkte gibt, bei denen man für Verbesserungen ansetzen kann. Ob durch eine Art Interessenverband, sprich Lobby-Gruppe, oder auf eine andere Weise, das wird auch in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren, wohl weiterhin für Diskussionen sorgen.


Wie ist eure Meinung? Braucht Bitcoin eine stärkere Lobby-Arbeit? Sollte es Expertengremien geben, die sich dediziert der Beratung von Regulierungsbehörden und Politikern widmen? Oder braucht es so etwas nicht? Kommentiert gerne eure Meinung in dem entsprechenden Thread in unserem kostenlosen Blocktrainer-Forum!

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