Marc Friedrich und Florian Kössler legen mit „Die größte Revolution aller Zeiten“ ein Buch vor, das den aktuellen Zustand unseres Geldsystems scharf kritisiert und gleichzeitig Bitcoin als die Lösung der heutigen Finanzprobleme präsentiert. Auf über 500 Seiten erklären die Autoren zunächst ausführlich, warum unser Fiat-Geldsystem zum Scheitern verurteilt ist, um anschließend einen detaillierten Blick auf Bitcoin zu werfen.
Der erste Teil des Buches bietet eine umfassende Analyse des weltweiten Finanzsystems, in dem Friedrich und Kössler verschiedene wirtschaftliche und geopolitische Faktoren aufzeigen, die zur Instabilität des aktuellen Systems führen. Hierbei wird deutlich, dass die Autoren das Geldsystem nicht als isoliertes Problem betrachten, sondern dass dieses in einem größeren Zusammenhang mit politischen Fehlentscheidungen, globalen Krisen und technologischen Umbrüchen steht. Besonders gut ist den Autoren gelungen, die historischen Entwicklungen des Geldes nachzuzeichnen und dem Leser zu verdeutlichen, warum das heutige Fiat-System nicht nachhaltig ist.
Im zweiten Teil wenden sich die Autoren Bitcoin zu und sie richten sich - wie soll es auch anders sein - besonders an Leser, die noch nicht tief in das Thema eingetaucht sind. Das Buch bietet eine klare Einführung in die Funktionsweise von Bitcoin und geht auf weit verbreitete Missverständnisse ein. Friedrich und Kössler schaffen es, einige der gängigsten Kritikpunkte an Bitcoin, wie den hohen Energieverbrauch und die vermeintliche Nutzung durch Kriminelle, verständlich zu entkräften. Im Gros der Bitcoin-Bücher für Einsteiger zählen die Erklärungen der beiden sicherlich zu einer der zugänglichsten und einsteigerfreundlichsten Texte zum Thema Bitcoin. Das Buch ist auch für Leser ohne umfassendes Vorwissen weitestgehend verständlich.
Der Schreibstil ist oft pointiert und manchmal provokativ, was dazu führt, dass sich das Buch trotz der “inhaltlichen Schwere” relativ leicht lesen lässt. Allerdings bringt der Stil auch die Herausforderung mit sich, dass manche Aussagen zu dramatisch wirken. Vor allem die ständige Betonung des bevorstehenden Zusammenbruchs des Fiat-Geldsystems kann auf Dauer ermüdend sein. Der Leser wird immer wieder darauf hingewiesen, wie dringend es sei, jetzt zu handeln – was bei unbedarften Einsteigern wohl den Eindruck von überzogener Panikmache erwecken könnte. Im Großen und Ganzen hält es sich aber dennoch im Rahmen und insbeosndere Marc Friedrich ist für dieses “Stilmittel” ja durchaus bekannt.
Das Buch ist mit fast 600 Seiten sehr umfangreich, was einerseits ein Segen ist, da es detailliert auf viele Aspekte eingeht, andererseits aber auch Fluch: Wiederholungen schleichen sich ein, und man hätte einige Abschnitte straffen können, ohne dabei an inhaltlicher Tiefe zu verlieren. Wer sich bereits intensiv mit Bitcoin auseinandergesetzt hat, könnte sich stellenweise von den sich wiederholenden Argumenten etwas gelangweilt fühlen, aber die meisten Anfänger dürften es wohl als nicht ganz so schlimm empfinden.
„Die größte Revolution aller Zeiten“ ist ein facettenreiches Buch, das die Probleme des Fiat-Geldsystems eindrucksvoll darstellt und Bitcoin als logische Alternative vorstellt. Besonders für Einsteiger im Bereich Bitcoin ist es eine empfehlenswerte Lektüre, da es ohne zu viel Fachjargon auskommt und gleichzeitig einige gängige Missverständnisse anschaulich erklärt. Die Länge des Buches mag auf einige Leser abschreckend wirken, bietet aber auch den Vorteil, dass es viele Aspekte ausführlich beleuchtet. Für erfahrene Bitcoin-Kenner ist der Erkenntnisgewinn im Bitcoin-Teil vielleicht begrenzt, aber als Gesamtwerk bleibt es eine interessante Lektüre.
Das Buch bietet somit einen gelungenen Einstieg für alle, die sich intensiver mit den Problemen unseres Finanzsystems und den Chancen von Bitcoin auseinandersetzen möchten.
Seiten: 592
Preis: 30 €