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Rug Pull auf Nationenebene? Ukraine streicht Airdrop

Am von Rug Pull Airdrop Ukraine

Als „Rug Pull“ bezeichnet man in der Krypto-Branche ein arglistiges Vorgehen von Entwicklern, die durch die versprochene Umsetzung eines Projektes Gelder einsammeln, dieses jedoch noch vor Fertigstellung aufgeben und mit den Geldern der Investoren verschwinden.

Einen eben solchen „Rug Pull“ hat nun die Regierung der Ukraine durchgeführt und damit eine Vielzahl von Krypto-Spendern verarscht. Da diese Spender jedoch nicht wirklich daran interessiert waren zu helfen, sondern nur, geblendet von der eigenen Gier, auf eine schnelle Mark aus waren, war die Belustigung in weiten Teilen der Bitcoin- und Krypto-Community groß.

Was war geschehen?

Die ukrainische Regierung verkündete am gestrigen Morgen über ihren offiziellen Twitter-Account, dass es einen sogenannten Airdrop, also eine kostenlose Ausschüttung neuer Coins, geben soll. All diejenigen, die den ukrainischen Staat bis zum heutigen dritten März um 18:00 Uhr mit einer Krypto- respektive Ethereum-Spende unterstützen, sollten mit einem solchen Airdrop belohnt werden.

Genauere Informationen gab es jedoch keine. In der Community wurde davon ausgegangen, dass die Ukraine eine eigene Kryptowährung erstellen möchte.

Da sich in der Vergangenheit einige dieser Airdrops im Nachhinein als sehr wertvoll herausstellten, triggerte die Ankündigung der Ukraine in vielen Menschen die Gier.

Spendenbereitschaft stieg

In der Hoffnung einen persönlichen Gewinn aus der Spende und dem Airdrop zu ziehen, stieg die Spendenbereitschaft zwar deutlich, allerdings hauptsächlich in der Anzahl der Transaktionen und nicht zwangsläufig im Volumen pro Einzeltransaktion.

Das Ethereum-Netzwerk wurde relativ schnell mit winzigen Spenden an die offizielle Wallet der ukrainischen Regierung geflutet. Teilweise wurden nur wenige Cent gespendet, die offensichtlich nicht dafür gedacht waren, die Nation an sich zu unterstützen, sondern nur um ein mögliches kostenloses Geschenk abzusahnen.

Ab dem 2.3.22 stieg die Zahl der Spenden-Transaktionen rasant an.
Quelle: Twitter

Die obige Grafik zeigt den rasanten Anstieg der stündlichen ETH-Spenden. Während die Spenden bis zur Ankündigung noch Menschen zuzuschreiben sind, die das Land Ukraine bei der Verteidigung gegen den russischen Angriff unterstützen wollen, geht ein Großteil der Transaktionen ab dem 2.3.2022 wohl auf das Konto der „Freibiergesichter“, wie man sie umgangssprachlich bezeichnen würde.


„Jeder einzelne Ethereum-Block enthält jetzt eine Spende an die @Ukraine. 95% sind entweder 0.001 eth oder 0.01 eth und versuchen, den maximalen Wert des Airdrops zu erreichen. Bis jetzt wurde von 25k Adressen gespendet. Das wird so oder so umstritten sein, egal, wie es enden wird.“

@9x9x9eth

Darüber hinaus gibt es eindeutige Anzeichen dafür, dass viele Personen eine sogenannte „Sybil-Attacke“ durchführen und sich mehrere Identitäten verschaffen haben, um den etwaigen Airdrop gleich mehrfach zu erhalten.

In der digitalen Welt ist es schließlich kein großes Problem, eine Software zu schreiben, welche mehrere Krypto-Wallets anlegt und von jedem eine winzige Spende tätigt.

Nichtsdestotrotz kamen mittlerweile mehr als 50 Millionen US-Dollar an Krypto-Spenden für die Ukraine zusammen.

…Und dann kam der „Rug Pull“

Am frühen Nachmittag des heutigen Mittwochs, wenige Stunden vor dem Ablaufen der Deadline für den Airdrop, war dann die Enttäuschung bei den entsprechenden „ETH-Spendern“ groß. Mykhailo Fedorov, der ukrainische Vizepräsident und Minister für digitale Transformation verkündete öffentlich, dass es keinen Airdrop geben wird. Lieber möchte man in Kürze NFTs verkaufen, deren Einnahmen dem Militär zugutekommen sollen.

Nach reiflicher Überlegung haben wir beschlossen, die Luftabwürfe abzusagen. Jeden Tag gibt es mehr und mehr Menschen, die bereit sind, der Ukraine zu helfen, die Aggression zurückzuschlagen. Stattdessen werden wir bald NFTs zur Unterstützung der ukrainischen Streitkräfte ankündigen. Wir haben KEINE Pläne, fungible Token auszugeben.

– Mykhailo Fedorov

Erst einen Airdrop ankündigen, Gelder einsammeln und dann die Pläne streichen. Für viele Krypto-Nutzer waren alle Eigenschaften eines „Rug Pulls“ gegeben und die Entrüstung in den sozialen Medien war groß. Fast genauso groß war aber auch die Erheiterung bei all denjenigen, für die die Aktion ohnehin nur eine Präsentation der Perversion im Kryptomarkt gewesen ist.

Die Ukraine kann sich jetzt jedenfalls als das erste Land bezeichnen, welches einen „Rug Pull“ auf Nationenebene durchgezogen hat. Die genauen Hintergründe dieser Aktion sind leider unbekannt und wahrscheinlich lagen auch keine bösen Absichten dahinter, einen faden Beigeschmack hat die ganze Vorgehensweise dennoch. Fakt ist, dass ein Teil der Krypto-Community durch falsche Versprechungen hinters Licht geführt wurde. Angesichts der Lage, in der sich die Ukrainer aktuell befinden, dürfte ihnen der Unmut von einem kleinen Teil der Krypto-Szene aber ziemlich egal sein.