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Michael Saylor äußert scharfe Kritik an Ethereum

Am von Saylor Ethereum

Der ehemalige CEO von MicroStrategy, Michael Saylor, äußerte in dem Krypto-Podcast Not Investment Advice scharfe Kritik an Ethereum. Dabei ging der bekannte Bitcoin-Maximalist auf verschiedene Punkte wie die Protokolländerungen von Ethereum, den bevorstehenden Merge und auf die ethische Frage ein, ob Ethereum ein unregistriertes Wertpapier darstelle.

Die Protokolländerungen von Ethereum

Zuerst ging Saylor auf die Dezentralisierung des Ethereum-Netzwerkes ein. Laut Saylor kann kein Netzwerk dezentral sein, welches sich im ständigen Wandel befindet und bei dem grundlegende Eigenschaften des Protokolls immer wieder geändert werden können. Ein dezentrales Protokoll muss laut Saylor fünf bis 10 Jahre unverändert bleiben, bis die langfristige Funktionsweise des Netzwerkes abgeschätzt werden kann.

Das Ethereum Protokoll wurde in der Vergangenheit häufig geändert. Im September steht mit dem lang erwarteten „Merge“ die nächste große Protokolländerung an. Bei dem Ethereum-Merge wird die sogenannte Beacon-Chain, welche bereits seit 2020 läuft und den Proof-of-Stake Konsensmechanismus verwendet, mit der Ethereum Main Chain vereint. Ab diesen Zeitpunkt soll Ethereum die Migration zu einem Proof-of-Stake Netzwerk abgeschlossen haben.

Während dies für Ethereum-Investoren ein wichtiges Ereignis ist, kritisiert Michael Saylor die erzwungene Umstellung durch die implementierte Difficulty Bomb (dt. Schwierigkeitsbombe) der Ethereum Foundation. Die Difficulty Bomb ist wichtig für den Merge, da sie die Umstellung auf Proof-of-Stake fördert, indem sie das Mining des Proof-of-Work Netzwerkes aufgrund der erhöhten Schwierigkeit nahezu unmöglich macht. Saylor stellt fest, dass die Implementierung der Difficulty Bomb zeigt, dass die Ethereum Foundation das Netzwerk kontrolliert:

„Im Moment besitzt Ethereum einen Mining-Sektor und seit fünf Jahren haben sie [Ethereum Foundation] die Option der Schwierigkeitsbombe, um diesen zu zerstören, aber verzögern es immer wieder. Wer aber sorgt für die Difficulty Bomb? Die Miner wollen sich nicht selbst zerstören. Wer kontrolliert das Netzwerk? Nicht die Miner. Es gibt eine kleine Gruppe von Entwicklern, die die Richtung des Netzwerkes bestimmen und das ist ein Unternehmen. Ein Software-Unternehmen.“

Michael Saylor

Der 59-Jährige spricht hier einen wichtigen Punkt an. Woher können Investoren wissen, wie das Ethereum Netzwerk in fünf bis zehn Jahren aussehen wird? Aufgrund der Protokolländerungen ist es nicht möglich verschiedene Faktoren wie die Staking Renditen des Proof-of-Stake Netzwerkes von Ethereum langfristig zu bestimmen. Während sich das Bitcoin-Protokoll in seiner Grundform seit seiner ersten Version nicht mehr verändert hat und damit die algorithmisch festgelegte Menge an neu ausgeschütteten Bitcoins für immer festgelegt wurde, hat sich die Geldpolitik von Ethereum seit seiner Entstehung immer wieder verändert. Aufgrund der Protokolländerungen bezeichnete Saylor in dem Podcast die zweitgrößte Kryptowährung als »Monstrosität«, welches sich in jegliche Richtungen entwickeln könnte.

Die historische und geplante Geldpolitik von Ethereum. Quelle: EthHub

Regulatorischer Unterschied zwischen Bitcoin und Ethereum

Als Nächstes ging Saylor auf die Frage ein, ob Ethereum ein Rohstoff oder ein Wertpapier sei. Die Debatte über die Klassifizierung der Kryptowährungen als Vermögenswerte beschäftigt die amerikanischen Behörden seit Längerem.

Saylor hat hier eine klare Meinung. Die Protokolländerungen von Ethereum und die daraus resultierenden Hard Forks zeigen, dass Ethereum ein Wertpapier ist, welches von der Ethereum Foundation herausgegeben wurde. Auch die Option, dass Netzwerkteilnehmer über die Hard Forks abstimmen können, ändert laut ihm nichts an der Klassifizierung als Wertpapier. Saylor zog ein Vergleich zu den Abstimmungen innerhalb von börsengelisteten Unternehmen:

Die Möglichkeit, zu wählen, hilft nicht weiter. Unternehmen stimmen über Dinge ab, wenn die Anteilseigner ein Stimmenrecht besitzen und genau das macht ein Wertpapier aus.

Michael Saylor

Saylor erklärte anhand von Bitcoin, wie ein digitaler Rohstoff laut eigener Aussage im »Cyberspace« kreiert werden kann. Dazu muss zunächst die Software ohne ökonomischen Hintergedanken veröffentlicht werden. Satoshi startete das Netzwerk und wartete, bis ein zweiter Netzwerkteilnehmer beitrat, bevor er mit dem Schürfen von Blöcken begann. Bitcoin hatte keinen Premine. Auch verkaufte Satoshi keinen einzigen Bitcoin, die er zu den Anfangszeiten geschürft hat. Eine weitere wichtige Eigenschaft ist die Unveränderbarkeit des Protokolls. Als Satoshi das Bitcoin-Protokoll veröffentlichte, wusste er bereits, dass das Kerndesign von Bitcoin für immer festgelegt sein wird:

„Die Natur von Bitcoin ist so, dass nach der Veröffentlichung der Version 0.1 das Kerndesign für den Rest seiner Lebensdauer in Stein gemeißelt ist.“

Satoshi Nakamoto

Saylor erklärte, dass ein Hard Fork lediglich zur Behebung von Softwarefehlern eine legitime Maßnahme sei. Hard Forks, bei denen Protokolländerungen durchgesetzt werden, führen laut ihm zu einer Zentralisierung des Netzwerkes. Sollte Bitcoin beispielsweise einen Hard Fork durchlaufen und die maximale Anzahl der Bitcoins auf 42 Millionen angehoben werden, würde diese neu entstandene Kryptowährungen seine Dezentralität verlieren und nach Saylor als Wertpapier klassifiziert werden müssen. Denn schließlich muss es eine Gruppe von Entwicklern geben, die eine solche Änderung durchgesetzt hat und damit eine direkte Einflussnahme auf die Entwicklung des Protokolls besitzt.

Ethische und technische Folgen

Anschließend ging Saylor auf die Folgen ein, die die Klassifizierung als unregistriertes Wertpapier mit sich bringen würden. An den traditionellen Märkten benötigen Handelsbörsen eine Erlaubnis durch die Börsenaufsichtsbehörden für die Listung von Wertpapieren. Dies soll garantieren, dass die Unternehmen transparent operieren müssen. Börsengelistete Unternehmen müssen ein Registrierungsstatement veröffentlichen, indem sie die Risiken des Investments für die Anteilseigner offenlegen. Zusätzlich müssen die Unternehmen jedes Quartal ihre Geschäftszahlen vorlegen.

Saylor erklärte, dass MicroStrategy als öffentliches Unternehmen Hunderte Seiten an Dokumenten bei der SEC vorgelegt hat und damit ihre Geschäftspraktiken für ihre Investoren offenlegten. Der Ex-CEO nannte als Gegenbeispiel den Kollaps der Lending Plattform Celsius. Diese versprach ihren Kunden hohe Rendite auf verschiedene Finanzdienstleistungen, bevor diese im Juni kollabierte und Insolvenz anmelden musste. Nach Saylor ist dies der Grund, weshalb börsengelistete Unternehmen ihre Dokumente offenlegen müssen. Durch die Offenlegung der Dokumente bei der SEC werden solche Unternehmen gezwungen, transparent zu arbeiten, um Investoren vor einem derartigen Szenario zu schützen.

Der Handel von unregistrierten Wertpapieren ist in den Augen von Michael Saylor unmoralisch, aufgrund des potenziellen Schadens für die Investoren. Auch die Protokolländerung von Ethereum und die Schwierigkeitsbombe, welche die Miner zwingt, ihren Betrieb einzustellen, hält der 59-Jährige für moralisch und ethisch falsch. Ebenso die Absicht, Ethereum als Rohstoff zu verkaufen, obwohl Ethereum offensichtlich ein Wertpapier sei, welches von der Ethereum Foundation kontrolliert wird.

Auch erklärte Saylor, dass ebenso neue Technologien sich nicht von einer moralischen Verpflichtung entziehen können. Wertpapiergesetze sollen die Investoren vor den falschen Versprechen der Unternehmen schützen. Die Prinzipien der Wertpapiergesetze beruhen laut Saylor darauf, nicht zu stehlen und sind ein Teil der westlichen Ethik. Unregulierte Wertpapiere, die sich als dezentrale Netzwerke verkaufen, verstoßen nach ihm gegen diese Prinzipien.

Als Nächstes ging Saylor auf die technischen Folgen ein. Aufgrund der häufigen Protokolländerungen ist Ethereum nicht technisch robust. Saylor erkennt zwar den potenziellen Wert von neuen Technologien wie NFTs oder Smart Contracts an, allerdings seien diese in seinen Augen nicht technisch robust. Die Vielzahl von Angriffen auf Applikation des Ethereum Netzwerkes verdeutlichen dies:

Ja, Smart Contracts sind interessant, aber sie sind nicht technisch robust. Ich meine z. B. der Axie Infinity Hack. Wie viele Hacks gab es bereits? Angriffe im Wert von 15 Milliarden US-Dollar über die letzten zwei Jahre – ungefähr. […] Ich denke, Leute sollten mit der Technologie experimentieren dürfen, aber nur weil du eine interessante Idee hast, legitimiert dies kein Pump and Dump Scheme.“

Michael Saylor

Reaktion der Ethereum Community

Die Reaktion der Ethereum Community auf die scharfe Kritik von Michael Saylor ließ nicht lange auf sich warten. Auch Vitalik Buterin, der Erfinder von Ethereum, äußerte sich auf Twitter und fragte, weshalb Bitcoin-Maximalisten immer die größten Clowns als ihre Helden aussuchen.

Warum wählen Maximalisten immer wieder Helden aus, die sich als totale Clowns herausstellen?

Der Cypherpunk Michael Saylor erklärte, warum Ethereum von Natur aus unethisch ist, weil seine Existenz gegen Wertpapiergesetze verstößt, die ihre Grundlage in den Zehn Geboten haben:

Es sollte nicht überraschend sein, dass die Ethereum Community negativ auf die Aussagen Saylors reagierte. Saylor versuchte auf die Unterschiede der Kryptowährungen hinzuweisen, welche sich auch objektiv nicht abstreiten lassen. Der Blickwinkel von Saylor ist dennoch sehr interessant. Denn dieser leitete mehr als 20 Jahren ein Unternehmen an der Börse und hat deswegen einen anderen Blickwinkel auf die Thematik. MicroStrategy musste Hunderte von Dokumenten bei der amerikanischen Börsenaufsicht einreichen und stand sogar während der Dotcom-Blase selbst im Visier der SEC. Saylor besitzt deshalb die Expertise einschätzen zu können, wie die SEC arbeitet und welche Kryptowährungen die Eigenschaften eines Wertpapiers erfüllen. Es wäre vermutlich ein guter Rat für die Entwickler von Altcoinprojekten dem ehemaligen CEO von MicroStrategy zumindest zuzuhören.