Specter DIY
Der Specter DIY richtet sich an fortgeschrittene Bitcoin-Nutzer, die maximale Transparenz, Air-Gap-Nutzung und flexible Seed-Verwaltung wichtiger finden als Komfort und Hochglanzdesign.
Der Specter ist eine Bitcoin-only Hardware Wallet, die ursprünglich als komplett selbst nachbaubares Open-Source Projekt entstanden ist. Im Gegensatz zu klassischen Hardware Wallets steht nicht maximaler Komfort im Vordergrund, sondern Nachprüfbarkeit, Air-Gapped-Nutzung und möglichst wenig Vertrauen in Hersteller und Lieferkette. Nach einer ruhigen Phase unter Swan Bitcoin ist das Projekt seit 2025 zurück in den Händen einer Schweizer Non-Profit. In diesem Testbericht gibt es einen Überblick über die wichtigsten Specter Hardware Wallet Varianten: Dem Specter DIY, dem Specter Shield Lite und dem Specter Shield Metal.
Die Non-Profit Specter Association
Specter wurde als Startup unter dem Namen CryptoAdvance im Jahr 2018 in München gegründet, nachdem der Quantenphysiker Stepan Snigirev und der Unternehmer Moritz Wietersheim zu dem Schluss kamen, dass der Hardware Wallet Markt noch eine offene, unabhängige und sicherere Hardware Wallet benötigte. Ohne Business-Modell veröffentlichten sie die Firmware und Bastelanleitung für die erste DIY Hardware Wallet, die durch einen großen Touchscreen, Temporary-Seed Ansatz und Air-Gapped Kommunikation als etwas Einmaliges herausstach.
Ebenfalls entwickelten sie zeitnah Specter Desktop, eine Wallet-Companionapp auf dem PC, die mit den meisten Hardware Wallets kompatibel war und erstmals Multi-Signatur- und Fullnode-Verbindungen nutzungstauglich machte.
2022 wurde das Startup von Swan Bitcoin, einem großen amerikanischen Bitcoin-only Unternehmen, aufgekauft, das beide Projekte kaum weiterentwickelte und das Specter-Team für dessen Collaborative-Custody Projekt verwendete.
2025 übertrug Swan ohne Gegenleistung alle Markenrechte und Social-Media Kanäle an die neu gegründete Specter Association in der Schweiz, einen Non-Profit Verein der Specter-Community mit aktuell 11 Mitgliedern. Das Projekt finanziert sich heute über Spenden und wird ehrenamtlich weiterentwickelt.
DIY-Hardware
Die Kernidee hinter dem Specter Projekt ist, das Vertrauen in Hersteller und Lieferkette so weit wie möglich zu reduzieren. Wer das Gerät selbst aus Standardkomponenten zusammenbaut und die Firmware eigenständig verifiziert und flasht, muss keiner Firma beim Zusammenbau der Hardware Wallet vertrauen.
Für die einfache Specter DIY Variante lassen sich alle Teile theoretisch einfach als Standardkomponenten in normalen Elektronikgeschäften kaufen. Mit einem 3D-gedruckten Case hat man dann alles beisammen, um die Firmware selbst zu verifizieren und zu flashen.
Das hat drei Vorteile:
- Privatsphäre, weil die Einzelkäufe nicht auf den Zusammenbau einer Hardware Wallet schließen lassen.
- Supply-Chain-Resistenz, weil kein Hersteller weiß, dass man aus den Teilen eine Bitcoin-Wallet baut.
- Volle Inspizierbarkeit aller Komponenten in Rohform vor dem Zusammenbau.
Dieser Vorteil gilt allerdings vor allem für den echten Selbstbau. Wer ein fertig montiertes Gerät bei ClavaStack kauft, gewinnt Komfort, muss dafür aber dem Anbieter beim Zusammenbau und Flashen des Geräts vertrauen. Die Tamper-Evident-Verpackung und der Proof-Service von ClavaStack reduzieren dieses Risiko, ersetzen dieses Vertrauen aber nicht vollständig.
Bei der Entwicklung der Hardware Wallet wurde nicht nur die Firmware Open Source unter der MIT-Lizenz auf GitHub freigegeben, sondern es wurde ebenfalls darauf geachtet, dass sie sich durch Reproducible Builds von jedem selbst nachbauen lässt. Mit der von Specter entwickelten Embit-Library wurde zusätzlich versucht, Codebausteine für andere Hardware Wallets wiederverwendbar zu machen, was die Entwicklung weiterer DIY Hardware Wallets wie SeedSigner und Krux ermöglicht hat.
Großes Display
Durch das verbaute Smartphone-Developerboard verfügen die Specter Hardware Wallets über einen übersichtlichen 4-Zoll-Touchscreen. Dadurch lässt sich das Gerät direkt und unabhängig von der Companion-App bedienen.
Bitcoin-Transaktionen können sehr detailliert geprüft werden, inklusive In- und Outputs, Locktime, nSequence und Replace-by-Fee. Auch die Eingabe von Seed und Passphrase fühlt sich durch das große Touch-Display deutlich komfortabler an als bei vielen kleineren Hardware Wallets.
Air-Gapped-Kommunikation
Die Specter Hardware Wallet ist vollständig abgekapselt von Geräten, die mit dem Internet verbunden sind. Nur initial beim Flashen wird das Gerät per Micro-USB Kabel mit dem PC verbunden, weitere Updates erfolgen rein per SD-Karte. Zwar wird eine Kabelverbindung per Micro-USB Kabel optional angeboten, jedoch wird von Specter empfohlen, mit dem Gerät rein über QR-Codes Walletdaten auszutauschen oder Transaktionen zu signieren. Dadurch, dass es dann nie eine Verbindung zum Internet gibt, verringert sich die Angriffsfläche.
Ein weiterer Vorteil von Air-Gapped Wallets ist die Transparenz. Es lässt sich exakt verifizieren, welche Daten die Hardware Wallet erhält und welche Daten die Hardware Wallet verlassen. Sowohl mit anderen QR-Code-basierten Hardware Wallets als auch mit anderen Companion-Apps lassen sich diese Daten überprüfen. Darüber hinaus werden Datenmenge und Häufigkeit der Kommunikation reduziert, was die mögliche Angriffsfläche verkleinert.
Optionale Secure-Chip Smartcards
Während die Air-Gapped Architektur das Gerät von außen abschirmt, regelt der zweite Sicherheitsbaustein das sichere Speichern der Bitcoin Seedphrase. Neben der Basisvariante gibt es auch ein Shield-Addon, welches den normalen Specter DIY um einen Smartcard-Scanner erweitert. Dieser ist kein Standardelektronikteil und wird explizit dafür hergestellt. Er ermöglicht es, den Secure Chip von Smartcards für die Specter Hardware Wallets zu verwenden, um ein sehr sicheres Speichern der Seedphrase zu erreichen, wie es bei den meisten kommerziellen Hardware Wallets der Standard ist.
Ein Vorteil des Specter ist, dass die Smartcard optional herausnehmbar ist. Dadurch lassen sich mehrere Smartcards mit nur einem Specter verwenden. Hierbei lassen sich mehrere Seedphrases mit unterschiedlichen Karten und PIN-Codes verwalten, was den Kauf mehrerer Bitcoin Hardware Wallets ersetzt. Anwendungsfälle wären hier die harte Trennung zwischen beruflichen und privaten Bitcoin, das Erstellen von verschlüsselten Seedphrase-Backups oder die Nutzung als Familien Hardware Wallet, bei der jedes Familienmitglied eine eigene Smartcard erhält.
Weitere Sicherheitsmerkmale
Zwischen den DIY Hardware Wallets ist Specter die einzige Wallet, die mit Secure Boot die Signaturen von Firmware-Updates prüft, um ein versehentliches Installieren von Malware auszuschließen.
Zudem würden Anti-Phishing Wörter am Startscreen ein Manipulieren von Smartcard, Firmware und Hardware aufdecken, da diese sich im Falle einer Manipulation durch einen Angreifer ändern würden.
Ein weiteres Feature, das bei dem Specter heraussticht ist die Seedphrase Erstellung. Bei dem Specter lässt sich die Seedphrase per Münzwurfzufall aus der Realwelt erstellen. Das Verhalten der Hardware Wallet ist dabei prüfbar gegen die BIP-39 Wörterliste. Somit muss man keinem internen Zufallsalgorithmus vertrauen.
Die drei Specter-Varianten im Überblick
Für diesen Test lagen drei Varianten vor:
- der einfache Specter DIY,
- der Specter Shield Lite und
- der Specter Shield Metal.
Technisch basieren alle Varianten auf demselben Grundkonzept aus großem Touchscreen, QR-Code Kommunikation und Bitcoin-only Firmware. Die Unterschiede liegen vor allem beim Gehäuse, beim Zubehör und bei der Frage, ob Smartcards als Securechip Lösung genutzt werden kann.
Specter DIY (Basis-Variante)
Verpackung & Hardware-Eindruck
Der Specter wird in einem grauen Stoffmäppchen geliefert. Das Mäppchen ist eine praktische Alternative zur sonst üblichen Verpackung anderer Hardware Wallets, da diese sich zum Lagern des Geräts wiederverwendet werden kann. Im Vergleich zu anderen Hardware Wallets wirkt das Gerät groß und klobig. Trotz dessen ist aber die Bedienung ziemlich angenehm aufgrund dem großen Touch-Display.
Das Gerät hat keinen integrierten Akku. Um trotzdem die empfohlene Air-Gapped-Nutzung konsequent umzusetzen, muss man das Gerät per Powerbank statt am PC betreiben, was gut funktioniert hat, ist aber nochmal ein wenig umständlicher. Aufgrund des verwendeten Standardelektronik-Teils wurde aber auf Micro-USB zurückgegriffen, hier wäre USB-C komfortabel. Ein direktes Einstecken in den PC USB-Port wäre technisch auch möglich, habe ich aber bewusst vermieden, um konsequent dem Air-Gapped-Ansatz treu zu bleiben. Das offensichtlich 3D-gedruckte Gehäuse ist etwas minimalistischer als das der erweiterten Shield-Variante, trotzdem klar als DIY Wallet erkennbar.
Seedphrase-Handling ohne Secure Chip
Das Gerät wird meistens nur als reines Signiergerät verwendet, bei dem man die Seedphrase in das Gerät eingibt oder per Seed-QR einscannt. Sie befindet sich dann nur im temporären RAM des Gerätes, um Transaktionen zu signieren. Nach dem Abstecken vom Strom ist diese auch bei physischem Zugriff auf das Gerät nicht wiederherstellbar. Da man häufig das Seedbackup herausholen und anschließend wieder sehr sorgsam verwahren muss, ist diese Variante für die meisten Nutzer unkomfortabel. Zwar ist es auch möglich die Seedphrase auf dem Gerät zu speichern, wird aber nicht empfohlen da der reine Specter DIY keinen Secure Chip hat.
Im Karton:
- Specter Shield Lite
- 2x Smartcard
- Micro-USB Kabel
- Anleitung
- Stoffmäppchen
Auch beim Specter Shield Lite wirkt das Set im grauen Mäppchen aufgeräumt, in dem sich noch mehr Smartcards oder Backup-Material aufbewahren lassen. Durch die sichtbaren Spax Schrauben und die modularen Teile, die optional das manuelle Einlöten von AAA Batterien oder USB-C ermöglichen, wirkt das Gerät noch bastliger als der reine Specter DIY und verstärkt optisch den Prototyp Charakter. Bei der Stromversorgung verhält sich das Gerät identisch zum normalen Specter DIY, eine Powerbank wird also zusätzlich benötigt..
Funktional ist der Specter Shield Lite aber klar der Preis-Leistungs-Sieger der Specter Hardware Wallets. Er bietet die gleiche Sicherheit wie die premium Metall-Variante, ist aber deutlich günstiger.
Im Karton:
- Specter Shield Metal
- 2x Smartcard (getarnt)
- SD-Karte
- 2x Backup-Material
- 7x Tamper-Evident-Bag
- Micro-USB Kabel
- Anleitung
- hochwertigeres Stoffmäppchen
Im Vergleich zu den anderen beiden Specter Varianten fühlt sich der Specter Shield Metal nach einer Hochwertigen Hardware Wallet an und man merkt von außen nicht wirklich dass es sich um eine DIY Hardware Wallet handelt. Das aus Aluminium gefräste Gehäuse hinterlässt haptisch wie ästhetisch einen eleganten Eindruck. Die teilweise scharfen Kanten, gepaart mit formschönen Wölbungen, lassen das immernoch ziemlich Dicke Gerät trotzdem sehr elegant und modern wirken.
Das Gerät lässt über Micro-USB aufladen mit dem integrierten Akku. Also hier wird keine separate Powerbank benötigt.
Durch das erweiterte Zubehör hat man alles parat, um auch die Seedphrase Backups direkt sicher verwahren zu können.
Specter Hardware Wallet Shop ClavaStack
Im europäischen Markt ist ClavaStack die zentrale Bezugsquelle für die Specter Hardware Wallets. Der Shop startete 2020 als Nebenprojekt von Schnuartz, der auch durch seine Tutorials auf dem Einundzwanzig YouTube-Kanal bekannt ist. Heute betreibt er ihn hauptberuflich. Im Shop lassen sich die Geräte sowohl als Bastelset als auch betriebsbereit kaufen. Über den Verkauf hinaus engagiert Schnuartz sich als Präsident der Specter Association in Vereinsarbeit und Firmware-Entwicklung.
Egal welche Variante man wählt, hat wie bei anderen Hardware Wallets auch bei ClavaStack der Versand zum Kunden einen eigenen Sicherheitslayer. Alle Specter Varianten kamen in einem Tamper-Evident-Bag, inklusive Angaben dazu, wer das Gerät wann und wo zusammengebaut hatte und welche Firmware installiert war. Dazu kann man über proof.clavastack.com per Foto verifizieren, ob das Paket tatsächlich von ClavaStack verpackt worden ist.
Dafür wird am Verpackungstag ein Foto des Tamper-Evident-Bags samt Nummer aufgenommen und dessen Hash gebildet und kann auf der Webseite sowie auch mit der Bitcoin Blockchain verifiziert werden.
Kompatible Software Wallets
Es gibt zwar die eigene Specter Desktop App, jedoch wurde der Specter extra so gebaut dass man auch genauso gut ein anderes Wallet Interface nehmen kann. Mit den Specter Hardware Wallets lassen sich folgende Wallet Interfaces verwenden:
- Sparrow Wallet
- Specter Desktop
- Bitcoin Safe
- Liana Wallet
- Nunchuk
- Bull Bitcoin
- Blue Wallet
- Bitcoin Keeper
Vergleichstabelle
| Specter DIY | Specter Shield Lite | Specter Shield Metal | |
|---|---|---|---|
| Preis | 165 € | 190 € | 399 € |
| Gehäuse | 3D-Druck | 3D-Druck | Aluminium |
| Akku | ❌ | ❌ | ✅ |
| Gewicht | 138 g | 165 g | 253 g |
| QR-Scanner | ✅ | ✅ | ✅ |
| Smartcard-Secure-Chip | ❌ | ✅ 2x | ✅ 2x |
| weiteres Zubehör | ❌ | ❌ | Tarnungsoption für Smartcards, SD-Karte, Backup-Material, Tamper-Evident-Bags |
Kritikpunkte
Steile Lernkurve
Die Zielgruppe der Specter Hardware Wallet sind fortgeschrittene Bitcoin Nutzer. Dafür gibt es sehr viele, auch fortgeschrittene Funktionen. Aber das macht die Benutzung, vorallem für Anfänger am Anfang schwierig.
Micro-USB
Anstatt USB-C einzusetzen, wird der ältere Micro-USB Anschluss verwendet.
Groß und Schwer
Die Geräte sind vergleichsweise ziemlich groß, schwer und weniger handlich als andere Hardware Wallets.
DIY-Look
Die günstigeren Optionen im 3D-gedruckten Case sehen sowohl beim eigenen Zusammenbau als auch beim fertigen Kauf 3D gedruckt und nicht sehr hochwertig aus.
Supply-Chain-Vertrauen im Fertigbau
Wenn man das Gerät betriebsbereit mit vorinstallierter Firmware bei ClavaStack kauft, ist Vertrauen in den Hersteller notwendig.
Sprache
Es gibt zwar deutschsprachiger Tutorials, jedoch ist das Gerät zurzeit nur in Englisch verfügbar.
Hoher Preis
Alle Geräte liegen in dem höheren Preissegment von Hardware Wallets. Der Specter DIY sowie der Specter Shield Lite sehen dafür nicht sehr hochwertig aus. Die Metall-Variante ist zwar ziemlich hochwertig von dem Aussehen, liegt mit 399 € aber im oberen Hardware Wallet Preissegment.
Fazit
Die Specter Hardware Wallets heben sich durch die vielen fortgeschrittenen Bitcoin-only Funktionen und Flexibilität von anderen Hardware Wallets ab. Speziell mit Shield-Erweiterung ist das Gerät wie ein Schweizer Taschenmesser für Bitcoin Verwahrung, mit dem sich sowohl simple als auch sehr komplexe und ausgeklügelte Sicherheitsstrukturen mit mehreren Seedphrases bauen lassen. Auch wer mehrere verschiedene Wallets verwalten möchte, ist mit dem Specter gut aufgehoben. Jedoch haben die vielen Funktionen und die Flexibilität einen Preis, denn die Benutzung der Specter Hardware Wallets ist ein wenig komplizierter im Vergleich zu anderen Wallets und benötigt Zeit um sich damit zurechtzufinden.
Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis hat der Specter Shield Lite. Mit diesem bekommt man die volle Sicherheitsarchitektur des Specter Ökosystems in einem Preisbereich der mit mainstream Hardware Wallets konkurrieren kann.
Der reine Specter DIY bleibt die kompromissloseste Open-Source Variante für Bastler und Nutzer, die bewusst auf jegliches proprietäre Bauteil verzichten wollen, entsprechend ist er aber auch die Variante, die in der Praxis nur wenige Käufer wählen werden.
Der Specter Shield Metal richtet sich eher an Nutzer, die zusätzlich ein sehr hochwertiges Gehäuse, mehr Zubehör und eine edlere Haptik wollen und auch bereit sind, dafür mehr zu zahlen.