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Kanada als mahnendes Beispiel – Not Your Keys, Not Your Coins!

Am von kanada bank freeze

Die Redewendung „Not Your Keys, Not Your Bitcoin“, also zu Deutsch etwa „Nicht deine Schlüssel, nicht deine Bitcoin“ ist bereits seit vielen Jahren ein oft wiederholtes Mantra der Bitcoin-Community. Es bringt zum Ausdruck, dass in einem dezentralen Konstrukt wie dem Bitcoin-Netzwerk nur derjenige über Werte verfügen kann, wenn er kryptografisch deren Besitz nachweisen kann. Um diesen Nachweis erbringen zu können, ist es zwingend notwendig, im Besitz der sogenannten „privaten Schlüssel“ zu sein. Darüber hinaus soll das weitverbreitete Credo dazu beitragen, der Bitcoin-Community die Relevanz der Selbstverwahrung zu verdeutlichen. „Be your own bank“, „sei deine eigene Bank“ ist ein anderer gängiger Ausdruck in der Szene, welcher stark mit der ersten Redewendung verknüpft ist.

Warum es essenziell ist, sich frühzeitig mit der eigenen Verwahrung seiner privaten Schlüssel auseinanderzusetzen, machen die aktuellen Geschehnisse rund um die Proteste in Kanada und die daraus resultierende Vorgehensweise der Regierung sehr deutlich.

Eingefrorene Konten

Blocktrainer.de berichtete bereits vor einigen Tagen darüber, dass die kanadische Regierung im Zuge der anhaltenden Proteste gegen die COVID19-Restriktionen immer schärfere Maßnahmen ergreift, um die Demonstranten zur Aufgabe zu zwingen. Der Premierminister Justin Trudeau und seine Behörden gingen schließlich sogar so weit, bestehende Terrorismusgesetze zu erweiterten, um eine rechtliche Handhabe zu schaffen, Spenden- und Bankkonten von an den Protesten beteiligten Bürgerinnen und Bürgern einfrieren zu können.

Unter Anwendung der Befugnisse des Notstandsgesetzes hat die Regierung indessen auch tatsächlich damit begonnen, etwaige Accounts einzufrieren und Banken und andere Finanzinstitute angewiesen, keine Geschäfte mehr mit Personen zu tätigen, die „direkt oder indirekt“ mit den Protesten in Verbindung stehen. Die Finanzministerin und stellvertretende Premierministerin Chrystia Freeland mahnte:

„Wir haben jetzt die Werkzeuge, um das Geld zu verfolgen. Wir können in Echtzeit sehen, was passiert und was geplant ist, und wir sind absolut entschlossen, dass dies jetzt und für immer beendet werden muss.“

Bank Run und Bitcoin

Da ein derartiges Vorgehen viele Kanadier regelrecht schockierte, kam es daraufhin zum Start eines sogenannten „Bank Runs“. Die Kontensperrungen durch die Regierung bewogen viele kanadische Bürgerinnen und Bürger dazu, das eigene Ersparte von der Bank abzuheben. Durch die Masse an Leuten, die dies gleichzeitig versuchte, kam es Meldungen zufolge bei mehreren Banken zu Störungen und Ausfällen.

Kryptowährungen, allen voran Bitcoin, gelten als ideales Mittel, um staatlichen Repressionen zu entkommen. Aus diesem Grund werden immer mehr Teilnehmer und Beobachter der Demonstrationen auf das freie und zensurresistente Netzwerk aufmerksam, welches Satoshi Nakamoto vor mehr als 13 Jahren für geschaffen hat.

Der Regierung und den Polizeibehörden ist ein freies Geldsystem natürlich ein Dorn im Auge, liefert es den Demonstranten doch eine Alternative und einen Ausweg, um die Repressalien zu umgehen. Darum haben die Royal Canadian Mounted Police (RCMP) und die Ontario Provincial Police nun alle durch das FINTRAC (nationaler Finanznachrichtendienst) regulierten Kryptounternehmen dazu angewiesen, alle Bitcoin- und Kryptoadressen zu blockieren, die mit dem Freedom Convoy in Verbindung stehen.

Kryptounternehmen sind die Hände gebunden

Den Kryptodienstleistern, wie zum Beispiel Handelsbörsen, bleibt diesbezüglich auch nichts anderes übrig, als sich den Forderungen der Behörden zu beugen. Dies erklärte auch Jesse Powell, der CEO von Kraken, einer der größten und ältesten Kryptobörsen auf dem Markt, auf die Frage hin, ob seine Börse grundsätzlich in eine Position gebracht werden kann, Gelder auch ohne Gerichtsbeschluss einzufrieren:

„Es ist möglich, dass Kraken von der Polizei aufgefordert wird, sein Vermögen ohne richterliche Zustimmung einzufrieren. Und sie werden dem wahrscheinlich nachkommen.“

– @degderat

„Zu 100 % ja, es ist bereits geschehen bzw. wird wieder geschehen und zu 100 % ja, wir werden gezwungen sein, uns daran zu halten. Wenn Sie sich darüber Sorgen machen, sollten Sie Ihre Gelder nicht bei einer zentralisierten/regulierten Verwahrstelle lagern. Wir können Sie nicht schützen. Holen Sie Ihre Coins/Bargeld heraus und handeln Sie nur über P2P.“

– @jespow

Selbst jemand, wie Powell, der sogar ein geschäftliches Interesse daran hat, dass Leute ihre Kryptowährungen auf seiner Plattform lagern, rät den Leuten dazu, sich mit Selbstverwahrung zu beschäftigen und die Coins nicht bei zentralen Dienstleistern liegenzulassen. Im Fall der Fälle können diese nämlich von staatlichen Behörden sehr leicht zur Sperrung oder Beschlagnahmung von Kundengeldern gezwungen werden.

Self-hosted Wallets

Deutlich weniger (nämlich quasi gar keine) Handhabe, haben die Behörden jedoch, wenn die Gelder auf sogenannten self-hosted Wallets gelagert werden. Dies hinderte den obersten Gerichtshof von Ontario jedoch nicht daran, es zumindest zu versuchen. Das Team von Nunchuk.io, einem Anbieter von Walletsoftware, mithilfe derer man seine Kryptowährungen selbst verwahren kann, machte einen entsprechenden Fall öffentlich.

Der „Ontario Superior Court of Justice“ schickte dem Unternehmen eine einstweilige Verfügung und wies dieses an, Informationen über die an der #FreedomConvoy2022 -Bewegung beteiligten Vermögenswerte offenzulegen und einzufrieren. Nicht nur die Tatsache, dass sich der Gerichtshof wohl noch kein Stück mit der Funktionsweise von Blockchains, Wallets und privaten Schlüsseln auseinandergesetzt hat, sondern auch die folgende Antwort des Nunchuk-Teams sorgte innerhalb der Bitcoin-Community für viel Belustigung.

Lieber Oberster Gerichtshof von Ontario,

Nunchuk ist ein selbst-verwaltetes und kollaborativ-multisig Weise nutzbares Bitcoin Wallet. Wir sind ein Software-Hersteller und kein verwahrender Finanzintermediär.

Unsere Software ist frei nutzbar. Sie gestattet es Leuten zentrale Fehlerquellen zu beseitigen und Bitcoins auf die sicherste Weise zu speichern, während sie zugleich die Privatsphäre schützt.

Wir sammeln keinerlei Nutzerdaten, die über E-Mail-Adressen hinausgehen. Wir halten außerdem auch keine Schlüssel. Deswegen:

– Können wir keine Vermögenswerte „einfrieren“
– Können wir diese nicht davon „abhalten“ bewegt zu werden
– Haben wir keinerlei Kenntnis über die „Existenz, den Ursprung, den Wert oder den Ort“ der Vermögenswerte unserer Kunden. Das ist Absicht.

Bitte schlagt nach, wie Selbstverwahrung und private Schlüssel funktionieren. Wenn der kanadische Dollar wertlos geworden ist, werden wir auch für euch da sein.

Mit freundlichen Grüßen,

Das Nunchuk Team

Quelle: @nunchuk_io

Macht euch mit Self-custody vertraut!

Angesichts der Entwicklungen in Kanada möchten wir an dieser Stelle alle Leserinnen und Leser eindringlich darauf hinweisen, sich frühzeitig mit der selbstständigen Verwahrung von Kryptowährungen und dem Umgang mit Wallets und privaten Schlüsseln auseinanderzusetzen. Es ist dabei völlig unerheblich, ob man mit den Ursprüngen der Proteste übereinstimmt, oder eben nicht. Dass eine Regierung durch einfache Tricks sich selbst das Recht schaffen kann, unbegründet und nur auf Verdacht hin Konten zu sperren und Gelder einzufrieren, sollte jedermann zu denken geben.

Bitcoin wurde erfunden, um einen Gegenpol darzustellen. Eine freie Geldalternative, welche außerhalb des Einflussbereichs von staatlichen Institutionen liegt. Dies kann das Bitcoin-Netzwerk jedoch nur gewährleisten, wenn man sich nicht weiterhin auf zentrale Dienstleister verlässt, sondern sein Vermögen in die eigene Hand nimmt.

Darum der Appell: Holt euere Coins lieber heute als morgen von den Exchanges! Schafft euch eine Hardware-Wallet, wie zum Beispiel die BitBox02 an! Damit sind eure Kryptowährungen sicher verwahrt und dennoch ist die Bedienung der Wallet einfach und anfängerfreundlich gestaltet. Werdet euch über die Bedeutung von „Mnemonics“ und „private keys“ im Klaren und fangt an, eure eigene Bank zu sein.

Empfohlen für Bitcoin

BitBox02

  • Sehr einfache Handhabung
  • USB „Typ C“ Unterstützung
  • Zusätzliche Sicherheit durch „Bitcoin only“ Version
  • Kann mit eigener Fullnode betrieben werden
  • Komplett Open Source
  • Bietet die Option die Mnemonic Phrase selbst zu erstellen (würfeln)
  • Aufgrund der Richtlinien von Apple leider nicht mit iPhones kompatibel (mit MacOS aber schon)
  • Unterstützt (bewusst) nur wenige verschiedene Kryptowährungen
  • Die Mnemonic Phrase (24 Wörter) kann optional und sicher auf einer SD Karte gespeichert werden