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Laut Forbes Bericht: Ist mehr als die Hälfte des Bitcoin-Handelsvolumens gefälscht?

Am von Handelsvolumen gefälscht

Das bekannte Forbes Magazine hat vor wenigen Tagen einen Bericht veröffentlicht, in dem der Autor darlegt, dass etwas mehr als die Hälfte des auf diversen Webseiten angegebenen Bitcoin-Handelsvolumens gefälscht sei. Dass das sogenannte „Wash Trading“ (auch: Round Trip Trading oder Wash Sales) im Kryptomarkt generell relativ leicht umsetzbar ist und ein großes Problem darstellt, ist weitläufig bekannt. Häufig wird es von den Initiatoren von kleineren Altcoin-Projekten betrieben, um ein großes Interesse an dem eigenen Coin oder Token zu suggerieren und Menschen zum Kauf zu verleiten.

Definition „Wash Trading“

Das Eingehen von Geschäften oder das Vortäuschen von Geschäften, um den Anschein zu erwecken, dass Käufe und Verkäufe getätigt wurden, ohne ein Marktrisiko einzugehen oder die Marktposition des Händlers zu verändern. Der Commodity Exchange Act verbietet Wash Trading.

– Commodity Futures Trading Commission

Laut Forbes beschränkt sich dieses Problem jedoch nicht nur auf Kryptowährungen mit geringer Marktkapitalisierung, sondern auch auf den Bitcoin. Im Rahmen der Untersuchungen nahm das Forbes-Team mehr als 150 Kryptobörsen aus der ganzen Welt unter die Lupe. Die Ergebnisse zeigten, dass das Handelsvolumen über alle Kontrakt-Arten (Spot, Futures, Perpetuals) zum Stichtag (14. Juni 2022) von Forbes auf rund 128 Milliarden US-Dollar beziffert wurde. Die zum gleichen Stichtag von anderen beliebten Quellen gemeldeten Volumina wurden jedoch mit rund 262 Milliarden US-Dollar angegeben – eine Differenz von etwas mehr als der Hälfte respektive des Doppelten!

Warum Wash Trading bei Bitcoin?

Verantwortlich für das künstliche Aufblähen des Handelsvolumens des Bitcoins sind vermutlich die Börsen selbst. Der Grund liegt darin, dass diese den Anschein von mehr Popularität der eigenen Plattform schaffen und dadurch mehr legitime Kunden anlocken wollen. Auch bereits registrierte Kunden können durch ein derartiges Vorgehen zu mehr Handel angeregt werden und die Börsen an den Gebühren mitverdienen.

Laut Forbes am problematischsten in Bezug auf die Fake-Volumina sind die Börsen, die zwar ein großes Handelsvolumen angeben, aber kaum reguliert sind und ergo auch kaum beaufsichtigt werden. Insbesondere Binance, die nach Spot-Handelsvolumen weltweit größte Kryptobörse (Marktanteil: 27%), aber auch andere Branchengrößen wie ByBit und MEXC Global werden als mahnende Beispiele angeführt. Insgesamt würden laut den Untersuchungen durch Forbes deren wahres Handelsvolumen etwas weniger als 90 Milliarden US-Dollar betragen, sie selbst beziffern es jedoch auf knapp 217 Milliarden US-Dollar. Der Unterschied in den Angaben und dem ermittelten Volumen liegt hier also sogar bei mehr als 140%!

Fazit

Dass auch bei Bitcoin und nicht ausschließlich bei Altcoins Wash Trading betrieben wird, dürfte für die meisten Marktbeobachter nicht wirklich überraschend sein. Das Ausmaß, in dem dieser Fake-Handel betrieben wird, allerdings schon – vorausgesetzt, die von Forbes ermittelten Volumina sind korrekt.

Im Zuge der stetigen Adoption von Bitcoin und des Kryptowährungsmarktes im Allgemeinen, werden aber auch die Fake-Spitzenreiter wie Binance und Co. dieses Spiel nicht ewig so weiter betreiben können. Dass früher oder später länderübergreifende Regularien und Methoden zur Berechnung des täglichen Bitcoin-Handelsvolumens eingeführt werden, davon ist sehr stark auszugehen. In den USA und in der EU wird es vermutlich nicht mehr allzu lange dauern. Bis dahin, sollte man die von den Börsen gemachten Angaben definitiv mit Skepsis betrachten.

Update – Kritik an der Methodologie

Dr. Alexander Bechtel, Ökonom und Head of Digital Assets & Currency Strategy bei der Deutschen Bank, äußerte kurz nach der Veröffentlichung unseres Beitrags berechtigte Kritik an der von Forbes herangezogenen Methodologie, auf die sich die Untersuchungsergebnisse stützen. Da in dem Beitrag von Forbes von „exakt 51% des Handelsvolumens“ die Rede war, wurde der Geldtheoretiker stutzig und fragte sich, welche Datengrundlage die Forbes-Researcher wohl verwendeten, um derart detaillierte Aussagen treffen zu können.

„Als ich ‚51%‘ gelesen habe, dachte ich, dass Forbes vermutlich irgendwie an Daten gekommen ist, die eine solche genaue Berechnung zulassen. Es stand da ja nicht ‚ungefähr die Hälfte‘ oder ‚40%-60%‘, sondern ‚51%‘.“

Alexander Bechtel, Deutsche Bank

Forbes selbst beschreibt die Methodologie als „qualitative und quantitative Analyse von über 157 Kryptobörsen und die Bewertung anhand von nicht weniger als fünf Datensätzen“. Außerdem wendeten die Forbes-Researcher sogenannte Volumenrabatte („volume discounts“) auf Grundlage einer eigenen Methodik an, die sich auf zehn Faktoren stützt wie z. B. ob es im Heimatland einer Börse eine Regulierungsbehörde gibt oder Volumenmetriken, die auf dem Internetverkehr und der geschätzten Mitarbeiterzahl einer Börse basieren.

Und besonders diese Volumenrabatte sind es, was Bechtel stark kritisierte, da diese nicht auf einer fundierten wissenschaftlichen Basis, sondern eher auf willkürlichen Schätzwerten und Meinungen basieren.

„Effektiv hat Forbes völlig random sogenannte discount rates auf die Volumen der 157 Börsen angewendet (siehe Bild). Wenn eine Börse bspw. in einer Jurisdiktion mit wenig Regulierung ist, dann werden x% vom reporteten Volumen abgezogen. Wenn eine Börse nur wenig Webtraffic hat oder wenig Mitarbeiter, dann gabs nochmal Abzug. Wer an der Forbes Kryptobörsen-Umfrage teilgenommen hat, der wurde natürlich bevorzugt behandelt und es wurde weniger abgezogen.“

Alexander Bechtel, Deutsche Bank
Forbes volume discounts
Quelle: Forbes

Der Forbes-Methodologie fehle es an einer vernünftigen Kalibrierung, um die eigens definierten Modellkategorien auch rechtfertigen zu können. Die Forscher könnten überhaupt nicht wissen, ob die Kategorie „schlecht reguliert“ bedeuten würde, dass eine Börse 5%, 10% oder 15% zu viel reportet, so Bechtel.

„Für eine Kalibrierung wäre es nötig gewesen, zumindest von einigen der Börsen die echten (ohne fake Trades) Volumen zu bekommen. Diese Daten sind aber natürlich nicht zugänglich, was dazu führt, dass das Vorgehen von Forbes einigermaßen willkürlich ist.“

Alexander Bechtel, Deutsche Bank

Schlussendlich ist es für eine renommierte Medienagentur wie Forbes sehr unrühmlich, einen derartigen Beitrag zu verfassen, der auf einer ziemlich willkürlichen Methodologie beruht. Dass Wash Trading stattfindet und ein generelles Problem ist, darüber dürften sich die meisten Forscher, Marktbeobachter und Marktteilnehmer einig sein. Die „51%“, die Forbes angibt, sind jedoch mit Vorsicht zu genießen.


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