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EZB Euro

EZB startet Projekt zur Ausgabe eines digitalen Euros

Knapp 20 Jahre nach der Einführung des Euros steht nun eine digitale Version dessen in den Startlöchern. Der Rat der europäischen Zentralbank (EZB) hat gestern beschlossen, ein Projekt zur Untersuchungsphase für die Ausgabe eines digitalen Euros zu starten. Geplant ist dieses für die nächsten 24 Monate und es sollen dabei einerseits die Präferenzen der Nutzer evaluiert, aber auch Schlüsselfragen zu Design und späterer Verteilung im Euroraum geklärt werden. Andererseits sollen auch die Auswirkungen, die ein digitaler Euro auf Staat und Gesellschaft haben könnte erforscht werden.

Die digitale Transformation des Geldes

Angesichts der laufenden digitalen Transformation, die das Potenzial hat, die Zahlungsverkehrslandschaft und sogar das gesamte Finanzsystem zu verändern, müssen die Zentralbanken mit dem Tempo der Veränderungen Schritt halten, um die eigene Machtposition zu halten und nicht an den Privatsektor oder gar an quelloffene Systeme wie beispielsweise dem Bitcoin abzugeben. Der Startschuss dieses Projekts zur digitalen Transformation des Euros folgt auf die vorangegangene Sondierungsarbeit der EZB, die sich bisher immerhin theoretisch mit dem Konzept eines E-Euros auseinandergesetzt hat. Nun soll das Ganze etwas praktischer werden.

„Es ist neun Monate her, dass wir unseren Bericht über einen digitalen Euro veröffentlicht haben. In dieser Zeit haben wir weitere Analysen durchgeführt, den Input von Bürgern und Fachleuten eingeholt und einige Experimente durchgeführt – mit ermutigenden Ergebnissen. All dies hat uns zu dem Entschluss gebracht, einen Gang höher zu schalten und das Projekt des digitalen Euros zu starten. […] Mit unserer Arbeit wollen wir sicherstellen, dass Bürger und Unternehmen auch im digitalen Zeitalter Zugang zur sichersten Form des Geldes, dem Zentralbankgeld, haben“

Christine Lagarde, Präsidentin der EZB
Christine Lagarde

Ziele des Projekts

Wie bereits eingangs erwähnt, soll die Untersuchungsphase des Projekts 24 Monate dauern und darauf abzielen, Schlüsselfragen zu klären, wie z.B. auf welche Weise ein digitaler Euro in der Lage sein kann, die Bedürfnisse aller europäischen Länder zu erfüllen. Gleichzeitig sollen natürlich auch illegale Aktivitäten verhindert und unerwünschte Auswirkungen auf die Finanzstabilität und die Geldpolitik vermieden werden. Es sollen Anwendungsfälle untersucht werden, die ein digitaler Euro vorrangig bieten sollte, um seine Ziele zu erreichen: Eine risikolose, zugängliche und effiziente Form von digitalem Zentralbankgeld. In einem Beitrag auf dem Blog der EZB schreibt Fabio Panetta, ein Mitglied des EZB-Rates und Vorsitzender der Task Force für den digitalen Euro, dass es bei der Gestaltung einer neuen Form von Zentralbankgeld auch darum geht, operative und technologische Anforderungen zu definieren und die bevorzugten Optionen zu ermitteln. Erste Experimente haben gezeigt, dass sowohl die Blockchain-Technologie, als auch das TARGET Instant Payment Settlement (TIPS) – System, welches bereits im Eurosystem genutzt wird, geeignet wären, um die ca. 300 Milliarden jährlichen Transaktionen im Euroraum zu verarbeiten.

Neben den technologischen Eigenschaften sollen auch Auswirkungen des E-Euros auf den Markt untersucht und bewertet werden. In diesem Zusammenhang stehen auch die Gestaltungsoptionen zur Gewährleistung des Datenschutzes der Marktteilnehmer und zur Vermeidung von Risiken für die Bürger des Euroraums und die Gesamtwirtschaft.

Legale Aspekte eines digitalen Zentralbankgeldes sind natürlich ebenfalls nicht außer Acht zu lassen. Das Projekt soll außerdem Aufschluss darüber geben, welche Änderungen des Gesetzesrahmens in der EU nötig sein könnten. Diese sollen mit den europäischen Gesetzgebern diskutiert und anschließend von diesen beschlossen werden.

Es wird Fokusgruppen, Interaktion mit Finanzintermediären, Prototyping und konzeptionelle Arbeit beinhalten. Wir werden mit allen Interessengruppen zusammenarbeiten. Und wir werden weiterhin eng mit anderen europäischen Institutionen zusammenarbeiten, um den notwendigen gesetzlichen Rahmen zu definieren. Das Europäische Parlament, die Europäische Kommission, der Europäische Rat und die Eurogruppe haben die Bedeutung des digitalen Euro für einen innovativen Finanzsektor und widerstandsfähige Zahlungssysteme anerkannt und das Eurosystem ermutigt, seine Arbeit fortzusetzen.“

Fabio Panetta, Vorsitzender der Task Force E-Euro

Eigenschaften des E-Euros

Entgegen der Befürchtungen vieler Menschen, beteuern die Verantwortlichen bei der EZB, dass auch die wichtigen Eigenschaften Datenschutz und Privatsphäre beim E-Euro umgesetzt werden sollen. Dies ist aber nur auf dem ersten Blick richtig. Im Blogbeitrag von Herrn Panetta heißt es:

„Da der digitale Euro von der Zentralbank angeboten wird – die kein kommerzielles Interesse an der Monetarisierung der Daten der Nutzer hat – würde er dazu beitragen, die Privatsphäre der Menschen vor kommerzieller Nutzung oder ungerechtfertigtem Eindringen zu schützen. Eine angemessene, transparente Verwaltungsstruktur, die den europäischen Datenschutzbestimmungen entspricht, würde außerdem gewährleisten, dass die persönlichen Daten der Nutzer nur für legitime Behörden zugänglich sind, um illegale Aktivitäten wie Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung zu verhindern.“

Die Daten sollen also zwar vor kommerzieller Nutzung, aber nicht vor dem Staat geschützt werden. Durch die ohnehin zunehmende Abschaffung des Bargeldes fürchten viele Bürgerinnen und Bürger zu „gläsern“ zu werden. Die EZB-Verantwortlichen stellten in ihrem Schreiben zum Start des Projekts zwar klar, dass der digitale Euro das Bargeld nur ergänzen und nicht ersetzen soll, jedoch sollte man sich durchaus die Frage stellen, auf welchen Zeitrahmen sich diese Aussage bezieht. Eine direkte Abschaffung des Bargeldes mit der Einführung des E-Euros ist sicherlich unwahrscheinlich. Dass im Laufe der Zeit das Bargeld aber definitiv abgeschafft werden wird, steht quasi außer Frage.

„In jedem Fall würde ein digitaler Euro das Bargeld ergänzen, nicht ersetzen.“

EZB-Rat

E-Euro ein Altcoin?

Interessant ist außerdem die Tatsache, dass sowohl im Beitrag von Herrn Panetta, als auch in der Pressemitteilung des EZB-Rates ein direkter Bezug zu Bitcoin gemacht wird. Sehen die Verantwortlichen den digitalen Euro etwa als Altcoin? Auf alle Fälle zeigt es, dass sie das von Satoshi Nakamoto ins Leben gerufene Netzwerk definitiv als ernstzunehmende Konkurrenz sehen.

Natürlich durfte in diesem Zusammenhang das von Kritikern als Hauptargument verwendete Narrativ der Energieverschwendung nicht fehlen, denn „wie Experimente gezeigt haben, braucht die vom digitalen Euro verwendete Infrastruktur vernachlässigbar wenig Energie im Vergleich zum BTC, der mehr Strom verbraucht als Griechenland oder Portugal“.

Dass ein zentral geführtes Register für die Transaktionsabwicklung weniger Energie verbraucht als ein freies, dezentrales und globales System, sollte nun wirklich keine innovative Entdeckung sein. Es dürfte für die EZB-Verantwortlichen spannend werden zu sehen, dass Bitcoin und ein E-Euro nicht in der selben Liga spielen. Leute, die sich für den Bitcoin begeistern, tun dies aufgrund der freiheitlichen und offenen Eigenschaften. Sie werden dies entsprechend auch weiterhin tun, denn die Eigenschaft „digital“ ist nicht die ausschlaggebende. Es spielt keine Rolle, welche Form der Euro annimmt. Das Fundament der europäischen Währung bleibt eine zentrale Instanz. Bitcoin ist anders. Bitcoin fixes this.


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