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Craig Wright Prozess – $100 Mio. Strafe für „Faketoshi Nakamoto“

Am von Craig wright

Nach einem zweijährigen Prozess zwischen Craig Wright und Ira Kleiman ist nun vor dem Zivilgericht in Miami das Urteil gefällt worden: Wright wurde bei sechs von sieben Anklagepunkten freigesprochen, muss aber eine Strafe in Höhe von 100 Millionen US-Dollar zahlen. Craig Wright inszenierte sich als der Gewinner und viele Journalisten sprangen auf den Zug auf. Aber der Schein trügt.

Der Prozess

Seit zwei Jahren befand sich Wright in einem fast endlosen erscheinenden Gerichtsprozess. Es ging um die Anfangstage von Bitcoin. Wie viele bereits wissen, hat der Bitcoin-Erfinder Satoshi (wer auch immer es war) ungefähr 1,1 Millionen Bitcoin geschürft. Da Craig Wright bereits seit einigen Jahren von sich behauptet, eben jener pseudonyme Bitcoin-Erfinder zu sein, müsste er somit direkten Zugang zu diesen Bitcoin haben.

Zu dieser Zeit arbeitete aber Wright nicht alleine, sondern laut eigener Aussagem mit dem bereits verstorbenen Computerforensik Experten Dave Kleiman zusammen. Nachdem dieser verstarb, trat sein Bruder Ira Kleiman in Erscheinung. Er gab ebenfalls an, dass sein Bruder zusammen mit Wright hinter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto steckte.

Da Wright und Kleiman Geschäftspartner waren, hätten die Erben einen Anspruch auf 50% des Vermögens. Dies hätte bedeutet Wright würde der Familie Kleiman 550.000 Bitcoin schulden, wenn er diese wirklich besitzen sollte. Wright konnte bis heute keinen handfesten Beweis dafür liefern, dass er tatsächlich Satoshi Nakamoto ist. Anstatt den einfachen Weg zu wählen und mit dem privaten Schlüssel der ersten BTC-Blöcke eine Transaktion zu signieren und damit kryptografisch zu beweisen, dass er Satoshi sein muss, verstrickte er sich immer weiter in seinen Ausreden.

Der selbsternannte Satoshi Craig Wright. Quelle: Tech Bullion

Wer war der Gewinner?

Die Anhänger von Craig Wright waren sich sicher. Der eindeutige Sieger des Prozesses war Craig Wright. Schließlich wurde er in sechs von sieben Anklagepunkten freigesprochen und alle Betrugsvorwürfe wurden fallen gelassen. Schon beim Verlassen des Gerichts nutzte Wright die Möglichkeit und präsentierte sich gegenüber seiner Gefolgschaft als der klare Gewinner des Prozesses.


„Nach seinem durchschlagenden Prozessgewinn von heute, ein paar Worte von #CraightWright (#SatoshiNakamoto) an seine Unterstützer.“

Die Jury kam zu dem Schluss, dass es keinen eindeutigen Beweis für eine damalige Geschäftsbeziehung zwischen Wright und Kleiman gibt. Wright wurde im Anklagepunkt Conversion (Umwandlung) verurteilt, weil dieser sich an dem geistigen Eigentum der Firma von Dave Kleiman (W&K Information Defense Research) bereichert hatte. Wright wurde zu einer Zahlung von 100 Millionen US-Dollar an W&K Information Defense Research verurteilt.

Die Firma befindet sich aber nur zu 25% im Besitz der Familie Kleiman. 75% der Firma gehört Craig Wrights Exfrau Lynn Wright. Craig Wright witzelte damit, dass er jetzt nur noch mehr Zahlungen an seine Exfrau leisten müsse. Für die Familie Kleiman ergibt sich daraus eine Zahlung von 25 Millionen US-Dollar, mit der sie rechnen können.

Ein kleines Detail übersahen die Unterstützer von Wright jedoch. Das Gericht erklärte im Urteil, dass es keine Beweise dafür gab, dass der sogenannte Tulip Trust, welcher die 1.1 Million Bitcoin angeblich besitzen soll, überhaupt existiert. In seiner „Siegesrede“ hat Wright und seine Bitcoin Satoshi Vision (BSV) Gefolgschaft eines vergessen: Niemand wird ihnen glauben, solange es keinen eindeutigen Beweis gibt, dass Wright im Besitz der 1,1 Million Bitcoin ist. Die Kleimans waren auch nicht wirklich daran interessiert, dass Wright als ein Betrüger überführt wird. Dazu kommen wir jetzt.

Das Spiel von Ira Kleiman

Das Worst-Case-Szenario wäre für Ira Kleiman gewesen, wenn Wright sich vor Gericht als ein Betrüger outet und seine Schuld einräumt. In diesen Fall hätte Wright selbst zugegeben, dass der Tulip Trust nicht existiert und er die 1.1 Million Bitcoin nicht besitzt. Schließlich kann man nicht die Hälfte von etwas abgeben, was man überhaupt nicht besitzt. Ira Kleiman versuchte im Prozess, die Lügen von Wright nur teilweise aufzuzeigen. Die Absicht dahinter dürfte gewesen sein, Wright unter Druck zu einem lukrativen Deal zu bewegen. Das gelang ihm aber nicht.

So war Ira Kleiman den ganzen Prozess damit bemüht, die Widersprüche von Wright aufzuzeigen, damit er verurteilt wird und Strafzahlungen leisten muss, aber er war nicht daran interessiert, dass Wright seine Schuld zugibt und sich als Schwindler outet. Die Motive von Ira Kleiman im gesamten Prozess waren sehr fragwürdig. Ging es ihm nur darum einen finanziellen Profit aus der Situation Wrights zu schlagen oder wirklich um die Gerechtigkeit? Der Verlauf des Prozesses schließt eher auf das Erstere.

Darstellung des Urteils in den Medien

Als Letztes müssen wir noch auf die Arbeit der Medien eingehen. Viele Journalisten haben das Narrativ der Wright Anhänger aufgegriffen und stellten Wright als einen Gewinner des Prozesses dar. Begründet wurde dies oft damit, dass Wright in sechs von sieben Anklagepunkten freigesprochen wurde und weiterhin die Chance besteht, dass Wright im Besitz des Tulip Trusts sein könnte.

Die meisten Journalisten, haben die Abwesenheit eines Gegenbeweises für Wrights Aussage, er sei Satoshi wohl höher bewertet als die Abwesenheit eines Beweises für seine Aussagen. Wright stützt sich nur auf seine Behauptungen. Bis heute erbrachte er keine sinnvolle Erklärung, wieso er den Tulip Trust besitzt, aber keinen Zugriff darauf hat. Die Thematik hätte letztes Jahr schon beendet werden müssen, als Bitcoin Adressen, die angeblich dem Tulip Trust angehörten, mit der Botschaft „Craig Wright is a liar and a fraud (Craig Wright ist ein Lügner und Betrüger)“ von einem privaten Schlüssel der Adresse signiert wurde. Ein eindeutiger kryptografischer Beweis, dass die Adresse nicht Craig Wright gehört (außer er bezeichnet sich selber als ein Betrüger und Lügner).

Eine Adresse, die dem Tulip Trust angehören sollte. Quelle: Bitcoin News

Die Journalisten haben wohl vergessen, dass Wright eine Beweischuld gegenüber der Bitcoin-Community hat. Erst wenn Wright einen eindeutigen kryptografischen Beweis für den Besitz des Tulip Trusts liefern kann, hat er als selbsternannter Erfinder von Bitcoin seine Beweischuld erbracht. Inzwischen sollte aber jedem klar sein, dass Wright diesen Beweis nicht erbringen kann.

Und noch eine kleine Erwähnung am Rande: Die 100 Millionen US-Dollar sind eine der höchsten Strafen, die jemals in den USA an einem Zivilgericht verhängt wurden. Wie das als ein Sieg gewertet werden kann, ist eine Frage, die nur von Wright und seinen Anhängern erklärt werden kann.

Eines der Beispiel wie Wright als Gewinner dargestellt wurde. Quelle: The Times

Fazit

Ist das Urteil das Ende von Craig Wright? Vermutlich nicht. Solange er noch die liquiden Mittel hat und es noch Leute gibt, die ihm seine Selbstvermarktung als Satoshi abkaufen, wird er weiter ein Teil der Kryptoszene bleiben. Die viel wichtigere Frage ist aber, hat Wright vor Gericht einen Beweis erbringen können, dass er Satoshi ist? Ganz klar: NEIN! Er hat keinen Zugang zum ominösen Tulip Trust und das Gericht zweifelt sogar die generelle Existenz des Trusts an. Wright bleibt aber nichts anderes übrig, als sich wie der Gewinner zu inszenieren. Würde er sich seine Niederlage eingestehen, bricht sein gesamtes Kartenhaus zusammen.