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China setzt Mining-Verbot durch

Die chinesische Regierung hat begonnen, das im Mai beschlossene Gesetz zum Krypto-Mining-Verbot durchzusetzen und dreht großen Mininganlangen in der Provinz Sichuan sowie in anderen Regionen den Strom ab. Das hat vor allem große Auswirkungen auf die Rechenleistung des Bitcoin-Netzwerkes.

Situation in Sichuan

Sichuan, die größte Provinz der Volksrepublik ist für das hydrobasierte Bitcoin Mining bekannt und reiht sich in die Liste von chinesischen Provinzen ein, die bereits gegen das Bitcoin Mining vorgegangen sind. Xinjiang, die innere Mongolei, Quinghai und Yunnan haben bereits Razzien und weitere Vorgehen gegen die Branche angekündigt. Nun haben sich auch die lokalen Behörden von Sichuan den Druck der chinesischen Regierung gebeugt.

Die Kommunalverwaltung der Provinz sowie die Stadtregierung und Energieversorger führen den Shutdown der Mininganlagen durch. Insgesamt wurden 26 Unternehmen bis zum 20. Juni geschlossen. Bis zum 26. Juni findet eine Inspektion durch die Kommunalverwaltung statt. Jedes Unternehmen, das eine Mininganlage betreibt oder eine Verbindung dazu hat, wird geschlossen. Auch die Stromversorger sind verpflichtet eine Selbstinspektion durchzuführen und allen Mining Anlagen sofort den Strom abzudrehen. Des Weiteren haben sie durch die Stadtverwaltung die Befugnis erhalten bei ihren Kunden Razzien durchzuführen.

Auswirkung auf das Bitcoin Netzwerk

Sichuan ist wahrscheinlich das Gebiet, das weltweit gesehen die höchste Konzentration an Bitcoin Miningfarmen aufweist. Mit dem Verbot des Minings ist deswegen auch die Hashrate des Bitcoin-Netzwerkes deutlich abgefallen. Die Hashrate ist die Maßeinheit für die Rechenleistung des Bitcoin-Netzwerkes und einer der wichtigsten Indikatorn für die Sicherheit von Bitcoin. Der Wegfall der Rechenleistung aus Sichuan macht sich demnach deutlich bemerkbar.

Anfang Mai lag die Hashrate noch bei 200 Exahashes, die alle Mining-Geräte zusammen pro Sekunde berechneten. Das sind 200 Trillionen Hashes pro Sekunde! Inzwischen hat sich die Zahl fast halbiert. Vor allem in den letzten Tagen gab es einen sehr starken Abfall der Hashrate zu verzeichnen, der durchaus auf die Situation in China und besonders auf Sichuan zurückzuführen ist.

Bitcoin Hashrate. Quelle: Blockchain.com

Konsequenzen für Bitcoin

Wenn die Hashrate von Bitcoin fällt, leidet auch die Sicherheit darunter. Die Miner sichern mit ihrer geleisteten Arbeit das Netzwerk ab (Proof-of-Work). Ein massiver Einbruch der Hashrate erleichtert eine 51% Attacke auf das Netzwerk. Trotzdem sollten hier die Gefahren nicht überdramatisiert werden. Verglichen mit anderen Proof-of-Work Netzwerken weist Bitcoin immer noch die größte Sicherheit auf. Bitcoin ist mit Abstand das größte dezentrale Computernetzwerk auf der Welt (abgesehen vom Internet selbst, versteht sich).

Langfristig können sich die Entwicklungen in China sogar positiv erweisen. Bitcoin hat schon seit längerem ein großes Imageproblem. Das hat zwei Gründe. Zuerst die Energiedebatte. Obwohl der Anteil des für das Mining benutzten Stroms immer mehr in Richtung erneuerbare Energiequellen geht, verwenden viele Miner in China Kohlestrom. Das hängt mit der Subventionierung seitens der chinesischen Regierung zusammen. Zerfällt die Miningindustrie in China, wird auch der Anteil des Kohlestroms innerhalb des Bitcoin-Netzwerkes erheblich fallen.

Der zweite Grund hängt mit den Grundprinzipien von Bitcoin zusammen. Bitcoin ist freies Geld und steht jedem Menschen auf der Welt zur Verfügung. Auf der anderen Seite ist China ein staatskapitalistisches autoritäres System. China ist nicht daran interessiert seinem Bürger eine eigene Wahl zu lassen. Genauso wenig wie beim Internet. Viele Applikationen wie YouTube sind in China nicht erlaubt. Natürlich ist es zu bedauern, dass die Bürger Chinas nicht die Vorteile von Bitcoin genießen dürfen, trotzdem ist es für das restliche Netzwerk besser sich von China abgrenzen zu können. Die Abgrenzung der Öffentlichkeit bewusst zu machen ist nur möglich, wenn der Hauptstandort der Bitcoin Mining Industrie nicht in China ist. Die bisherige Zentralisierung auf China war in den vergangenen Jahren ein häufig genannter Kritikpunkt am Bitcoin-Netzwerk.

Bitcoin ist ein antifragiles System. Wenn das Mining in China verboten wird, wird es andere Standorte auf der Welt geben, die besser dafür geeignet sind und an welche sich die Miner schließlich ansiedeln werden. In letzter Zeit gab es immer wieder Gerüchte, dass vor allem der Süden der USA wie z.B. Texas sehr geeignet für das Schürfen von Bitcoin ist. Auch die Entwicklung in Mittel- und Südamerika lassen hoffen. Der Präsident von El Salvador, Nayib Bukele, will mit der gewonnenen Energie aus Vulkanen die Miningindustrie stärken. Aber auch andere Politiker aus Südamerika symbolisierten ihre Unterstützung der Miner und boten ihnen ein neues zu Hause an.

„Hallo wir warten auf euch alle in Paraguay #Bitcoin“

Mittlerweile hat außerdem das erste chinesische Logistikunternehmen gegenüber CNBC bestätigt, dass sie gerade damit beschäftigt sind mehr als 3 Tonnen an Bitcoin Mining-Hardware von China in die USA nach Maryland zu exportieren:

Fazit

Das Vorgehen der chinesischen Regierung gegen die Miningindustrie ist auf den ersten Blick bedauernswert. Bitcoin wäre eine Möglichkeit für die chinesische Regierung das Leben ihrer Bürger zu verbessern. Leider hat die Vergangenheit schon oft gezeigt, dass das nicht die Absicht der Regierung in Peking ist. Bitcoin hat nun die einmalige Chance sich von China zu lösen und sein Image auch in der breiten Bevölkerung zu verbessern. Obwohl die Rechenleistung des Netzwerkes stark durch den Wegfall Chinas leidet, können sich hier ganz neue Türen für Miner auf der ganzen Welt öffnen. Die Vergangenheit hat oft bewiesen, dass Bitcoin auch in einer schnell verändernden Umwelt seinen Platz findet. Man kann gespannt sein wie sich die Miningindustrie in den nächsten Monaten entwickelt.