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Celsius Network setzt Auszahlungen aus – droht die Insolvenz?

Am von Celsius Network

Die Krypto-Lending Plattform Celsius Network gab heute via E-Mail und Twitter bekannt, alle Auszahlungen (vorübergehend) auszusetzen. Nutzer des Celsius Networks haben derzeit keine Möglichkeiten mehr, auf ihre hinterlegten Bitcoins oder andere Kryptowährungen zuzugreifen. Auch eine Insolvenz des im Jahr 2018 gegründeten Unternehmens kann nicht mehr ausgeschlossen werden.

„Das Celsius Network pausiert alle Abhebungen, Swaps und Überweisungen zwischen Konten. Das Handeln im Interesse unserer Community hat für uns oberste Priorität. Unser Betrieb geht weiter und wir werden weiterhin Informationen mit der Community teilen. Mehr dazu hier:

https://medium.com/p/a-memo-to-the-celsius-community-59532a06ecc6″

@CelsiusNetwork

Celsius Kunden verlieren Anspruch auf ihre Gelder

Ein Auszahlungsstopp ist auf Lending-Plattformen hochproblematisch. Für die Generierung der Zinsen zahlen die Kunden ihre Kryptowährungen auf die Plattform ein. Lending-Plattformen präsentieren sich zwar oft nach außen als transparent und versprechen den Kunden jederzeit Auszahlung der Gelder zu ermöglichen, allerdings kann sich dies schnell ändern, wie nun auch bei Celsius Network festgestellt werden konnte. Blocktrainer.de warnte bereits mehrfach in der Vergangenheit vor der Nutzung solcher Dienstleister.

In den Geschäftsbedingungen von Celsius Network befinden sich einige „Red Flags“, auf die die Bitcoin Community in den letzten Wochen bereits hingewiesen hat. So erklärt Celsius Network, dass im Falle eines Konkurses die hinterlegten Kryptowährungen „möglicherweise nicht erstattungsfähig sind“. Auch die rechtliche Lage des Kunden wird in den Geschäftsbedingungen eindeutig beschrieben:

„Für den Fall, dass Celsius Konkurs geht, in Liquidation gerät oder anderweitig nicht in der Lage ist, seine Verpflichtungen zurückzuzahlen, sind alle digitale Vermögenswerte, die im Earn-Service oder als Sicherheit im Rahmen des Borrow-Service verwendet werden, möglicherweise nicht erstattungsfähig. Betroffene haben möglicherweise keine Rechtsbehelfe oder Rechte im Kontext der Verpflichtungen von Celsius Ihnen gegenüber, abgesehen von Ihren Rechten als Gläubiger von Celsius nach geltendem Recht.“

Celsius Network

Für die Kunden von Celsius Network bedeutet dies, dass sie im Falle eines Konkurses damit rechnen können, ihre Gelder zu verlieren, denn im DeFi-Markt fehlt die nötige rechtliche Regulierung für den Schutz der Anleger. Aber nicht nur für die Verleiher ist die Situation problematisch. Kreditnehmer können durch das Aussetzen des Transferstopps auf der Plattform keine zusätzlichen Sicherheiten hinzufügen und sind deshalb bedroht, von der derzeitigen Verkaufswelle liquidiert zu werden.

„Ich habe USDC auf meinem Konto, mit denen ich meinen Kredit zurückzahlen möchte, der gerade einen Margin-Call hat, aber ich kann den verdammten Kredit wegen des Transferstopps nicht einmal zurückzahlen. Das ist lächerlich. Wenn der Markt einbricht, liquidiert Celsius meine Sicherheiten, obwohl ich meinen Kredit zurückzahlen kann!!!“

Gefahr einer Insolvenz verdichtet sich

Bisher gab es noch keine offizielle Stellungnahme seitens des Unternehmens für die Gründe der Aussetzung der Auszahlungen und damit keinen eindeutigen Beweis für eine drohende Insolvenz von Celsius Network. Ereignisse wie der Zusammenbruch der Handelsbörse Mt. Gox im Jahr 2014 zeigen aber, dass mit dem Worst Case gerechnet werden sollte respektive muss.

Zuerst sei hier die Problematik des Firmentokens von Celsius (CEL) genannt. Dieser stürzte von seinem Hoch von 8 US-Dollar auf 18 Cent ab. Heute in der Nacht verlor der Token innerhalb einer Stunde 60% seines Wertes und fiel kurzzeitig auf 8 Cent. Mit dem Preisabsturz ergeben sich verschiedenen Probleme für das Unternehmen Celsius.

Zum einen besitzt Celsius Network den firmeneigenen Token auf der Bilanz. Alex Mashinsky, CEO und Gründer von Celsius, erklärte auf Twitter, dass das Unternehmen 600 Millionen US-Dollar an Geldreserven und CEL-Tokens auf der Bilanz hält. Die genaue Anzahl der CEL-Tokens ließ er dabei aber offen. Zum Zeitpunkt der Aussage im November 2020 stand der Token bei 6 US-Dollar. Es kann damit gerechnet werden, dass die CEL-Tokens auf der Bilanz nur noch einen Bruchteil des ursprünglichen Wertes besitzen.

„Die Bilanz von Celsius beträgt über 600.000.000 US-Dollar in CASH und CEL. Wenn du also das nächste Mal eine Einzahlung bei jemandem tätigst, von dem du glaubst, dass er besser sei als Celsius, frag ihn, wie hoch sein eigenes Vermögen ist (ohne Kundeneinlagen) und frag dich dann, wo deine Gelder sicherer sind.“

@Mashinsky

Der Rückgang der Bilanzsumme ist aber nicht die einzige resultierende Gefahr für das Unternehmen. Die Lending-Funktion von Celsius Network basiert maßgeblich auf dem CEL-Token. Kunden von Celsius erhalten bessere Konditionen, wenn sie mehr CEL-Tokens halten. Die meisten Lending-Plattformen, die eine eigene Kryptowährungen besitzen, benutzen diesen Mechanismus, um eine künstliche Nachfrage nach dem Token zu schaffen.

Fällt der Token, fällt auch der Gegenwert der hinterlegten CEL-Tokens und die Angst bei den Anlegern nimmt zu. Die Gelder werden von der Plattform abgezogen und der Token anschließend verkauft. Der Verkaufsdruck nimmt weiter zu und es kann zu einem klassischen Bankansturm auf die Plattform führen. Der Preis des Tokens repräsentiert das Vertrauen der Anleger in die Plattform. Sollte bei Celsius Network wirklich ein Bankensturm vorgefallen sein, würde dies den Auszahlungsstopp erklären.

Der CEL-Token verlor 96% seines Wertes seit letztem Jahr. Quelle: Tradingview

Gefahren von Lending Plattformen

Die Verlockung Cashflow auf seine Kryptowährungen zu generieren ist oft groß. Das Risiko der Nutzung solcher Plattformen aber genauso. Denn schließlich können die versprochenen Zinsen nicht aus dem Nichts erschaffen werden, sondern müssen ebenfalls erwirtschaftet werden.

Hier beginnt das Problem. Die Lending Plattformen dienen als Risikomanager und verleihen das Geld der Kunden an andere Dienstleister weiter, wodurch Zinsen generiert werden. Oft wird das Geld der Kunden auch in risikoreiche DeFi-Protokolle investiert, denn diese versprechen besonders hohe Renditen.

Celsius Network zog kurz nachdem sich der gescheiterte Stablecoin UST von seiner Dollar-Bindung gelöst hatte, 500 Millionen US-Dollar aus dem Anchor Protokoll ab, das den Nutzern 20 % Rendite auf den hinterlegten UST versprach. Auch kam Celsius schon in der Vergangenheit mehrfach unter starke Kritik für ihre Geschäftspraktiken. Custodian Prime Trust beendete seine Geschäftsbeziehung mit Celsius Network. Grund war die risikoreiche Weiterverpfändungen (engl. rehypothecation) der Vermögenswerte.

Nicht immer ging die Taktik von Celsius Network auf. Aufgrund der risikoreichen Weiterverpfändung musste das Unternehmen bereits große Verluste verzeichnen. Im Mai letzten Jahres verlor das Unternehmen 35.000 Ether im StakeHound Debakel. Auch im BadgerDAO Hack war das Unternehmen involviert und verlor 120 Millionen US-Dollar.

Fazit

„Not your keys, not your coins“. Blocktrainer.de warnte in der Vergangenheit vor solchen Dienstleistern und wird dies auch weiterhin tun. Wie der derzeitige Fall des Celsius Networks zeigt, auch zurecht. Auch sollten sich die Nutzer von Lending Plattformen und DeFi-Protokollen den Unterschied zwischen „Return on capital“ (dt. Kapitalrendite) und „Return of capital“ (dt. Kapitalrückgabe) bewusst machen. Die Rendite kann noch so hoch ausfallen, wenn aber das eingesetztes Kapital nicht abgezogen werden kann, ist dies fatal. Alle Zeichen deuten darauf hin, dass Celsius vor dem Ende steht. Aus den Geschäftsbedingungen von Celsius kann jetzt schon herausgelesen werden, dass die Kunden bei einem Insolvenzverfahren keinen Anspruch mehr auf ihre Gelder besitzen. Es kann nur von solchen Plattformen abgeraten werden.


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