Die Vereinigten Staaten stehen vor einer richtungsweisenden Entscheidung: Wer wird die Nachfolge von Janet Yellen als US-Finanzminister antreten, wenn Donald Trump im Jahr 2025 wieder ins Weiße Haus einziehen wird? Die Diskussion um die mögliche Besetzung dieses einflussreichen Amtes ist nicht nur für die Finanzwelt von Bedeutung, sondern könnte auch weitreichende Implikationen für Bitcoin und die globale Geldpolitik haben.

Zwei oder drei „Bitcoiner“ im Rennen?

Die Diskussion um das zukünftige US-Finanzministerium sorgt für Aufsehen, denn im Rennen um diese Schlüsselposition stehen mit Scott Bessent und Howard Lutnick gleich zwei prominente Vertreter, die Bitcoin als essenziellen Bestandteil einer modernen Wirtschaft betrachten. Beide haben in der Vergangenheit ihre Überzeugung bekräftigt, dass die führende Kryptowährung eine strategische Rolle in der Wirtschaftspolitik der USA spielen sollte.

Scott Bessent, der Gründer von Key Square Capital und ehemaliger CIO von Soros Fund Management, betonte erst im Sommer dieses Jahres in einem Interview die Freiheitswerte, die Bitcoin verkörpert, und er hat sich öffentlich dafür ausgesprochen, dass Donald Trump dem Thema positiv gegenübersteht – Blocktrainer.de berichtete.

Howard Lutnick, CEO des Finanzdienstleisters Cantor Fitzgerald, geht sogar noch weiter: Er gilt als überzeugter Bitcoin-Bulle und hat erst kürzlich in einem Interview erklärt, dass er „Hunderte Millionen in Bitcoin hat“.

Doch während bisher vor allem Bessent und Lutnick innerhalb der Bitcoin-Community Unterstützung finden, werden von den Medien und Wettmärkten auch einem dritten Kandidaten realistische Chancen eingeräumt: Kevin Warsh. Der ehemalige Gouverneur der Federal Reserve stand lange Zeit allerdings eher für eine andere finanzpolitische Agenda. Warsh war ein Verfechter digitaler Zentralbankwährungen (CBDCs) und erzählte im Jahr 2018 in einem Interview mit der NY Times, dass er einen „FedCoin“ schaffen würde, wenn er in der Federal Reserve wieder etwas zu sagen hätte. Und es kommt sogar noch schlimmer, er wolle eine solche Währung sogar benutzen, um „gesetzliche Maßnahmen“ und „Geldpolitik durchzudrücken“.

Wäre ich in die Fed zurückgekehrt, hätte ich ein Team ernannt, das über die Schaffung eines FedCoin nachdenkt, mit dem wir gesetzliche Maßnahmen in eine digitale Währung übertragen könnten. Nicht, dass es das Bargeld verdrängen und ersetzen würde, aber es wäre ein ziemlich effektiver Weg, wenn die nächste Krise eintritt, um eine mögliche Geldpolitik durchzusetzen.
Kevin Warsh

Dieser Ansatz dürfte jedoch kaum mit Donald Trumps Position vereinbar sein, der sich in der Vergangenheit mehrfach vehement gegen CBDCs ausgesprochen und diese als Instrument staatlicher Überwachung kritisiert hat. Interessanterweise scheint aber auch Warsh im Laufe der Zeit seine Position etwas geändert zu haben und mehr „pro Bitcoin“ ausgerichtet sein. 

In einem Interview mit CNBC im Jahr 2021 erklärte er auf Nachfrage des Moderators, ob die damalige Preisrallye des Bitcoin (ca. 35.000 USD/BTC) für ihn einen Sinn ergebe, dass Bitcoin dies in der aktuellen Situation für ihn definitiv tue und er prophezeite schon damals weiter steigende Preise. „Der Dollar verliert an Wert, und nach den Wahlen erwarte ich, dass der Dollar weiter gegenüber einem breiten Korb von Währungen abwerten wird“, mahnte Warsh. Er führte weiter aus, dass die aggressive Geldpolitik der Federal Reserve und die expansive Fiskalpolitik, die beide parteiübergreifend unterstützt würden, zu einer „radikalen Verschiebung in der Geld- und Fiskalpolitik“ geführt hätten.

Warsh betonte, dass dies eine Umgebung sei, in der Vermögenswerte wie Rohstoffe und Bitcoin, die sich außerhalb der direkten Kontrolle der Federal Reserve befänden, an Wert gewännen. Im Gegensatz dazu seien Vermögenswerte, die unter der Kontrolle der Federal Reserve stehen, weiterhin repressiv gehandhabt worden. Bitcoin, so Warsh, sei in gewisser Weise ein „Anti-Regierungs-Preis“ und genau in einem solchen Umfeld, in dem die expansive Geldpolitik weiter vorangetrieben werde, spiele Bitcoin seine Stärke aus.

Dieses Statement kann – je nach Betrachtungsweise – sowohl „für Bitcoin“ als auch einfach „gegen den derzeitigen Fed-Kurs“ gerichtet sehen. Warsh scheint sich immerhin schon damals bewusst gewesen zu sein, was Bitcoin ist und worin das Asset seine Stärke findet. Und wie wir heute wissen, lag er auch mit seiner Vermutung, dass Bitcoin weiter steigen wird, goldrichtig. 

Die Haltung der drei potenziellen künftigen Finanzminister verdeutlicht, dass Bitcoin längst nicht mehr nur ein Randthema ist, sondern zunehmend Einzug in die höchsten Ebenen der Politik findet. Eine Entscheidung zugunsten eines dieser Kandidaten könnte den Umgang der USA mit Bitcoin und anderen digitalen Vermögenswerten maßgeblich prägen – und womöglich sogar die internationale Finanzordnung beeinflussen.

Elon Musk und RFK Jr. mit Favoriten

Mit Elon Musk und Robert F. Kennedy Jr. haben sich bereits zwei zentrale Figuren mit Einfluss auf Donald Trump für einen der beiden Kandidaten ausgesprochen. Musk, der als Leiter des neu geschaffenen „Effizienzministeriums“ eine beratende Rolle einnehmen wird, unterstützt Howard Lutnick. In einem Tweet bezeichnete er ihn als denjenigen, der tatsächlich Veränderungen herbeiführen könne, während er Scott Bessent als „Business-as-usual“-Kandidaten kritisierte, der die USA seiner Ansicht nach wirtschaftlich in die falsche Richtung lenkt.

Es wäre interessant, wenn sich mehr Menschen dazu äußern würden, [ob Scott Bessent ein guter Finanzminister wäre] damit Donald Trump das Feedback berücksichtigen kann.

Meiner Meinung nach, falls es etwas wert ist, ist Bessent eine Wahl für das „Business-as-usual“, während Howard Lutnick tatsächlich Veränderungen herbeiführen wird.

„Business-as-usual“ treibt Amerika in den Bankrott, daher brauchen wir auf die eine oder andere Weise Veränderungen.
Elon Musk

Robert F. Kennedy Jr., der von Trump als Gesundheitsminister nominiert wurde, ist ebenfalls ein klarer Befürworter von Lutnick. Er hebt hervor, dass Bitcoin, seiner Meinung nach, als „Währung der Freiheit“ essenziell für den Schutz vor Inflation und die Sicherung des Mittelstands sei. Lutnick sei der stärkste Vertreter dieser Vision und der richtige Kandidat, um Bitcoin zu unterstützen, so RFK Jr. in einem 𝕏-Post.

Bitcoin ist die Währung der Freiheit, ein Schutz vor Inflation für die amerikanische Mittelschicht, ein Mittel gegen den Abstieg des Dollars als weltweite Reservewährung und der Ausweg aus einer ruinösen Staatsverschuldung. Keiner wird ein stärkerer Verfechter von Bitcoin sein als Howard Lutnick.
Robert F. Kennedy Jr.

Die Unterstützung dieser beiden einflussreichen Stimmen verdeutlicht nicht nur die politische Dimension des Rennens, sondern zeigt auch, wie stark der Pro-Bitcoin-Gedanke in der zukünftigen US-Regierung verankert sein könnte.

Telefonat zwischen Musk und Bessent

Ein kürzlich erfolgtes Telefonat zwischen Elon Musk und Scott Bessent hat nun noch etwas zusätzliche Spannung in das Rennen um den Posten des US-Finanzministers gebracht. Wie Bloomberg berichtete, waren Bessent und sein Team alles andere als erfreut über Musks öffentliche Kritik. Um die Wogen zu glätten und die Missverständnisse aus der Welt zu schaffen, arrangierte Bessents Team ein Gespräch mit dem Tesla-CEO. Beide kommentierten nicht, worum es in dem Telefonat genau ging, es ist jedoch anzunehmen, dass Bessent seine Vision für die Zukunft der US-Wirtschaft dargelegt haben wird. Ihm dürfte auch klar sein, dass Trump wohl viel Gewicht auf Musks Meinung legt und man sich entsprechend gut mit ihm stellen sollte, wenn man Interesse an einem Regierungsposten hegt. Ob das Gespräch Musks Meinung beeinflusst hat, bleibt noch offen. Es zeigt jedoch, wie intensiv das Ringen um die öffentliche und politische Unterstützung im Vorfeld der Entscheidung geführt wird.

Wann der künftige Präsident sich für einen Kandidaten festlegen und diesen nominieren wird, ist ebenfalls unklar. Man wird jedoch in den kommenden Tagen oder spätestens in wenigen Wochen damit rechnen dürfen.

René

Über den Autor: René

René ist Blocktrainer-Mitarbeiter der ersten Stunde. Als „Chief Operation Officer“ ist er mittlerweile hauptsächlich mit strategischen und organisatorischen Aufgaben betraut, findet jedoch Freude daran, zeitweise redaktionell tätig zu sein. In den vielen Jahren, in denen er im Bitcoin-Kosmos unterwegs ist, hat er sich ein breit gefächertes Know-how in sämtlichen Bereichen rund um die bedeutendste Kryptowährung angeeignet.

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