Hal Finney, der Empfänger der ersten Bitcoin-Transaktion und möglicherweise sogar die bzw. eine Person hinter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto, würde heute seinen 70. Geburtstag feiern. An diesem Tag ist die BTC-Community in Gedanken bei ihm und seiner Familie.

Der im August 2014 verstorbene Harold Thomas Finney II. gilt in der Bitcoin-Community und darüber hinaus als eine Legende. Er war der erste Empfänger einer Bitcoin-Transaktion und viele Menschen vermuten, dass er auch hinter dem Pseudonym „Satoshi Nakamoto“ stecken und somit der Erfinder von Bitcoin sein könnte.

Heute würde „Hal“, wie er genannt wurde, seinen 70. Geburtstag feiern, wenn sein schicksalhaftes Leben einen anderen Verlauf genommen hätte. In Gedenken an ihn möchten wir mit diesem Beitrag auf den Bitcoin-Pionier und sein Wirken aufmerksam machen.

Happy Birthday, Hal!

Wer war Hal Finney?

Leben & Karriere

Hal Finney ist am 4. Mai des Jahres 1956 in Kalifornien geboren und nach seinem Ingenieursstudium am California Institute of Technology begann er als Softwareentwickler zu arbeiten. Er entwickelte zunächst als Angestellter und später freiberuflich Videospiele.

Da er allerdings ein besonderes Interesse für Kryptografie hegte, begann er zusammen mit dem berühmten Informatiker Phil Zimmermann an der E-Mail-Verschlüsselungssoftware Pretty Good Privacy (PGP) zu arbeiten. Tatsächlich war Hal Finney nach Zimmermann einer der ersten Mitarbeiter in der 1996 gegründeten PGP Corporation und arbeitete dort bis zu seinem vorzeitigen Ruhestand im Jahr 2011.

Krankheit & Tod

Geschuldet war dieses frühe Ausscheiden aus dem Berufsleben einer schweren Krankheit. Als bei Finney im August 2009 plötzlich das ALS-Syndrom (Amyotrophe Lateralsklerose) diagnostiziert wurde, brach für den passionierten Sportler und Marathonläufer eine Welt zusammen.

Nichtsdestotrotz arbeitete er – obwohl er bereits im Rollstuhl saß und über Schläuche ernährt werden musste – bis zu seinem Tod unermüdlich weiter, schrieb Code und teilte kluge Gedanken mit der Welt. Am 28. August 2014 war es dann leider so weit, dass sein geschwächter Körper der Krankheit nicht mehr trotzen konnte.

Finney verstarb im Kreise seiner Familie und wurde anschließend gemäß seinem letzten Wunsch kryonisch konserviert. Er ließ seinen Körper von einer Spezialfirma einfrieren, in der Hoffnung, dass die Forschung ihn eines fernen Tages wieder auftauen und unter die Lebenden holen kann.

Cypherpunks

Durch seine Arbeit an PGP verfeinerte Finney im Laufe der Zeit seine Fähigkeiten im Bereich der Verschlüsselungstechnik immer weiter und fand über diesen Weg Zugang zur sogenannten Cypherpunk-Bewegung. Als Cypherpunks wird eine Gruppe von Internetaktivisten bezeichnet, die sich dafür einsetzten, die individuelle Privatsphäre im virtuellen Raum zu schützen.

So kam es schließlich, dass Hal Finney seine Fähigkeiten nutzte und den ersten kryptografisch basierten und anonymisierten E-Mail-Verteiler programmierte, den er eine Zeit lang betrieb. Die Cypherpunk-Aktivisten kommunizierten hauptsächlich über derartige E-Mail-Verteiler, und im Laufe der Jahre traten den Mailinglisten einige berühmte Personen wie Julien Assange, Adam Back, Nick Szabo oder auch der pseudonyme Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto bei.

Immer wieder wurde unter den Cypherpunks über die Umsetzung von digitalem Bargeld diskutiert, da diese damals bereits erkannten, dass es für die individuelle Freiheit unerlässlich ist, ein anonymes und nicht zensierbares Geld im virtuellen Raum nutzen zu können. Konzepte wie David Chaums „DigiCash“, Adam Backs „Hashcash“ oder Nick Szabos „Bitgold“ waren alles Vorläuferkonzepte von Bitcoin, die aber leider alle kleinere oder größere Schwachstellen innehatten und so die Bedürfnisse der Cypherpunks nie wirklich erfüllen konnten.

Auch Hal Finney unternahm einen Versuch, um eine eigene, auf Arbeitsnachweisen (Reusable Proof of Work; RPOW) basierende Währung zu schaffen.

Hal & Bitcoin

Als Satoshi Nakamoto im Jahr 2008 über einen E-Mail-Verteiler schließlich sein Konzept „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“ vorstellte, war Hal Finney eine der ersten Personen, die überhaupt von dem Konzept erfuhren und sofort hellauf begeistert waren. 

In einem legendären Tweet aus dem Jahr 2009 teilte Hal Finney der Welt mit, dass er nach Satoshi selbst die erste Person war, die die Bitcoin-Software laufen ließ. Noch an diesem Tag (amerikanischer Zeit) sollte er zum Empfänger der ersten Bitcoin-Transaktion der Geschichte werden.

War Hal Finney Satoshi?

Im Laufe der Zeit wurde aufgrund Finneys Verstrickungen in die frühen Tage der Bitcoin-Geschichte behauptet, dass er selbst Satoshi gewesen sein könnte. Unter anderem den Zufall, dass zum Zeitpunkt der Bitcoin-Entwicklung ein gewisser Herr „Dorian Prentice Satoshi Nakamoto“ in der unmittelbaren Nachbarschaft von Hal Finney wohnte, sehen viele Leute als starkes Indiz oder gar Beweis dafür, dass das Pseudonym „Satoshi Nakamoto“ nur ein Alter Ego von Hal Finney ist. Er selbst bestritt es jedoch vehement, dass er Satoshi sei.

Vor wenigen Wochen erschien nun aber eine neue Dokumentation, für die mehrere Jahre lang zu der Frage nach der Identität Satoshi Nakamotos recherchiert wurde. Das Ergebnis: Hal Finney könnte zusammen mit Len Sassaman Bitcoin erfunden haben. Indizien für diese These sind:

  • Beide Cypherpunks hatten im Jahr 2008 Online-Kontakt und Hal Finney soll sich bei seiner Arbeit rund um die Vorstellung von Bitcoin zurückgenommen haben.
  • Hal Finney hätte die Fähigkeiten gehabt, Bitcoin zu entwickeln, während der Akademiker Len Sassaman die Kommunikation (inklusive Whitepaper) übernommen haben könnte.
  • Nur die Online-Aktivitätsmuster von Len Sassaman und Hal Finney stimmen zeitlich mit denen von Satoshi überein – und nicht die der anderen Hauptverdächtigen wie Adam Back.
  • Da beide inzwischen leider verstorben sind, könnte das auch ein Grund dafür sein, dass es von Satoshi seit mehr als einem Jahrzehnt kein Lebenszeichen mehr gab – und seine damals geschürften Coins bis heute nie wiederbewegt wurden.

Eine der beiden würde auch erklären, wieso Satoshi Nakamoto E-Mails schreiben oder Bitcoin verschicken konnte, während Hal Finney nachweislich an einem Lauf teilgenommen hat.

Letztlich ist die Frage nach der Identität des Bitcoin-Gründers aber immer noch ungeklärt. Ein handfester Beweis blieb bislang aus.

Blocktrainer-Gründer Roman Reher befasste sich mit der Doku und der anderen großen Recherche, dass Adam Back Satoshi Nakamoto gewesen sein könnte, detaillierter auf YouTube:

Nachruf

Ob Hal Finney nun Satoshi Nakamoto war oder nicht: Der Tatsache, dass er ein Pionier der E-Mail-Verschlüsselung und Bitcoin-Geschichte war, tut dies keinen Abbruch. Für Bitcoin selbst ist es zudem nicht von Bedeutung, wer der Erfinder wirklich war.

Ohne Hal Finneys proaktives Zutun wäre Bitcoin womöglich niemals dort, wo es heute ist. Als Empfänger der ersten Bitcoin-Transaktion ist Finney Teil der Geschichte eines Netzwerks geworden, das langsam und stetig die gesamte Welt für sich gewinnt.

Wir hoffen, dass er in Frieden ruht und eines Tages sein Wunschtraum wahr wird und die Technik ihn wieder aus dem Eisschlaf befreien kann.

René

Über den Autor: René

René ist Blocktrainer-Mitarbeiter der ersten Stunde. Als „Chief Operation Officer“ ist er mittlerweile hauptsächlich mit strategischen und organisatorischen Aufgaben betraut, findet jedoch Freude daran, zeitweise redaktionell tätig zu sein. In den vielen Jahren, in denen er im Bitcoin-Kosmos unterwegs ist, hat er sich ein breit gefächertes Know-how in sämtlichen Bereichen rund um die bedeutendste Kryptowährung angeeignet.

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