Inflationssorgen und Zinsentscheidung der Federal Reserve
Leitzins bleibt unverändert
Wie bereits erwartet wurde, ließ die Federal Reserve den Leitzins heute unverändert.
Die bislang letzte Zinssenkung gab es im Dezember vergangenen Jahres.
Momentan sieht es so aus, als würde der Leitzins für längere Zeit in der Spanne von 3,50 bis 3,75 % verbleiben.
Denn die nächste Senkung preist der Markt seit geraumer Zeit erst Ende des Jahres ein.
Bei dieser Notenbanktagung stimmten bis auf Stephen Miran alle stimmberechtigten FOMC-Mitglieder für die Beibehaltung des Leitzinses. Der vergangenes Jahr von Donald Trump nominierte Notenbankgouverneur setzt sich seither für eine lockerere Geldpolitik ein.
Vor wenigen Monaten war noch die Konsensannahme, dass es in diesem Jahr mehrere Zinssenkungen geben wird – nicht zuletzt auch durch die Aussicht auf einen Trump-nahen Fed-Chef.
Nachdem der US-Präsident jedoch den ehemaligen Notenbankgouverneur Kevin Warsh als Nachfolger von Jerome Powell nominiert hatte, kam es an den Märkten zu Abgabedruck. Warsh positionierte sich in der Vergangenheit nämlich tendenziell für höhere Zinsen und insbesondere gegen eine Ausweitung der Fed-Bilanz.
Ab dem 15. Mai soll er Jerome Powell ablösen. Doch wegen der Ermittlungen gegen Powell könnte sich das nach hinten verschieben. Der republikanische Senator Thom Tillis kündigte nämlich an, Trumps Nominierung zu blockieren, bis alles geklärt ist. Er ist überzeugt, dass die Trump-Administration Druck auf Powell ausüben möchte, um Zinssenkungen herbeizuführen.
Vergangene Woche blockierte ein Richter vorerst die gegen Powell gerichteten Vorladungen. Er argumentierte, dass die Regierung „praktisch keine Beweise“ vorgelegt habe und es eine „Fülle von Hinweisen“ geben würde, dass politische Motivation dahinterstecke. Das Justizministerium kündigte an, dagegen Berufung einzulegen, was der nötigen Bestätigung von Warsh durch den Senat weiter im Weg stehen könnte.
Dieses Urteil bestätigt, wie schwach und haltlos die strafrechtlichen Ermittlungen gegen den Vorsitzenden Powell sind, und es ist nichts weiter als ein gescheiterter Angriff auf die Unabhängigkeit der Fed. Wir alle wissen, wie dies enden wird, und die US-Staatsanwaltschaft in Washington sollte sich weitere Blamagen ersparen und die Sache auf sich beruhen lassen. Eine Berufung gegen das Urteil würde die Bestätigung von Kevin Warsh als nächstem Fed-Vorsitzenden nur verzögern.
Senator Thom Tillis in Reaktion auf die neuen Entwicklungen
Inflationssorgen sind zurück
Doch für die weitere Entwicklung der US-amerikanischen Geldpolitik ist derzeit viel entscheidender, wie sich die Konsumgüterpreise entwickeln werden. Die für Februar gemeldete Inflationsrate lag zwar bei 2,4 % und damit nahe des 2-%-Ziels. Doch seit der Explosion des Ölpreises im Rahmen des Angriffs auf den Iran sind die Inflationserwartungen wieder deutlich angestiegen. Energiekosten haben nämlich einen großen Einfluss auf die Konsumgüterpreise.
Ob und wann sich der Ölpreis wieder normalisieren wird, hängt in erster Linie von den Entwicklungen im Irankrieg ab. Durch die Straße von Hormus, über die rund 20 % des weltweiten Ölhandels abgewickelt werden, fährt momentan quasi kein Tanker mehr. Je länger der Zustand anhalten wird, desto höher der Preisdruck.
Erschwerend kam am heutigen Tag hinzu, dass die für den Monat Februar gemeldete Produzentenpreisinflation deutlich über den Erwartungen lag. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen die Preise, die als Vorboten der Konsumgüterpreisinflation gesehen werden, um 3,4 % – geschätzt wurden nur 2,9 %. Bitcoin und die US-Aktien handelten nach den gemeldeten Daten bereits deutlich schwächer.
Auch wenn kaum abzusehen ist, wie lange der Irankrieg noch andauern wird, ist eins klar: Die Preise werden wieder stärker steigen und Zinssenkungen vorerst einen Strich durch die Rechnung machen. Die Frage ist nur, wie groß das Ausmaß sein wird. Hinzu kommt noch die Unklarheit über den Einfluss der von Trump verhängten Zölle.
Viele Ökonomen vertreten jedoch die Meinung, dass auf höhere Inflationsraten, die nicht durch eine höhere Nachfrage, sondern durch einen Angebotsschock oder Zölle ausgelöst werden, nicht mit Zinsanhebungen reagiert werden sollte. Die Begründung lautet, dass es nur einmalige Preisanstiege seien und demnach nicht die Gefahr einer Inflationsspirale bestehen würde.
Ausblick der Fed: „Dot Plot“ und Pressekonferenz
Vierteljährlich legen die Geldhüter im Rahmen des „Dot Plots“ die von ihnen antizipierte Zinsentwicklung offen. Der „Dot Plot“ dieses FOMC-Meetings zeigt, dass im Median noch mit einer Zinssenkung in diesem Jahr ausgegangen wird. Das heißt: Seit der letzten Projektion Anfang Dezember 2025 hat sich nichts wirklich geändert.
Großes Augenmerk liegt bei den Notenbanktagungen immer auch auf dem Statement von Jerome Powell und der anschließenden Pressekonferenz.
Powell betonte das Offensichtliche direkt vorab – und zwar, dass die Auswirkungen der Entwicklungen im Nahen Osten ungewiss sind.
Zeitgleich zeigte er sich aber zuversichtlich, dass die US-amerikanische Wirtschaft auch diesen Schock gut überstehen wird.
Die US-Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren trotz zahlreicher großer Herausforderungen wirklich ziemlich gut geschlagen – das ist wirklich beeindruckend.
Jerome Powell
Laut Powell wurde bei diesem FOMC-Meeting sogar darüber diskutiert, dass der nächste Schritt eine Zinsanhebung sein könnte.
Bei dem Treffen wurde tatsächlich die Möglichkeit angesprochen, dass unser nächster Schritt eine Erhöhung sein könnte.
Jerome Powell
Dies sei jedoch nicht das, was die meisten der Geldhüter wirklich erwarten würden.
Überdies äußerte sich Powell auch zu der Frage, was passieren wird, wenn Warsh nicht bestätigt werden sollte. Er erklärte, dass er bis dahin weiter Fed-Vorsitzender bleiben würde.
Er fügte hinzu, dass er noch keine Entscheidung darüber getroffen habe, ob er nach Ablauf seiner Amtszeit als Vorsitzender weiterhin bei der Federal Reserve bleiben werde. Powell darf bis zum Jahr 2028 noch Notenbankgouverneur sein.
Marktreaktion auf die Notenbanktagung
Unter dem Strich wurde die Notenbanktagung tendenziell eher negativ an den Märkten aufgefasst. Das lässt sich unter anderem daran ablesen, dass die Wahrscheinlichkeit dafür, dass der Leitzins im Dezember noch auf dem aktuellen Niveau liegen wird, von unter 40 auf über 45 % angestiegen ist, wie dem Fed-Watch-Tool zu entnehmen ist.
Bitcoin gab im Tagesverlauf nach der hohen Produzentenpreisinflation bereits nach. Vor der Zinsentscheidung stabilisierte sich der Kurs bei circa 71.600 US-Dollar. Anschließend ging es Hand in Hand mit den Aktienmärkten ein wenig weiter bergab. Anders als bei vorherigen Zinsentscheidungen hielt sich die Volatilität jedoch in Grenzen.
In der Nacht von Montag auf Dienstag handelte Bitcoin zeitweise noch über der Marke von 76.000 US-Dollar und damit auf dem höchsten Niveau seit Anfang Februar.
Besonders spannend daran ist, dass Bitcoin im Laufe des Irankriegs deutlich zulegen konnte – und das, obwohl weitere Zinssenkungen weitaus weniger wahrscheinlich geworden sind. Die Aktienmärkte und das „Krisenmetall“ Gold hingegen schwächelten zeitgleich.
Demnach scheinen momentan andere Faktoren für den Bitcoin-Kurs weitaus ausschlaggebender zu sein als die Entwicklung der US-amerikanischen Geldpolitik.