Vermögensverwalter-CEO drängt Intuit zum Bitcoin-Kauf
Matt Cole, CEO des Vermögensverwalters Strive, hat sich in einem offenen Brief an das Softwareunternehmen Intuit gewandt.
In diesem macht er im Namen seiner Firma darauf aufmerksam, dass die „Zensurpolitik und Anti-Bitcoin-Einstellung“ von Intuit Aktionärswert zu vernichten droht. Außerdem möchte er die 165 Milliarden US-Dollar schwere Aktiengesellschaft davon überzeugen, eine Bitcoin-Reserve aufzubauen.
Strive-Kunden gehören zu den Anteilseignern von Intuit, so die Begründung für den offenen Brief in einem 𝕏-Post des Vermögensverwalters.
Intuit ist ein multinationales Softwareunternehmen mit Sitz in den USA. Die Aktiengesellschaft, die zu den 50 größten in den USA gehört und Teil der Aktienindizes S&P 500 sowie Nasdaq 100 ist, hat sich auf Finanzsoftware spezialisiert.
Strive ist ein US-amerikanischer Vermögensverwalter mit mehr als 2 Milliarden US-Dollar an verwaltetem Vermögen. Mitgründer von Strive ist Vivek Ramaswamy, ein bekannter Unternehmer und Politiker, der auch für das Amt des US-Präsidenten kandidiert hat.
Zensur und Deplatforming von Intuit
Das erste Anliegen von Matt Cole bezieht sich auf die Geschäftspraktiken von Intuit. Der Finanzdienstleister betreibe offenbar Zensur und Deplatforming, mahnt der Strive-CEO. Deplatforming bedeutet, einer Person oder Gruppe den Zugang zu einer Plattform zu verwehren.
Mailchimp, die Marketing-Plattform von Intuit, soll Berichten zufolge einen Kunden-Account lediglich wegen der Erwähnung von Bitcoin gesperrt haben, erklärt Cole in seinem offenen Brief.
Genauer gesagt wurde dem Trojan Bitcoin Club an der University of Southern California mitgeteilt, dass der Inhalt ihres Kontos „gegen den Abschnitt über verbotene Inhalte in der Richtlinie über die zulässige Nutzung von [Mailchimp] verstößt“, weil er Kryptowährungen erwähnt. Mailchimp schloss ihr Konto, obwohl die Gruppe keine Kryptowährungen kauft, verkauft oder handelt; es handelt sich lediglich um „eine Studentengruppe, die Studenten hilft, etwas über Bitcoin zu lernen“, die Mailchimp nutzte, um ihren studentischen Mitgliedern „Terminerinnerungen, Vortragsveranstaltungen und Bildungsressourcen“ zu schicken.
Matt Cole in seinem offenen Brief
Diese Entscheidung wurde unter der Bedingung, dass nicht mehr über den Bitcoin-Handel diskutiert wird, zwar wieder rückgängig gemacht. Doch dies erst, nachdem sich die Gruppe mit dieser Geschichte an die Öffentlichkeit gewandt hat, so Cole weiter.
Außerdem sollen auch anderen Personen und Unternehmen, die etwas mit Bitcoin zu tun haben, die Dienste von Intuit verweigert worden sein – darunter die Podcasterin Natalie Brunell und der Bitcoin-Entwickler Botanix Labs.
Strive ist besorgt, dass die Entscheidung von Intuit, Bitcoin-bezogene Content-Ersteller, Ausbilder und Unternehmen von der Plattform zu nehmen, erhebliche finanzielle Auswirkungen für die Aktionäre haben könnte.
Matt Cole in seinem offenen Brief
Cole begründet diese Sorge unter anderem damit, dass Kunden laut mehrerer Studien wollen, dass sich Unternehmen aus der Politik heraushalten und es negative Presse oder sogar rechtliche Konsequenzen für Intuit geben könnte.
Intuit soll, so Cole im Namen seiner Firma, alle Accounts wieder herstellen, die wegen Bitcoin-bezogenen Inhalten geschlossen wurden. Darüber hinaus soll das Softwareunternehmen die Richtlinie abschaffen, laut der Krypto-bezogene Entitäten nicht bedient werden müssen.
Bitcoin-Reserve für Intuit?
Matt Cole betont in seinem Schreiben außerdem, dass das Geschäftsmodell von Intuit durch die Künstliche Intelligenz (KI) gefährdet sein könnte. Intuit setzt zwar bereits selbst auf KI, doch dies könnte nicht genug sein, so der Strive-CEO.
Um sich gegen die potenzielle Gefahr abzusichern, die KI für das Kerngeschäft von Intuit haben könnte, empfiehlt Cole beziehungsweise Strive die Auseinandersetzung mit einer Bitcoin-Reserve, die „die beste verfügbare Option“ sei.
Wir glauben, dass der Aufbau einer Bitcoin-Kriegskasse jetzt sicherstellt, dass Intuit über genügend strategisches Kapital verfügt, um den KI-Sturm zu überstehen und aus einer Position der Stärke heraus durch die Turbulenzen der KI-Revolution zu agieren.
Matt Cole in seinem offenen Brief
Strive sorgt sich, dass Intuit aufgrund der Voreingenommenheit gegenüber Bitcoin einen „blinden Fleck“ haben könnte, wenn es darum geht, Investitionen zu tätigen.
Insbesondere befürchten wir, dass Intuit aufgrund seiner Anti-Bitcoin-Haltung möglicherweise zögert, eine Allokation der Bilanz in Bitcoin als praktikable Versicherungspolice gegen potenzielle KI-Disruption zu betrachten.
Matt Cole in seinem offenen Brief
In seinem Plädoyer für Bitcoin macht Cole schließlich auf die begrenzte Gesamtmenge von 21 Millionen Coins aufmerksam. Strive glaubt, „dass Bitcoin in einer Ära der unkontrollierten Geldmengenausweitung mit der Zeit weiter an Wert gewinnen wird“.
Wird Intuit zum Bitcoin-Unternehmen?
Ob das Schreiben von Matt Cole auf offene Ohren treffen wird, ist unklar. Bis auf Tesla haben sich große Aktiengesellschaften von der Idee einer Bitcoin-Reserve bislang nicht begeistert gezeigt.
Aktionärsvorschläge, die vorsehen, dass das Unternehmen den Kauf von Bitcoin evaluiert, gab es bisher unter anderem bei Microsoft und McDonald's. In beiden Fällen führte der Anstoß nicht zum gewünschten Erfolg.
Bei Matt Coles Bemühungen sieht dies jedoch etwas anders aus: Ende Februar hat der Strive-CEO bereits einen offenen Brief an den CEO von GameStop verfasst. Auch dieser hatte zum Inhalt, dem Unternehmen eine Bitcoin-Strategie nahezulegen.
Wenig später verkündete GameStop, die Unternehmensregeln geändert zu haben, um Bitcoin-Investitionen möglich zu machen. Die Aktiengesellschaft gab überdies für 1,5 Milliarden US-Dollar Wandelanleihen aus, wovon die Erlöse in den Kauf von Bitcoin fließen sollten.
Der GameStop-CEO Ryan Cohen hatte jedoch schon zuvor Sympathien für Bitcoin. Diese scheinen bei den Entscheidungsträgern von Intuit nicht vorhanden zu sein.
Es bleibt zu hoffen, dass das Schreiben zum Nachdenken anregt. Nicht nur, weil es für die Adoption von Bitcoin vorteilhaft ist, wenn mehr große Unternehmen das Asset auf der Bilanz halten, sondern auch, damit die Diskriminierung von Bitcoin-Enthusiasten ein Ende nimmt.