Laut einem bekannten On-Chain-Analysten hat GameStop knapp 2.400 der insgesamt 4.710 Bitcoin verschickt. Da es sich um Transaktionen an den Dienstleister Coinbase Prime handelt, wird über Verkäufe spekuliert. Stößt der bekannte Einzelhändler für Videospiele seine vor weniger als einem Jahr gekauften Bitcoin jetzt im Verlust wieder ab?

GameStop und Bitcoin

Nachdem sich der GameStop-CEO Ryan Cohen im Februar 2025 mit Strategy-Gründer und Bitcoin-Bulle Michael Saylor getroffen hatte, gab das durch den „Short Squeeze“ bekannte Unternehmen Ende März bekannt, die Firmenregeln geändert zu haben, sodass Bitcoin gekauft werden kann.

Kurz darauf verkündete die fast 10 Milliarden US-Dollar schwere Aktiengesellschaft, dass sie Wandelanleihen ausgeben wird und Teile der Erlöse in den Kauf von Bitcoin fließen sollen. Am 1. April war die Ausgabe von Wandelanleihen abgeschlossen, durch die GameStop 1,48 Milliarden US-Dollar einnahm. Gleichzeitig saß das Unternehmen zu dem Zeitpunkt noch auf 4,78 Milliarden US-Dollar an Cash und Cash-Äquivalenten.

 

Als der Bitcoin-Kurs im April 2025 dann zeitweise wegen der Zollankündigungen von US-Präsident Donald Trump auf 74.450 US-Dollar fiel, nahmen einige an, dass sich GameStop diesen Dip zunutze gemacht und das gesamte Geld investiert haben könnte.

Doch erst am 28. Mai gab es die mit Spannung erwartete Kaufmitteilung. Das Unternehmen verkündete, 4.710 BTC gekauft zu haben.

Aus späteren Einreichungen bei der SEC wurde ersichtlich, dass die Kaufsumme 500 Millionen US-Dollar betrug. Dies impliziert einen Kaufkurs von 106.157 US-Dollar je BTC. Das Unternehmen verpasste also zu günstigeren Kursen im April zuzugreifen, obwohl das dafür Cash bereitlag.

GameStop-CEO Cohen repostete sogar einen Beitrag auf 𝕏, in dem unter anderem die Tatsache angesprochen wurde, dass das Unternehmen den Bitcoin-Einstieg bei 80.000 US-Dollar vergeigt hat.

Cohen betonte überdies, dass er nicht im Voraus ankündigen wird, was sein Unternehmen tut, und dass GameStop eine ganz eigene Strategie verfolgen werde, womit er unterstrich, dass das Ziel nicht sei, Strategy zu kopieren.

GameStop verfolgt die Strategie von GameStop. Wir folgen nicht der Strategie von jemand anderem.
Ryan Cohen

Im Juni 2025 nahm das Unternehmen dann noch zusätzlich rund 2 Milliarden US-Dollar durch Wandelanleihen ein, doch trotz der großen Cash-Position folgte kein weiterer Bitcoin-Kauf. Zum Ende des dritten Quartals 2025 betrug die Cash-Position schließlich 8,8 Milliarden US-Dollar, während die Bitcoin auf der Bilanz 519,4 Millionen US-Dollar wert waren.

Mit 4.710 Bitcoin belegt GameStop Platz 22 auf der Liste der größten börsennotierten Bitcoin-Halter. Doch aktuelle Entwicklungen deuten darauf hin, dass der tatsächliche Bitcoin-Bestand des Unternehmens inzwischen schon wieder deutlich geringer sein könnte.

On-Chain-Analyst bemerkt Transaktionen

Der bekannte On-Chain-Analyst Sani, Gründer von TimechainIndex.com, gab am 3. November 2025 bekannt, dass er die Bitcoin-Adressen von GameStop identifiziert habe. Laut ihm werden die Bestände von Coinbase Prime verwahrt. Auf sechs verschiedenen Adressen sollen sich insgesamt 4.710,50343128 BTC befinden, die zwischen dem 14. und 23. Mai 2025 gekauft wurden. Dies passt mit den offiziellen Angaben GameStops zusammen.

Am 18. Januar 2026 setzte Sani schließlich einen Post ab, in dem er darauf hinwies, dass 100 dieser Bitcoin an eine Einzahlungsadresse von Coinbase Prime geschickt wurden. Am heutigen Dienstag sollen weitere 2.296 BTC gefolgt sein. Da es sich laut dem On-Chain-Analysten um einen Transfer zur „Deposit Wallet“ des Dienstleisters handelt, liegt die Vermutung nahe, dass es sich um Verkäufe handeln könnte.

GameStop hat 100 BTC an Coinbase Prime gesendet
Sani am 18.01.2026

GameStop hat weitere 2.296 BTC an Coinbase Prime gesendet
Sani am 20.01.2026

Zu der 100-BTC-Transaktion teilte er einen Screenshot, durch den er eine der vermeintlichen Adressen GameStops offenlegte. Der Bestand dieser sank infolge des Transfers von 811 auf 711 BTC. Die Adresse empfing die Bitcoin initial am 14. Mai 2025. Informationen zu den weiteren Adressen hielt Sani zurück – womöglich, um den Interessierten Anreiz für seinen kostenpflichtigen Service zu geben.

Anders als bei Unternehmen wie Tesla oder Trump Media & Technology Group sind die Bitcoin-Adressen von GameStop noch nicht durch große Analyseplattformen wie Arkham Intelligence identifiziert worden. Demnach gilt es an dieser Stelle Sani, dem auf der Plattform 𝕏 16.600 User folgen, zu vertrauen.

Sani selbst spricht auch gar nicht davon, dass GameStop verkauft hat. Theoretisch wäre nämlich auch vorstellbar, dass es sich bei diesen Transfers, sofern sie wirklich GameStop zuzuordnen sind, lediglich um interne Verschiebungen handelt – auch wenn die Transaktion zu einer Deposit-Adresse von Coinbase Prime eher für einen Verkauf spricht. 

Für eine offizielle Bestätigung, wie viele Bitcoin das Unternehmen noch hält, muss sich wohl bis Ende März geduldet werden. Da werden nämlich die Zahlen für das vierte Quartal des Fiskaljahres 2025, das bei GameStop am 1. Februar 2026 endet, erwartet. 

Sollte GameStop tatsächlich gerade verkauft haben, dann wären hohe Verluste realisiert worden. Aktuell kostet ein Bitcoin nämlich nur circa 90.000 US-Dollar und damit rund 15 % weniger als zum Kaufzeitpunkt.

Eine Veräußerung von 2.396 BTC im Gegenwert von etwas mehr als 200 Millionen US-Dollar hätte letztlich aber wohl keinen wirklichen Einfluss auf den Bitcoin-Kurs. Die Aktiengesellschaft Strategy kaufte in der vergangenen Woche beispielsweise alleine 22.305 BTC für 2,13 Milliarden US-Dollar – also fast fünfmal den gesamten GameStop-Bestand. Das war seit November 2024 der größte Kauf des Unternehmens, das inzwischen 709.715 BTC hält.

Dennoch könnte es eine negative Signalwirkung haben, wenn ein bekanntes Unternehmen wie GameStop nach mehreren Monaten wieder aussteigt. Selbiges geschah bei Tesla: Das Unternehmen kaufte Anfang 2021 rund 44.000 Bitcoin, trennte sich bis Sommer 2022 aber wieder von circa 32.000 Coins – und das im Verlust. Hätte Tesla alle Bitcoin bis heute gehalten, wäre die Reserve fast 3 Milliarden US-Dollar größer. Seit dem letzten Tesla-Verkauf hat sich BTC nämlich in etwa verdreifacht.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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