Usbekistan startet steuerbegünstigte Sonderzone für Bitcoin-Mining
Shavkat Mirziyoyev, der Präsident von Usbekistan, hat am 20. April ein Dekret unterzeichnet, das die Errichtung einer Sonderzone für Mining-Unternehmen vorsieht. In dem sogenannten „Besqala Mining Valley“ in der autonomen Republik Karakalpakstan können sich die Unternehmen registrieren lassen und eine Lizenz für das Mining von Kryptowährungen erhalten. Dabei profitieren sie von besseren regulatorischen Bedingungen als im Rest des Landes, während die Region ausländische Investitionen anziehen und die Wirtschaft ankurbeln soll.
Reguliertes Mining seit 2018
Bislang verfolgte Usbekistan einen vorsichtigen Kurs bei der Regulierung der Mining-Industrie. Anfang Juli 2018 hat Präsident Shavkat Mirziyoyev mit einem Dekret erstmals digitale Vermögenswerte anerkannt sowie einen grundlegenden Rechtsrahmen für Kryptowährungen und Mining geschaffen – allerdings mit strengen Auflagen:
- Die Nutzung von Kryptowährungen ist auf Trading und Mining beschränkt – nicht als Zahlungsmittel im Inland.
- Sämtliche Operationen mit anonymen Kryptowährungen (Privacy Coins) sind verboten.
- Mining ist nur für juristische Personen (Unternehmen) gestattet – Privatpersonen dürfen nicht offiziell minen.
- Lizenzen sind nicht erforderlich, jedoch müssen sich Miner mit ihrem festen Betriebsstandort (inkl. separatem Stromzähler) elektronisch bei der zuständigen Behörde – der Nationalen Agentur für Zukunftsprojekte – registrieren.
- Es gelten strenge Auflagen, etwa hinsichtlich des Brandschutzes sowie der Hygiene- und Betriebsstandards.
- Um das Stromnetz zu entlasten, sollen Miner möglichst eigene Solarenergie erzeugen und nutzen. Alternativ können sie das nationale Stromnetz verwenden, müssen dann jedoch das Doppelte der üblichen Stromtarife und zu Spitzenzeiten sogar noch höhere Preise zahlen. Überführte Betreiber illegaler Mining-Anlagen müssen das Fünffache der normalen Strompreise nachzahlen.
Damit ist Mining in dem zentralasiatischen Land zwar erlaubt, jedoch stark reguliert und wirtschaftlich wenig attraktiv. Entsprechend blieb Usbekistans Anteil an der Bitcoin-Hashrate gering. Laut den verfügbaren Daten der Cambridge-Universität lag er zwischen Oktober 2019 und Januar 2022 bei lediglich 0,02 bis 0,1 %.
Erste Pilotprojekte ab 2022
Bei diesem vorsichtigen Umgang mit dem Mining-Sektor orientierte sich Usbekistan am Nachbarland Kasachstan, das durch die günstigen fossilen Energievorkommen zeitweise einen deutlich höheren Anteil an der globalen Hashrate erreichte. Allerdings hatte Kasachstan mit zahlreichen Problemen wie Netzinstabilität, veralteter Infrastruktur und illegalen Mining-Aktivitäten zu kämpfen, die nach den Restriktionen in China stark zunahmen. Als Kasachstan schließlich die Strompreise für Miner erhöhte, suchten viele Unternehmen neue Standorte.
Als Reaktion auf die regulatorischen Veränderungen des Minings in China und Kasachstan lockerte Usbekistan Ende April 2022 die regulatorischen Rahmenbedingungen für Kryptowährungen, um das Umfeld für den Sektor zu verbessern. Behörden starteten erste Pilotprojekte für Krypto-Innovationen. Eine „regulatorische Sandbox“ bot attraktivere Bedingungen als die reguläre Gesetzgebung.
Allerdings handelte es sich nicht um ein spezielles Mining-Programm, sondern um ein Innovationsformat, in dem Mining nur eine mögliche Komponente darstellte. Klassisches Mining lief weiterhin unter den regulären Bedingungen. Nur Unternehmen, die neue Technologien einführten, konnten für maximal drei Jahre teilnehmen und von Vorteilen profitieren, darunter Steuerbefreiungen, reduzierte Lohnsteuern und Zollfreiheit für Mining-Hardware.
Dennoch blieb die Entwicklung überschaubar und die Zunahme der Mining-Aktivitäten hielt sich in Grenzen. Zudem ist die Datenlage zu Mining-Aktivitäten in Usbekistan begrenzt, und ein erheblicher Teil fand in kleinen, teils illegal betriebenen Anlagen statt. Die Regierung ging aktiv gegen diese illegalen Anlagen vor. So wurden im Jahr 2024 in der energiereichen Region Buchara 91 illegale Mining-Farmen entdeckt.
Der Anteil an der globalen Hashrate blieb entsprechend niedrig und lag laut Hashrate-Index im Jahr 2025 zwischen 0,09 und 0,125 %. Gleichzeitig startete die Regierung neue Maßnahmen, um die Rahmenbedingungen gezielt zu verbessern – auch im Hinblick auf KI-Rechenzentren.
Neue Anreize: Lizenzen und Stromrabatte
Bereits im Oktober 2023 führte die Nationale Agentur für Zukunftsprojekte (eng. National Agency for Perspective Projects; NAPP) ein Mining-Lizenzsystem ein. Die erste offizielle Krypto-Mining-Lizenz wurde jedoch erst im Januar 2026 vergeben – für eine solarbetriebene Anlage des usbekischen Unternehmens NexaGrid im Bezirk Romitan in der Region Buchara.
Anfang März 2026 kündigte die Regierung außerdem an, die Stromkosten für Mining- und KI-Rechenzentren landesweit um 15 % zu senken. Diese Maßnahme wird derzeit von den zuständigen Ministerien geprüft und könnte einen wichtigen Anreiz darstellen, da günstige Energie ein zentraler Standortfaktor für Mining-Unternehmen ist.
Besqala Mining Valley: Erste Sonderzone
Mit dem von Präsident Shavkat Mirziyoyev unterzeichneten Dekret vom 20. April wurde schließlich die erste spezialisierte Mining-Sonderzone geschaffen: das „Besqala Mining Valley“ in Karakalpakstan, der autonomen Republik im Nordwesten Usbekistans.
Die Zone wird von einer eigens eingerichteten Direktion des Ministerrats der Republik Karakalpakstan verwaltet. Unternehmen müssen sich dort registrieren und zusätzlich eine Mining-Lizenz bei der NAPP beantragen.
Mining ohne Registrierung oder ohne Offenlegung der Identität ist nicht erlaubt – es funktioniert nur reguliert und transparent über offizielle Kanäle.
Bedingungen in der Sonderzone
Die im Besqala Mining Valley registrierten und tätigen Mining-Unternehmen:
- sind bis zum 1. Januar 2035 von Steuern und Gebühren auf Einkünfte aus Mining-Aktivitäten befreit,
- müssen aber 1 % ihrer monatlichen Einnahmen an den Staat abführen,
- können alle Arten erneuerbarer Energiequellen – nicht nur Solarenergie – sowie Strom aus Wasserstoffkraftwerken nutzen, müssen jedoch auch den doppelten Strompreis zahlen, wenn sie das einheitliche nationale Netz nutzen,
- können Krypto-Assets legal minen und sie auf inländischen und ausländischen Plattformen verkaufen und umtauschen, sofern alle Erlöse über Banken in Usbekistan abgewickelt werden,
- müssen geltende Gesetze und Rechtsvorschriften im Bereich des Krypto-Asset-Umlaufs einhalten und werden streng kontrolliert, um illegale Aktivitäten zu verhindern, etwa Geldwäsche und Finanzierung von Terrorismus und Massenvernichtungswaffen.
Zudem dürfen die Unternehmen Gewächshäuser auf landwirtschaftlichen Flächen errichten und dabei die beim Mining entstehende Abwärme zum Heizen nutzen – ein innovativer Ansatz zur Effizienzsteigerung, der scheinbar nicht an den usbekischen Behörden vorbeigegangen ist.
Diese Sonderkonditionen sollen Unternehmen und Investitionen in die Region anziehen, die Beschäftigung ankurbeln sowie die Nutzung erneuerbarer Energien ausweiten und effizienter machen.
Vielversprechende Zukunft für Miner?
Laut Branchenvertretern gibt es bereits Interesse internationaler Investoren aus den USA, Saudi-Arabien und China an Mining-Projekten in Usbekistan. Auch die Regierung signalisiert, das Modell der Sonderzone auf weitere Regionen ausweiten zu wollen. Das Besqala Mining Valley wird somit wohl nicht die einzige spezielle Mining-Zone in dem zentralasiatischen Land bleiben.
Die Entwicklung zeigt, dass sich Usbekistan zunehmend als attraktiver Standort für Krypto-Mining positioniert, um sich für den Markt zu öffnen – allerdings unter strenger staatlicher Kontrolle. Das ist ein weiteres Anzeichen dafür, dass immer mehr Länder erkennen, dass sie hinsichtlich Bitcoin nicht ins Hintertreffen geraten beziehungsweise die Chancen des Markts für sich nutzen sollten.