Das US-Finanzministerium hat neue Sanktionen gegen vier iranische Krypto-Börsen verhängt, die dem iranischen Regime bei der Umgehung internationaler Sanktionen geholfen haben sollen. Im Mittelpunkt der Maßnahmen steht insbesondere Nobitex, die größte Krypto-Plattform des Landes. Auch internationale Unternehmen könnten wegen einer Zusammenarbeit mit den betroffenen Börsen ins Visier der US-Behörden geraten.

Die iranische Regierung nutzt Kryptowährungen zunehmend zur Umgehung von Sanktionen und setzt dabei inzwischen verstärkt auf das zensurresistente Bitcoin-Netzwerk. So ist BTC das einzige Zahlungsmittel, das auf der Website von „Hormuz Safe“, einer staatlich unterstützten Schiffsversicherung für die Passage durch die Straße von Hormus, aufgeführt wird.

Im Rahmen der „Economic Fury“-Kampagne ist die Trump-Regierung bereits gegen das Schattenbankensystem und die sogenannte Schattenflotte des Iran vorgegangen. 

Zudem konnten die Vereinigten Staaten Kryptowährungen beschlagnahmen, die mit dem iranischen Regime in Verbindung gebracht wurden. US-Finanzminister Scott Bessent sprach zuletzt von eingefrorenen Kryptowerten im Umfang von rund 1 Milliarde US-Dollar. Die aktuelle Pressemitteilung verweist allerdings noch auf frühere Aussagen Bessents, in denen lediglich zwei Beschlagnahmungen im Gesamtwert von rund 450 Millionen US-Dollar genannt wurden.

Bei den Sanktionen gegen die Finanznetzwerke des Iran blieb die Krypto-Infrastruktur des Landes bislang weitgehend verschont. Dies hat sich nun geändert, wie der Pressemitteilung zu den neuen Sanktionen gegen iranische Krypto-Börsen zu entnehmen ist.

Das Finanzministerium wird weiterhin sowohl traditionelle Mechanismen zur Umgehung von Sanktionen als auch die Ausnutzung digitaler Vermögenswerte entschlossen bekämpfen und gleichzeitig die dem iranischen Volk entwendeten Gelder weiterhin einfrieren.
Auszug aus der Pressemitteilung zu den neuen Sanktionen

Die Maßnahmen erfolgen in einer Phase zunehmender Spannungen zwischen Washington und Teheran – kurz nachdem die jüngsten Verhandlungen über eine langfristige Konfliktlösung ins Stocken geraten sind.

Sanktionen gegen Nobitex und drei weitere Börsen

Das Office of Foreign Assets Control (OFAC) des US-Finanzministeriums hat am 2. Juni 2026 vier iranische Krypto-Börsen auf die Sanktionsliste gesetzt:  

Den Plattformen wird vorgeworfen, Sanktionen zu umgehen beziehungsweise Finanzdienstleistungen für bereits sanktionierte Akteure bereitzustellen, die teilweise zur Finanzierung terroristischer Aktivitäten genutzt worden sein sollen.

Nobitex im Fokus der US-Ermittler

Im Zentrum der Maßnahmen steht Nobitex. Die Börse zählt nach eigenen Angaben rund elf Millionen Nutzer und ist damit die größte Handelsplattform für digitale Vermögenswerte im Iran. Bereits vor wenigen Wochen beschäftigte sich Reuters in einer Investigativrecherche mit den Verbindungen der Plattform zum iranischen Regime sowie ihrer Rolle bei der Umgehung von Sanktionen. Die Vorwürfe des US-Finanzministeriums greifen viele dieser Erkenntnisse auf.

Laut OFAC soll Nobitex im Jahr 2025 mehr als die Hälfte aller Krypto-Zuflüsse in den Iran abgewickelt haben. Die Plattform habe dabei die Umgehung von Sanktionen sowie die Finanzierung der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) und anderer sanktionierter Akteure ermöglicht, darunter auch Ransomware-Hacker.

Nach Darstellung des Finanzministeriums fungierte Nobitex sowohl für die iranische Zentralbank als auch für staatliche Akteure und deren Verbündete als Zugangspunkt zu digitalen Vermögenswerten und internationalen Handelsplattformen. Zudem soll die Börse dem Regime bei der Überwachung und Unterdrückung der eigenen Bevölkerung geholfen haben.

Während des Krieges diente Nobitex insbesondere der iranischen Elite als Möglichkeit, Kapital trotz Stromausfällen, Internetstörungen und Finanzbeschränkungen außer Landes zu transferieren.

Neben den Börsen setzte das OFAC auch vier mit Nobitex verbundene Personen auf die Sanktionsliste:  

  • Amir Hossein Rad, Mitgründer und ehemaliger CEO von Nobitex

  • Seyed Ali Khoee, aktueller CEO von Nobitex

  • Mohammad Aghamir, Mitgründer von Nobitex

  • Ali Aghamir, Mitgründer von Nobitex 

Die Brüder Aghamir werden in der Pressemitteilung der Familie Kharrazi zugeordnet, die zum inneren Kreis des Obersten Führers Khamenei gehören soll.

Auswirkungen der Sanktionen

Die vier Krypto-Börsen und die genannten Personen wurden gemäß Executive Order 13224 und 13902 auf die sogenannte SDN-Liste (Specially Designated Nationals) des OFAC gesetzt. Damit gelten unter anderem folgende Maßnahmen:  

  • Alle Transaktionen durch US-Personen oder innerhalb der USA, die mit den Vermögenswerten der sanktionierten Personen oder Unternehmen in Verbindung stehen, sind verboten. Dazu zählen auch weitere Leistungen oder die Bereitstellung von Geldern, Gütern oder Dienstleistungen.  
  • Sämtliche Vermögenswerte der genannten Börsen und Personen in den USA werden eingefroren und müssen dem OFAC gemeldet werden.  
  • US-Bürger und US-Unternehmen dürfen keine Geschäfte mehr mit den Betroffenen tätigen.

  • Unternehmen, die zu mindestens 50 % im Besitz der sanktionierten Unternehmen oder Personen sind, werden ebenfalls von den Maßnahmen erfasst.


Nobitex nimmt dabei eine Sonderrolle ein. Die Börse und die vier Führungskräfte wurden zusätzlich als „Specially Designated Global Terrorist“ (SDGT) eingestuft. Der eindeutige Terrorismusbezug deutet darauf hin, dass die USA Nobitex nicht nur als Instrument zur Umgehung der Iran-Sanktionen betrachten, sondern als besonders schwerwiegenden Bestandteil des iranischen Finanznetzwerks.

Diese Einstufung dürfte dazu führen, dass internationale Banken, Zahlungsdienstleister und Krypto-Unternehmen Nobitex noch konsequenter meiden, da viele Compliance-Abteilungen SDGT-Einträge sehr strikt behandeln.

Risiko von Sekundärsanktionen

Darüber hinaus weist das Finanzministerium ausdrücklich darauf hin, dass auch ausländische Finanzinstitute, Krypto-Dienstleister, OTC-Händler und andere Marktteilnehmer mit Sekundärsanktionen belegt werden können, wenn sie bestimmte Transaktionen mit den vier genannten Börsen durchführen.

Das Finanzministerium ist zudem bereit, gegen jedes ausländische Unternehmen vorzugehen, das den illegalen Handel mit dem Iran unterstützt, einschließlich Fluggesellschaften, und kann bei Bedarf Sekundärsanktionen gegen ausländische Finanzinstitute verhängen, die die Aktivitäten des Iran erleichtern.
Auszug aus der Pressemitteilung

Damit signalisiert die Trump-Regierung, dass die Maßnahme nicht nur US-Unternehmen betrifft, sondern potenzielle Geschäftspartner weltweit abschrecken soll.

In diesem Zusammenhang verweist das US-Finanzministerium auch auf die Ende Mai 2026 sanktionierte „Persian Gulf Strait Authority“ (PGSA), die für die Passage durch die Straße von Hormus Gebühren in Bitcoin erhebt. Unternehmen, die Zahlungen an die PGSA leisten oder mit ihr kooperieren, könnten ebenfalls einem Sanktionsrisiko ausgesetzt sein.

Bitcoin braucht keine Börsen

Mit den neuen Maßnahmen gegen die iranischen Krypto-Börsen versuchen die Vereinigten Staaten, den Druck auf die iranische Wirtschaft und das Finanzsystem zu erhöhen. Die Nutzung von Kryptowährungen für internationale Zahlungen soll erschwert und der Zugang zu alternativen Zahlungsnetzwerken eingeschränkt werden.

Die Sanktionen richten sich daher primär gegen zentrale Handelsplätze und Liquiditätsanbieter der iranischen Krypto-Infrastruktur. Sie treffen vor allem einen wichtigen Zugangspunkt zu Bitcoin, anderen digitalen Assets und professionellen Handelsdienstleistungen im Iran.

Ob die Maßnahmen langfristig erfolgreich sind, wird davon abhängen, inwieweit es den USA gelingt, auch alternative Handelswege außerhalb zentraler Börsen zu unterbinden. Das zugrundeliegende Bitcoin-Netzwerk selbst bleibt von den Maßnahmen technisch unberührt und somit weiterhin weltweit zugänglich. Es funktioniert dezentral und benötigt keine zentrale Börse oder Vermittler.

Die Sanktionen zeigen die Grenzen staatlicher Eingriffe in das offene Netzwerk von Bitcoin. Börsen, Unternehmen und einzelne Personen lassen sich sanktionieren, während die Nutzung von Bitcoin selbst nicht unterbunden werden kann. 

Die Maßnahmen dürften den Zugang des Iran zu internationalen Krypto-Märkten zwar erheblich erschweren. Doch solange der Iran auf direkte Bitcoin-Transaktionen und dezentrale Handelswege ausweichen kann, bleibt nicht nur dem Regime, sondern auch der Bevölkerung ein alternatives Netzwerk für internationale Werttransfers erhalten.

Stefan

Über den Autor: Stefan

Stefan ist studierter Medienwissenschaftler und Sinologe sowie selbstständig im künstlerisch-publizistischen Bereich. Neben den monetären Eigenschaften interessiert er sich vor allem für die sozialen und ökologischen Aspekte von Bitcoin und dem Bitcoin-Mining.

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