US-Staatsschulden steigen über 40 Billionen US-Dollar – Wird Bitcoin jetzt wieder interessanter?
Die Staatsschulden der USA haben die Marke von 40 Billionen US-Dollar geknackt. Vor gerade einmal neun Jahren war es lediglich die Hälfte. Zeitgleich bringen die steigenden Renditen von US-Staatsanleihen das Finanzministerium unter Druck. Wie stehen die Chancen, dass die Schuldenspirale der USA jetzt wieder in den Fokus der Märkte rückt und Bitcoin davon als Asset mit begrenzter Gesamtmenge profitieren kann, wie BlackRocks Robbie Mitchnick prognostiziert?
Von Tristan
Exponentielles Schuldenwachstum
Die USA haben inzwischen mehr als 40 Billionen US-Dollar an ausstehenden Staatsschulden, wie die offiziellen Daten von fiscaldata.treasury.gov für den 18. August 2026 zeigen.
Im September 2017 waren es lediglich 20 Billionen US-Dollar, während im Jahr 2008 zum ersten Mal die 10-Billionen-US-Dollar-Marke durchbrochen wurde.
Der Nominalwert der Schulden steigt exponentiell. Seit der Weltfinanzkrise gab es in etwa alle neun Jahre eine Verdopplung.
Hierbei spielte auch keine Rolle, wer die USA regiert hat. Egal ob republikanischer oder demokratischer Präsident, eines war gleich: Die Staatsschulden erklommen neue Höchststände.
Auch die Bemühungen unter US-Präsident Donald Trump, mit dem von Elon Musk geführten Department of Government Efficiency (D.O.G.E) für nennenswerte Einsparungen zu sorgen, scheiterten kläglich.
Im Juli vergangenen Jahres unterzeichnete Trump schließlich die „Big Beautiful Bill“, die den nötigen Raum für weitere 5 Billionen US-Dollar an Schulden schuf. Die Schuldenobergrenze wurde im Zuge dessen nämlich von 36,1 auf 41,1 Billionen US-Dollar angehoben.
Doch auch dieser Wert dürfte zeitnah wieder erreicht werden, was eine nächste Anpassung nötig macht – so wie bei den letzten 78 Malen seit dem Jahr 1960.
Schulden isoliert zu betrachten, ist aber nur bedingt hilfreich. Deshalb werden die Staatsschulden der jährlichen Wirtschaftsleistung (BIP) eines Landes gegenübergestellt. Doch die negative Nachricht ist, dass auch hier ein steigender Trend beobachtbar ist.
Die USA haben nämlich aktuell eine Verschuldung von 125 % zum BIP. Seit den 1970er-Jahren, als die Konvertibilität des US-Dollars in Gold aufgehoben wurde, hat sich dieser Wert mehr als verdreifacht.
Schulden werden weiter steigen
Währenddessen ist keine Besserung in Sicht. Die USA erwirtschaften seit 2002 kontinuierlich Defizite.
So wurden im Fiskaljahr 2025 insgesamt 5,2 Billionen US-Dollar eingenommen, während 7 Billionen ausgegeben wurden.
Das 1,8 Billionen US-Dollar schwere Defizit entspricht rund 6 % des BIP – das liegt deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen 50 Jahre (3,8 %).
Ein großer Ausgabenposten sind inzwischen auch die Zinszahlungen auf die Schulden, die jährlich circa 1 Billion US-Dollar betragen – Tendenz steigend.
Die 5,2 Billionen US-Dollar an Einnahmen reichen gerade einmal für die gesetzlich gebundenen („mandatory“) Ausgaben – also unter anderem Medicare, Medicaid und Social Security – in Höhe von 4,2 Billionen US-Dollar zuzüglich der Zinsen.
Für die jährlich rund 900 Milliarden US-Dollar schweren Militärausgaben etwa würde demnach ohne neue Schulden kein Geld übrig bleiben.
Das Congressional Budget Office (CBO) prognostiziert derweil, dass die Defizite relativ zur Wirtschaftsleistung weiter steigen werden. Dies resultiert in der Projektion einer deutlich höheren Schuldenquote.
Implikationen für die Finanzmärkte
Die USA sind die mit Abstand relevanteste Volkswirtschaft der Welt. US-amerikanische Unternehmen dominieren die Aktienmärkte, während der US-Dollar die Rolle der Weltreservewährung einnimmt.
Hierbei stehen die US-amerikanischen Staatsanleihen im Mittelpunkt. Andere Nationen halten ihre US-Dollar-Reserven nämlich nicht einfach so in Cash, sondern in aller Regel in diesen festverzinslichen Wertpapieren.
Als Halter der Schuldverschreibungen ist man davon abhängig, dass die USA weiter zahlungsfähig bleiben. Die Kompensation für das Risiko – und die Opportunitätskosten – ist der Zins.
Steigen die Zinsen auf US-Staatsanleihen, kann dies entsprechend unter anderem durch einen Vertrauensverlust in die USA erklärt werden.
Das bedeutet aber nicht zwingend, dass der Markt mit einer Pleite rechnet. Die USA sind nämlich der Schöpfer des US-Dollars und könnten zur Not – zumindest theoretisch – alle Schulden mit neu gedrucktem Geld begleichen.
Höhere Zinsen auf US-Staatsanleihen können somit auch Ausdruck der Sorge vor einer höheren Inflation sein. Denn wer würde sich mit einem Zins in Höhe von 4 % zufriedengeben, wenn er in dieser Zeit mit einem Kaufkraftverlust um 6 % rechnet?
In den vergangenen Wochen war beobachtbar, dass die Renditen von US-Staatsanleihen deutlich gestiegen sind. Bei den 30-jährigen Staatsanleihen wurde sogar der höchste Wert seit 2007, also vor der Weltfinanzkrise, erreicht.
Ein Grund dafür war, dass Fed-Chef Kevin Warsh bei der Notenbanktagung im Juli offenbar nicht abgenommen wurde, die hohe Inflation entschlossen bekämpfen zu wollen.
Steigende Renditen setzen USA unter Druck
Je höher die Marktzinsen, desto teurer die Neuverschuldung. Und je höher die jährlichen Zinszahlungen, desto größer die Sorge, dass dem Ganzen nur noch mit Gelddrucken entgegnet werden kann.
Laut Berechnungen der Bank of America würden die USA im Jahr 2028 schon 1,7 Billionen US-Dollar an Zinsen zahlen – und das bei gleichbleibenden Marktzinsen.
Das liegt daran, dass Schulden, die bei niedrigeren Zinsen aufgenommen wurden, zu schlechteren Bedingungen refinanziert werden müssten.
Somit fachen die aktuell steigenden Renditen von US-Staatsanleihen die Schuldenspirale der USA weiter an – was Maßnahmen dagegen nötig macht.
Erste Anzeichen für Stress im System
Die Federal Reserve kontrolliert mit dem Instrument des Leitzinses den Kurzfristzins. Mit Anleihekäufen könnten derweil die langfristigen Zinsen heruntergebracht werden, doch hier ist die Fed derzeit nicht aktiv. Warsh gibt sich nämlich als Gegner einer Bilanzausweitung beziehungsweise von Quantitative Easing.
Dennoch gab es kürzlich schon staatliche Maßnahmen, um den steigenden Renditen etwas entgegenzusetzen.
Japan, der größte ausländische Halter von US-Staatsanleihen, sieht sich nämlich dem Problem eines fallenden Yen konfrontiert. Um die eigene Währung zu stützen, kauft Japan – je nach Wechselkurs – Yen am Markt.
Dafür werden dann aber die US-Dollar-Reserven, ergo US-Staatsanleihen, abgestoßen.
Ende Juli schritt das US-Finanzministerium ein, indem es Euro verkaufte, um selbst Yen zu kaufen und somit Japan die Notwendigkeit zu nehmen, weitere US-Staatsanleihen zu verkaufen.
Das alles konnte aber nur bedingt helfen. Die Renditen von US-Staatsanleihen stiegen danach weiter, während der Yen seit Anfang dieses Monats wieder gegenüber dem US-Dollar abwertet.
Am Mittwoch dieser Woche gab schließlich das US-Finanzministerium bekannt, die Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen deutlich auszuweiten, um das „lange Ende“ mit Liquidität zu versorgen.
Dies konnte die Langfristzinsen etwas herunterbringen. Besonders spannend an der Meldung war jedoch, dass insbesondere Bitcoin davon ordentlich profitieren konnte.
Bitcoin als Profiteur der Schuldenspirale?
Die ausufernden Staatsschulden der USA sind ein Thema, das die Rolle des US-Dollars als Reservewährung untergraben könnte.
So betonte BlackRock-CEO Larry Fink in seinem Aktionärsbrief im Frühjahr 2025, dass die USA riskieren, ihre Rolle als Nation hinter der Reservewährung an Bitcoin zu verlieren.
Wenn die USA ihre Schulden nicht in den Griff bekommen, wenn die Defizite immer weiter ansteigen, läuft Amerika Gefahr, diese Position an digitale Vermögenswerte wie Bitcoin zu verlieren.
Larry Fink
Die Weltreservewährung zu stellen, hat aber auch Negativeffekte. Es führt dazu, dass ein Land zu einer Importnation wird und entsprechend die eigene Industrie geschwächt wird.
Donald Trump ist dies ein Dorn im Auge, wie sich unter anderem durch die Zollpolitik zeigte. Hinzu kommt, dass ein starker US-Dollar Produkte aus den Vereinigten Staaten für das Ausland weniger erschwinglich macht.
Bitcoin könnte der große Gewinner dieser Situation sein. Zum einen zeigt sich, dass sich das Asset im Regelfall bei einem gegenüber anderen Währungen schwächer werdenden US-Dollar besser schlägt.
Die ausufernden US-Staatsschulden werden derweil voraussichtlich dazu führen, dass die Zinsen auf Teufel komm raus niedrig gehalten werden, um die Spirale nicht noch weiter anzufachen.
Letztendlich dürfte das alles in einem weiter voranschreitenden Kaufkraftverlust des US-Dollars resultieren, dem kaum mit positiven Realzinsen entgegengewirkt werden kann.
Der Vermögensverwalter BlackRock macht immer wieder darauf aufmerksam, dass Bitcoin von der Sorge vor Staatsdefiziten und der Geldentwertung profitieren dürfte. So auch in einem in dieser Woche veröffentlichten neuen Report.
Der Autor dieses Reports, Robbie Mitchnick, prognostizierte im Juni zudem, dass Bitcoin gegen Ende des Jahres wieder an Momentum gewinnen dürfte, wenn die Staatsschulden und das Gelddrucken im Zuge der Midterm-Wahlen wieder in den Fokus der Märkte rücken.
Ich denke, wenn die US-Schuldenstände und die Defizitsituation wieder stärker in den Fokus rücken – was rund um die Midterms ziemlich wahrscheinlich ist –, dann werden auch einige existenzielle Diskussionen wieder aufkommen. Ich glaube, dann werden wir wahrscheinlich eine erneute Belebung des Momentums sehen. [...] Und je größer die Sorge über das Ausmaß der Verschuldung und das Risiko von Geldschöpfung wird, desto mehr wird das meiner Meinung nach letztlich der wichtigste fundamentale Treiber für die Zukunft sein.
Robbie Mitchnick
Der Leiter der Abteilung für digitale Assets bei @BlackRock, @RobbieMitchnick, glaubt, dass das Momentum bei Bitcoin wieder zurückkommen wird, wenn sich der Markt im Zuge der Midterm-Wahlen wieder auf die ausufernden US-Staatsschulden und das Gelddrucken fokussieren wird. 📈👀 pic.twitter.com/UeEZrMxFZE
— Blocktrainer (@blocktrainer) June 22, 2026
Wie es momentan aussieht, könnte das aber schon früher eintreten. Mit dem Erreichen der 40 Billionen US-Dollar an Staatsschulden und der Maßnahme des Finanzministeriums zum Senken der Langfristzinsen scheint der Markt wieder Bitcoin für sich entdeckt zu haben.
BTC ist am Mittwoch dieser Woche zum ersten Mal seit dem 2. Juni dieses Jahres wieder über die 70.000-US-Dollar-Marke gestiegen. Damit beträgt das Kursplus seit dem Bärenmarkttief vom 1. Juli bereits mehr als 20 %.
Da die Midterm-Wahlen erst in mehreren Wochen stattfinden, ist gut vorstellbar, dass der von Mitchnick prophezeite Wandel im Momentum gerade erst in den Kinderschuhen steckt.
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