Aktuelle Version des CLARITY Act veröffentlicht – Demokraten noch nicht zufrieden
Die republikanischen US-Senatoren haben eine überarbeitete Fassung des CLARITY Act veröffentlicht. Während die geplante Marktstruktur für digitale Vermögenswerte weitgehend erhalten bleibt, erweitert der Senat den Entwurf um schärfere Ethikregeln für Amtsträger, zusätzliche Straf- und Geldwäschevorschriften sowie weitere Maßnahmen zum Verbraucher- und Insolvenzschutz. Den Demokraten scheint das aber noch nicht auszureichen.
Von Stefan
Nachdem der CLARITY Act – das umfassende Rahmenwerk für die Regulierung des US-Krypto-Marktes – im Mai dieses Jahres den Senatsausschuss für Bankenwesen passiert hatte, veröffentlichten die republikanischen Senatoren nun eine erweiterte Fassung des Gesetzentwurfs.
In dem über 600 Seiten umfassenden Dokument wird die bisher vorgeschlagene Marktstruktur weitgehend beibehalten, etwa die Einordnung der digitalen Vermögenswerte sowie die Abgrenzung der Zuständigkeiten der Behörden SEC und CFTC.
Auch umstrittene Regelungen und integrierte Einzelgesetze bleiben im Kern unverändert. Dazu zählen etwa der Blockchain Regulatory Certainty Act, der die bloße Entwicklung und Bereitstellung dezentraler Netzwerke oder Non-Custodial-Software vor der Einstufung als Finanzinstitut oder Geldübermittler schützt, sowie der Keep Your Coins Act, der das Recht auf Self-Custody bewahrt.
Der Senat hält zudem am Kompromiss zwischen Banken und Krypto-Branche fest, wonach Unternehmen auf ungenutzte Stablecoin-Guthaben keine Zinsen zahlen dürfen. Belohnungen für Aktivitäten wie Staking bleiben hingegen zulässig, sofern sie sich deutlich von Zinsen auf Bankeinlagen unterscheiden.
Neben einigen kleineren Ergänzungen in verschiedenen Bereichen des CLARITY Act wurden einzelne Abschnitte deutlich erweitert oder sogar komplett neu geschaffen. Zu den wichtigsten Neuerungen zählen:
- zusätzliche Straf- und Geldwäschevorschriften,
- erweiterte Regelungen zum Verbraucher- und Insolvenzschutz
- neue Ethikvorschriften für Amtsträger
Stärkere Strafverfolgung
Um Straftaten im Zusammenhang mit Kryptowährungen, Geldwäsche und Terrorismus besser verfolgen zu können, enthält der Entwurf zahlreiche zusätzliche Bestimmungen. Vorgesehen sind unter anderem zusätzliche Mittel und Befugnisse für Strafverfolgungsbehörden, technische Unterstützung, Blockchain-Analysetools sowie Aus- und Fortbildungsprogramme.
Darüber hinaus sollen neue Institutionen entstehen, darunter ein Cyber Innovation Center zur Bekämpfung staatlich unterstützter Cyber-Bedrohungen und der missbräuchlichen Nutzung digitaler Vermögenswerte.
Außerdem verpflichtet der Entwurf regulierte Stablecoin-Emittenten, rechtmäßige gerichtliche oder behördliche Anordnungen umzusetzen, etwa zum Einfrieren oder zur Beschlagnahmung von Token.
Schutz von Kundeneigentum
Der Senatsentwurf erweitert zudem die Regelungen zum Insolvenz- und Verbraucherschutz. So werden unter anderem die Behandlung von Kundeneigentum im Insolvenzfall sowie zusätzliche Informationspflichten für Anleger präzisiert.
Das Gesetz stellt klar, dass digitale Vermögenswerte von Kunden im Insolvenzfall grundsätzlich nicht Teil der Insolvenzmasse eines Unternehmens werden sollen. Stattdessen sollen sie – ähnlich wie andere treuhänderisch verwahrte Vermögenswerte – dem jeweiligen Kunden zugeordnet bleiben.
Neue Ethikregeln
Die auffälligste Änderung in der neuen Fassung des Gesetzesvorhabens zur Regulierung des US-Krypto-Markts ist ein neuer Abschnitt zu Ethikregeln.
Die Regelungen wurden zwischen dem Weißen Haus und den republikanischen Senatoren Cynthia Lummis und Bernie Moreno ausgehandelt. Sie gelten als politischer Kompromiss, um den CLARITY Act im Senat mehrheitsfähig zu machen.
Nachdem insbesondere vonseiten der Demokraten im Repräsentantenhaus Kritik an möglichen Interessenkonflikten von Regierungsvertretern und Politikern mit umfangreichen Krypto-Investments laut geworden war, soll dieser Abschnitt das Vertrauen in die künftige Regulierung stärken und die Unterstützung der Demokraten gewinnen.
So soll es politischen Amtsträgern sowie deren Ehepartnern gemäß Section 30101 während der jeweiligen Amtszeit untersagt sein, gegen eine Gegenleistung einen digitalen Vermögenswert herauszugeben oder zu sponsern. Das umfasst insbesondere die kontrollierte Schaffung beziehungsweise Erstvermarktung eines Tokens sowie dessen bezahlte Unterstützung, Organisation oder ausdrückliche Bewerbung.
Verstöße sollen ernsthafte rechtliche Konsequenzen durch das Justizministerium nach sich ziehen.
Für bereits vor Beginn der Amtszeit bestehende direkte Krypto-Beteiligungen sieht der Entwurf einen Schutzmechanismus (Safe Harbor) vor. Dieser ermöglicht unter bestimmten Voraussetzungen die Veräußerung der Vermögenswerte oder deren Übertragung in einen qualifizierten Blind Trust, ohne dass dies als Verstoß gegen die Vorschrift gewertet wird.
Der Entwurf stellt außerdem ausdrücklich klar, dass die Mitwirkung an der Krypto-Regulierung, allgemeine Aussagen zugunsten digitaler Vermögenswerte sowie deren Besitz als Investment weiterhin zulässig bleiben. Bestehende Offenlegungs- und Interessenkonfliktregeln gelten jedoch weiterhin, etwa die Verpflichtung zur Offenlegung von Krypto-Verkäufen über 1.000 US-Dollar.
Die Vorschrift aus Section 30101 gilt erst mit Inkrafttreten der Ethikregeln und läuft am 20. Januar 2029 um 12 Uhr – nach Ablauf der aktuellen Amtszeit des US-Präsidenten – automatisch aus. Ab diesem Zeitpunkt entfällt das Verbot. Gleichzeitig sieht der Entwurf vor, dass danach auch keine Person mehr rückwirkend wegen eines Verstoßes gegen Section 30101 haftbar gemacht oder bestraft werden kann.
Was bedeutet das für Trump?
US-Präsident Donald Trump soll den neuen Ethikvorschriften bereits zugestimmt haben.
Senatorin Cynthia Lummis lobte ihn dafür ausdrücklich.
Kein Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten habe sich freiwillig derart weitreichenden ethischen Beschränkungen unterworfen wie Trump.
Die Geschichte wird dies als den Moment in Erinnerung behalten, in dem ein Präsident sich für einen höheren ethischen Maßstab entschied, als es das Gesetz von ihm verlangte. Diese Vereinbarung verbietet ALLEN Regierungsvertretern – einschließlich des Präsidenten – die Ausgabe oder Förderung digitaler Vermögenswerte zu Gewinnzwecken, und zwar mit konkreten Durchsetzungsmaßnahmen und konkreten Strafen.
Cynthia Lummis
Doch unter dem Strich dürfte Donald Trump die mangelnde Zustimmung der Demokraten – und damit letztlich auch die Notwendigkeit zusätzlicher Ethikregeln – durch sein eigenes Verhalten selbst befeuert haben.
Trump hat laut seiner finanziellen Auskunft für das Jahr 2025 mehr als 1 Milliarde US-Dollar an Einnahmen mit Krypto erzielt – durch seinen Memecoin sowie das Krypto-Projekt seiner Familie.
Zum Ende des Jahres hielt er unter anderem mehr als 100 Millionen US-Dollar in Bitcoin in Selbstverwahrung.
History will remember this as the moment a president chose a higher standard of ethics than the law required of him. This agreement bans ALL federal officials — including the President — from issuing or sponsoring a digital asset for profit, with real enforcement and real… pic.twitter.com/zYlD0nRGjB
— Senator Cynthia Lummis (@SenLummis) July 22, 2026
Gemäß den neuen Ethikregeln dürfte Trump die Bitcoin weiterhin besitzen und grundsätzlich auch handeln, solange er die geltenden Regeln zur Offenlegung und andere Vorschriften zur Vermeidung von Interessenkonflikten einhält.
Nach dem Wortlaut des Senatsentwurfs dürfte die ursprüngliche Ausgabe der Memecoins TRUMP und MELANIA allerdings nicht von Section 30101 erfasst werden. Die Ethikvorschriften treten erst zu einem späteren Zeitpunkt – frühestens 360 Tage nach Inkrafttreten des CLARITY Act oder 60 Tage nach Veröffentlichung der finalen Regelung – in Kraft und gelten ausdrücklich nur für Verhalten, das nach diesem Zeitpunkt erfolgt.
Künftige Handlungen im Zusammenhang mit den Token könnten dagegen – abhängig von ihrer konkreten Ausgestaltung – unter das Verbot fallen.
Allerdings dürfte der Abschnitt zu den Ethikregeln noch nicht endgültig feststehen, da die Demokraten bereits Einwände geäußert haben.
Widerstand der Demokraten
Die Demokraten haben die neue Fassung des CLARITY Act bisher noch nicht gebilligt und verschiedene Bedenken geäußert. Sie fordern unter anderem, dass auch die Generalstaatsanwälte der Bundesstaaten an der Durchsetzung der Ethikregeln beteiligt werden. Zudem verlangen einige Demokraten Sanktionen für Präsident Trumps frühere Krypto-Aktivitäten sowie für seine Familie, da die Krypto-Geschäfte größtenteils von seinen Söhnen geführt werden.
Dennoch signalisieren mehrere demokratische Abgeordnete, die dem CLARITY Act grundsätzlich offen gegenüberstehen, weiterhin Gesprächsbereitschaft.
Der von den Republikanern vorgeschlagene Text des CLARITY Act in seiner derzeitigen Fassung ist unzureichend. Wichtige Bestimmungen, darunter solche, die sich mit der Ethik gewählter Amtsträger, dem Verbraucherschutz, illegaler Finanzierung, Interessenkonflikten und der Marktintegrität befassen, müssen verschärft werden. Wir haben im vergangenen Jahr in gutem Glauben mit unseren republikanischen Kollegen zusammengearbeitet und werden dies auch weiterhin tun, um dieses Vorhaben zum Abschluss zu bringen.
Demokratische Senatoren in einem Statement
Die Verhandlungen dürften in den kommenden Tagen fortgesetzt werden. Noch besteht Hoffnung, dass das Krypto-Gesetz vor der Augustpause des Senats zur Abstimmung gebracht werden kann. Laut der Wettplattform Kalshi liegt die Wahrscheinlichkeit dafür aktuell bei 71 %.
Ob sich die Demokraten und Republikaner hingegen noch einigen können, steht auf einem anderen Blatt. Die Wahrscheinlichkeit, dass der CLARITY Act in diesem Jahr noch verabschiedet wird, liegt aktuell nur bei circa 41 %, wie Daten von Polymarket zeigen.
Für eine erfolgreiche Abstimmung im Senat braucht es mindestens 7 demokratische Unterstützer. Anschließend müsste der Gesetzentwurf noch einmal ins Repräsentantenhaus, das schon im Sommer 2025 eine eigene Version des Krypto-Gesetzes angenommen hat.
Erst dann würde das Gesetz auf dem Schreibtisch von Donald Trump zur Unterzeichnung landen. Der US-Präsident signalisierte mehrfach, dass er den CLARITY Act unterzeichnen möchte, mit dem Ziel, die USA zur „Krypto-Hauptstadt der Welt“ zu machen.