Trump-Regierung möchte mit ukrainischem AKW Bitcoin-Mining betreiben
AKW Saporischschja im Fokus
Die Ukraine und Russland versuchen derzeit, unter anderem mit Unterstützung der Vereinigten Staaten, einen Friedensplan zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges auszuarbeiten. Neben territorialen Fragen und Sicherheitsgarantien steht auch die Nutzung von Ressourcen im Zentrum der Diskussionen.
Ein Aspekt, über den noch keine Einigung gefunden werden konnte, ist die Zukunft des russisch kontrollierten Atomkraftwerks Saporischschja. Es ist das größte Kernkraftwerk Europas und liegt im Südosten der Ukraine, in der Nähe der Stadt Enerhodar am linken Ufer des Dnepr.
Vor dem Krieg lieferte Saporischschja rund 20 % der Elektrizität der Ukraine. Kurz nach Beginn des Krieges übernahm das russische Militär im März 2022 die Kontrolle über das Kraftwerk. Seit September 2022 sind alle sechs Reaktoren heruntergefahren.
Der russische Präsident Wladimir Putin übertrug die Leitung anschließend der Rosenergoatom AG, einer Tochtergesellschaft des staatlichen Atomkonzerns Rosatom. Die ukrainischen Techniker erhielten russische Pässe, um weiterhin – unter der Kontrolle von Rosatom – im Kraftwerk arbeiten zu können.
Putin: USA wollen AKW fürs Mining nutzen
Putin verkündete bei einem Treffen wichtiger Wirtschaftsvertreter am 24. Dezember, das unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, dass die US-Regierung in den Verhandlungen mit Russland den Wunsch geäußert habe, an der Verwaltung des AKWs teilzuhaben, wie das russische Medium Kommersant berichtete.
Demnach würden die USA eine gemeinsame Verwaltung des AKWs mit Russland anstreben – ohne Beteiligung der Ukraine. Die US-Regierung setze sich zwar auch für Stromlieferungen an die Ukraine ein, sei jedoch vor allem daran interessiert, mit Saporischschjas Kernenergie „Krypto-Mining“ zu betreiben, so der Kreml-Chef.
Nicht ohne die Ukraine?
Ukrainische Medien verurteilen die Äußerungen Putins und bezeichnen sie als haltlose Behauptungen, die einen Keil zwischen die Ukraine und ihre westlichen Verbündeten treiben sollen. Vonseiten der USA wurden Gespräche über eine Verwaltung des AKW ohne die Ukraine bislang noch nicht offiziell bestätigt.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj betonte, dass noch keine Einigung bezüglich des Kernkraftwerkes getroffen worden sei. Gleichzeitig verwies er darauf, dass die USA ein Modell vorgeschlagen hätten, das der Ukraine, Russland und den USA jeweils einen Anteil von 33 % an der Verwaltung zuschreibe, wobei die Vereinigten Staaten die Leitung übernehmen würden. Zudem würde die Frontlinie in der Region Saporischschja eingefroren, sodass das Gebiet unter russischer Kontrolle bliebe.
Sowohl die ukrainische Regierung als auch die internationale Gemeinschaft betonen, dass der Ausschluss der Ukraine aus Entscheidungen über Saporischschja illegal wäre. Außerdem warnt die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO), dass das Kraftwerk derzeit gegen mehrere grundlegende Prinzipien der nuklearen Sicherheit verstoßen würde und die Reaktoren unter den aktuellen Bedingungen nicht sicher reaktiviert werden können sollen.
Saporischschja bleibt somit ein entscheidender Aspekt der Friedensverhandlungen – mit ungewissem Ausgang.
Interessen der USA
Die Diskussion um Saporischschja berührt nicht nur militärische und sicherheitspolitische, sondern auch energie- und wirtschaftspolitische Interessen mehrerer Akteure – darunter auch die USA.
Donald J. Trump hat in diesem Zusammenhang wiederholt betont, dass amerikanische finanzielle und militärische Unterstützung mit wirtschaftlichen Interessen, einschließlich des Zugangs zu kritischen Rohstoffen in der Ukraine, wie seltenen Erden, die vorwiegend in russisch besetzten Gebieten abgebaut werden, verknüpft sein solle.
Nun scheint die Energie des Kernkraftwerks Saporischschja ebenfalls Bestandteil der wirtschaftlichen Interessen der Vereinigten Staaten zu sein. Eine zukünftige Beteiligung der USA am Kernkraftwerk wird sowohl von Russland als auch von der Ukraine genannt. Unumstritten ist vor allem, dass über eine US-Beteiligung gesprochen wird; offen bleibt, in welcher Form und in welchem Umfang die Ukraine involviert sein soll.
Nach Putins Darstellung könnte der amerikanische Anteil an der Energieerzeugung auch für Krypto- bzw. Bitcoin-Mining genutzt werden. Vor dem Hintergrund der von Präsident Donald J. Trump angekündigten Pläne, eine nationale Bitcoin-Reserve aufzubauen und die USA zur führenden Bitcoin-Mining-Nation zu entwickeln, erscheint dieses Szenario durchaus denkbar.
Damit würden die Vereinigten Staaten im Rahmen der Verhandlungen nicht nur Ansprüche auf kritische Rohstoffe erheben, sondern möglicherweise auch die Kernenergie aus der umkämpften Region wirtschaftlich nutzen – unter anderem für die Bitcoin-Produktion. Eine unabhängige Bestätigung dafür liegt jedoch bislang nicht vor.
Mining-Potenzial für Russland
Unklar ist auch, ob Russland sich dem Vorhaben der USA anschließen und die Kapazitäten des AKW ebenfalls für Mining nutzen würde. Die Mining-Industrie ist in Russland stark gewachsen – insbesondere seit den Einschränkungen der Branche in China im Jahr 2021. Sie ist geprägt durch kontinuierliche Anpassung und hat sich aus einer Grauzone zu einem offiziell anerkannten und regulierten Sektor entwickelt, der seit jeher vor allem zur Verwertung überschüssiger Energie genutzt wird. Die Zentralbank bezeichnet Bitcoin-Mining inzwischen sogar als eine „rubelstabilisierende Aktivität“.
Obwohl Mining aufgrund von Energiemangel in einigen Regionen – darunter auch in besetzten Gebieten der Ukraine – zeitweise untersagt wurde, liegt Russlands Anteil an der globalen Hashrate derzeit bei rund 16 %. Damit belegt das Land Platz zwei hinter den USA und vor China. Sofern Russland noch keine anderen Pläne mit der Kernenergie aus Saporischschja verfolgt, könnte das AKW daher auch für die russische Mining-Industrie eine Chance sein, diese Spitzenposition zu halten.