US-Inflation niedriger als erwartet – Bitcoin fällt unter 60.000 $
Die US-Inflation für den Juli ist leicht besser ausgefallen als angenommen. Gegenüber dem Vorjahr legten die Konsumgüterpreise um 2,9 Prozent zu – erwartet waren 3,0 Prozent. Die Preissteigerung im Vormonatsvergleich fiel mit 0,2 Prozent im Rahmen der Erwartungen aus, ebenso wie die Änderungsraten der „Kerninflation“.
Das erste Mal seit März 2021 lag die Inflation in den USA unter der Marke von 3 Prozent. Bislang hat die US-amerikanische Zentralbank – im Gegensatz zu den meisten anderen großen Zentralbanken – die Zinsen, die sie angehoben hatte, um die Inflation zu bekämpfen, noch nicht wieder gesenkt. Bei der nächsten Notenbanktagung am 18. September sollte es jedoch soweit sein: Der Markt ist sich aktuell sicher, dass es entweder einen oder gar zwei Zinsschritte um 25 Basispunkte geben wird.
Bitcoin reagiert negativ
In den vergangenen Monaten war immer zu beobachten, dass eine besser als angenommen ausfallende US-Inflation die Märkte – und insbesondere Bitcoin – beflügelt hat. So war es etwa der Fall, als die Daten für den Mai unter den Erwartungen lagen. Dieses Mal war die initiale Reaktion jedoch negativ.
Bitcoin ist innerhalb von 1,5 Stunden nach Veröffentlichung der Inflationszahlen um mehr als 3,5 Prozent gefallen – auf unter 60.000 US-Dollar.
Dies könnte daran liegen, dass die gestern vermeldeten Erzeugerpreise aus den USA die positive Nachricht schon etwas vorweggenommen haben. BTC beendete den gestrigen Handelstag mit einem Plus von etwas mehr als 2 Prozent – auch der Nasdaq 100 legte am Dienstag deutlich zu.
Dafür, dass der Markt insgeheim mit noch niedrigeren Inflationsdaten gerechnet hatte, spricht, dass die Wahrscheinlichkeit für nur eine Zinssenkung im September nach der Meldung der Zahlen zugelegt hat – von ungefähr 50 auf 60 Prozent.
Hinzu kommt, dass die Inflation aktuell nicht mehr die Hauptsorge des Marktes zu sein scheint. Obwohl die Teuerungsrate in den USA noch deutlich nördlich des 2-%-Ziels liegt, dominieren mittlerweile Rezessionsängste. Es könnte sein, dass niedrigere Inflationszahlen künftig generell als Zeichen für eine abkühlende US-Wirtschaft gedeutet werden, da sie auch eine rückläufige gesamtgesellschaftliche Nachfrage signalisieren können.
Zinssenkungen werden kommen
Die erste Zinssenkung der Federal Reserve im September ist bereits ausgemachte Sache – insbesondere seitdem der US-Arbeitsmarkt zunehmend Schwäche zeigt.
Generell sind niedrigere Zinsen positiv für die Liquidität und somit die Kapitalmärkte. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Vermögenswerte bei einer Lockerung der Geldpolitik automatisch durch die Decke gehen. Denn meist ist eine schwache Wirtschaft überhaupt erst der Grund für Zinssenkungen.
Es bleibt abzuwarten, ob die Wirtschaft der USA stark genug bleibt, sodass die Kapitalmärkte die Rally, in der sie sich seit Ende 2022 befinden, weiter fortsetzen können oder ob die Vereinigten Staaten doch in eine Rezession hineinlaufen, welche sich negativ auf die Preise von Vermögenswerten auswirken kann.
Eins ist jedoch sicher: Die globale Geldmenge, mit der Bitcoin sehr stark korreliert, wird unweigerlich weiter steigen. Obwohl Wirtschaftskrisen das Asset zeitweise mit nach unten ziehen könnten, ist der mittel- und langfristige Ausblick durchaus positiv – auch weil die Adoption momentan immer weiter an Fahrt aufnimmt.