Obwohl Trumps Dekret zur strategischen Bitcoin-Reserve auch Käufe erlaubt, wird es die wohl vorerst nicht geben. Finanzminister Scott Bessent teilte der Öffentlichkeit heute mit, dass die USA keine Bitcoin kaufen werden. Die Aussage sorgte für Enttäuschung in der Bitcoin-Community – und für einen fallenden BTC-Kurs.

Keine Bitcoin-Käufe der USA

Finanzminister Scott Bessent kam heute in einem Interview bei FOX Business auf die Bitcoin-Reserve zu sprechen. Ohne konkret danach gefragt zu werden, betonte der ehemalige Hedgefonds-Manager, dass die USA keine Bitcoin kaufen werden.

Wir haben außerdem – um im 21. Jahrhundert anzukommen – eine strategische Bitcoin-Reserve ins Leben gerufen. Wir werden [Bitcoin] nicht kaufen, aber wir werden konfiszierte Vermögenswerte nutzen und dies ausbauen. Wir werden aufhören, [Bitcoin] zu verkaufen.
Scott Bessent, Finanzminister der USA

Auch wenn es bislang keine konkrete Zusage gab, dass die USA Bitcoin für die strategische Reserve erwerben werden, war die Hoffnung groß.

In Trumps Dekret gab es nämlich die Anweisung an Finanzminister Scott Bessent und Handelsminister Howard Lutnick, Strategien für den Kauf weiterer Bitcoin zu entwickeln.

Der Finanzminister und der Handelsminister sollen Strategien für den Erwerb zusätzlicher Regierungs-BTC entwickeln, vorausgesetzt, dass diese Strategien haushaltsneutral sind und den Steuerzahlern der Vereinigten Staaten keine zusätzlichen Kosten verursachen.
Aus dem Dekret

Auf der Bitcoin-Konferenz in Las Vegas machte David Sacks, der KI- und Krypto-Zar der USA, überdies deutlich, dass es Bessent und Lutnick von der Idee der Bitcoin-Akkumulation zu überzeugen gilt:

Wenn wir also Howard Lutnick, den Handelsminister, oder Scott Bessent, den Finanzminister, davon überzeugen können, Bitcoin zu kaufen, und sie eine Lösung finden, wie wir das finanzieren können – ohne eine neue Steuer oder eine Erhöhung der Schulden, vielleicht indem wir das Geld aus einem anderen Programm nehmen, das es nicht nutzt – dann könnten wir möglicherweise mehr Bitcoin erwerben.
David Sacks

Bessents heutige Aussage lässt demnach darauf schließen, dass er und Lutnick sich dagegen entschieden haben – oder sie schlichtweg keine passenden Möglichkeiten finden konnten.

Dies ist erstaunlich, da sowohl Bessent als auch Lutnick eine Menge Finanzmarktexpertise mitbringen und sich als Bitcoin-Befürworter positioniert haben. Der Finanzminister hielt laut seiner letzten finanziellen Auskunft privat sogar zwischen 250.001 und 500.000 US-Dollar im Bitcoin-Spot-ETF von BlackRock.

Bo Hines, der bis vor Kurzem noch der leitende Direktor des „Presidential Council of Advisers for Digital Assets“ war, betonte immer wieder, dass die USA so viele Bitcoin wie möglich haben wollen.

Dabei sprach er auch die Vielzahl an verschiedenen Optionen an, um Bitcoin budgetneutral zu akkumulieren – etwa die Neubewertung des Goldes der USA oder BitBonds.

Hines ließ außerdem bereits im Juni dieses Jahres verlautbaren, dass es bald neue Informationen zu den Akkumulationsplänen der USA geben wird und dass diese die Bitcoin-Community erfreuen werden.

Wir wollen so viele Bitcoin wie möglich haben. […] Es gibt unzählige Wege, wie wir das tun können. […] Wir wollen etwas tun, was am effektivsten für die Vereinigten Staaten sein wird. Also wenn wir bereit sind, dies zu verkünden – und ich bin sicher, dass wir das in Kürze tun werden – denke ich, dass die Community sehr erfreut sein wird.
Bo Hines, ehemaliger leitender Direktor des „Presidential Council of Advisers for Digital Assets“

Dies sollte sich nicht bewahrheiten. Ob seine teils irreführenden Ankündigungen der Grund für seinen Rücktritt waren, ist unklar.

Auch wenn Finanzminister Scott Bessent Bitcoin-Käufe anscheinend ausschließt, bedeutet das aber nicht, dass die Bitcoin-Reserve der USA nicht vergrößert werden kann. Neben der Konfiszierung weiterer Coins könnten die Vereinigten Staaten auch in das Mining einsteigen. Das Schürfen von Bitcoin ist nämlich nicht mit Käufen gleichzusetzen.

Außerdem hat die Senatorin Cynthia Lummis einen Gesetzentwurf eingereicht, der vorsieht, dass die USA ihren Bitcoin-Bestand auf eine Million Coins vergrößern. Laut Lummis haben sowohl Bessent als auch Trump ihr Vorhaben unterstützt. Dies scheint jetzt wohl nicht mehr der Fall zu sein. Ihr „Bitcoin Act of 2025“ dürfte es folglich schwer haben, die Mehrheit im Kongress für sich zu gewinnen.

Bitcoin-Reserve eine Enttäuschung?

Nachdem der Bitcoin-Kurs in der Nacht ein neues Allzeithoch erreichte, gab er am heutigen Tag wieder deutlich nach. Die Korrektur begann jedoch schon vor Bessents Statement.

Die heute gemeldeten US-Produzentenpreise, die höher als erwartet ausgefallen sind, dürften für zusätzlichen Verkaufsdruck gesorgt haben.

BTC fiel bislang aber nur auf ein Niveau zurück, auf dem der Kurs am vergangenen Wochenende handelte.

Die Tatsache, dass erst einmal keine Bitcoin-Käufe der USA zu erwarten sind, wird wohl einen elementaren Beitrag zu der heutigen Kursschwäche geleistet haben. Wie sehr eine aktive Bitcoin-Akkumulation der USA zuvor eingepreist war, ist letztlich aber schwer zu quantifizieren.

Als Donald Trump das Dekret zur strategischen Bitcoin-Reserve erlassen hatte, war die Enttäuschung bereits groß, da im Zuge dessen keine Käufe angekündigt wurden. Der US-Präsident hatte dies in seinem Wahlkampf aber auch nicht versprochen, sondern nur, dass es eine strategische Reserve geben wird und keine der konfiszierten BTC mehr verkauft werden.

Die USA halten, so Bessents Annahme, beschlagnahmte Bitcoin im Gegenwert von 15 bis 20 Millionen US-Dollar. Die Analysefirma Arkham Intelligence hingegen ordnet der US-Regierung fast 200.000 BTC im Gegenwert von mehr als 23 Milliarden US-Dollar zu.

Noch immer herrscht Unklarheit, wie viele BTC sich im tatsächlichen Besitz der USA befinden. Die Bitcoin-Community wartet gespannt auf konkrete Informationen der Trump-Administration zur Bitcoin-Reserve, die längst überfällig sind.

Nachtrag: Bessent rudert zurück

Finanzminister Scott Bessent meldete sich wenige Stunden nach dem Interview auf der Plattform 𝕏 zu Wort. Dabei stellte er klar, dass doch noch budgetneutrale Wege zur Akkumulation weiterer BTC untersucht werden.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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