Samuel Paparo, ein hochrangiger 4-Sterne-Admiral der US-Navy, hat bei einer Anhörung vor dem Senatsausschuss für Streitkräfte Bitcoin als wichtiges IT-Werkzeug für Cybersicherheit sowie als Mittel zur Machtprojektion bezeichnet. Damit hat er die Diskussion um die umstrittene „Softwar“-Theorie von Jason P. Lowery erneut entfacht.

Bitcoin im militärischen Kontext

Bei einer Anhörung vor dem Streitkräfteausschuss des US-Senats stellte sich unter anderem der Vier-Sterne-Admiral Samuel Paparo den Fragen der Senatoren. Paparo ist kein „gewöhnlicher“ Admiral, sondern Oberbefehlshaber des United States Indo-Pacific Command (INDOPACOM). Damit ist er für die Militärstrategie der USA im Indopazifik verantwortlich, die auch den geopolitischen Wettbewerb mit China umfasst.

Die Anhörung zur INDOPACOM-Strategie war die erste seit der bislang größten Bitcoin-Beschlagnahmung der USA: Im Oktober 2025 wurden mehr als 127.000 BTC konfisziert, die mit der Prince Holding Group – einem Scam-Netzwerk rund um den chinesischen Staatsbürger Chen Zhi – in Verbindung stehen. Dies führte zu Spannungen zwischen den USA und China, da eine chinesische Behörde einen US-Hackerangriff vermutete und die Rechtmäßigkeit der Beschlagnahmung anzweifelte. Die Anwälte von Chen Zhi fordern inzwischen sogar eine Rückübertragung der Coins.

Zudem betrachten chinesische Finanzforscher Bitcoin zunehmend als strategisches Asset und empfehlen der Regierung eine eigene, nationale Reserve. Vor diesem Hintergrund befragte der republikanische Senator und Trump-Unterstützer Tommy Tuberville den Admiral zum Einfluss des bekanntesten digitalen Vermögenswerts im militärischen Kontext.

Tuberville wollte wissen, inwiefern Stärke im Bereich Bitcoin die Widerstandsfähigkeit und Abschreckung gegenüber China erhöhen kann und welche Rolle eine US-Bitcoin-Reserve dabei spielen könnte. In seiner Antwort bezeichnete Paparo Bitcoin als nützliches Werkzeug der Informatik, das insbesondere für Cybersicherheit und Machtprojektion von großer Bedeutung sei:

Bitcoin zeigt ein enormes Potenzial als Informatik-Werkzeug, das durch die Proof-of-Work-Protokolle tatsächlich mehr Kosten verursacht als nur die algorithmische Absicherung von Netzwerken und unsere Fähigkeit zu operieren. Bitcoin ist Realität. Es ist ein wertvolles Werkzeug der Informatik zur Machtprojektion. Und unabhängig von seiner wirtschaftlichen Funktion hat es sehr wichtige Anwendungen im Bereich der Cybersicherheit.
US-Admiral Samuel Paparo

Im Rahmen von Experimenten mit dem Bitcoin-Protokoll zur Absicherung von Netzwerken betreibt die US-Navy nach eigenen Angaben sogar eine eigene Node, erklärte Paparo bei einer weiteren Anhörung. 

Eigene Mining-Anlagen gebe es derzeit jedoch nicht.

Paparo sieht Bitcoin damit nicht mehr nur als Finanzthema, sondern als geopolitisches und militärisches Werkzeug – insbesondere im Kontext von Sicherheitspolitik, Abschreckung und Machtprojektion im digitalen Raum. Damit greift er im Kern die „Softwar“-These von Jason P. Lowery auf, ohne konkrete Beispiele zur Anwendung nennen zu können.

Machtprojektion im digitalen Raum

Jason P. Lowery veröffentlichte im Jahr 2023 seine wissenschaftliche Arbeit „Softwar – Eine neuartige Theorie zur Machtprojektion und zur nationalen strategischen Signifikanz von Bitcoin“. Darin beschreibt der Bitcoiner mit US-Space-Force-Hintergrund den digitalen Raum als ein neues „Schlachtfeld“, auf dem der Umgang mit Daten (z. B. Kommunikation, Verifizierung, Datensicherung) sowie die Abwehr von Cyberangriffen zentrale Rollen spielen.

Bisher waren derartige Angriffe oft kostengünstig. Durch den Energieverbrauch des Proof-of-Work (PoW) können jedoch reale Kosten entstehen. Lowery interpretiert Bitcoin daher als erste Form physischer Machtprojektion im Cyberspace. Jedes Signal könnte durch PoW „gesichert“ werden.

In Analogie zur klassischen Militärlogik – die bisher auf physische Räume wie Land, Luft und See beschränkt war – könnte eine Erhöhung der Kosten im digitalen Raum eine abschreckende Wirkung auf potenzielle Angreifer entfalten sowie letztlich auch zu Stellvertreterkriegen durch Technologie führen, so Lowerys Argumentation.

Was Bitcoin so bemerkenswert macht, ist, dass es ein nicht-tödliches Äquivalent zur Kriegsführung geschaffen zu haben scheint, das die gleichen komplexen, sich entwickelnden Vorteile der traditionellen Kriegsführung erzielt, indem es genau das gleiche soziale Protokoll des physischen Machtwettbewerbs nutzt […], aber es entfernt die Masse in diesen Machtwettbewerben und tauscht sie mit Energie aus, wodurch die Fähigkeit zu Verletzungen von Menschen und innerartlichem Brudermord eliminiert wird. 
Jason P. Lowery in „Softwar“

Bitcoin fungiert in dieser Logik als Infrastruktur für digitale Abschreckung, während PoW das Werkzeug zur Kostenerzwingung darstellt. Dadurch werden staatliche Bitcoin-Bestände zu einem potenziellen strategischen Vorteil und die Kontrolle über Rechenleistung (Mining) zu einem geopolitischen relevanten Faktor.

Die Positionen von Lowery wurden nun anscheinend vom Oberbefehlshaber der INDOPACOM übernommen.

Unterstützer fordern schnelle Maßnahmen

Unterstützer dieser These sehen einen klaren Handlungsbedarf für die US-Regierung. Die Senatorin Cynthia Lummis forderte im Zuge der Debatte erneut eine schnelle Umsetzung der strategischen Bitcoin-Reserve, zu der US-Präsident Donald Trump bereits ein Dekret unterzeichnete.

Auch Dennis Porter, CEO und Mitbegründer des Satoshi Action Fund, drängt auf eine dauerhafte gesetzliche Verankerung der Reserve. Für ihn stellt eine souveräne Bitcoin-Position ein Engagement in eine neue Form der Abschreckungstechnologie dar. BTC sei die Munition für dieses Werkzeug der Machtprojektion, das letztlich auch in die Debatte um die nationale Sicherheit gehöre, erklärte Porter auf der Plattform 𝕏.

Damit die Abschreckung überhaupt funktioniere, müsse zudem die Abhängigkeit von chinesischer Hardware reduziert werden, so Porter. Aus diesem Grund sei auch die Verabschiedung des „Mined in America Act“ von großer Bedeutung.

Dieser Gesetzentwurf sieht ein freiwilliges Zertifizierungsprogramm für Mining-Betriebe vor, die ausschließlich in den USA oder in verbündeten Ländern hergestellte Hardware nutzen. Die Betriebe erhalten damit Zugang zu Energieprogrammen und günstige Konditionen für den Verkauf der geschürften BTC an das Finanzministerium.


Die strategische Bitcoin-Reserve ist die Munition für das Abschreckungsinstrument. Der „Mined in America Act“ sorgt dafür, dass die Waffe in die richtige Richtung zeigt. Das eine ist ohne das andere unvollständig. Eine Reserve ohne sichere Hardware-Lieferkette ist eine souveräne Position, die auf ausländischen Kill-Switches basiert. Ein Programm zur Rückverlagerung der Hardwareproduktion ohne eine Reserve ist eine Industriepolitik ohne strategischen Nutzen. Zusammen bilden sie die Infrastruktur der amerikanischen Cyber-Abschreckung im Zeitalter des Proof-of-Work.
Dennis Porter auf 𝕏

Zwischen Freiheit und Staatsinteresse

Die staatliche Einordnung beziehungsweise Vereinnahmung von Bitcoin als militärisches Instrument stößt jedoch auch auf Kritik:

Während Lowery und Admiral Paparo Bitcoin als potenzielles Werkzeug nationaler Macht betrachten, jedoch in Bezug auf konkrete Anwendungsfälle und Empfehlungen für die Regierung nur sehr vage Äußerungen formulieren, sehen Kritiker wie Robert Warren und die Journalistin und Privatsphäreaktivistin L0la L33tz darin eine problematische Entwicklung. Sie warnen davor, dass eine stärkere staatliche Kontrolle oder strategische Nutzung des Netzwerks dessen grundlegende Eigenschaften – insbesondere Zensurresistenz und Dezentralität – gefährden könne.

Ein Konfliktpunkt ist die Frage, ob Staaten versuchen könnten, Transaktionen zu kontrollieren sowie bestimmte feindliche Akteure aus dem Netzwerk auszuschließen. Dies könnte laut L0la L33tz zu einer Zensur von ganzen Blöcken führen und unterschiedliche Versionen der Blockchain erzeugen. 

Lowery hingegen argumentiert dafür, dass die USA selbst staatliches Mining betrieben, um sicherzustellen, dass die Transaktionen immer durchgehen. Dies impliziert letztlich aber, dass das Netzwerk ansonsten Transaktionen zensieren würde, was aufgrund ökonomischer Anreize nicht der Fall ist.

Sollte die umstrittene „Softwar“-These jedoch weiter in den Führungsrigen der USA an Relevanz gewinnen, so wären die naheliegendsten Maßnahmen neben einem Ausbau der strategischen Bitcoin-Reserve letztlich wohl der Beginn staatlicher Mining-Aktivitäten sowie das Streben nach Autarkie von chinesischen ASIC-Herstellern.

Auch unabhängig von militärischen Überlegungen hat Bitcoin eine zunehmende geopolitische Relevanz, etwa als neutraler Abwicklungsmechanismus in internationalen Handelsbeziehungen – zum Beispiel als Gebühr für die Passage durch die Straße von Hormus. Hinzu kommt, dass die Anwendungsfälle als dezentrales Zahlungsnetzwerk, Spar- oder Energietechnologie bereits weit über den Status der theoretischen Überlegungen hinaus sind – und weitaus weniger umstritten sind.

Stefan

Über den Autor: Stefan

Stefan ist studierter Medienwissenschaftler und Sinologe sowie selbstständig im künstlerisch-publizistischen Bereich. Neben den monetären Eigenschaften interessiert er sich vor allem für die sozialen und ökologischen Aspekte von Bitcoin und dem Bitcoin-Mining.

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