Umstrittenes Core-Feature wird NICHT abgeschafft!
OP_RETURN und die Rolle von datacarrier
Mit OP_RETURN ist es möglich, zusätzliche Daten in Bitcoin-Transaktionen einzubetten. Dies wird unter anderem für einfache Anwendungsfälle wie Verweise oder Protokollmarkierungen genutzt, aber auch für komplexere Anwendungen, die umstritten sind (z. B. das Einschreiben von NFTs, Bildern oder andere Datenverwendungen auf der Blockchain).
Über die Option datacarrier konnten Node-Betreiber bislang festlegen, ob sie solche Transaktionen weiterleiten. Mit datacarriersize ließ sich zudem bestimmen, wie groß die Daten in Bytes sein dürfen.
In den vergangenen Monaten ist eine sehr hitzige Diskussion darüber entbrannt, ob diese Konfigurationsmöglichkeiten in Bitcoin Core abgeschafft werden sollten. Entwickler hatten die Optionen zunächst als „deprecated“ markiert, was bedeutet, dass sie zwar noch verfügbar, aber offiziell zur Entfernung vorgesehen waren.
Neue Entscheidung: Funktionen bleiben erhalten!
Mit dem nun akzeptierten Pull Request #33453 wurde diese Deprecation wieder zurückgenommen. Konkret bedeutet das:
datacarrierunddatacarriersizebleiben vollständig erhalten.- Node-Betreiber können damit weiterhin individuell entscheiden, ob sie OP_RETURN-Transaktionen weiterleiten.
- Auch die maximale Größe dieser Daten kann nach wie vor manuell angepasst werden.
Der vergangene Woche eröffnete Pull Request von Mike Schmidt, dem Executive Director bei Brink, begründet die Änderung vor allem damit, dass viele Nutzer explizit den Wunsch nach diesen Konfigurationsmöglichkeiten geäußert haben und der ursprüngliche Deprecation-Hinweis unklar gewesen sei. Zudem sei der potenzielle Schaden für Bitcoin Core-Nutzer gering, während das Entfernen dieser Optionen unnötige Spannungen in der Community ausgelöst hätte. Er erklärte bei 𝕏:
Heute habe ich einen Pull Request bei Bitcoin Core eingereicht, um die Abschaffung der Optionen
datacarrierunddatacarriersizerückgängig zu machen.
Mir ist bewusst, dass dies ein sensibles Thema für Bitcoin-Core-Nutzer ist. Deshalb poste ich es auch hier – sowohl, um mehr Sichtbarkeit zu schaffen, als auch um Feedback zu ermöglichen, das im Rahmen des PR vielleicht nicht passend wäre. […]
Darin führe ich aus, dass, 1. Nutzer diese Option ganz klar beibehalten möchten, 2. die ursprüngliche Absicht der Deprecation unklar ist und 3. der potenzielle Schaden für Bitcoin Core-Nutzer nicht groß ist.
Mike Schmidt
Earlier today I opened a PR to Bitcoin Core to remove the deprecation for the `datacarrier` and `datacarriersize` options. I realize this is a sensitive topic for Bitcoin Core users, so I am also posting here for both visibility and as a place for feedback that might not…
— Schmidty (@bitschmidty) September 22, 2025
Kritiker verstummen dennoch nicht
Zwar sehen sehr viele bisherige Kritiker in der Entscheidung ein wichtiges Signal und einen guten Kompromiss, doch aus dem alternativen „Knots“-Lager kommt weiterhin deutliche Kritik.
Vertreter wie z. B. der OCEAN-CTO „GrassFedBitcoin“ monieren, dass die Implementierung im aktuellen Release Candidate von Bitcoin Core v30 faktisch bereits eingeschränkt sei.
Vereinfacht gesagt funktioniert die Einstellung datacarriersize nicht mehr wie zuvor: Während ältere Versionen bei einer bestimmten Einstellung eine klare maximale Datenmenge für eine einzelne OP_RETURN-Ausgabe setzten, wird nun die Gesamtmenge über mehrere OP_RETURNs verteilt betrachtet. Das führt dazu, dass dieselbe Konfiguration in der Praxis ein anderes Verhalten zeigt.
Dennoch ist das „Mergen“ des Pull Requests mehr als nur ein symbolischer Akt, der Core-Nutzern mehr Freiheiten einräumt respektive erhält.
Bedeutung für Bitcoin Core Nutzer
Für Node-Betreiber bedeutet die Rücknahme der Deprecation nämlich vor allem zwei Dinge: Freiheit und Planungssicherheit. Sie können ihre Nodes weiterhin flexibel konfigurieren und müssen nicht befürchten, dass diese Möglichkeit in naher Zukunft verschwindet. Damit bleibt ein Stück Dezentralität und Entscheidungshoheit im Netzwerk erhalten.
Gleichwohl dürfte die Debatte über den sinnvollen Umgang mit OP_RETURN-Daten und deren Auswirkungen auf das Bitcoin-Netzwerk damit nicht beendet sein, insbesondere weil die Diskussionen um die generelle und standardmäßige Aufhebung eines Limits für OP_RETURN weiter anhalten.