Mit DAC8 führte die Europäische Union eine neue Meldepflicht für Krypto-Dienstleister ein. Nutzerdaten und Transaktionsinformationen sollen künftig automatisiert an Steuerbehörden übermittelt werden. Das Unternehmen „Bull Bitcoin“ sieht darin jedoch nicht nur einen Eingriff in die Privatsphäre, sondern auch ein erhebliches Sicherheitsrisiko für Bitcoin-Nutzer. Nun hat das Unternehmen rechtliche Schritte eingeleitet.

Bull Bitcoin startet Klage gegen DAC8

Der kanadische Bitcoin-Dienstleister Bull Bitcoin hat die erste Phase einer Klage gegen die Umsetzung der EU-Richtlinie DAC8 in Frankreich eingeleitet. Die Initiative wurde im Rahmen der „BTC Prague“-Konferenz angekündigt. Ziel des Verfahrens ist es, die französische Umsetzung der Regelung gerichtlich anzufechten und letztlich eine Aufhebung des Systems zu erreichen.

Nach Angaben des Unternehmens soll der Fall als Präzedenzfall dienen und den Weg für weitere juristische Schritte in anderen europäischen Ländern ebnen. Bull Bitcoin argumentiert, dass DAC8 eine anlasslose Massenüberwachung von Millionen Bürgern darstelle und grundlegende Freiheitsrechte verletze.

In einer öffentlichen Mitteilung, die über soziale Medien (insbesondere Telegram) verbreitet wurde, kündigte das Unternehmen an, die Richtlinie „vollständig annullieren“ lassen zu wollen. Gleichzeitig ruft Bull Bitcoin die Bitcoin- und Krypto-Community dazu auf, die Initiative öffentlich zu unterstützen und auf die aus ihrer Sicht problematischen Folgen von DAC8 aufmerksam zu machen.

Was ist DAC8?

Bei DAC8 handelt es sich um die achte Erweiterung der EU-Richtlinie über die Zusammenarbeit der Steuerbehörden („Directive on Administrative Cooperation“). Die Regelung verpflichtet Anbieter von Krypto-Dienstleistungen dazu, umfangreiche Daten ihrer Kunden zu erfassen und an nationale Steuerbehörden zu melden. Diese Informationen werden anschließend zwischen den EU-Mitgliedstaaten automatisch ausgetauscht.

Die Vorschriften gelten seit dem 1. Januar 2026. Die ersten Meldungen der Dienstleister sollen ab 2027 erfolgen. Erfasst werden unter anderem Identitätsdaten, Steuerinformationen sowie Transaktionen von EU-Kunden.

Aus Sicht der Europäischen Union soll DAC8 Steuerhinterziehung und Steuervermeidung im Bereich digitaler Vermögenswerte erschweren. Die Richtlinie orientiert sich dabei am internationalen OECD-Standard CARF (Crypto-Asset Reporting Framework).

Wir haben hier bei Blocktrainer.de bereits mehrfach zu den Änderungen und möglichen Problemen im Zuge von DAC8 berichtet.

Zentrale Datensammlungen als Sicherheitsrisiko

Bull Bitcoin kritisiert insbesondere die zentrale Sammlung sensibler Finanzdaten. Das Unternehmen ist (nachvollziehbarerweise) der Meinung, dass große Datenbanken mit Informationen über Bitcoin-Besitz und Transaktionen ein attraktives Ziel für Hacker, Kriminelle und andere Angreifer darstellen könnten.

Werden solche Daten kompromittiert oder missbraucht, könnten wohlhabende Bitcoin-Besitzer gezielt identifiziert und zum Ziel von Erpressungen, Entführungen oder körperlichen Angriffen werden.

Diese Sorge wird insbesondere durch jüngste Entwicklungen in Frankreich verstärkt respektive bestätigt. Dort häufen sich seit einigen Jahren sogenannte „Wrench Attacks“, Überfälle, Entführungen oder Erpressungen, bei denen Täter versuchen, Opfer zur Herausgabe ihrer Bitcoin oder Zugangsdaten zu zwingen.

Frankreich erlebt Welle von Angriffen auf Bitcoin-Besitzer

Frankreich gilt inzwischen als eines der Länder mit den meisten dokumentierten Angriffen auf Personen aus der Bitcoin- und Krypto-Branche. Zu den bekanntesten Fällen zählt die Entführung von David Balland, Mitgründer des Hardware-Wallet-Herstellers Ledger, Anfang 2025. Medienberichten zufolge wurde Balland während der Geiselnahme schwer misshandelt und ihm sogar ein Finger abgetrennt.

Auch Familienangehörige von Unternehmern und Investoren wurden wiederholt Ziel von Entführungen. Französische Behörden und internationale Medien berichten seit Monaten über eine Serie solcher Verbrechen.

Laut einem Bericht von CoinDesk wurden allein in Frankreich innerhalb weniger Monate dutzende kryptobezogene Entführungen registriert. Die Zahl der dokumentierten Fälle liegt deutlich über dem Niveau anderer Nationen. Aber auch in den USA, Kanada oder anderen europäischen Ländern wie beispielsweise Österreich, gab es bereits entsprechende Fälle.

Bull Bitcoin sieht darin ein Beispiel dafür, welche Folgen die zunehmende Erfassung und Verknüpfung personenbezogener Finanzdaten haben könnte. Zwar gibt es bislang keinen Nachweis, dass DAC8 selbst für solche Straftaten verantwortlich wäre, das Unternehmen warnt jedoch davor, dass jede zusätzliche zentrale Datensammlung das Risiko zukünftiger Datenlecks erhöht.

Zwischen Steuertransparenz und Privatsphäre

Die Auseinandersetzung berührt ja eine grundsätzliche Debatte, die die Bitcoin-Branche bereits seit Jahren begleitet. Politiker beziehungsweise Befürworter von DAC8 argumentieren, dass digitale Vermögenswerte nicht außerhalb bestehender Steuerregeln stehen sollten und ein automatischer Informationsaustausch notwendig sei, um Steuerhinterziehung zu bekämpfen.

Kritiker halten entsprechend dagegen, dass die Richtlinie weit über die Verfolgung konkreter Verdachtsfälle hinausgehe und stattdessen sämtliche Nutzer unter Generalverdacht stelle. Es entsteht schließlich gewissermaßen ein unverhältnismäßiger Eingriff in die finanzielle Privatsphäre europäischer Bürger.

Ob die Klage von Bull Bitcoin Erfolg haben wird, ist derzeit offen und auch konkrete Details sind noch nicht bekannt. Eine Einschätzung der Erfolgschancen ist daher auch schwierig, ehrlicherweise dürften diese auch nicht allzu groß sein.

Für Bitcoin-Nutzer in Europa dürfte die Debatte um DAC8 und Co. damit wohl noch lange nicht beendet sein.

René

Über den Autor: René

René ist Blocktrainer-Mitarbeiter der ersten Stunde. Als „Chief Operation Officer“ ist er mittlerweile hauptsächlich mit strategischen und organisatorischen Aufgaben betraut, findet jedoch Freude daran, zeitweise redaktionell tätig zu sein. In den vielen Jahren, in denen er im Bitcoin-Kosmos unterwegs ist, hat er sich ein breit gefächertes Know-how in sämtlichen Bereichen rund um die bedeutendste Kryptowährung angeeignet.

Kommentare aus unserem Forum