Die Tschechische Zentralbank hat Bitcoin gekauft
Tschechische Zentralbank & Bitcoin
Im Januar dieses Jahres entschied sich die Czech National Bank (CNB) dazu, zu prüfen, ob ein Teil der Währungsreserven in Bitcoin investiert werden sollte. Aleš Michl, Chef der Tschechischen Zentralbank, stieß diesen Prozess an, obwohl sich EZB-Chefin Christine Lagarde wenig später gegen diese Idee aussprach.
Im zweiten Quartal dieses Jahres wagte die Zentralbank einen ersten Schritt in den Krypto-Markt, in dem sie eine damals rund 18 Millionen US-Dollar schwere Position in der Aktie der Krypto-Börse Coinbase, die inzwischen 14.548 BTC auf der Bilanz hält, aufbaute.
Aus der heute veröffentlichten Pressemitteilung geht nun hervor, dass der Bankenrat die direkte Investition in Bitcoin am 30. Oktober dieses Jahres genehmigt hat. Das 1 Million US-Dollar schwere Portfolio aus Bitcoin, Stablecoins und der tokenisierten Bankeinlage werde aber vorerst nicht weiter vergrößert, so die Geldhüter.
Sinn und Zweck dieses Experiments sei, Erfahrungen mit dem Halten digitaler Assets zu sammeln und die erforderlichen Prozesse implementiert zu haben, heißt es in der Pressemitteilung. Außerdem werde Bitcoin in absehbarer Zeit voraussichtlich nicht Teil der internationalen Währungsreserven sein.
Die Analyse zeigt, dass sich digitale Vermögenswerte weiterentwickeln und in die Anlagevermögen von Fonds und Unternehmen integriert werden und dass sie in Zukunft zunehmend Akzeptanz finden könnten. Die CNB will auf diese Veränderungen vorbereitet sein. Gleichzeitig betont sie jedoch, dass sie nicht plant, Bitcoin oder andere digitale Vermögenswerte in naher Zukunft in ihre internationalen Reserven aufzunehmen.
Aus der Pressemitteilung
Die Bitcoin wurden „im Rahmen einer Marktoperation als Teil der regulären Finanzaktivitäten der CNB außerhalb der internationalen Reserven erworben“. Noch ist aber unklar, wie viele Bitcoin die Zentralbank genau hält beziehungsweise welcher Anteil des Testportfolios auf Bitcoin entfällt.
Da das Portfolio jedoch nur 0,0006 Prozent der Vermögenswerte der Zentralbank ausmacht, werden die Kursschwankungen von Bitcoin keinen Einfluss auf die finanzielle Lage der CNB haben, heißt es weiter. Die Zentralbank betont zugleich, dass Bitcoin hochvolatil ist und Anleger nur investieren sollten, wenn sie sich der erheblichen Risiken bewusst sind. In zwei bis drei Jahren möchten die Geldhüter Bilanz ziehen.
In einem begleitenden Blogbeitrag der CNB heißt es zudem, dass es möglich wäre, Bitcoin über ETFs in die Währungsreserven aufzunehmen.
Unsere Analyse zeigt, dass die CNB Bitcoin in Form von ETFs (Exchange Traded Funds) in ihre internationalen Reserven aufnehmen könnte.
Aus dem Blogbeitrag
Die Analyse kommt überdies zu dem Ergebnis, dass eine Beimischung von circa 2,5 Prozent in Bitcoin-ETFs über den Zeitraum von 2020 bis 2025 ein besseres Risiko-Rendite-Profil ergeben hätte als eine Erhöhung des Aktienanteils. Ob die Zentralbank eines Tages diesen Schritt gehen wird, muss die Zukunft zeigen.
Erste Zentralbank mit Bitcoin-Kauf
Obwohl schon einige Länder eine Bitcoin-Reserve aufgebaut haben, ist die CNB die erste Zentralbank der Welt, die Bitcoin gekauft hat – zumindest laut öffentlichen Informationen.
Das mittelamerikanische Land El Salvador, das bereits seit 2021 in Bitcoin investiert, tat dies nicht über die eigene Zentralbank. Währenddessen haben die Vereinigten Arabischen Emirate und das Königreich Bhutan ihre Reserve durch staatliche Mining-Aktivitäten aufgebaut.
Tschechien ist aber nicht das erste Land Europas mit einer Bitcoin-Investition. Vor wenigen Wochen gab der EU-Mitgliedstaat Luxemburg nämlich bekannt, 1 Prozent des Staatsfonds in Bitcoin-ETFs zu halten.
Tschechien ist Teil der EU, aber – anders als Luxemburg – nicht in der Währungsunion. Mit der Tschechischen Krone setzt das Land auf eine eigene Währung. Die größere Unabhängigkeit von der Bitcoin-kritischen EZB dürfte dazu beigetragen haben, dass die Geldhüter diesen noch unkonventionellen Schritt gewagt haben.
In anderen Nationen werden ebenfalls Anstrengungen unternommen, Bitcoin-Reserven aufzubauen. Erst gestern gab es die Meldung, dass der Premierminister Taiwans und die Zentralbank des Landes zugesagt haben, ein Pilotprojekt zur Bitcoin-Reserve zu starten. Dafür sollen vorerst aber lediglich konfiszierte BTC zum Einsatz kommen.
Vergangene Woche teilte zudem der Chef der Zentralbank Kasachstans mit, dass das Land jetzt einen Krypto-Reserve-Fonds errichten wird. Für diesen sollen ebenfalls konfiszierte Krypto-Assets mobilisiert, aber auch ETFs oder Aktien von Unternehmen mit Krypto-Bezug gekauft werden.